Chiapas-Konflikt
| Chiapas-Konflikt | |||||
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| Datum | seit 1994 | ||||
| Ort | Mexiko, Bundesstaat Chiapas | ||||
| Ausgang | offen | ||||
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Der Chiapas-Konflikt ist der aktuelle Aufstand des Ejército Zapatista de Liberación Nacional (EZLN), einer linksradikalen Bewegung, die zu den Zapatisten gehört, und sich gegen den mexikanischen Staat im dortigen Bundesstaat Chiapas richtet. Es handelt sich um einen Konflikt niedriger Intensität, der am 1. Januar 1994 begann.<ref name="flag.blackened/mexico.html">flag.blackened.net: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Chiapas and the Zapatista rebellion – Documents, communiques and images from 1994 to 2004/5 ( vom 26. Januar 2011 im Internet Archive)</ref>
Ursachen
Eine Ursache ist die große Armut und die daraus resultierende Notlage der in Chiapas angesiedelten Mayas. Der Lebensstandard verschiedener Volksgruppierungen unterscheidet sich in Mexiko sehr stark und ist immer noch vom Kolonialismus geprägt. Als 1989 der Kaffeepreis dramatisch sank, verschlimmerte sich die Notlage der Ureinwohner frappierend. Zusätzlich ist die von rassistischen Motiven geprägte Diskriminierung der Indigenen in Hauptverantwortung zu nennen.<ref name="SIPAZ französisch">SIPAZ: Historischer Überblick des Konfliktes in Chiapas: 1994-2007. In: sipaz.org. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 15. Januar 2011; abgerufen am 3. November 2023.</ref> Eine weitere Ursache war der Beitritt Mexikos zur NAFTA, womit ein für die indigene Bevölkerung nachteiliges Handelsabkommen einherging. Die Erzeugnisse der örtlichen Bauern wurden durch in Massenproduktion hergestellte billigere Importwaren aus den USA ersetzt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Aufstand der Indios in Mexiko ( vom 8. Oktober 2007 im Internet Archive) – Seite der Sibilla-Egen-Schule</ref> Eine weitere Ursache ist Enteignung von Land.<ref>Land Research Action Network: Mexico: Dispossession of indigenous lands, Chiapas. In: acaoterra.org. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. Oktober 2015; abgerufen am 3. November 2023. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> In Chiapas sind viele Menschen unterernährt; und dies trotz eines Reichtums an Rohstoffen und für landwirtschaftliche Produkte optimalen Klimabedingungen. Betroffen von der Hungerproblematik ist ausschließlich die mehrheitlich vorhandene indigene Bevölkerung.<ref name="carea-menschenrechte.de">Politischer Hintergrund unter Chiapas</ref>
Hintergrund
Der überwiegende Anteil der Bevölkerung des Staates Chiapas lebt von der Landwirtschaft.<ref name="Sipaz deutsch"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die indigenen Völker: ( vom 16. Mai 2008 im Internet Archive)</ref> Viele Indigene haben keine oder nur sehr geringe Schulbildung.<ref name="Sipaz deutsch" /> Der überwiegende Anteil der indigenen Bevölkerung von Chiapas ist mayasprachig.<ref name="ag-friedensforschung.de" />
Die Selva Lacandona ist das Rückzugsgebiet der EZLN. Einer der fünf zapatistischen Verwaltungssitze ist La Garrucha (2008). Radio Insurgente ist der Sender der EZLN, der auf Spanisch und in indigenen Sprachen sendet. Dem EZLN geht es auch um den Kampf gegen Diskriminierung von Frauen.<ref>Menschenrechtsbeobachtung in Chiapas/Mexiko. In: carea-menschenrechte.de. Abgerufen am 3. November 2023.</ref> Der Anbau, Handel und Konsum von Drogen, inklusive Alkohol, ist in den zapatistisch kontrollierten Gebieten untersagt.<ref>Erweitertes Revolutionäres Frauengesetz, Art. 8, von 1996, abgedruckt in: Nikola Siller (Red.): Das Recht glücklich zu sein. Der Kampf der Zapatistischen Frauen in Chiapas/Mexiko. Eine Dokumentation vom „Ersten Treffen der Zapatistischen Frauen mit den Frauen der Welt“, La Garrucha, Chiapas, Mexiko, Jahreswende 2007/2008. Zwischenzeit e.V., Münster 2009, ISBN 978-3-00-029822-6, S. 64–65, hier S. 64.</ref> Die EZLN setzt sich für die Selbstbestimmung der Bewohner der Selva Lacandona ein.<ref name="ag-friedensforschung.de">Margarete Tjaden-Steinhauer und Karl Hermann Tjaden: Was ist eigentlich Chiapas?</ref> Subcomandante Marcos und die EZLN sind gegen die zum Mainstream gehörende Partei der Demokratischen Revolution (PRD) ausgerichtet.
