Zum Inhalt springen

Franz Josef Altenburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 17. April 2026 um 09:59 Uhr durch imported>Invisigoth67 (typo).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Franz Josef Altenburg (* 15. März 1941 in Bad Ischl; † 18. August 2021 in Wels) war ein österreichischer Keramikkünstler und Bildhauer.

Leben

Franz Josef Altenburg war durch seine Großmutter Marie Valerie von Österreich ein Urenkel des Kaisers Franz Joseph I. und der Kaiserin Elisabeth. Sein Vater war Clemens Salvator von Österreich-Toskana (1904–1974, ab 1931 Clemens Salvator Altenburg) und seine Mutter war Elisabeth Résseguier de Miremont (1906–2000). Er wurde 1941 als siebtes von deren neun Kindern in der Kaiservilla in Bad Ischl geboren und ist dort bis zu seinem 10. Lebensjahr aufgewachsen. Er wurde aber stets angehalten, einen „bürgerlichen“ Brotberuf, nämlich den eines Hafners bzw. Keramikers, zu erlernen und auszuüben (siehe unten). Er selbst legte immer sehr großen Wert darauf, nicht über seine Herkunft, sondern ausschließlich durch seine künstlerischen Leistungen beurteilt zu werden.

Er war seit 1969 mit Christa Haerdtl verheiratet und hatte mit ihr vier Kinder. Franz Josef Altenburg lebte (ab 1976) und arbeitete (ab 1978) bis zuletzt in einem Vierkanthof in Breitenschützing, OÖ. Sein Bauernhof wurde auch zum Treffpunkt von Künstlern: der Komponist und Literat Gerhard Lampersberg und Thomas Bernhard, der nur wenige Kilometer entfernt in Ohlsdorf ebenfalls ein Bauernhaus besaß, verbrachten viele Stunden bei der Familie Altenburg. Auch Claus Peymann war öfters zu Besuch.<ref>Artikel über Franz Josef Altenburg in der Zeitschrift "Keramische Rundschau", 2019, abgerufen am 2. September 2021.</ref>

Künstlerischer Werdegang und künstlerisches Schaffen

Werdegang

Altenburg studierte auf Empfehlung der mit den Eltern befreundeten Keramikerin Gudrun Baudisch-Wittke (1907–1982) von 1958 bis 1962 an der Kunstgewerbeschule Graz bei Hans Adametz, Rudolf Szyszkowitz und Rudolf Spohn. Anschließend arbeitete er zwischen 1962 und 1964 und 1966–1968 bei Baudisch in der Werkstatt der „Hallstätter Keramik“. 1965 und 1966 war er Gasthörer an der Keramikschule in Faenza. Er absolvierte 1967 auch die Meisterprüfung im Hafnergewerbe.<ref>Franz Josef Altenburg entwarf und fertigte auch immer wieder Kachelöfen, wie z. B. für das Sommerhaus Hitsch am Attersee (Beschreibung und Bilder des Ofens, abgerufen am 9. September 2021).</ref> Altenburg unternahm zahlreiche Studienreisen ins Ausland, unter anderem 1968 für einen 3-monatigen Studienaufenthalt beim bekannten Schweizer Keramiker Jean Claude de Crousaz in Genf. 1968 verließ er die „Hallstätter Keramik“, und nach einem Zwischenspiel bei der „Fessler Keramik“ in Wien wurde er 1969 vom damaligen Inhaber der Gmundner Keramik, Johannes von Hohenberg, eingeladen, im Designstudio/Keramikatelier der Firma zu arbeiten. Die dort tätigen Künstler bildeten schon seit 1968 die Werkgemeinschaft „Gruppe H“ (H steht für Hallstatt Keramik und Hohenberg), der neben Altenburg bis zu ihrem Tod 1982 Gudrun Baudisch-Wittke, sowie zeitweise Anton Raidel (1943–2019), Wolfgang von Wersin (1882–1976), Waltraud Setz<ref>Waltraud Setz lernte das Keramikgewerbe bei der Gmundner Keramik und arbeitete dort als Keramik-Meisterin bis 1978. Sie zog als verheiratete Waltraud Pawlowski nach Minneapolis, USA, wo sie bis heute ein Keramikstudio betreibt (siehe Homepage von Waltraud Pawlowski-Setz, abgerufen am 9. September 2021).</ref>, Walter Stoißer<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Infos zu Walter Stoißer (Memento vom 9. September 2021 im Internet Archive), abgerufen am 9. September 2021.</ref> oder Peter Mairinger<ref>Infos zu Peter Mairinger, abgerufen am 9. September 2021.</ref> angehörten. Altenburg schuf dort bis 1992 Unikatkeramiken (vor allem für das Gruppe-H-Geschäft in Salzburg, das 1969–2003 existierte)<ref>nach dem Ende der Gruppe H 1993 zwar noch unter dem Namen Gruppe H, aber de facto als Verkaufslokal für die Gmundner und Hallstätter Keramik, sowie für Unikatkeramiken von Altenburg und anderen Künstlern geführt.</ref> und Entwürfe für Serienproduktionen der Gmundner Keramik<ref>Sein erfolgreichster Entwurf für die Gmundner Keramik war die Formengruppe „Barock“, die von 1976 bis 2010 in Serie produziert wurde.</ref>; ab 1978 arbeitete er parallel rein künstlerisch auch in seinem Vierkanthof in Breitenschützing, wo er dann bis zu seinem Tod den Lebens- und Arbeitsmittelpunkt hatte.<ref>siehe zu Leben und Werk ausführlich: René Edenhofer: Franz Josef Altenburg. Ein Leben für die Keramik - A Life for Ceramics, in: Alfred Weidinger u. a. (Hrsg.): Franz Josef Altenburg. Ton und Form - Clay and Form, Stuttgart, Wien, Linz 2021: MAK, Oö. Landeskultur-GmbH, Arnoldsche Art Publishers, S. 27–83.</ref>

Franz Josef Altenburg nahm auch an zahlreichen Keramiksymposien im In- und Ausland teil (siehe eine Auswahl unten). Altenburg war Mitglied des Kunstforums Salzkammergut und des Oberösterreichischen Kunstvereins und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter Moderner Keramik in Österreich.

Zum Werk

Franz Josef Altenburg arbeitete mit einfachen Komponenten: Er stapelte, schichtete, türmte, verschachtelte; er schuf Gitterstrukturen und Rahmen; er baute mit seinem ganzen Werk vor allem Miniatur-Architekturen. Die Titel seiner Arbeiten verdeutlichen diese Verbindung mit dem „Bauen“: Seine Werkgruppen nannte er Rahmen, Gerüste, Stiegen, Häuser, Pyramiden, Türme, Kulissen, Blöcke, Mauern oder Gebäude. Dazu kam das offensichtliche Zeigen der spröden Oberfläche des gebrannten Tons und das bewusste Zur-Schau-Stellen des konstruktiven Moments, das charakteristisch für seine Arbeiten ist.

Zu seinem Werk schreibt die Kunsthistorikerin Brigitta Höpler: „Die Arbeiten von Franz Josef Altenburg demonstrieren eine andere Art des Umganges mit dem Raum; und das schon seit langer Zeit. Da gab es eine Periode, in der die Objekte und Skulpturen den Raum mit ihrer Masse und auch durch das Weglassen von Masse strukturierten, in der sie wie Architekturen waren und Rhythmus sowie Spannung einbrachten. Typisch für das Schaffen Altenburgs ist die Reihung, die Weiterentwicklung eines Motivs in der Serie, jeweils mit kleinen oder größeren Veränderungen eine Anzahl von Objekten mit großer Ähnlichkeit zu schaffen, ein Thema in vielen Varianten abzuwandeln, es einzukreisen, bis er zur einfachsten, zur "richtigen" Form gelangt. So nützt er die Möglichkeiten und Vorzüge des handwerklichen Prozesses und macht durch Hervorheben dieser Komponente den künstlerischen Prozess einsichtig.“<ref>Text anlässlich der Ausstellung in der Galerie zur Schmiede, Pasching, 2008 abgefragt am 4. September 2021.</ref>

Preise, Auszeichnungen und Ehrungen

Ausstellungen (Auswahl)

Franz Josef Altenburg hatte zwischen 1968 und 2021 mehr als 70 personale Ausstellungen (Einzel- bzw. Tandem-Ausstellungen), sowie mehr als 300 Ausstellungsbeteiligungen in aller Welt.<ref>für eine ausführliche Dokumentation aller Ausstellungen siehe: Franz Josef Altenburg, ein Leben in Daten / a life in Dates. In: Alfred Weidinger, Christoph Thun-Hohenstein und Rainald Franz (Hrsg.): Franz Josef Altenburg. Ton und Form - Clay and Form, Stuttgart, Wien und Linz 2021, S. 64–67.</ref> Hier wird eine Auswahl von 36 personalen Ausstellungen und 40 Ausstellungsbeteiligungen präsentiert.

Einzel- und Tandem-Ausstellungen (Auswahl)

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)

Kunst im öffentlichen Raum / Kunst am Bau (Auswahl)

Datei:Rüstorf Kreuz an Schlosskapelle Mitterberg.jpg
Keramikkreuz an der Fassade der Schlosskapelle Mitterberg

Teilnahme an Symposien, Studienaufenthalte (Auswahl)

Werke in Museen und Sammlungen (Auswahl)

Filme, Videos

  • Andrij Puluj: Kopfstück: Franz Josef Altenburg, Video 2002 (Videoportrait-Serie zu Künstlern), 15 min; Puluj Filmproduktion, Linz.
  • Isabell Muhr: Franz Josef Altenburg, Film für den ORF OÖ, 2005.
  • ORF OÖ. Treffpunkt Kunst: Franz Josef Altenburg, Video 2011, 27 min, erhältlich auf DVD bei der Kunstsammlung OÖ, siehe: (kostenpflichtig)
  • Andreas Maleta: Franz Josef Altenburg. TON, Film 2012/2013, 18 min, produziert für die Verleihung des «Franz Josef Altenburg Preises 2013»;<ref>Infos zum Film auf der Homepage Andreas Maleta, abgerufen am 6. September 2021.</ref>
  • Barbara Steininger-Wetzlmair: Ausstellung 1:1 Galerie Schloss Parz. Interview Franz Josef Altenburg, Video 2015, 1 min 20 sek; full Video auf YouTube.
  • Julia Mühlegger: 3 X ALTENBURG. Im Gespräch mit Franz Josef, Amalia, Elisabeth Altenburg, anlässlich der Ausstellungseröffnung am 6. Mai 2016 in der Deutschvilla Strobl, Video 2016, 27 min, gesendet auf dorfTV, Linz.<ref>full Video, dorfTV-Archiv, abgerufen am 6. September 2021.</ref>:
  • Peter Resch: FRANZ JOSEF. 16 mm Kurzfilm s/w, 2018, 7 min. Ein filmisches Porträt von Peter Resch über Franz Josef Altenburg.<ref>Infos zur Premiere am 4. 12. 2018 im Projektraum Lucas Cuturi, Wien, abgerufen am 6. September 2021.</ref>
  • Elisabeth Maria Hochegger: Franz Josef Altenburg für MWL (Medienwerkstatt Linz). Dokumentation der Ausstellungseröffnung im Hollengut, 2019, Video 2019, 8 min, gesendet am 15. Mai 2019 auf dorfTV, Linz; full Video auf YouTube.
  • Johannes Altenburg, Amalia Altenburg und Stefan Schweiger: Franz Josef Altenburg - Kreuzweg. Mit Texten von Gerhard Lampersberg, Video, 8 min 29 sek, Kulturverein Tonhof, Wien.<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/player.vimeo.comfull Video-download SD 540p (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2025. Suche im Internet Archive ), abgerufen am 9. September 2021.</ref>
  • Rainald Franz: Führung durch die Ausstellung Franz Josef Altenburg, Video, MAK Wien 2021, 7 min 33 sek; full Video auf YouTube.

Literatur

  • Franz Josef Altenburg: Keramik, Karrer, Linz 1983.
  • Peter Baum, Neue Galerie der Stadt Linz (Hrsg.): Franz Josef Altenburg. Katalog zur Ausstellung 1987, Linz 1987.
  • Maria Baumgartner: Die Österreich-Seite: »Man muss in die Werkstatt gehen«. Über Franz Josef Altenburg. In: Neue Keramik, 3. Jg. 1989, Nr. 5, September/Oktober, S. 583–584.
  • Edition Cuturi (Hrsg.): Franz Josef Altenburg – Keramik, Linz 1991, ISBN 3-85358-103-X.
  • Brigitta Höpler: Franz Josef Altenburg, