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Jakob Gschiel

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Straßenschild mit Kurzbiografie von Jakob Gschiel in der Jakob-Gschiel-Gasse (2013)

Jakob Gschiel (* 6. Juli 1821 in Obersalberg bei Pöllauberg; † 15. Jänner 1908 in Graz) war ein österreichischer Bildschnitzer und Bildhauer. Bereits zu Lebzeiten wurde er als Altmeister der steirischen Bildhauer bezeichnet.<ref>‚Die nordöstliche Steiermark‘.. In: Grazer Volksblatt, 27. August 1889, S. 6 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref><ref>Pöllaus Panorama.. In: Grazer Volksblatt, 17. Mai 1902, S. 1–2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref>

Leben und Wirken

Herkunft und frühe Jahre

Jakob Gschiel wurde am 6. Juli 1821<ref>In zeitgenössischen Zeitungsberichten wird häufig fälschlicherweise der 8. Juli 1821 als Geburtstag angeführt.</ref> als Sohn des Bauernehepaares Johann (* 2. November 1796;<ref>Taufbuch Pöllauberg, tom. IV, fol. 62 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026</ref><ref name="Trauungsbuch, Eltern">Trauungsbuch Pöllauberg, tom. III, fol. 72 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026</ref> † 4. September 1840)<ref>Sterbebuch Pöllauberg, tom. IV, fol. 43 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026 (Anmerkung: Als Sterbealter wurde fälschlicherweise 40 Jahre angegeben, obwohl er zum Zeitpunkt seines Todes bereits im 44. Lebensjahr stand.)</ref> und Gertraud Gschiel (* um 1782<ref name="Trauungsbuch, Eltern"/>/1786; † 5. Mai 1835)<ref>Sterbebuch Pöllauberg, tom. IV, fol. 12 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026</ref> in Obersalberg bei Pöllauberg (heute Unterneuburg bei Pöllauberg) geboren.<ref name="Taufbuch, Jakob">Taufbuch Pöllauberg, tom. V, fol. 131 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026</ref> Die genaue Geburtsadresse lautete zu dieser Zeit Salberg 47.<ref name="Taufbuch, Jakob"/> Der Vater war ein Berghold,<ref name="Taufbuch, Jakob"/> ein der Grundherrschaft zinspflichtiger Weinhauer.<ref>Heimatforschung Region Kirchberg am Wagram – Berufe und Stände, abgerufen am 11. Jänner 2026</ref> Seine Eltern hatten am 15. September 1817 in Pöllauberg geheiratet.<ref name="Trauungsbuch, Eltern"/><ref name="Taufbuch, Jakob"/> Sein Vater war der eheliche Sohn des Keuschlers Franz Gschiel aus Winsberg (wohl Winzenberg bei Pöllauberg) und der Anna Gmeinerin.<ref name="Trauungsbuch, Eltern"/> Seine Mutter war die Witwe des Peter Felberbauer, der ebenfalls ein lokaler Keuschler bzw. Bergler war.<ref name="Trauungsbuch, Eltern"/><ref>Sterbebuch Pöllauberg, tom. III, fol. 182 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026</ref> Nur wenige Monate nach dem Tod der Mutter im Jahr 1835 heiratete der Vater ein weiteres Mal; aus der Ehe mit Magdalena Pichler (* 1808)<ref>Trauungsbuch Pöllauberg, tom. IV, fol. 6 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026</ref> stammen zwei Halbschwestern: Maria (* 1836)<ref>Taufbuch Pöllauberg, tom. VI, fol. 62 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026</ref> und Franziska (*/† 1838).<ref>Taufbuch Pöllauberg, tom. VI, fol. 70 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026</ref> Nur fünf Jahre nach der Mutter verlor Jakob Gschiel, der in seiner Heimatpfarre die Dorfschule besucht hatte,<ref name="GPT, 13.04.1913">Die Selbstbiographie eines steirischen Bildners.. In: (Grazer) Tagespost, 13. April 1913, S. 53 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref> auch seinen Vater.

