Heavenwood
| Heavenwood | |
|---|---|
| Allgemeine Informationen | |
| Herkunft | Vila Nova de Gaia, Portugal |
| Genre(s) | Gothic Metal, Death Metal |
| Gründung | 1992 als Disgorged |
| Gründungsmitglieder | |
| Ernesto Guerra | |
| Ricardo Dias | |
Gitarre |
Mário Rui Lemas |
| Rui Santos † | |
| João Soares | |
| Jose Barbosa | |
| Aktuelle Besetzung | |
Gesang |
Ernesto Guerra |
Gitarre, Gesang |
Ricardo Dias |
Gitarre |
Vitor Carvalho |
Bass, Schlagzeug |
Daniel Cardoso |
| Ehemalige Mitglieder | |
Gitarre |
Miguel Vaquero |
Bass |
Bruno Silva |
Bass |
Pedro Mendes |
Bass |
André Matos |
Schlagzeug |
Dave Jr. |
Schlagzeug |
Luiz Ferreira |
| Live- und Session-Mitglieder | |
Schlagzeug |
Marcelo Aires |
Bass |
Hugo Pires |
Heavenwood ist eine portugiesische Gothic-Metal-Band, die 1992 in Vila Nova de Gaia unter dem Namen Disgorged gegründet wurde und ursprünglich Death Metal spielte. Auf den späteren Alben kehren die Death-Metal-Elemente dosiert wieder zurück.
Geschichte
Gegründet wurde die Band von Ernesto Guerra (Gesang), Ricardo Dias (Gitarre), Mario Lui Lemos (Gitarre), Rui Santos (Bass), João Soares (Keyboard) und Jose Barbosa (Schlagzeug). Alle sind zur selben Schule gegangen und waren befreundet. Ihren Plan, auch zusammen in einer Band zu spielen, setzten sie 1992 um.<ref name="Sprissler">Martin Sprissler: Heavenwood. In: Gothic. Magazine for Underground Culture. Nr. 28, 1998, S. 97 f.</ref> Der Name dieser Bandgründung war Disgorged und ihr Stil war Death Metal. Erst 1995, nach dem Suizid von Rui Santos und der Ersatzverpflichtung von Bruno Silva, veränderte sich der Stil in Richtung Gothic Metal.<ref name="Stradivari">Stradivari: Heavenwood – Abyss Masterpiece. In: bleeding4metal.de. Stefan Machwirth, 29. März 2011, abgerufen am 17. Februar 2024.</ref><ref name="laut">Heavenwood. Laut.de-Biographie. In: laut.de. Abgerufen am 17. Februar 2024.</ref>
Das deutsche Metal-Label Massacre Records nahm die inzwischen Heavenwood heißende Band unter Vertrag. 1996 erschien das Debütalbum Diva mit einem vom Massacre-Hausdesigner Matthias Herkle gestalteten Cover. Bald darauf ging die Band Ende 1996 mit Atrocity und In Flames, dann im Frühjahr 1997 mit Theatre of Tragedy und Lake of Tears auf Tour.<ref name="Massacre">Waschzettel zu Swallow, Massacre Records, Abstatt 1998.</ref> Dabei zeigte sie sich in fast ganz Europa. Besonders leichtes Spiel hatte sie im Heimatland, wenn sie an der Seite der anderen international bekannten portugiesischen Metal-Band Moonspell auftrat.<ref name="laut" />
Mit Swallow erschien 1998 das zweite Album. Für die Aufnahmen waren Liv Kristine (Leaves’ Eyes) und Kai Hansen (u. a. Helloween/Gamma Ray) als Gastmusiker herangezogen worden.<ref name="laut" /> Als Produzent fungierte der Crematory-Stammproduzent Gerhard Magin.<ref name="Buffo">Uwe „Buffo“ Schnädelbach: Heavenwood. Swallow. In: Rock Hard. Zocker ’n’ Soccer-Edition. Nr. 131, April 1998, In Scheiben, S. 106.</ref> Das vom Grafikdesigner Thomas Ewerhard (zwei Disbelief-Cover u. v. a. mehr) gestaltete Cover zeigt einen von Chamäleonhaut umgebenen Frauenmund, der ein anderes Reptil aufnimmt. Der Albumtitel bedeutet laut Bandaussage, von einer Frau verschluckt zu werden. Guerra singt bevorzugt über Frauen, weil diese seiner Meinung nach etwas Überlegenes, nämlich Chamäleonartiges an sich haben.<ref name="Sprissler" /><ref name="Wendel">Kai Wendel: Heavenwood. Piercings & Pflastersteine. In: Rock Hard. Nr. 132, Mai 1998, S. 128 f.</ref> Nach dem Release erfolge die Verpflichtung von Miguel Vaquero als dauerhaften zweiten Gitarristen.<ref name="Massacre" /> Die Band ging wieder auf Europa-Tour, um das Album zu promoten.<ref name="laut" />
