Zum Inhalt springen

Narges Kalhor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 11. März 2026 um 14:04 Uhr durch ~2026-14972-49 (Diskussion).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Narges Kalhor.jpg
Narges Kalhor (2025)

Narges Kalhor (<phonos file="Narges-kalhor-2024.ogg">anhören</phonos>/?; * 10. September 1984 in Teheran, Iran) ist eine in Deutschland lebende iranische Filmregisseurin, Videokünstlerin und Filmeditorin.

Leben

Kalhor ist die Tochter von Mehdi Kalhor, einem Medien- und Kulturberater des ehemaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Sie studierte ab 2002 Film am Beh-andish College in Teheran. 2006 nahm sie ein Grafik-Studium auf, das sie 2008 mit dem B. A. abschloss. Seit 2004 arbeitete sie parallel zu ihrem Studium als Editorin in der ARASB Werbe- und Filmproduktionsagentur in Teheran. 2009 nahm sie aktiv an den Protesten nach den iranischen Präsidentschaftswahlen teil, in ihren Filmen kritisierte sie die iranische Regierung.

Beim Internationalen Filmfestival der Menschenrechte Nürnberg (NIHRFF) zeigte Kalhor im Oktober 2009 in der Sonderreihe Iran ihren Film Darkhish (Die Egge)<ref>Gästeliste NIHRFF 2009 </ref>. Unmittelbar nach dem Screening wurde sie gewarnt, bei einer Rückkehr in den Iran aufgrund ihrer kritischen Haltung nicht mehr sicher zu sein, und war gezwungen, in Deutschland Asyl zu beantragen<ref>Tochter von Ahmadinedschad-Berater fürchtet Iran, auf Welt.de, vom 14. Oktober 2009</ref><ref>Eine Frage der Hoffnung, auf faz.net, vom 16. Dezember 2009</ref>. Inzwischen ist sie als Asylberechtigte anerkannt. Seit 2009 lebt Kalhor im Exil in Deutschland.<ref name="taz6161666">Chris Schinke: Filmemacherin zur Lage im Iran: „Für uns gibt es keinen Weg zurück“. In: taz.de. 11. März 2026, abgerufen am 11. März 2026.</ref> Kalhor beschreibt die Zeit seit den Protesten der Grünen Bewegung als biografischen Bruch, nach dem sich ihr Leben dauerhaft ins Exil verlagerte.<ref name="taz6161666" /> Für die Proteste von 2009 hebt sie hervor, dass es vielen Beteiligten zunächst nicht um einen Regimewechsel ging, sondern um die Anerkennung ihrer Stimmen und ihres Wahlwillens.<ref name="taz6161666" />

Kalhor betont in ihrer politischen Einordnung die besondere Prägung der Islamischen Republik als Zentrum der schiitischen Welt seit 1979 und sieht diese Differenzierung als wesentlich für das Verständnis der Ideologie des Regimes.<ref name="taz6161666" /> Sie verweist zudem auf die Rolle der Islamischen Revolutionsgarden, denen sie einen umfassenden Einfluss auf Wirtschaft, Universitäten und zentrale gesellschaftliche Bereiche zuschreibt.<ref name="taz6161666" />

Kalhor studierte von 2010 bis 2019 an der Hochschule für Fernsehen und Film München in der Abteilung Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik Regie. In Co-Regie mit Benedikt Schwarzer entstand dort der Dokumentarfilm Shoot Me, der für den Deutschen Kurzfilmpreis und Deutschen Menschenrechtsfilmpreis 2014 nominiert wurde<ref>Die Staatsministerin für Kultur und Medien Grütters vergibt die Nominierungen für den Deutschen Kurzfilmpreis 2014, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, vom 23. Oktober 2014</ref><ref>Shoot Me - Filmdetail - HFF München. Abgerufen am 13. Juli 2020.</ref>. Sie lehrt an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf.<ref name="taz6161666" /> In Deutschland verfasst sie Drehbücher auch auf Deutsch.<ref name="taz6161666" /> Sie thematisiert dabei die unterschiedliche Ausgangslage zwischen Exil und Alltag im Iran und verweist auf die mit einem deutschen Pass verbundene Möglichkeit eines Auswegs als Privileg.<ref name="taz6161666" />

Ihr Abschlussfilm In the Name of Scheherazade or the First Beergarden in Tehran feierte auf dem Vision du Réel 2019 Weltpremiere<ref>Film: In the Name of Scheherazade or the First Beergarden in Tehran (Beh name Shahrzad la Avalin baaghe abjo dar Tehran). In: Goethe-Institut Italien. Abgerufen am 28. Juli 2024.</ref> und lief 2020 in der Schweiz im Kino.<ref>Dokumentarfilm | In the Name of Scheherazade or The First Beer Garden in Tehran. In: arttv.ch. Abgerufen am 28. Juli 2024.</ref> Ihr nächstes Werk Shahid, eine Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilm mit Elementen aus Theater und Musical, feierte 2024 im Forum der Berlinale Premiere.<ref>Shahid. In: Belinale. Abgerufen am 28. Juli 2024.</ref> Im Zusammenhang mit dem Filmtitel beschrieb Kalhor den Begriff Shahid (Märtyrer) als politisch vereinnahmt und in weiten Teilen der iranischen Gesellschaft als diskreditiert.<ref name="taz6161666" /> Für Opfer staatlicher Gewalt werde im Iran stattdessen teils die Bezeichnung „Javid Nam“ verwendet.<ref name="taz6161666" />

Im März 2026 plädierte Kalhor dafür, die Lage im Iran nicht in einer einfachen Gegenüberstellung von Gut und Böse zu deuten.<ref name="taz6161666" /> Sie verband dies mit der Erwartung, dass das Mullah-Regime durch inneren Druck und einen Zusammenbruch seiner Machtapparate zur Aufgabe gezwungen werden könnte.<ref name="taz6161666" /> Als wünschenswertes Szenario nannte sie, dass die Revolutionsgarden möglichst bald aufgeben und die iranische Bevölkerung anschließend über eine neue Regierung entscheiden kann.<ref name="taz6161666" />

Zu Kalhors wiederkehrenden Themen gehören der feministische Widerstand gegen patriarchale Strukturen, der Einsatz für eine diverse Gesellschaft, das migrantische Kino, sowie das Erzählen der Geschichten aller Menschen im westlichen Kino. In ihrem visuell und stilistisch vielfältigen Werk lässt sie sich u. a. vom deutschen Expressionismus, dem Stummfilm und von den Essayfilmen Agnès Vardas inspirieren. Sie schätzt den Experimentalfilm und meidet das klassische Narrativ.<ref>Marga Boehle: Call Me By My Name. In: Film News Bayern. Abgerufen am 28. Juli 2024.</ref>

Filmografie

Iran

  • 2001: Without Discussion
  • 2002: Illusions of a Persian Cat
  • 2007: Enlightenment of a Hen
  • 2007: We Must Have Died
  • 2008: Darkhish (Die Egge)
  • 2008: Hair
  • 2009: After Green
  • 2009: Bijan And Manigeh In Tehran
Datei:Rozati berlinale shahidfilm2024.jpg
Das Team von Shahid bei der Berlinale 2024: Saleh Rozati, Thomas Sprekelsen, Narges Kalhor, Nima Nazarinia, Baharak Abdolifard

Deutschland

Auszeichnungen

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein