Zum Inhalt springen

Carobbiit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 19. Dezember 2025 um 05:27 Uhr durch imported>Derkoenig (wl).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Carobbiit
Datei:Carobbiite.png
Kleine farblose, fast vollständig zerflossene Carobbiit-Aggregate vom Somma-Vesuv, Provinz Neapel, Kampanien, Italien
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Crb<ref name="Warr"></ref>

Andere Namen

Kaliumfluorid

Chemische Formel KF
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Halogenide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

III/A.02
III/A.02-020

3.AA.20
09.01.01.04
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol hexakisoktaedrisch; 4/m32/m
Raumgruppe Fm3m (Nr. 225)Vorlage:Raumgruppe/225<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 5,34 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2 bis 2,5<ref name="Mindat" />
Dichte (g/cm3) gemessen: nicht definiert; berechnet: [2,53]<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit gut nach {001}<ref name="Lapis" /><ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe farblos
Strichfarbe weiß
Transparenz durchscheinend
Glanz Glasglanz<ref name="NewDana" />
Radioaktivität schwache Radioaktivität (Kalium 40)
Kristalloptik
Brechungsindex n 1,362<ref name="Fleischer" />
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten gut wasserlöslich, hygroskopisch
Besondere Merkmale giftiges Mineral

Carobbiit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Halogenide mit der chemischen Zusammensetzung KF und damit chemisch gesehen Kaliumfluorid.

Carobbiit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entwickelt meist winzige, farblose bis weiße, kubische Kristalle. Da das Mineral stark hygroskopisch (wasseranziehend) und sehr gut wasserlöslich ist, zerfließen die Kristalle schon nach kurzer Zeit an der Luft.

Etymologie und Geschichte

Natürlich vorkommendes Kaliumfluorid wurde erstmals 1936 vom italienischen Geologen Guido Carobbi am Vesuv in Italien gefunden und beschrieben. Als Mineral anerkannt wurde es allerdings erst 1956, als Hugo Strunz das Material erneut untersuchte und Carobbis Entdeckungen bestätigte. Er benannte das Mineral nach seinem ursprünglichen Entdecker.<ref name="Fleischer"/>

Klassifikation

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Carobbiit zur Mineralklasse der „Halogenide“ und dort zur Abteilung „Einfache Halogenide“, wo er zusammen mit Bromargyrit, Chlorargyrit, Halit, Sylvin und Villiaumit die „Halit-Reihe“ mit der System-Nr. III/A.02 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Carobbiit in die etwas verfeinerte Abteilung „Einfache Halogenide ohne H2O“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis von Metall (M) zu Halogen (X), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : X = 1 : 1 und 2 : 3“ zu finden ist, wo es zusammen mit Griceit, Halit, Sylvin und Villiaumit die „Halitgruppe“ mit der System-Nr. 3.AA.20 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Carobbiit in die Klasse und gleichnamige Abteilung der „Halogenide“ ein. Hier ist er ebenfalls als Mitglied der „Halitgruppe“ mit der System-Nr. 09.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie und wasserhaltige Halogenide mit der Formel AX“ zu finden.

Kristallstruktur

Datei:NaCl polyhedra.svg
Struktur von Carobbit

Carobbiit kristallisiert im kubischen Kristallsystem in der Raumgruppe Fm3m (Raumgruppen-Nr. 225)Vorlage:Raumgruppe/225 mit dem Gitterparameter a = 5,34 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften

Durch seinen Kaliumgehalt von bis zu 67,30 % mit einem Anteil an radioaktivem 40K von maximal 0,0117 % kann Carobbiit schwach radioaktiv sein. Unter Berücksichtigung der Mengenanteile der radioaktiven Elemente in der idealisierten Summenformel sowie der Folgezerfälle der natürlichen Zerfallsreihen wird für das Mineral eine spezifische Aktivität von etwa 20 Bq/g<ref name="Webmineral" /> angegeben. Der zitierte Wert kann je nach Mineralgehalt und Zusammensetzung der Stufen deutlich abweichen, auch sind selektive An- oder Abreicherungen der radioaktiven Zerfallsprodukte möglich und ändern die Aktivität.

Bildung und Fundorte

Carobbiit bildet sich in Stalaktiten in Lavahöhlen. Es ist vergesellschaftet mit Halit, Mercallit und Hieratit. Neben der Typlokalität am Vesuv ist lediglich ein weiterer Fundort in der Präfektur Iburi auf der japanischen Insel Hokkaidō bekannt.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Carobbiite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fleischer"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Carobbiit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat Carobbiit – Carobbiite (englisch) </ref> <ref name="NewDana"> Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York (u. a.) 1997, ISBN 0-471-19310-0, S. 376. </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral – Carobbiite (englisch) </ref> </references>