Wilhelm Cavallar von Grabensprung
Wilhelm Freiherr Cavallar von Grabensprung (* 25. Februar 1889 in Aussig, Königreich Böhmen; † 20. Dezember 1957 in Wien, Republik Österreich) war ein Offizier der k.u.k. Armee. Er wurde im Ersten Weltkrieg mit dem Militär-Maria-Theresien-Orden ausgezeichnet.
Leben
Wilhelm Ritter Cavallar von Grabensprung entstammte einer altösterreichischen Offiziersfamilie und war Bruder des Feldpilots Ferdinand Cavallar von Grabensprung. Er besuchte die Militär-Unterrealschule in St. Pölten und die Militär-Oberrealschule in Mährisch-Weißkirchen. Nach seiner Ausbildung an der Theresianischen Militärakademie<ref>Martin Schmitz: 'Als ob die Welt aus den Fugen ginge': Kriegserfahrungen österreichisch-ungarischer Offiziere 1914–18. Verlag Ferdinand Schöningh, 2016, ISBN 978-3-657-78115-7 (google.at [abgerufen am 18. August 2019]).</ref> in der Burg in Wiener Neustadt wurde er 1909 zum Infanterieregiment Freiherr von König Nr. 92 in Komotau ausgemustert.<ref>Erwein Lobkowicz: Erinnerungen an die Monarchie. Amalthea, 1989, ISBN 978-3-85002-276-7 (google.at [abgerufen am 18. August 2019]).</ref><ref name="ÖMZ">Karl Liko: 100 Jahre Ausmusterungsjahrgang 1909. (PDF; 5,9 MB) In: bmlv.gv.at. Österreichische Militärische Zeitschrift, Mai 2009, S. 21–26, abgerufen am 9. Mai 2010.</ref>
Im Mai 1914 zum Oberleutnant befördert, stieg er als Bataillonsadjutant in den Ersten Weltkrieg ein, übernahm jedoch bald das Kommando über die 13. Kompanie des IV. Bataillons des k.u.k. Infanterieregimentes Nr. 92. Im Kampf gegen die serbische Timok-Division eroberte er mit seiner Einheit am 6. September 1914 bei Šašinci an der Save nahe Sremska Mitrovica eine serbische Batterie, deren Geschütze er kurzerhand umdrehen und die nahe serbische Kriegsbrücke unter Beschuss nehmen ließ. Durch die Zerstörung dieser Brücke trug er entscheidend zur Vernichtung der Timok-Division und zum Zusammenbruch der geplanten serbischen Offensive über die Save gegen österreichisch-ungarisches Gebiet bei.<ref name="ÖMZ" />
Bald nach seinem erfolgreichen Einsatz erlitt er einen Bauchschuss. Nach seiner Genesung meldete er sich zur Fliegertruppe, wurde aber nach einer Reihe von Feindflügen als Beobachter bereits im Sommer 1915 in den Generalstabsdienst übernommen. Ab 1916 war er an der italienischen Front, zuletzt bei der 28. Infanterietruppendivision.<ref>Oskar von Hofmann, Gustav von Hubka: Der Militär-Maria Theresien-Orden. Die Auszeichnungen im Weltkrieg 1914 - 1918. Hrsg.: Carl Freiherrn von Bardolff. Verl. Militärwiss. Mitteilungen, Wien 1944, S. 392.</ref>
Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns im November 1918 wurde Cavallar als Major dem Oberbefehlshaber der Volkswehr zugeteilt.<ref name="ÖMZ" /><ref name="SM">Südmähren Wilhelm Cavallar Ritter von Grabensprung. In: suedmaehren.at. Abgerufen am 9. Juni 2010.</ref> Nach dem Ende der Friedensverhandlungen kehrte er 1920 in seine Heimat, die nunmehrige Tschechoslowakische Republik, zurück, heiratete die Tochter des Textilfabrikanten Theodor Kern und betätigte sich in Landwirtschaft und Industrie in der Region um Iglau.<ref name="ÖMZ" /><ref>Die Theresienritter des Weltkrieges. (PDF; 2,4 MB) In: nkerepo.uni-nke.hu. Kanzlei des Militär Maria Theresien-Ordens, 1928, S. 8, abgerufen am 6. Mai 2024.</ref><ref>KERN, Theodor: Jihlava. In: jihlava.cz. Abgerufen am 26. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Aus seiner Ehe entstammten drei Töchter: Marietta Freeman-Attwood, Dorothea Mason und Marie-Christine v. Cavallar.<ref>Marietta FREEMAN-ATTWOOD Obituary (1998) - The Globe and Mail. Abgerufen am 21. Januar 2025.</ref><ref>Remembering the life of Edward Freeman-Attwood. Abgerufen am 21. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Theodora („Dorli“) Cavallar: From The Heart of Europe to The Pacific Northwest: A Memoir of the 20th Century. iUniverse, New York City 2007, ISBN 978-0-595-43276-9</ref> In der Tschechoslowakischen Armee wurde er als ethnischer Deutscher zum Infanteristen degradiert, erhielt allerdings 1938 seinen früheren Dienstgrad wieder.<ref name="SM" />
Aufgrund der Beteiligung seiner selbst und seiner Tochter Marietta im tschechoslowakischen bzw. österreichischen Widerstand entkam Cavallar den Beneš-Dekreten.<ref>Jahrgang Major von Grabensprung: Wilhelm Ritter Cavallar von Grabensprung. Theresianische Militärakademie, abgerufen am 24. September 2024.</ref><ref>Arolsen Archives: Personal file of CAVALLAR, MARIETTE. Reference code 1698000 009.178. 1948, abgerufen am 21. Januar 2025.</ref> Im Jahr 1948 nach dem Februarumsturz enteignet und vertrieben, verbrachte er als Major a. D. seinen Lebensabend in Österreich. Sein Grab befindet sich auf dem Döblinger Friedhof in Wien.
Auszeichnungen und Ehrungen
Für die Zerstörung der Brücke bei Šašinci im September 1914 wurde er mit dem Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens ausgezeichnet, das er zusammen mit zehn anderen Trägern am 17. August 1918 durch Kaiser Karl in der Villa Wartholz erhielt.<ref>Chronik. Neue Maria Theresien-Ordensritter. In: Streffleur’s Militärblatt, Nr. 35/1918, 31. August 1918, S. 15, Mitte links. (online bei ANNO).</ref> Aufgrund der Ordensstatuten wurde Wilhelm Ritter Cavallar von Grabensprung außerdem in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Am gleichen Tag des Vorjahres war auch Josef Lutschounig mit dem Maria-Theresia-Orden ausgezeichnet worden, ebenso wie Cavallar für Leistungen im Kampf gegen die Timok-Division am 6. September 1914 bei Šašinci. Cavallar war bereits 1914 für sein Wirken im Rahmen des Serbienfeldzugs der Orden der Eisernen Krone verliehen worden.<ref>Österreich-Ungarn: Hof- und Staats-Handbuch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie: für das Jahr ... nach amtlichen Quellen zusammengestellt. Hof- und Staatsdr., 1918 (google.at [abgerufen am 7. Dezember 2019]).</ref> Im Verlauf des Krieges wurden ihm weitere Auszeichnungen verliehen, wie etwa das österreichische Militärverdienstkreuz, die Militär-Verdienstmedaille, die Signum Laudis, das Karl-Truppenkreuz, das preußische Eiserne Kreuz oder der sächsische Albrechts-Orden.<ref>Die neuen Ritter des Maria-Theresienordens (Abbildung). In: Sport & Salon, 25. August 1918, S. 5 (online bei ANNO).</ref><ref>Abschrift von Mjr. Friedrich und ergänzt von Obst. Ossmann nach Behelfen von Obstlt. (von) Melzer und Obst. (von) Hellrigl: Jahrgang 1909. (PDF; 3,4 MB) In: bibisdata.bmlv.gv.at. Bundesministerium für Landesverteidigung, abgerufen am 7. Juni 2023.</ref>
Der Ausmusterungsjahrgang 2026 der Theresianischen Militärakademie zu Wiener Neustadt hat Wilhelm Cavallar von Grabensprung als Jahrgangspatron auserkoren und den Rufnamen „Major von Grabensprung“ gewählt.<ref>Theresianische Militärakademie: Jahrgang Major von Grabensprung. Abgerufen am 11. September 2024.</ref> Ein Ölgemälde mit seinem Porträt befindet sich an der Theresianischen Militärakademie.<ref name="ÖMZ" />
Auszug seiner Ordensspange:
Weblinks
Einzelnachweise
<references responsive />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cavallar von Grabensprung, Wilhelm |
| ALTERNATIVNAMEN | Cavallar von Grabensprung, Wilhelm Freiherr |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Offizier |
| GEBURTSDATUM | 25. Februar 1889 |
| GEBURTSORT | Aussig, Königreich Böhmen |
| STERBEDATUM | 20. Dezember 1957 |
| STERBEORT | Wien, Republik Österreich |
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- Militärperson (Österreich-Ungarn)
- Person im Ersten Weltkrieg (Österreich-Ungarn)
- Träger des Militär-Maria-Theresien-Ordens (Ritter)
- Träger des Ordens der Eisernen Krone (III. Klasse)
- Träger des Österreichischen Militärverdienstkreuzes III. Klasse
- Träger des Karl-Truppenkreuzes
- Träger des Eisernen Kreuzes
- Träger des Albrechts-Ordens
- Absolvent der Theresianischen Militärakademie
- Person (Widerstand gegen den Nationalsozialismus)
- Österreichischer Widerstandskämpfer
- Freiherr
- Person (Cisleithanien)
- Tschechoslowake
- Österreicher
- Geboren 1889
- Gestorben 1957
- Mann