Ausbildung und beruflicher Aufstieg

Bis zu seinem 20. Lebensjahr lebte er in seiner Heimatgemeinde und war in der Landwirtschaft tätig.<ref name="GPT, 16.01.1908">* Der Senior der steirischen Bildhauer †.. In: (Grazer) Tagespost, 16. Jänner 1908, S. 24 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref> Unter Pfarrer Mayer diente er auch einige Jahre an der hiesigen Kirche<ref name="GRE, 04.10.1902">Eigenberichte.. In: Grazer Volksblatt, 4. Oktober 1902, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> und wirkte über mehrere Jahre hinweg als Mesner.<ref name="GPT, 13.04.1913"/> Seine künstlerische Begabung zeigte sich unter anderem in von ihm geschnitzten Christus- und Heiligendarstellungen, die er an die Pfarren Pöllauberg und Vorau auslieferte.<ref name="GPT, 13.04.1913"/> Sie wurde früh erkannt und unter anderem durch den Pfarrer gefördert,<ref name="GRE, 04.10.1902"/> sodass er ab 1843<ref name="GRE, 04.10.1902"/> bei Simon Glöhsl (auch Glösl oder Glößl; 1807–1863) in Pischelsdorf und ab 1847<ref>Tagesbericht. In: Grazer Volksblatt, 26. Februar 1928, S. 5 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> bei Michael Rosenberger (1816–1875) in Graz eine Lehre als Bildhauer beziehungsweise Bildschnitzer absolvieren konnte. Nach dreijähriger Lehrzeit folgten fünf Jahre als Gehilfe in Graz, wo er bei verschiedenen Meistern angestellt war.<ref name="GPT, 13.04.1913"/> Aufgrund eines aufsehenerregenden, von ihm aus Birnholz gestalteten Kruzifixes wurde es ihm ermöglicht, nach seiner Tätigkeit als Gehilfe in den Jahren 1852/53 bis 1855 die Akademie der vereinigten bildenden Künste Wien zu besuchen.<ref name="GPT, 13.04.1913"/> Einzelne Quellen geben hingegen an, dass er sein Studium bereits 1852 beendet habe und ab 1854 wieder in Graz tätig gewesen sei.<ref name="GPT, 13.04.1913"/> Nach abgeschlossenem Studium kehrte er nach Graz zurück, wo er als führender Vertreter der Neogotik wirkte und 1860 urkundlich eingebürgert wurde. Im Jahr 1866 wurde Gschiel in der „Sektion für Kunst und ihre Beziehung zu den Gewerben“<ref>Grazer- und Provinzial-Nachrichten.. In: (Grazer) Tagespost, 9. Jänner 1866, S. 4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref><ref>Graz, 9. Jänner.. In: Grätzer Zeitung. Der Aufmerksame. Steyermärkische Intelligenzblätter. Steyermärkisches Intelligenzblatt. Steyermärkisches Amtsblatt / Stiria, ein Blatt des Nützlichen und Schönen / Gratzer Zeitung. Steiermärkisches Amtsblatt, 9. Jänner 1866, S. 9 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gra</ref> in den Verwaltungsrat des Steiermärkischen Gewerbevereins gewählt<ref>Grazer- und Provinzial-Nachrichten.. In: (Grazer) Tagespost, 19. Oktober 1866, S. 12 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref> und war ab dem Jahr 1870 Mitglied des Christlichen Kunstvereins der Diözese Seckau, bei dem er auch regelmäßig an Ausstellungen teilnahm.<ref>Grazer Notizen.. In: Grazer Volksblatt, 5. Februar 1874, S. 4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> Des Weiteren befand er sich zu jener Zeit auch im Ausschuss des Steiermärkischen Kunstvereins.<ref>Grazer- und Provinzial-Nachrichten.. In: (Grazer) Tagespost, 4. Mai 1868, S. 7 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref><ref>Grazer- und Provinzial-Nachrichten.. In: (Grazer) Tagespost, 29. Juni 1871, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref>

Bei der Jahresausstellung des Steiermärkischen Kunstindustrievereins 1868 wurde Gschiel für ein Kruzifix aus Buchsholz mit dem vierten Preis, einer silbernen Medaille, ausgezeichnet.<ref>Grazer- und Provinzial-Nachrichten.. In: (Grazer) Tagespost, 12. Mai 1868, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref><ref>Vom Kunstindustrie-Vereine.. In: Grazer Volksblatt, 12. Mai 1868, S. 4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref><ref>Vereinsblatt.. In: Der Steirer Seppel / Steirer Seppel. Humoristisches Volksblatt / Steirer Seppel. Illustrirtes humoristisches Volksblatt, 31. Mai 1868, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/sts</ref> Ein Jahr zuvor hatte er bereits mit einem für eine Kirche geschaffenen Werk „hl. Josef mit dem Jesuskinde“ an einer Jahresausstellung des Vereins teilgenommen.<ref>Die Ausstellung des Kunstindustrie-Vereines.. In: (Grazer) Tagespost, 13. April 1867, S. 1–3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref> Bei der Grazer landwirtschaftlichen und Industrieausstellung 1870 erhielt er für sein für das Grabmal des früheren Fürstbischofs von Seckau Ottokar Maria von Attems gestaltete Marmorkruzifix eine Bronzemedaille verliehen.<ref>Verzeichniß der auf der Grazer Ausstellung mit Medaillen und ehrenvollen Anerkennungen ausgezeichneten Aussteller.. In: (Grazer) Tagespost, 8. Oktober 1870, S. 10 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref> Im Jahr 1873 beteiligte sich Gschiel als einer von vielen Kunstschaffenden an einer öffentlichen Erklärung und Adresse an Papst Pius IX.<ref>Die bildenden Künste.. In: Grazer Volksblatt, 4. April 1873, S. 5 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> Bei der Landesausstellung 1890 in Graz wurde er für seinen Beitrag – eine polychromierte Kreuzwegstation aus Holz mit eisernem Rahmen –<ref name="GRE, 03.09.1890">Von der Landes-Ausstellung. XVII.. In: Grazer Volksblatt, 3. September 1890, S. 5 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> mit der Ausstellungsmedaille ausgezeichnet.<ref>Landes-Ausstellung Graz 1890.. In: Grazer Volksblatt, 1. November 1890, S. 8 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> Bis Juni 1902 war Gschiel unter anderem als Sachverständiger für Bildhauerarbeiten tätig, ehe er auf eigenes Ansuchen aus dem Register der Sachverständigen gelöscht wurde.<ref>Grazer Handels- und Gewerbekammer.. In: Grazer Volksblatt, 14. Juni 1902, S. 5 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref>

Werkstatt, Schüler und berufliche Tätigkeit

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Motiv: Foto von Gschiels Wohn- und Arbeitshaus in der Jakob-Lorber-Gasse 1/Ägydigasse 5 sowie ein Foto der Gedenktafel am Haus

