Sonderschutzgebiet
Sonderschutzgebiet ist eine strenge Schutzkategorie im Nationalpark Hohe Tauern in den Bundesländern Salzburg und Kärnten. In Tirol besteht diese Schutzkategorie auch außerhalb des Nationalparkes. In Sonderschutzgebieten ist jeder Eingriff in die Natur verboten.
Es gibt derzeit in Österreich acht solcher Schutzgebiete (siehe untenstehende Liste).
Das Sonderschutzgebiet in den Nationalparkgesetzen
- Kärnten: Der Begriff ist durch den § 7 Kärntner Nationalpark- und Biosphärenparkgesetz (K-NBG)<ref name="K-NBG">Gesetz über die Errichtung von Nationalparks - und Biosphärenparks (Kärntner Nationalpark- und Biosphärenparkgesetz) K-NBG. LGBl. Nr. 55/1983, zuletzt geändert durch das Gesetz LGBl. Nr. 25/2007 (PDF) hohetauern.at</ref> speziell für „im Nationalpark gelegene kleinräumige Gebiete von besonderem wissenschaftlichem Interesse oder von besonderer ökologischer Bedeutung“ bestimmt. „In Sonderschutzgebieten ist jeder Eingriff in die Natur und in den Naturhaushalt sowie jede Beeinträchtigung des Landschaftsbildes verboten.“ (§ 7 Z.2 K-NBG) Die Bezeichnung „Sonderschutzgebiet“ ist im § 35 K-NBG ausdrücklich geschützt.
- Salzburg: Sonderschutzgebiete sind eine Regelung des Salzburger Nationalparkgesetzes<ref name="SBG NPG">Salzburger Nationalparkgesetz, LGBl. Nr. 106/83</ref>, die „in der Außenzone oder in der Kernzone [des Nationalparks, Anm.] gelegene Gebiete zur vollen Erhaltung ihrer landschaftlichen oder ökologischen Bedeutung einschließlich ihrer Tier- und Pflanzenwelt“ (§ 22) erfasst. Diese sind als dynamisches Schutzgebietskonzept mit langfristigen Zielsetzungen geplant und sollen auf weitere Areale ausgedehnt werden.<ref name="Kremser 1987">Harald Kremser: Über unseren Nationalpark „Hohe Tauern“ Land Salzburg. In: Haus der Natur (Hrsg.): Jahrbuch Haus der Natur. Band 10. Salzburg 1987, 4.3. Sonderschutzgebiete, S. 201 (Vorlage:ZOBODAT/URL [PDF; abgerufen am 10. Februar 2023] PDF: S. 2).</ref>
- Tirol: Der § 22 Tiroler Naturschutzgesetz 2005 (TNSchG 2005)<ref name="TIR nsg">Kundmachung der Landesregierung vom 12. April 2005 über die Wiederverlautbarung des Tiroler Naturschutzgesetzes 1997. LGBl. Nr. 26/2005</ref> regelt diesen Typus der Unterschutzstellung. Er dient als besonders strenge Schutzkategorie,<ref name="TIR">Sonderschutzgebiet. In: Naturschutzgebiete in Tirol tiroler-schutzgebiete.at. Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Umweltschutz, abgerufen im Jahr 2010.</ref> und ist durch die Verankerung als allgemeine Schutzkategorie des Naturschutzgesetzes von etwas anderer Handhabe als die auf Nationalparks eingeschränkten Kategorien Salzburgs und Kärntens.<ref name="Tiefenbach 1998">Maria Tiefenbach, Gerlinde Larndorfer, Erich Weigand: Naturschutz in Österreich. (M-091). In: Umweltbundesamt, Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie (Hrsg.): Monographien. Band 91. Wien 1998, ISBN 3-85457-393-6, 4.4.13 Sonderschutzgebiet, S. 51 (pdf, umweltbundesamt.at [abgerufen am 25. August 2009]).</ref> Die Intention ist aber dieselbe.
