Michael Halhuber-Ahlmann
Michael Halhuber-Ahlmann (* 12. November 1947 in Innsbruck) ist ein österreichischer Psychologe und Pädagoge, der seit 1989 in Berlin lebt und arbeitet. Er war 1. Vorsitzender der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie, des größten Fachverbandes für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung nach Carl Rogers.
Leben
Michael Halhuber-Ahlmann verbrachte seine Schulzeit in Seefeld in Tirol, Ballston Lake (Saratoga County, USA), Rendsburg (Schleswig-Holstein) und Innsbruck. 1967 legte er die Matura am Akademischen Gymnasium Innsbruck ab. Anschließend verbrachte er ein soziales Jahr in Chitsungo, Simbabwe (damals Rhodesien)<ref>Andrea Sommerauer: Gewagte Mission – Der Missionshilfeeinsatz von Jugendlichen aus der Marianischen Kongregation (MK) Innsbruck in Rhodesien 1964–1976. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2019, ISBN 978-3-7030-1059-0 (S. 167, 169 und 172).</ref> und begann nach Ablauf dieses Jahres ein Studium der Wirtschaftspädagogik, Medizin und Psychologie an der Universität Wien und der Universität Innsbruck. Angefangen in dieser Zeit, war er 17 Jahre als Spieler in der österreichischen Basketball-Bundesliga aktiv und später geprüfter Trainer und Schiedsrichterreferent im Basketball-Landesverband Tirol.<ref>Winfried W. Linde: Aufklärung ist besser als die Ausgliederung. In: Kurier. 5. Dezember 1987.</ref> 1974 schloss er eine Ausbildung zum Bewährungshelfer in Wien ab und arbeitete in den folgenden Jahren in diesem Beruf in Tirol. In dieser Zeit baute er mit anderen das Bewährungshilfeheim DOWAS (Durchgangsort für wohnungs- und arbeitssuchende Jugendliche) auf und leitete es.<ref>Andrea Sommerauer, Hannes Schlosser: Gründerzeiten – Soziale Angebote für Jugendliche in Innsbruck 1970–1990. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2020, ISBN 978-3-7030-6536-1, S. 169.</ref> 1981 schloss er seine Grundausbildung in klientenzentrierter Psychotherapie (ÖGWG) ab.
1983 gründete und leitete Halhuber-Ahlmann die Homosexuelle Initiative Tirol e. V., sowie das „Rosa Telephon“, einen dortigen telefonischen psychologischen Beratungsdienst für Homosexuelle.<ref>Alois Unterkircher: Innsbruck is burning! 20 Jahre HOSI-Tirol. In: Pride. Nr. 82, Oktober 2004, S. 44–47.</ref> 1986 promovierte er zum Doktor der Philosophie an der Universität Innsbruck (Hauptfach: Psychologie, Nebenfach: Pädagogik). Von 1986 bis 1989 übernahm er die Leitung der Landesstelle Tirol der Österreichischen AIDS-Hilfe. 1987 bekam er für sein Engagement den Eduard-Wallnöfer-Preis der Tiroler Industrie „für das vorbildliche und uneigennützige Engagement für Kranke und hilfsbedürftige Mitmenschen in außergewöhnlichen sozialen Verhältnissen“.<ref>aha: Mutige Jury prämierte „mutigste Initiative“ – Der „Eduard-Wallnöfer-Preis 87“ wurde in Innsbruck an „Außenseiter“ vergeben. In: Salzburger Nachrichten. 28. Dezember 1987.</ref> Der Schriftsteller und Kolumnist Alois Schöpf nannte die Verleihung in seiner Glosse für Ö-Regional eine „Positivsensation ersten Ranges“ und bemerkte: „Zum ersten Mal in unserem Land wurde ein Homosexueller als solcher anerkannt und mit einem Preis ausgezeichnet.“<ref>Alois Schöpf: Wochennotiz für den 8.1.1988. In: Kultur-Journal. Ö-Regional, 8. Januar 1988.</ref>
Am 6. November 1989 übersiedelte Halhuber-Ahlmann nach Berlin. Dort arbeitete er zunächst von 1990 bis 1998 als Drogenberater, später als Psychotherapeut und Supervisor bei der Jugend- und Drogenberatung BOA e. V. (heute VISTA e. V.) im Berliner Bezirk Tiergarten. 1991 erlangte er die Anerkennung als Psychotherapeut nach dem HeilprG. Von 1995 bis 2000 war er Referent für die Personalauswahl von Entwicklungshelfern auf Honorarbasis beim Deutschen Entwicklungsdienst (DED). Gleichzeitig schloss er 1996 seine Ausbildung als klientenzentrierter Psychotherapeut bei der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GwG) ab und arbeitete von da an niedergelassen als selbständiger Psychotherapeut in eigener Praxis in Berlin. 1999 erlangte Halhuber-Ahlmann die Approbation als Psychologischer Psychotherapeut in Berlin. In den Jahren 2000 und 2001 war er als Mitglied des Errichtungsausschusses an der Gründung der Psychotherapeutenkammer Berlin beteiligt.<ref>Nicole Sagener: „Wir wollten eigenständig sein“ – Mitglieder des Errichtungsausschusses über den Weg zur Psychotherapeutenkammer Berlin. In: Psychotherapeutenkammer Berlin (Hrsg.): Festschrift 25-jähriges Kammerjubiläum. 2026, S. 32–35.</ref> Von 2001 bis 2010 arbeitete er als externer Psychotherapeut im Strafvollzug (JVA Brandenburg)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Homepage von Michael Halhuber-Ahlmann ( vom 11. Mai 2021 im Internet Archive)</ref>.