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BW

Die Wohn- und Werkstätte Gschiels, die auch in seinem Besitz war, befand sich in der Ägydigasse Nr. 1116,<ref>Grazer Neuigkeiten.. In: Grazer Volksblatt, 21. Oktober 1868, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> später Jakob-Lorber-Gasse 1 – auch Lorbergasse oder Lorbeergasse genannt –,<ref>Jakob-Lorber-Gasse 1/Ägydigasse 5 auf baugeschichte.at, abgerufen am 11. Jänner 2026</ref> einem kleinen Straßenzug zwischen der Ägydigasse und dem Griesplatz in unmittelbarer Nähe zur Welschen Kirche. In der im Erdgeschoß eingerichteten Werkstatt beschäftigte er bereits im Jahr 1866 einen Bildhauergehilfen und einen Lehrling. Zu Hochzeiten waren zeitweise mehr als sechs Gehilfen und Schüler bei ihm beschäftigt.<ref name="Krumpöck">Ilse Krumpöck: Die Bildwerke im Heeresgeschichtlichen Museum, Wien 2004, S. 15.</ref><ref>Kunstgeschichtlicher Rückblick auf Salzburgs Malerei, Bildhauerei und Architektur von 1816 bis 1916.. In: Salzburger Chronik für Stadt und Land / Salzburger Chronik / Salzburger Chronik. Tagblatt mit der illustrierten Beilage „Die Woche im Bild“ / Die Woche im Bild. Illustrierte Unterhaltungs-Beilage der „Salzburger Chronik“ / Salzburger Chronik. Tagblatt mit der illustrierten Beilage „Oesterreichische/Österreichische Woche“ / Österreichische Woche / Salzburger Zeitung. Tagblatt mit der illustrierten Beilage „Österreichische Woche“ / Salzburger Zeitung, 1. Mai 1916, S. 15ff. (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/sch</ref> Zu seinen Schülern zählte auch Hans Brandstetter (1854–1925), der von 1870 bis 1878/79 bei ihm als Lehrling und Gehilfe wirkte<ref name="GPT, 13.04.1913"/> und der sich später vor allem der Grab- und Denkmalplastik widmete. Weitere Schüler waren Peter Neuböck (1855–1928), der unter anderem die Domherrengruft auf dem Grazer Zentralfriedhof, die figuralen Ausschmückungen des Stiftes St. Lambrecht, der Herz-Jesu-Kirche und der Josefskirche in Graz sowie die Ausstattung des Blasiusmünsters in Admont übernahm, sowie Wilhelm Gösser (1881–1966), der wie sein Vater Hans Brandstetter als Bildhauer große Anerkennung fand. Weitere namhafte Schüler waren etwa Alois Feichtinger (1880–1952), Alois Gebauer (1847–1889), Adolph Budik, Josef Garreis (1854–1927), Eduard Kubovsky (1866–1958) und Josef Unterholzer.<ref name="GPT, 16.01.1908"/> Auch andere bekannte steirische Bildhauer wie Anton Aicher (1859–1930) oder Michael „Michl“ Raballer (1870–1942) gingen bei ihm in die Lehre.<ref name="Krumpöck"/><ref>Aus den Alpenländern.. In: Grazer Volksblatt, 10. April 1910, S. 10 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref>

Nachdem er in der Lorbergasse von 1856 bis 1902 das Bildhauergewerbe betrieben hatte, trat Gschiel im Alter von 81 Jahren in den Ruhestand.<ref name="GRE, 04.10.1902"/> Zuvor hatte er nach Abschluss seines Studiums kurzzeitig an der Adresse Grazbach Nr. 292 gelebt.<ref>Inserat „Nußbaum-Pfosten zu verkaufen“.. In: Fremden-Blatt der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien / Fremden-Blatt und Tags-Neuigkeiten der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien / Fremden-Blatt / Fremden-Blatt mit Vedette / Fremden-Blatt mit militärischer Beilage Die Vedette, 15. September 1855, S. 12 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/fdb</ref><ref name="Taufbucheintrag, Hans">Taufbuch Graz-Münzgraben, tom. VIII, fol. 100 (Faksimile), abgerufen am 15. Jänner 2026</ref> Um diese Zeit herum soll er auch seine erste Werkstatt in der Grazbachgasse 12, die später in Hausnummer 59 umbenannt wurde, geführt haben.<ref name="GPT, 19.01.1908">Altmeister Jakob Gschiel †.. In: (Grazer) Tagespost, 19. Jänner 1908, S. 2–3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref> Nach seinem Tod wurden seine Geschäfte von seinem Sohn Hans übernommen, der den Betrieb unter dem Namen „Atelier für kirchliche Kunstarbeiten Hans Gschiel“ noch einige Zeit weiterführte.<ref name="GRE, 04.10.1902"/><ref>Anempfehlung.. In: Grazer Volksblatt, 12. Februar 1908, S. 12 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref>

Künstlerisches Werk

Gschiel erhielt zahlreiche und namhafte Aufträge, was seine Kritiker jedoch zu einer Abwertung seiner Arbeiten veranlasste. Neben der Massenproduktion trugen auch die vielen Werkstattrepliken nach Vorlagenkatalogen dazu bei, dass Gschiels Werk von Kritikern vergleichsweise gering bewertet wurde. Die mehr als 1000 – manche Quellen sprechen sogar von mehreren Tausend – von ihm geschaffenen Werke sind fast durchwegs religiöser Natur und finden sich daher in zahlreichen steirischen Kirchen sowie teilweise auch in anderen Bundesländern und einstigen Kronländern wie Kärnten, Oberösterreich, Krain, Mähren, Ungarn oder Kroatien.<ref name="GPT, 13.04.1913"/> Für eine Trappisten-Mission in Afrika schuf Gschiel um das Jahr 1896 Statuen des Herz Jesu und der Maria Trost.<ref name="GPT, 13.04.1913"/><ref>Grazer Notizen.. In: Grazer Volksblatt, 4. November 1896, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> Trotz seiner umfangreichen Tätigkeit gelangte Gschiel zeitlebens nie zu Wohlstand. Teilweise fertigte er Statuen auch unentgeltlich an.<ref name="GRE, 04.10.1902"/><ref>LXX. Ausweis über die großmüthigen Geschenke und Beiträge für den Herz-Jesu-Kirchenbau-Verein von Graz.. In: Grazer Volksblatt, 19. Dezember 1876, S. 4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref><ref>Herz-Jesu-Kirchenbau. 239. Ausweis über die (im Monat Mai 1890) hier eingelangten Gaben.. In: Grazer Volksblatt, 20. Juni 1890, S. 7 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> Sämtliche seiner Holzbildwerke entstanden, indem sie in waagrechter Lage in einer Dockenbank eingekeilt wurden.<ref name="GPT, 11.06.1904">Vom Altmeister der steirischen Bildhauer.. In: (Grazer) Tagespost, 11. Juni 1904, S. 1–2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref> Besonders hervorzuheben sind Gschiels Kruzifixdarstellungen, von denen heute insgesamt 48 auf Friedhöfen und an Kalvarienberg-Stationen nachweisbar sind und die Brandstetter in einer Festschrift als anatomisch korrekt sowie in der Darstellung des leidvollen Gesichtsausdrucks Jesus überzeugend beschrieb.<ref name="GPT, 11.06.1904"/>

Ebenso zu hervorzuheben sind seine Darstellungen des Josef von Nazaret, des Bräutigams und späteren Ehemanns Marias, von denen 18 erhalten und nachweisbar sind. Die Erhebung Josefs zum Schutzpatron der Kirche durch Papst Pius IX. im Jahr 1870 trug wesentlich zum Josefs-Kult bei und führte zu zahlreichen entsprechenden Aufträgen für Gschiel. Einen weiteren Schwerpunkt seines Schaffens bildeten Apostel- und Marienskulpturen – darunter Darstellungen als Maria Immaculata, Mater Dolorosa, Himmelskönigin und Pietà – sowie Statuetten mit Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Motiven. Für seine jahrelangen Arbeiten an der Grazer Herz-Jesu-Kirche unternahm Gschiel auch Studienreisen; eine solche führte ihn 1891 unter anderem nach Prag, Linz, Salzburg, München, Köln, Innsbruck und anderen Städten.<ref name="GRE, 30.09.1891">Grazer Notizen.. In: Grazer Volksblatt, 30. September 1891, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> In Prag studierte er unter anderem den von Wilhelm Achtermann geschaffenen Altar im Veitsdom.<ref name="GRE, 30.09.1891"/> Laut einer Festschrift Brandstetters anlässlich des 83. Geburtstages Gschiels soll es in der Steiermark nur wenige Ortschaften geben, in denen sich nicht in einer Kirche, einer Kapelle oder an einem Weg- oder Friedhofskreuz ein Bildwerk Gschiels findet.<ref name="GPT, 11.06.1904"/> Laut Brandstetter sollen auf drei Grazer Friedhöfen – ohne nähere Angabe der Standorte – Friedhofskreuze mit Figuren Gschiels stehen.<ref name="GPT, 11.06.1904"/>

Persönlichkeit

Brandstetter, der rund acht Jahre an der Seite Gschiels wirkte, beschrieb diesen in seiner Festschrift von 1904 als „von kleiner, gedrungener Gestalt“ und verglich Gschiels Gesicht mit jenem des Anton Pilgram am Orgelfuß des Stephansdoms.<ref name="GPT, 11.06.1904"/> Des Weiteren erwähnte er Gschiels „zurückhaltendes Wesen“ und dessen „große Schüchternheit“.<ref name="GPT, 11.06.1904"/> In einem Nachruf beschrieb ihn Brandstetter wie folgt: „Gschiel war von kleiner Statur, hatte ein schmales rosig gefärbtes Gesicht, kleine, scharfblickende Augen, eine an der Wurzel tiefliegende und nach vorn leicht aufgehobene Nase, einen etwas vorgeschobenen Unterkiefer, trug keinen Bart, dafür langes, von einer Seite zur anderen in der halben Halshöhe horizontal abgeschnittenes Haar.“<ref name="GPT, 19.01.1908"/> In seiner Werkstatt war er laut Brandstetter oftmals mit weißer Schürze und tief ins Gesicht gezogener gelber Kappe anzutreffen.<ref name="GPT, 19.01.1908"/> Obwohl ihn Schicksalsschläge und familiäre Belastungen zeitweise schwer trafen, fand Gschiel stets Trost und Halt in seiner Arbeit.<ref name="GPT, 19.01.1908"/><ref name="GPT, 11.06.1904"/>

