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Farnmyrte

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Farnmyrte
Datei:Comptonia peregrina BotGardBln1105HabitusFall.JPG

Herbstfärbung von Comptonia peregrina

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Buchenartige (Fagales)
Familie: Gagelstrauchgewächse (Myricaceae)
Gattung: Comptonia
Art: Farnmyrte
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Comptonia
L’Hér. ex Aiton
Wissenschaftlicher Name der Art
Comptonia peregrina
(L.) J.M.Coult.

Die Farnmyrte (Comptonia peregrina) ist die einzige rezente Pflanzenart der Gattung Comptonia aus der Familie der Gagelstrauchgewächse (Myricaceae). Dieser auch als dekorative, aromatische Zierpflanze geeignete Strauch ist im östlichen Nordamerika verbreitet.

Beschreibung

Datei:Comptonia-peregrina-USFWS-B.jpg
Blätter

Vegetative Merkmale

Die Farnmyrte wächst als dicht verzweigter, meist sommergrüner Strauch, der Wuchshöhen von 0,5 bis zu 1,5 Metern erreicht.<ref name="Pijut2004" /> Er bildet Polykormone mit Hilfe von Rhizomen. Die ausgebreiteten bis aufsteigenden, drehrunden Äste besitzen eine flaumig behaarte bis kahle, anfangs mit Drüsenhaaren besetzte Rinde. Die Rinde der Zweige ist rotbraun bis grau mit steifhaariger bis zottiger, manchmal kurzer flaumiger Behaarung.<ref name="FNA" />

Die wechselständig angeordneten, beim Zerreiben stark aromatisch duftenden Laubblätter bestehen aus einem 3 bis 6 mm langen<ref name="Pijut2004" /> Blattstiel und einer 3 bis 15,5 cm langen und 0,3 bis 2,9 cm breiten Blattspreite. Die häutige, lineal-lanzettliche Blattspreite ist mehr oder weniger tief fiederspaltig mit wechsel- bis fast gegenständigen, rundlich-eiförmigen<ref name="Fitschen" /> Blattabschnitten, so dass das Blatt an einen Farnwedel erinnert. Der Blattgrund kann gestutzt, keilförmig, verschmälert oder schief sein. Die Blattfläche ist dicht flaumig und drüsig behaart oder auf der Oberseite auch unbehaart. Die dunkelgrüne Farbe der Oberseite ergibt sich durch den Terpengehalt.<ref name="Hegnauer"/> Die lang zugespitzten, am Grund fast herzförmigen Nebenblätter fallen mehr oder weniger früh ab.<ref name="FNA" />

Generative Merkmale

Datei:Comptonia peregrina.jpg
Ein weiblicher, kugeliger und mehrere männliche, längliche Blütenstände

Die Farnmyrte ist meist zweihäusig (diözisch), selten einhäusig (monözisch) getrenntgeschlechtig. Die ei- bis herzförmigen Tragblätter sind kahl oder flaumig behaart, spitz bis lang zugespitzt, auf der Unterseite drüsig punktiert, am Rand bewimpert. Die männlichen Blütenstände stehen zu mehreren an den Enden der Zweige und sind kurze, manchmal zurückgebogene, gelblich-grüne Kätzchen mit bis zu 5 cm Länge. Die weiblichen Blütenstände sind kugelig bis eiförmig mit rötlichen Deckblättern bei einer Größe von 5 mm zur Blütezeit und von bis zu 2 cm zur Fruchtzeit.<ref name="FNA" />

Die Blüten sind immer eingeschlechtig. Die männlichen Blüten enthalten drei bis acht freie oder an ihrer Basis verwachsene Staubblätter, die kürzer sind als die sie umgebenden Tragblätter. Die weiblichen Blüten enthalten einen einfächerigen Fruchtknoten mit nur einer Samenanlage und zwei Griffel. Sie sind zur Blütezeit von einem bleibenden Tragblatt und von zwei lineal-pfriemlichen, bis 1,3 cm großen, drüsig punktierten Deckblättern umgeben, die zur Fruchtzeit auswachsen und in vier bis acht die Frucht überragende und verdeckende Tragblätter aufspalten. Die Blütezeit liegt im Frühjahr vor der Laubentfaltung, in Ohio von April bis Mai,<ref name="Ohio" /> in Kanada von Mitte Mai bis Mitte Juni.<ref name="Pijut2004" /><ref name="FNA" />

Die Früchte sind zu einer runden, klettenartigen Einheit zusammengefasste, 2,5 bis 5,5 mm große, länglich-eiförmige, glatte Nüsschen, die im reifen Zustand im Spätsommer braun werden.<ref name="Pijut2004"/>