In Salzburg ist die Deklarierung zum Sonderschutzgebiet nur „mit ausdrücklicher Zustimmung der in Betracht kommenden Grundeigentümer und in ihren Rechten erheblich beeinträchtigten Nutzungsberechtigten“ (§ 22 S-NPG) vorgesehen, in Kärnten „mit Zustimmung der Grundeigentümer“ (§ 7 Z.1 K-NBG). In Tirol sind Ausnahmen für wissenschaftliche Forschung, bestimmte Maßnahmen der „üblichen“ land- und forstwirtschaftlichen Nutzung, sowie die Jagd und Fischerei vorgesehen, ähnlich den Naturschutzgebieten, aber strenger gehandhabt.
Andererseits kann auch ein Betretungsverbot ausgesprochen werden: Erlaubt ist etwa das „herkömmliche Wandern, Bergsteigen und der Tourenschilauf sowie Maßnahmen, die der Orientierung dienen“ in Gebiet Großglockner–Pasterze (§ 8 Ktn. Nationalparkverordnung), aber „das Verlassen dieser Wege [Gamsgrubenweg und zwei markierte Alpinsteige, Anm.], das Beweiden und das freie Laufenlassen von Hunden“ in der Gamsgrube verboten (§ 9).
Liste der Sonderschutzgebiete in Österreich
| Ld. Nr.<templatestyles src="FN/styles.css" /> (2) |
Bezeichnung | Bezirk | Gemeinden<templatestyles src="FN/styles.css" /> (1) | ha<templatestyles src="FN/styles.css" /> (Fl.) | Rechts- grundlage |
Lage | Anmerkungen | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ktn 1 | Gamsgrube | Spittal an der Drau | Heiligenblut | LGBl. 74/1986 (§ 9) | Datei:Erioll world.svg{{#coordinates:47.093056|12.736389 | name=Sonderschutzgebiet Gamsgrube|region=AT-2|type=landmark}} | Teil des Nationalpark Hohe Tauern, mit Zustimmung des Österreichischen Alpenvereines als Grundeigentümer | |
| Ktn 2 | Großglockner–Pasterze | Spittal an der Drau | Heiligenblut | LGBl. 74/1986 (§ 8) | Teil des Nationalpark Hohe Tauern, mit Zustimmung des Österreichischen Alpenvereines als Grundeigentümer | |||
| SSG 00001 | Piffkar-Fusch<ref name="SBG SSG1">Sonderschutzgebiet 00001 Piffkar-Fusch, Schutzgebietsinventar des Landes Salzburg</ref> | Zell am See | Fusch | 472,43 | VO vom 1. Januar 1989 | Datei:Erioll world.svg{{#coordinates:47.140887|12.830772 | name=Sonderschutzgebiet Piffkar-Fusch|region=AT-5|type=landmark}} | Teil des Nationalpark Hohe Tauern; Zonen A,B,C |
| SSG 00002 | Wandl-Rauris<ref name="SBG SSG2">Sonderschutzgebiet 00002 Wandl-Rauris, Schutzgebietsinventar des Landes Salzburg</ref> | Zell am See | Rauris (Bucheben) | 13,14 | VO vom 1. März 1992 | Datei:Erioll world.svg{{#coordinates:47.156190|12.960204 | name=Sonderschutzgebiet Wandl-Rauris|region=AT-5|type=landmark}} | Teil des Nationalpark Hohe Tauern |
| SSG 00003 | Inneres Untersulzbachtal<ref name="SBG SSG3">Sonderschutzgebiet 00003 Inneres Untersulzbachtal, Schutzgebietsinventar des Landes Salzburg</ref> | Zell am See | Neukirchen | 2.655,00 | VO vom 1. Januar 1996 | Datei:Erioll world.svg{{#coordinates:47.169664|12.321377 | name=Sonderschutzgebiet Inneres Untersulzbachtal|region=AT-5|type=landmark}} | Teil des Nationalpark Hohe Tauern |
| Tir 1 | Kranebitter Innau<ref>Vorlage:Schutzgebiet Tirol</ref> | Innsbruck-Stadt | Innsbruck-Kranebitten | 18,32 | 44/2005 | Datei:Erioll world.svg{{#coordinates:47.265823|11.316073 | name=Sonderschutzgebiet Kranebitter Innau|region=AT-7|type=landmark}} | |
| Tir 2 | Mieminger – Rietzer Innauen<ref>Vorlage:Schutzgebiet Tirol</ref> | Imst | Mieming, Rietz | 15,86 | 46/1985 | Datei:Erioll world.svg{{#coordinates:47.290090|11.004527 | name=Sonderschutzgebiet Mieminger und Rietzer Innauen|region=AT-7|type=landmark}} | |