Familie

Ab dem 20. November 1854 war Jakob Gschiel mit Magdalena (geborene Mayer, auch Meyer oder Maier; 1829–1902), der Tochter eines Nagelschmieds aus Schlaggenwald in Böhmen, verheiratet.<ref>Trauungsbuch Graz-Münzgraben, tom. V, fol. 65 (Faksimile), abgerufen am 15. Jänner 2026</ref> Aus der Ehe gingen vier Töchter sowie zwei Söhne, darunter Johann, genannt Hans (1855–1934),<ref name="Taufbucheintrag, Hans"/><ref>Trauungsbuch Graz-St. Andrä, tom. IX, fol. 110 (Faksimile), abgerufen am 15. Jänner 2026</ref><ref>Sterbebuch Graz-KH Barmherzige Brüder, tom. VIII, fol. 301 (Faksimile), abgerufen am 15. Jänner 2026</ref> hervor; dieser ging bis zur Gründung eines eigenen Betriebs ebenso bei ihm in die Lehre. Im Alter von 51 Jahren wurde Gschiel nochmals Vater eines Sohnes, Alfred (1872–1946), der später im Postdienst tätig war.<ref>Trauungsbuch Graz-Graben, tom. VI, fol. 31 (Faksimile), abgerufen am 16. Jänner 2026</ref><ref>Tagesneuigkeiten. In: Grazer Volksblatt, 7. September 1925, S. 4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> Seine Ehefrau war auch unternehmerisch tätig und hatte zusammen mit einem befreundeten Vergolder das Gut Fischerhof in Rettenbach bei Mariatrost gemietet, wo unter anderem Landesprodukten für den Gschielschen Haushalt produziert wurden.<ref>An der Landstraße von Graz nach Mariatrost.. In: (Grazer) Tagespost, 24. Dezember 1922, S. 17–18 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref> Seine Ehefrau starb am 31. Oktober 1902 im Alter von 73 Jahren im Städtischen Krankenhaus in Graz an einem „eingeklemmten Bruch“.<ref>Sterbebuch Graz-Unbefleckte Empfängnis, tom. VII, fol. 680 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026</ref>

Tod und Nachwirkung

Gschiel selbst starb am 15. Jänner 1908 im Alter von 86 Jahren in seinem Haus in der Lorbergasse nach längerem Leiden<ref name="GRE, 17.01.1908, Traueranzeige">Traueranzeige von Jakob Gschiel. In: Grazer Volksblatt, 17. Jänner 1908, S. 9 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> an Altersschwäche.<ref name="Sterbebuch">Sterbebuch Graz-St. Andrä, tom. IX, fol. 238 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026</ref> Drei Tage später fand nach einem Leichenbegängnis vom Sterbehaus<ref>Der Altmeister der steirischen Bildhauer Jakob Gschiel †.. In: Grazer Volksblatt, 16. Jänner 1908, S. 14 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> seine Beerdigung am Steinfeldfriedhof in Graz statt.<ref name="Sterbebuch"/> Die Einsegnung des Leichnams nahm Kaplan Anton Thir vor.<ref name="Sterbebuch"/> Die Seelenmesse wurde am 20. Jänner 1908 in der Pfarrkirche St. Andrä gelesen.<ref name="GRE, 17.01.1908, Traueranzeige"/>

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Motiv: Foto vom Grab Gschiels am Steinfeldfriedhof