Halhuber-Ahlmann hatte Lehraufträge am Klinikum Charité der Humboldt-Universität Berlin, an der Universität Innsbruck und der Hochschule Magdeburg-Stendal inne.
Familie
Michael Halhuber-Ahlmann ist der Sohn des österreichischen Kardiologen Max-Joseph Halhuber und der deutschen Ärztin Marlene Halhuber-Ahlmann. Sein Urgroßvater mütterlicherseits war der dänische Stahlfabrikant Johannes Ahlmann. Dessen Schwiegertochter Käte Ahlmann, Michael Halhuber-Ahlmanns Großmutter, führte das Stahlwerk Carlshütte bei Rendsburg nach dem frühen Tod ihres Mannes Julius von 1931 bis 1963 fort und engagierte sich als erste Präsidentin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen früh für die Gleichberechtigung von Frauen in der Wirtschaft. Michael Halhuber-Ahlmann selbst war von 2004 bis 2018 Mitglied des Kuratoriums der Käte-Ahlmann-Stiftung, in der das Engagement seiner Großmutter fortgeführt wird.
Halhuber-Ahlmann ist auch der Halbbruder der deutschen Unternehmerin und Politikerin Rosely Schweizer, der Neffe der österreichischen Bildhauerin Ilse Glaninger-Balzar und der Neffe des deutschen Unternehmers Josef-Severin Ahlmann.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- mit Jolly Brinning, Siegmund Juen, Christian Lederbauer, Hannes Recheis, Hannes Schlosser und Reinhard Wibmer mit Illustrationen von Much: DOWAS – ein Anfang. DOWAS 1977
- Georg, Biographie eines kriminologischen Falles: Eine kritisch-psychologische Praxisanalyse. Pahl-Rugenstein Verlag, Köln, 1987, ISBN 978-3760952260
- Homosexuelle. In: Reinhold Gärtner; Andreas Maislinger; Gesellschaft für politische Aufklärung (Hrsg.): Sturzflüge – Vorurteile in Tirol?, 5. Jg., Beiheft zur Nr. 18, 1987
- Psychosoziale Aspekte im Umgang mit HIV-Antikörper-Testung und Aids-Ängsten. In: Antibiotika Monitor, Heft IV, 4. Jg., Gesellschaft der Ärzte, Wien, 1988
- Eine kleine Geschichte von Berührungsängsten. In: Grüne Alternative Tirol (Hrsg.): Die Grüne Alternative Zeitung, Nr. 31, 1988
- mit Claudia Klier, Armand Hausmann, Franz Oberlehner: Kondome – na sicher!. Verlag für Medizinische Wissenschaften Wilhelm Maudrich, Wien, 1990, ISBN 3-85175-531-6
- Festvortrag zum 40-jährigen Bestehen der GwG. GwG-Verlag, Köln, 2010 (veröffentlicht auf DVD)
- Überlegungen zu den ersten Jahren der AIDS-Hilfe in Tirol. In: AIDS-Hilfe Tirol. Fachstelle HIV und Sexuelle Gesundheit (Hrsg.): 30 Jahre AIDS-Hilfe Tirol, Innsbruck, 2021, ISBN 978-3-200-07835-2
Weblinks
- Für Gott nach Afrika – Artikel in Wir diskutieren vom 31. Mai 1967 über die Entsendung von Missionshelfern der MK Innsbruck nach Rhodesien
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Halhuber-Ahlmann, Michael |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Psychologe und Pädagoge |
| GEBURTSDATUM | 12. November 1947 |
| GEBURTSORT | Innsbruck, Tirol |