| Tir 3 | Silzer Innau<ref>Vorlage:Schutzgebiet Tirol</ref> | Imst | Silz | 8,3 | 85/1997 | Datei:Erioll world.svg{{#coordinates:47.266499|10.911928 | name=Sonderschutzgebiet Silzer Innau|region=AT-7|type=landmark}} |
- Quelle: Land Kärnten/Land Salzburg/Land Tirol, tiris www.tirol.gv.at/tiris
- <templatestyles src="FN/styles.css" />(1)In den jeweiligen Gemeinden sind meist nur eine Anzahl von Parzellen betroffen
- <templatestyles src="FN/styles.css" />(2)Laufnummer nur für Salzburg amtlich
- <templatestyles src="FN/styles.css" />(Fl.)Flächenangaben je nach Maßstab der Aufnahme abweichend
Geplante Sonderschutzgebiete
In Salzburg sind seit den 1990ern folgende Gebiete des Nationalparks unter Sonderschutz geplant:<ref name="Kremser 1987" />
- im Bereich der Krimmler Wasserfälle (500 ha), Gemeinde Krimml (Naturdenkmal NDM00067, seit 1961)
- im Wiegenwald (ca. 140 ha), Gemeinde Uttendorf (ehem. Naturwaldreservat)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Naturerlebnis Wiegenwald ( des Vorlage:IconExternal vom 3. August 2009 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., bergfex.at</ref>
- im Durchgangswald („Rauriser Urwald“, ca. 100 ha), Gemeinde Rauris<ref>Nationalpark: Schutzgebiete, Rauris - ein ganzes Dorf ist online</ref>
Literatur
- Peter Aubrecht, Karl Christian Petz: Naturschutzfachliche bedeutende Gebiete in Österreich. Eine Übersicht. (M-134). In: Umweltbundesamt (Hrsg.): Monographien. Band 134. Wien 2002, ISBN 3-85457-571-8, 3 Nationale Schutzgebiete, S. 26–92 (web.archive.org [PDF; 423 kB; abgerufen am 11. September 2021]).
- Mario F. Broggi, Rudolf Staub, Flavio V. Ruffini: Großflächige Schutzgebiete im Alpenraum: Daten, Fakten, Hintergründe. Blackwell Wissenschafts-Verlag, 1999, ISBN 3-8263-3215-6.
- Umweltbundesamt (Hrsg.): Die Naturschutzgebiete Österreichs. Wien 1993, ISBN 3-85457-091-0.
Nachweise
<references />
Vorlage:Hinweis Seiten-Koordinaten
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Natura 2000-Gebiete (Europaschutzgebiete) | Internationale Schutzgebiete | Nationalpark Hohe Tauern | Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge
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EU-Netzwerke: Natura 2000 (Europaschutzgebiete) • Naturwaldreservate • Biogenetische Reservate | Internationale Schutzgebiete
Nationalparks: Hohe Tauern | Naturparke: Untersberg • Riedingtal • Weißbach • Buchberg
Naturschutzgebiete | Landschaftsschutzgebiete | Geschützte Landschaftsteile (nach Bezirk): Tennengau (HA) • Pongau (JO) • Lungau (TA) • Salzburg-Stadt (S) • Flachgau (SL) • Pinzgau (ZE) | Pflanzenschutzgebiete | Ruhegebiete | Sonderschutzgebiete | Grüngürtel für den Salzburger Ballungsraum
Naturdenkmäler (nach Bezirk): Tennengau (HA) • Pongau (JO) • Lungau (TA) • Salzburg-Stadt (S) • Flachgau (SL) • Pinzgau (ZE) | Geschützte Naturgebilde von örtlicher Bedeutung | Besonders geschützte Höhlen | Baumschutz in der Stadt Salzburg
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang
Natura 2000 (Europaschutzgebiete) | Internationale Schutzgebiete
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Naturschutzgebiete | Landschaftsschutzgebiete | Geschützte Landschaftsteile | Ruhegebiete | Sonderschutzgebiete
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