Zwischen 2001 und 2003 lagen jegliche Arbeiten der Band auf Eis. Ein festes Line-up war nicht mehr vorhanden und die Mitglieder spielten als Session-Musiker in anderen Gruppen.<ref name="laut" /> Mitte Oktober 2008 brachte die Band bei dem kleinen portugiesischen Label Recital Records das dritte Album Redemption heraus. Auch für diese Arbeiten waren Gastmusiker hinzugestoßen, wie Tijs Vanneste (Oceans of Sadness), Gus G (Firewind), Jeff Waters (Annihilator) und Produzent Daniel Cardoso (u. a. Re:Aktor, Anathema). Der Bandkern bestand aus Sänger Ernesto Guerra, Sänger und Gitarrist Ricardo Dias und dem zur Gitarre gewechselten Bruno Silva, dazu als Quasi-Mitglied Cardoso, der das Schlagzeug übernommen hatte. Den Bass bedienten Session-Musiker.<ref name="laut" /> Das Label hatte keine zulängliche internationale Reichweite, weshalb die Heavenwood-Mitglieder dieses wieder verließen.<ref name="TV">T.V.: Heavenwood-Interview. In: terrarelicta.com. 11. Oktober 2016, abgerufen am 17. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Hinsichtlich der Stammbesetzung gilt für das nächste Album Abyss Masterpiece (2011) dasselbe wie beim Vorgänger. Das Label, unter dem es veröffentlicht wurde, ist jedoch diesmal das französische Listenable Records. Eingespielt wurde es im portugiesischen Studio „USStudios“, gemischt und gemastert wiederum im deutschen Kohlekeller Studio von Kristian Kohlmannslehner.
Im Juni 2016 folgte (nach einem Vorgeschmack durch den Videoclip zum Eröffnungsstück The Juggler) das Album The Tarot of the Bohemians Part I, inspiriert durch die Niederschriften des französischen Okkultisten Papus zum Tarot. Ricardo Dias erläuterte: „Wir haben jeder Tarotkarte ‚Leben gegeben‘ und so ihre ganz eigene musikalische Identität geschaffen.“<ref name="TV" />
Stil
Eine Stilbeschreibung kann nur für die einzelnen Schaffensperioden gelten.
Nach dem Death Metal der Pre-Heavenwood-Phase ging es Ende der 1990er klar in Richtung Gothic Metal. Auf Gothic Metal legten sich das Autorenteam um Garry Sharpe-Young in The Ultimate Hard Rock Guide Vol I – Europe,<ref>Garry Sharpe-Young, Horst Odermatt & Friends: The Ultimate Hard Rock Guide Vol I – Europe. Bang Your Head Enterprises Ltd., 1997, S. 272.</ref> Robert Müller im Metal Hammer<ref>Robert Müller: Heavenwood. Jenseits der Stille. In: New Rock & Metal Hammer. Juli 1998, S. 65.</ref> sowie das Online-Musikmagazin laut.de<ref name="laut" /> fest. Die Referenzen lauten bei laut.de Crematory und Tiamat.<ref name="laut" /> Die meisten fühlten sich jedoch an Paradise Lost erinnert: Martin Popoff zog in seinem Buch The Collector’s Guide of Heavy Metal Volume 3: The Nineties Cemetary und „Paradise Lost auf ihrem Höhepunkt“ als Vergleich heran.<ref>Martin Popoff: The Collector’s Guide of Heavy Metal Volume 3: The Nineties. Collectors Guide Ltd., Burlington, Ontario, Kanada 2007, ISBN 978-1-894959-62-9, S. 192.</ref> Frank Albrecht meinte im Rock Hard, Heavenwood klinge wie Paradise Lost.<ref>Frank Albrecht: Atrocity, In Flames, Heavenwood, Totenmond. Bochum, Zeche. In: Rock Hard. Nr. 117, Februar 1997, Live Reviews, S. 148.</ref> Sein Redaktionskollege Uwe „Buffo“ Schnädelbach fand die Band „teilweise ähnlich wie Paradise Lost“. Er bemerkte dazu, dass die Lieder ihren eigenen unverwechselbaren Charakter hätten und glücklicherweise „auf kitschige, engelsgleiche Frauenstimmchen verzichtet“ wurde.<ref name="Buffo" /> Für Sven Markmann stand in Nova Files die Ähnlichkeit mit Paradise Lost fest. Er ergänzte: „Sehr eingängige Songs mit schönen Synthie-Fächern gehen einher mit Gitarrenmelodien und mehrstimmigen Mitsing-Refrains.“<ref>Sven Markmann: Heavenwood. Swallowed [sic]. In: Nova Files. Music & Style. 2/1998, Mai/Juni, 24. April 1998, CD-Check, S. 56.</ref> Ohne Vergleiche zu anderen Bands blieb Martin Sprissler in der Gothic. Der Chefredakteur schrieb, Swallow strahle „beim Anhören eine wohlige, mystisch-gedankenverlorene, wenn auch dichte Stimmung aus“.<ref name="Sprissler" />
