Zum Inhalt springen

St. Simeonis (Minden)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 27. Oktober 2025 um 09:52 Uhr durch imported>Fluklix123 (Bekannte Pfarrer).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:St simeons.jpg
Die St. Simeoniskirche in Minden
Datei:Minden Grundriss St. Simeonis und Mauritius.jpg
Grundriss 1902

Die evangelisch-lutherische Kirche St. Simeonis oder Simeoniskirche in der ostwestfälischen Stadt Minden ist ein Kirchengebäude, das in der südlichen Mindener Altstadt steht. Ihr Turm gehört damit zu den stadtbildprägenden Gebäuden von Minden. Direktes Nachbargebäude ist die katholische Kirche St. Mauritius mit dem Konvent der Schwestern der christlichen Liebe. In der Simeonskirche predigte 1529 Heinrich Traphagen und löste damit die Reformation in Minden aus. Seit Pfingsten 2004 ist die Kirche St. Simeons eine „Offene Kirche“ der Evangelischen Kirche von Westfalen und ohne eigene Kirchengemeinde.

Geschichte

Am 1. Juni 1214 wurde die Kirche als eine Filialkirche von St. Martini geweiht. Den Namen erhielt sie von Simeon von Trier. Der zunächst einschiffige Bau wurde im 13. Jahrhundert durch das nördliche Seitenschiff erweitert, im 14. Jahrhundert durch sein Pendant das südliche Seitenschiff.<ref>Paul Hülsmann: Die St.-Simeon-Kirche in Minden. Eine baugeschichtliche Betrachtung. Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, Jahrgang 49 (1977), S. 94–120.</ref>

Durch die Verlegung des Klosters St. Mauritius neben die Simeonskirche wurde sie von 1434 bis 1475 gleichzeitig Pfarr- und Klosterkirche. Dies erforderte weitere Baumaßnahmen, wie den Hallenchor im Osten der Kirche für das Chorgebet der Mönche. 1475 wurde die neue Klosterkirche St. Mauritius unmittelbar neben St. Simeon fertiggestellt und damit die Funktion der Klosterkirche wieder an das Kloster St. Mauritius übergeben. Gleichzeitig wurde die Pfarrstelle jetzt nicht mehr aus der weltlichen Kirchengemeinde heraus, sondern vom Kloster aus bestellt.

Dies hielt sich jedoch nicht. Im September 1529 war es wieder ein Benediktinermönch, der hier predigte. Heinrich Traphagen hielt von der Kanzel der Simeonskirche eine Predigt, die durch Schriften Martin Luthers geprägt war. Der Abt des Klosters, Heinrich Keppelen, ließ ihn für dieses Vergehen ins städtische Gefängnis setzen. Die darüber aufgebrachte Bürgerschaft befreite Traphagen nachts jedoch heimlich und machte ihn zu ihrem Fürsprecher. Traphagen wurde von der evangelischen Bürgerschaft der Stadt Minden demonstrativ wieder als Pfarrer eingesetzt und war am 3. Oktober 1529 wieder auf der Kanzel der Simeoniskirche. Von dort griff er Abt und Konvent von St. Mauritius scharf an. Seine Zuhörer warfen anschließend die Fenster der Dienstwohnung des Abtes im Kloster ein.<ref>Hans Nordsiek: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Reformation in St. Simeons (Memento des Vorlage:IconExternal vom 19. Februar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mindenmagazin.de; abgerufen im November 2014.</ref> Unterstützt von der Bürgerschaft begann die Reformation, es wurde ein Ausschuss von 36 Männern gebildet, jeweils zwölf aus den drei Kirchspielen der Stadt. In Folge wurde der Rat der Stadt Minden umbesetzt und ergänzt, die Kirche St. Simeons wurde evangelisch.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geschichte der Kirche auf der Internetseite der Offenen Kirche St. Simeons (Memento des Vorlage:IconExternal vom 4. November 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.offene-kirche-st-simeonis.de abgerufen im Mai 2010.</ref> Das Konvent des Klosters St. Mauritius musste 1529 nach Rinteln flüchten, 1552 kam es jedoch wieder zurück.<ref> Christin Borgmeier: Kirche und Reformation in Minden um 1530, S. 10 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Die Mutterkirche St. Martini wechselte im Dezember 1529 zu einer evangelischen Kirche.

Die Simeonsgemeinde stellte dem Infanterie-Regiment „Prinz Friedrich der Niederlande“ (2. Westfälisches) Nr. 15 gegen ein Entgelt ihre Kirche für die Abhaltung von Garnisonsgottesdiensten zur Verfügung.<ref> Alfred Cramer: "Geschichte des Infanterie-Regiments Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westfälisches) Nr. 15"; Berlin 1910, Verlag R. Eisenschmid, Verlagsbuchhandlung für Militärwissenschaft.</ref>

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg verfügte der Kaiser, dass in jeder Kirche der Monarchie eine Tafel errichtet werde, welche unter der Aufschrift: „Aus diesem Kirchenspiel starben für König und Vaterland“, die Namen der in den drei letzten Feldzügen Gefallenen enthalten sollte. Sie hängt neben der Tafel von 1813/15 in der Simeonskirche. Um 1900 schuf Professor Alexander Linnemann aus Frankfurt für die Kirche 5 Glasfenster gemäß Werkverzeichnis aus dem Jahr 1902.

Im Rahmen einer Strukturreform im Bistum wurde der zugehörige Pfarrbezirk 2004 aufgelöst und die Kirche zur „Offene Kirche“ ohne Gemeinde erklärt. Im Jahr 2014 wurde das 800-jährige Jubiläum der Kirche begangen.<ref>Andreas Brügmann: Offene Kirche St. Simeonis | im Evangelischen Kirchenkreis Minden. Abgerufen am 5. März 2024.</ref>

Orgel

Die Orgel von St. Simeonis wurde 1974 von der dänischen Orgelbaufirma Marcussen & Søn (Appenrade) erbaut. Das Instrument hat 24 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen und Registertrakturen sind mechanisch.<ref>Zur Orgel-atlas: Marcussen-Orgel abgerufen im Dezember 2010</ref>

I Rückpositiv C–g3

1. Holzgedackt 8′
2. Quintatön 8′
3. Prinzipal 4′
4. Rohrflöte 4′
5. Oktave 2′
6. Nasard 113
7. Scharff III 1′
8. Dulzian 16′
9. Vox humana 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
10. Prinzipal 8′
11. Rohrflöte 8′
12. Oktave 4′
13. Spitzflöte 4′
14. Flachflöte 2′
15. Sesquialtera II 223
16. Mixtur V 2′
17. Trompete 8′
Pedal C–f1
18. Subbass 16′
19. Oktave 8′
20. Oktave 4′
21. Nachthorn 2′
22. Rauschpfeife IV
23. Fagott 16′
24. Trompete 8′
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P; Superoktavkoppel I/P

Baudenkmal

Turm

Der 1912 erbaute Turm der Simeonskirche ist 60,5 m hoch und mit einem spitzen, kupfergedeckten Dach versehen. Er war lange Sitz des südlichen Türmers der Stadt Minden, der von hier nach Feinden in der Porta Westfalica und nach Feuer Ausschau hielt. Der Turm trägt fünf Glocken, vier davon entstanden im 20. Jahrhundert, zwei wurden von der Domgemeinde gestiftet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kleiner Kirchenführer Offene Kirche St. Simeonis (Memento des Vorlage:IconExternal vom 7. April 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.offene-kirche-st-simeonis.de (PDF; 155 kB) abgerufen im Februar 2016.</ref>

Bürgerverein

Im Mai 2010 gründeten engagierte Bürger den Verein „Rettet St. Simeonis“. Ziel ist es, das Baudenkmal zu erhalten und vor allem den Turm zu sanieren.<ref> Mindener Tageblatt vom 26. Mai 2010 abgerufen im Mai 2010.</ref>

Gemeinde

Bekannte Pfarrer

Literatur

Weblinks

Commons: St. Simeonis (Minden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references/>

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Evangelisch: Christuskirche | Erlöserkirche | St. Immanuel (entwidmet) | St. Jakobus | St. Johannis (entwidmet) | St. Lukas | Marienkirche | Marienkapelle | St. Matthäus | St. Markus | St. Martini | Kirche Meißen | St. Pauli (abgebrochen) | Ss. Peter und Paul | St. Petri | St. Simeonis | St. Thomas | Kirche Wichernhaus

Römisch-katholisch: Dom St. Gorgonius und St. Petrus | St. Ansgar | St. Johannis (entwidmet) | St. Maria | St. Mauritius | St. Paulus

Neuapostolisch: Nord | Mitte | West

Jüdisch: Synagoge Kampstraße

* berücksichtigt sind nur „klassische“ Sakralbauten, aber nicht Kapellen ohne Kirchengemeinde (z. B. die Kapelle Schloss Haddenhausen)

Vorlage:Klappleiste/Ende

Koordinaten: 52° 17′ 8,7″ N, 8° 54′ 46,5″ O

 {{#coordinates:52,28575|8,912905|primary
   |dim=
   |globe=
   |name=
   |region=DE-NW
   |type=landmark
  }}