Otto Schwarzenberger
Otto Josef Ludwig Schwarzenberger (* 22. Januar 1900 in Landau in der Pfalz; † 2. Juli 1980 in München<ref>Sterberegister des Standesamtes München Nr. 1412/1980.</ref>) war ein deutscher SS-Führer, der im Stabshauptamt des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums (RKFDV) das Amt V (Finanzverwaltung) in der Amtsgruppe B leitete. Im Prozess Rasse- und Siedlungshauptamt der SS (RuSHA-Prozess) wurde Schwarzenberger 1948 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt und nach Urteilsverkündung freigelassen.
Leben
Schwarzenberger besuchte in seiner Heimatstadt nach der Volksschule das Humanistische Gymnasium. Von 1914 bis 1918 war er in München beim Bayrischen Kadettenkorps. Ab Mai 1918 nahm er als Angehöriger des 7. bayrischen Artillerieregiments am Ersten Weltkrieg teil und war nach Kriegsende von 1920 bis 1921 zeitweise beim Freikorps Epp. Zudem besuchte er bis 1920 das Wittelsbacher-Gymnasium in München. Anschließend absolvierte er bis 1923 in Bamberg eine Lehre als Bankkaufmann bei der Darmstädter und Nationalbank. Danach war er Bankbevollmächtigter beim Münchner Bankhaus Schwarzmann & Co. Von 1924 bis 1934 war er Geschäftsführer und Revisor bei der Singer Nähmaschinen AG zunächst in München und später in Nürnberg.
Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten trat Schwarzenberger zum 1. Mai 1933 der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.930.298)<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/40780461</ref> und kurz darauf der SS bei (SS-Nummer 156.808).<ref name="DAL">SS-Personalhauptamt (Hrsg.): Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP (SS-Oberst-Gruppenführer – SS-Standartenführer), Stand vom 9. November 1944. Berlin 1944.</ref> Er gehörte zudem der DAF und der NSV an.
Als Schwarzenberger im Mai 1934 hauptamtlicher Mitarbeiter bei der SS-Verwaltung wurde, beendete er sein Anstellungsverhältnis bei der Singer Nähmaschinen AG.<ref name="Schulte476">Jan Erik Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS. Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933–1945. Paderborn 2001, S. 476.</ref> Bei der SS-Verfügungstruppe leistete Schwarzenberger Dienst als Revisor und Verwaltungsführer. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war er kurze Zeit als Reserveoberleutnant der Wehrmacht an der Westfront.<ref>Till Kössler, Helke Stadtland (Hg.): Vom Funktionieren der Funktionäre: politische Interessenvertretung und gesellschaftliche Integration in Deutschland nach 1933. Klartext, Essen 2004, S. 107.</ref>
Schwarzenberger war von Oktober 1940 bis zum Kriegsende Amtschef V im Stabshauptamt des Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums (RKFDV).<ref name="Schulte476"/> Auf diesem Posten war Schwarzenberger für die gesamte Finanzverwaltung des RKFDV zuständig. Daneben war er auch für die Finanzverwaltung von nachgeordneten SS-Dienststellen wie der Deutschen Umsiedlungs-Treuhand GmbH (DUT), der Deutschen Ansiedlungsgesellschaft (DAG), der Einwandererzentralstelle (EWZ) und der Umwandererzentralstelle (UWZ). In dieser Funktion legte er Budgets und Finanzplanungen von RKFDV und nachgeordneten Organisationen dem Reichsfinanzministerium vor, erhielt von dort die Finanzmittel nach Genehmigung und zahlte sie an die Organisation aus.<ref name="urteil">Trials of War Criminals before the Nuernberg Military Tribunals, Vol. V. District of Columbia 1950, S. 157–158.</ref> Im Juni 1941 wurde er zum SS-Oberführer befördert, dem höchsten Offiziersdienstgrad in der SS unterhalb der Generalsränge.<ref name="DAL" /> (Steht im militärischen Äquivalent zwischen Oberst und Generalmajor.)
Schwarzenberger wurde am 2. Mai 1945 von den vorrückenden Alliierten festgenommen.<ref name="strafmaß">Trials of War Criminals before the Nuernberg Military Tribunals, Vol. V. District of Columbia 1950, S. 165.</ref> Nach Kriegsende wurde Schwarzenberger 1947 im RuSHA-Prozess, einem der zwölf Nürnberger Nachfolgeprozesse, in dem ihn Hans Gawlik als Hauptverteidiger und Gerhard Klinnert als dessen Assistent verteidigten, wegen (1) Kriegsverbrechen, (2) Verbrechen gegen die Menschlichkeit und (3) Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation angeklagt. In den ersten beiden Anklagepunkten wurde er am 10. März 1948 freigesprochen und im dritten Punkt wegen seiner Mitgliedschaft in der SS für schuldig befunden.<ref name="urteil" /> Als Strafmaß wurde seine seit der Internierung verbüßte Untersuchungshaft festgesetzt, so dass er nach Urteilsverkündung freigelassen wurde.<ref name="strafmaß" />
Literatur
- Trials of War Criminals before the Nuernberg Military Tribunals under Control Council Law No. 10, Vol. IV („The RuSHA Case“). United States Government Printing Office, District of Columbia 1950, S. 597–1185. (Band 4 (PDF; 56,9 MB) der „Green Series“)
- Trials of War Criminals before the Nuernberg Military Tribunals under Control Council Law No. 10, Vol. V („The RuSHA Case continued.“). US Government Printing Office, District of Columbia 1950, S. 1–192. (Band 5 (PDF; 31,0 MB) der „Green Series“)
- Jan Erik Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung: Das Wirtschaftsimperium der SS. Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933–1945. Paderborn 2001, ISBN 3-506-78245-2.
Weblinks
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Urteil gegen Otto Schwarzenberger ( vom 16. Februar 2006 im Internet Archive). In: Trials of War Criminals before the Nuernberg Military Tribunals, Vol. V, S. 157f. (englisch)
- Vernehmungen des Otto Schwarzenberger im Rahmen der Nürnberger Prozesse. In: Archiv des Institut für Zeitgeschichte, München, Signatur ZS-1435 1948/56 (online, PDF; Protokolle der Vernehmungen Schwarzenbergers im Rahmen der Nürnberger Prozesse).
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schwarzenberger, Otto |
| ALTERNATIVNAMEN | Schwarzenberger, Otto Josef Ludwig (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher SS-Führer im RKFDV, Angeklagter in den Nürnberger Nachfolgeprozessen |
| GEBURTSDATUM | 22. Januar 1900 |
| GEBURTSORT | Landau in der Pfalz |
| STERBEDATUM | 2. Juli 1980 |
| STERBEORT | München |
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- Verurteilte Person (Nürnberger Prozesse)
- Person der deutschen Besetzung Europas 1939–1945
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- Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich)
- Person (Landau in der Pfalz)
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