Kai Wendel warf 1997 im Rock Hard ein, Ernesto Guerras Anlagen als Sänger könnten ihn zu Nick Holmes von Paradise Lost und Fernando Ribeiro von Moonspell aufschließen lassen.<ref>Kai Wendel: Theatre of Tragedy, Lake of Tears, Heavenwood. Ludwigsburg, Rockfabrik. In: Rock Hard. Nr. 117, Juni 1997, Live Reviews, S. 152.</ref> Schließlich äußerte sich 1998 auch Ernesto Guerra im Rock Hard zu den Vergleichen: „Abgrenzungen sind schwer, weil jeder immer Vergleiche zieht, mal zu Moonspell, mal zu Paradise Lost, mal zu Lake of Tears.“<ref name="Wendel" />
Der Stil nach der kreativen Pause lässt die Gothic-Metal-Jahre maßvoll nachklingen, doch schon das Folgealbum hat einen mitunter „deutlichen Death-Metal-Einschlag“.<ref name="Edele">Michael Edele: Heavenwood. Abyss Masterpiece. Die Portugiesen stoßen in Soundtrack-Dimensionen vor. Laut.de-Kritik. In: laut.de. 2011, abgerufen am 17. Februar 2024.</ref> Michael Edele ließ sich auf laut.de über das Album Redemption aus: „Während die tiefen Growls nicht selten an den alten Sentenced-Fronter Tarneli Jarva erinnern, macht das Wechselspiel mit dem Klargesang und den Vocals von Gastsängerin Ana Gomes den besonderen Reiz aus.“ Vereinzelt fühlte er sich noch an Moonspell und an Tiamat erinnert.<ref>Michael Edele: Heavenwood. Redemption. Mit dem Gothic Rock Track des Jahres. Laut.de-Kritik. In: laut.de. 2008, abgerufen am 17. Februar 2024.</ref> Abyss Masterpiece sei durch die Black-Metal-Zitate<ref name="Edele" /> „ruppiger und weniger elegisch“<ref name="laut" /> ausgefallen, konstatierte laut.de. Das Stück Poem For Matilde weise ein letztes Mal auf Tiamat hin. Mit Her Lament stoße man dann zum Abschluss kompositorisch in „Soundtrack-Dimensionen“ vor.<ref name="Edele" /> Der Rezensent, der sich auf bleeding4metal.de Stradivari nennt, machte ein mit Orchester- und Chorpassagen gespicktes symphonisches Grundkonzept aus. Hauptsächlich dafür verantwortlich sei die Zusammenarbeit mit dem russischen Film- und Fernseh-Komponisten Dominic G. Joutsen. Trotzdem gebe es „Black- und Death-Metal-Zitate“, die ihn zur Beschreibung „Dark Metal“ veranlassten. Heavenwood brauche sich nicht hinter Bands wie Moonspell, Paradise Lost oder Tiamat zu verstecken.<ref name="Stradivari" /> Heavenwoods seinerzeitiges Plattenlabel Listenable Records kombiniert die stilistischen Hauptmerkmale zu der Bezeichnung „Gothic-Death-Metal“ und empfiehlt das Album für Anhänger von Paradise Lost, Darkseed und Sundown.<ref>H.L.: Abyss Masterpice by Heavenwood. In: listenable-records.bandcamp.com. Abgerufen am 17. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
2016 schlugen die Musiker konsequent die Richtung Soundtrack, genauer Konzeptalbum, ein, denn jedes Stück auf The Tarot of the Bohemians Part I nimmt sich einer bestimmten Tarotkarte an. Zum symphonischen Klangbild äußerte sich Ricardo Dias gegenüber dem Terra Relicta dark music web magazine. Demnach liegt kein echtes Orchester vor, jedoch auch kein elektronisch erzeugtes summarisches. Vielmehr wurden die Spuren aller Instrumente einzeln erzeugt, um der Sache einen weitestgehend menschlichen Anstrich zu geben.<ref name="TV" />
Diskografie
- 1994: As Illusive as a Dream (Demo)
- 1996: Emotional Wound (Demo)
- 1996: Diva (Album, Massacre Records)
- 1998: Swallow (Album, Massacre Records)
- 1998: Heartquake (Single, Massacre Records)
- 2008: Redemption (Album, Recital Records)
- 2011: Abyss Masterpiece (Album, Listenable Records)
- 2014: The Juggler (Vorab-Veröffentlichung als Videoclip)
- 2016: The Tarot of the Bohemians Part I (Album, Raising Legends/Massacre Records)
- 2018: The Lightning Struck Down (Single, Avantgarde MINGT)
Einzelnachweise
<references />
Weblinks
- Heavenwood bei Myspace
- Vorlage:Laut
- Heavenwood bei AllMusic (englisch)Vorlage:Abrufdatum