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BW

Nach seinem Tod wurde in den Räumlichkeiten in der Lorbergasse das Jakob-Gschiel-Museum etabliert, welches heute nicht mehr existiert. Gegen Ende des Jahres 1909 wurde zu seinen Ehren das Jakob-Gschiel-Denkmalkomitee eingerichtet,<ref>XCIX. Jahresbericht des Steiermärkischen Landesmuseums Joanneum über das Jahr 1910. (PDF), abgerufen am 11. Jänner 2026</ref><ref name="GRE, 23.05.1910"/> das sich bemühte, durch die Sammlung von Spenden ein angemessenes Grabmal für Gschiel zu errichten.<ref>Ein Denkmal für Jakob Gschiel.. In: Grazer Volksblatt, 24. April 1910, S. 5 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref><ref>Für das „Jakob Gschiel Grabdenkmal“ liefen bisher an Spenden ein:. In: Grazer Volksblatt, 12. Juni 1910, S. 13 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> Bereits im Jahr 1910 hatte sein Schüler Hans Brandstetter zwei Entwürfe eingereicht.<ref name="GRE, 23.05.1910">Zwei Grabdenkmalentwürfe. In: Grazer Volksblatt, 23. Mai 1910, S. 1–2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> Die Spendengelder gingen jedoch nur in einem geringen Ausmaß ein.<ref name="GPT, 13.04.1913"/> Sechs Jahre nach seinem Tod wurden unter Zutun des Jakob-Gschiel-Denkmalkomitees zwei Werke Gschiels bei der 114. Ausstellung des Steiermärkischen Kunstvereines Graz ausgestellt.<ref>114. Ausstellung des Steierm. Kunstvereines Graz, 1914.. In: Grazer Volksblatt, 4. April 1914, S. 13–14 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> Über sechs Jahre nach seinem Ableben wurde im Oktober 1914 ein von Brandstetter entworfener und vom Steinmetzmeister Franz Eisner gefertigter Grabstein auf Gschiels Grab aufgestellt.<ref name="GRE, 24.10.1914">Das neue Grabdenkmal für den steirischen Bildhauer Jakob Gschiel (1821–1908).. In: Grazer Volksblatt, 24. Oktober 1914, S. 5 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gre</ref> Das Denkmal besteht aus Kunststein mit einem Hochrelief aus weißem Marmor, das Gschiel beim Meißeln an einem Kruzifix darstellt.<ref name="GRE, 24.10.1914"/> Eine Fotografie des Grabdenkmals wurde in der Folge vom Denkmalkomitee dem Kulturhistorischen und Kunstgewerbe-Museum in Graz (heute die Kunsthistorische Sammlung des Universalmuseums Joanneum) als Geschenk übergeben.<ref>Grazer und Tagesnachrichten.. In: (Grazer) Tagespost, 2. Februar 1915, S. 4–5 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref> Das Grab wird noch heute (Stand: 2026) von der Stadt Graz als Ehrengrab geführt.

Im Jahr 1976 wurde im Grazer Bezirk Wetzelsdorf eine Gasse nach Gschiel benannt, die Jakob-Gschiel-Gasse.<ref>Karl A. Kubinzky, Astrid M. Wentner: Grazer Straßennamen. Herkunft und Bedeutung. Leykam, Graz 1996, ISBN 3-7011-7336-2, S. 188.</ref> Bereits 55 Jahre zuvor sagte sein Schüler Hans Brandstetter die Benennung einer Jakob-Gschiel-Gasse voraus.<ref>Künstler-Erinnerungen aus halbvergangener Zeit.. In: (Grazer) Tagespost, 8. März 1921, S. 1 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gpt</ref>

Werke (Auswahl)

Datei:Sandsteinfigur Hl. Antonius v. Padua (Jakob Gschiel, 1880, im St. Johannes-Schiff).jpg
Sandsteinfigur des hl. Antonius von Padua aus dem Jahr 1880 von Jakob Gschiel im St.-Johannes-Schiff der Grazer Stadtpfarrkirche.
Datei:Pfk Hitzendorf Pieta.jpg
Die von Jakob Gschiel 1866 geschaffene Pietà in der Pfarrkirche Hitzendorf.

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Literatur

Weblinks

Commons: Jakob Gschiel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten & Einzelnachweise

<references/>

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