Im Vergleich mit anderen mexikanischen Bundesstaaten besteht in Chiapas eine erhöhte Militärpräsenz.<ref name="Heise">Andreas Henrichs: Mexiko: Diskursguerrilla im Medientief.</ref> Die chiapanekischen Staatsregierung duldete, dass eine paramilitärische Gruppe wiederholt zapatistische Gemeinden angriff.<ref name="flag.blackened/ralertdx"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Towards a history of events in Chiapas ( vom 10. April 2016 im Internet Archive)</ref>
Entwicklung
Der Konflikt begann am 1. Januar 1994, an welchem der EZLN vier Städte besetzte,<ref name="flag.blackened/mexico.html" /> und der Regierung Mexikos den Krieg erklärte. Im selben Jahr beschloss die Regierung einen einseitigen Waffenstillstand. Bischof Samuel Ruiz wurde Vermittler. Die EZLN ließ ihre einzige Geisel, den ehemaligen Gouverneur von Chiapas Absalón Castellanos Domínguez, frei. 1995 jedoch startete das Militär Mexikos eine Offensive.<ref name="SIPAZ französisch" /> Zumindest 1995 wurde Folter von der Regierungsseite angewendet.<ref>Human Rights Watch:[TORTURE AND OTHER ABUSES DURING THE 1995 CRACKDOWN ON ALLEGED ZAPATISTAS http://www.hrw.org/legacy/reports/1996/Mexico1.htm] Seite des Deutschen Bundestages</ref> 2001 machten Zapatisten unter der Führung des Subcomandante Marcos einen Marsch von Chiapas nach Mexiko-Stadt.<ref>Peter Greste: In the footsteps of Zapata </ref> Im selben Jahr gab es einen Hungerstreik von Gefangenen.<ref name="flag.blackened/ralertdx" /> Am 1. Januar 2003 nahmen Zapatisten die Stadt San Cristóbal ein.<ref name="SIPAZ französisch" /> Nichtregierungsorganisationen setzten sich für gewaltlosen Wandel ein.<ref>The Zapatista „Social Netwar“ in Mexico</ref>
Die Jesuiten Mexikos erklärten im Januar 1994:<ref>nach Sergio Pitol, Die Kunst der Flucht, Matthes & Seitz, Berlin, S. 357. Dort auch Fortsetzung des Zitats, mit Forderungen der Jesuiten an die Konfliktparteien</ref>
„Die Gewalt, die den Verlust von Menschenleben verschuldet, verstößt gegen den Ratschluß Gottes... Aber die Gewalt in Chiapas beginnt nicht mit dem Ausbruch des bewaffneten Konflikts am 1. Januar dieses Jahres.Die armen Einwohner dieses Staates, besonders die indigene Bevölkerung, fielen einer jahrhundertealten Geschichte von Ausplünderungen, Gewalttaten, Ausgrenzung und Morden zum Opfer. Das ist vielleicht der Grund, der die verzweifelten indigenen Gruppen veranlaßt, sich nun mit den Mitteln der bewaffneten Gegengewalt zu äußern. Darum muß unsere Ablehnung der Gewalt deren Wurzeln berücksichtigen, wenn sie gerecht sein soll. Die erste und grundlegende Gewalt, die man verurteilen muß, ist die strukturelle, sozialökonomisch-politisch-kulturelle Gewalt, deren Opfer die ethnischen Gruppen und Volksschichten in Chiapas und einem großen Teil des übrigen Staatsgebietes waren. Dieses nicht nachdrücklich zu betonen hieße, eine Sachlage zu ignorieren, die zu der gegenwärtigen Auseinandersetzung geführt hat.“
„Wir glauben, daß die Ereignisse in Chiapas ein Warnsignal für das nationale Gewissen in seiner Gesamtheit und eine Aufforderung sind, über die drohenden Gefahren bei der Fortsetzung einer Modernisierungspolitik nachzudenken, die einer an der Macht befindlichen Elite zugute kommt, während sie die Mehrheit der einheimischen Bevölkerung ausgrenzt. Sie sind auch ein Signal an die Regierung, den Weg zur Demokratie ernst zu nehmen.“
Siehe auch
Literatur
- Redaktionsgruppe Topitas (Hrsg.): Ya basta! Der Aufstand der Zapatistas. Assoziation A, Berlin 1994, ISBN 3-922611-44-3.
- Dario Azzellini: Paramilitarismus als soziale Organisierung. Aufstandsbekämpfung in Chiapas. In: Dario Azzellini und Boris Kanzleiter (Hrsg.): Das Unternehmen Krieg. Paramilitärs, Warlords und Privatarmeen als Akteure der Neuen Kriegsordnung. Assoziation A, Berlin 2003, ISBN 3-935936-17-6.
Weblinks
- Narco News:De rondreis van de Zapatistsche Andere Campagne komt terug aan in Mexico Stad
- Zapatista rebels woo Inter Milan
Einzelnachweise
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