Die Farnmyrte ist tetraploid mit einer Chromosomenzahl von 2n = 32.<ref name="Tropicos" /><ref name="Pijut2004" />

Vorkommen

Die Farnmyrte kommt in den nordöstlichen Vereinigten Staaten und im südöstlichen Kanada vor.<ref name="FNA" /> In Mitteleuropa war die Gattung Comptonia noch im Pliozän Teil einer artenreichen Flora, starb aber während der Kaltzeiten des Pleistozäns aus.<ref name="BotG-BN" /><ref name="HNA" />

Comptonia peregrina wächst bevorzugt auf trockenen, sandigen bis kiesigen, kalkarmen, lichtexponierten Standorten in trockenen Kiefernwäldern, an Berghängen, Straßenböschungen, auf Rodungen, Brandstellen, älteren Bergehalden und brachliegendem Weideland sowie in Kiesgruben in Höhenlagen zwischen 0 und 1800 Metern. Die Pionierpflanze ist ein lästiges Unkraut in Blaubeerkulturen.<ref name="Pijut2004" /><ref name="Hall1976" /> Es gibt Bestände in den kanadischen Provinzen New Brunswick, Nova Scotia, Ontario, Prince Edward Island, Québec und den US-Bundesstaaten Connecticut, Delaware, Georgia, Illinois, Indiana, Kentucky, Maine, Maryland, Massachusetts, Michigan, Minnesota, New Hampshire, New Jersey, New York, North Carolina, Ohio, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, Vermont, Virginia, West Virginia und Wisconsin.<ref name="FNA" />

Systematik

Das Basionym dieser Art (Liquidambar peregrina L.) wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum<ref group="Anm" name="Species Plantarum" /> erstveröffentlicht. Die Gattung Comptonia stellte Charles Louis L’Héritier de Brutelle 1789 zusammen mit Comptonia aspleniifolia (asplenifolia)<ref name="ICBN60" /> (L.) L’Hér. ex Aiton in William Aiton: Hortus Kewensis auf.<ref group="Anm" name="Hortus Kewensis" /> Der Gattungsname Comptonia ehrt den Oxforder Bischof Henry Compton, der als Hobbygärtner bekannt war. Den gültigen Artnamen Comptonia peregrina veröffentlichte John Merle Coulter 1894.<ref group="Anm" name="Coulter" /> Weitere Synonyme für Comptonia peregrina <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) J.M.Coult. sind: Comptonia ceterach <templatestyles src="Person/styles.css" />Mirb., Myrica aspleniifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Myrica comptonia <templatestyles src="Person/styles.css" />C.DC., Myrica peregrina <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Kuntze. Einige Autoren stellten Varietäten Comptonia peregrina var. aspleniifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Fernald<ref name="ICBN60" /> und Comptonia peregrina var. tomentosa <templatestyles src="Person/styles.css" />A.Chev. auf, diesen wurde bei weiteren Bearbeitungen aber kein taxonomischer Wert zuerkannt.<ref name="Tropicos" />

Nutzung

In den gemäßigten Breiten ist die Farnmyrte ein attraktiver und aromatischer Zierstrauch mit einer schönen Herbstfärbung.

Zur Erforschung pflanzlicher Wurzeln hat Comptonia peregrina bereits als Modellpflanze gedient,<ref group="Anm" name="Goforth1977" /> zumal sie in Symbiose mit Frankia lebt.<ref name="Northernwoodlands" /><ref group="Anm" name="Ziegler1968" />

Die jungen Früchte werden als kleiner Happen gegessen. Die aromatischen Blätter werden frisch oder getrocknet zum Aufbrühen von Tee verwendet. Die Blätter dienten auch als Würze.<ref name="PlantsForFuture" />

Die Ethnobotanik kennt volksmedizinische Nutzungen der Farnmyrte durch indianische Stämme.<ref name="PlantsForFuture" /><ref group="Anm" name="Sylvestre2007" /> Die Ureinwohner in Nordamerika kannten für Comptonia peregrina noch weitere Verwendungsmöglichkeiten. Es wurde bei ritualen Zeremonien zum Räuchern verwendet. Man stellte ein Aufputsch- oder Stärkungsmittel aus Pflanzenteilen her. Auch als Gift fand es Verwendung.<ref name="FNA" />

Literatur

  • Allan J. Bornstein: Comptonia. In
  • Paula M. Pijut: Comptonia peregrina.<ref name="Pijut2004" />
  • David S. MacKenzie: Perennial ground covers. Timber Press, 2002, ISBN 0-88192-557-8, S. 110, (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).

Weiterführende Literatur

<references group="Anm"> <ref group="Anm" name="Goforth1977">Patricia L. Goforth, John G. Torrey: The Development of Isolated Roots of Comptonia peregrina (Myricaceae) in Culture. In: American Journal of Botany. Band 64, Nr. 4, 1977, S. 476–482, Modul:JSTOR * Modul:JSTOR:170: attempt to index field 'wikibase' (a nil value).</ref> <ref group="Anm" name="Sylvestre2007">Muriel Sylvestre, André Pichette, Serge Lavoie, Angélique Longtin, Jean Legault: Composition and cytotoxic activity of the leaf essential oil of Comptonia peregrina (L.) Coulter. In: Phytotherapy Research. Band 21, Nr. 6, 2007, S. 536–540, doi:10.1002/ptr.2095.</ref> <ref group="Anm" name="Ziegler1968">H. Ziegler, R. Hüser: Fixation of Atmospheric Nitrogen by Root Nodules of Comptonia peregrina. In: Nature. Band 199, 1963, S. 508, doi:10.1038/199508a0.</ref> <ref group="Anm" name="Species Plantarum">Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Laurentius Salvius, Stockholm 1753, S. 1024 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D2%26issue%3D%26spage%3D1024%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).</ref> <ref group="Anm" name="Hortus Kewensis">William Aiton: Hortus Kewensis. Band 3, 1789, S. 334 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A4504%26volume%3D3%26issue%3D%26spage%3D334%26date%3D1789~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).</ref> <ref group="Anm" name="Coulter"> John Merle Coulter: Comptonia. In: Torrey Botanical Club (Hrsg.): List of Pteridophyta and Spermatophyta growing without Cultivation in Northeastern North America. In: Memoirs of the Torrey Botanical Club. Band 5, Nr. 9, 1894, S. 127 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A45469%26volume%3D5%26issue%3D9%26spage%3D127%26date%3D1894~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).</ref> </references>

Einzelnachweise

<references> <ref name="Pijut2004">Paula M. Pijut: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Comptonia peregrina (L.) Coult. (Memento vom 18. Oktober 2011 im Internet Archive; PDF; 184 KB, englisch). In: John K. Francis (Hrsg.): Wildland shrubs of the United States and its territories. Thamnic. In: Gen. Tech. Rep. IITF-26. Vol. 1, Rio Piedras, Puerto Rico: U.S. Department of Agriculture, Forest Service, International Institute of Tropical Forestry 2004, S. 237–239.</ref> <ref name="Ohio">Barbara Andreas, James Burns: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Comptonia peregrina (L.) Coult. – Sweet-fern (Memento vom 3. Februar 2010 im Internet Archive; PDF; 34 KB, englisch). Division of Natural Areas and Preserves Ohio Department of Natural Resources, 1983.</ref> <ref name="Hegnauer">Robert Hegnauer: Chemotaxonomie der Pflanzen: Eine Übersicht über die Verbreitung und die systematische Bedeutung der Pflanzenstoffe. Band 14, 1990, S. 97, (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.)</ref> <ref name="Tropicos">Comptonia peregrina bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="Fitschen">Jost Fitschen (Begr.), Franz H. Meyer, Ulrich Hecker, Hans Rolf Höster, Fred-Günter Schroeder: Gehölzflora. 11. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01268-7, S. 35-2.</ref> <ref name="HNA">Joachim Reitner im Interview: Professor erklärt Einzigartigkeit der Tongrube Willershausen für die Wissenschaft. Hessische Niedersächsische Allgemeine, 16. August 2014, abgerufen am 25. August 2017.</ref> <ref name="BotG-BN">Uni Bonn: Tertiäre Gehölze. Botanische Gärten der Universität Bonn. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 15. September 2017; abgerufen am 18. Mai 2025.</ref> <ref name="Northernwoodlands">Virginia Barlow: Species in the Spotlight: Sweetfern, Comptonia peregrina. In: Northern Woodlands. Band 60, 2009, S. 33 (online).</ref> <ref name="PlantsForFuture">Comptonia peregrina bei Plants For A Future</ref> <ref name="FNA">Allan J. Bornstein: Comptonia. In </ref> <ref name="ICBN60">ICBN Art. 60.8 und Empfehlung 60G.</ref> <ref name="Hall1976">Ivan V. Hall, Lewis E. Aalders, C. Fred Everett: The biology of Canadian weeds: 16. Comptonia peregrina (L.) Coult. In: Canadian Journal of Plant Science. Band 56, Nr. 1, 1976, S. 147–156, doi:10.4141/cjps76-022.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Comptonia peregrina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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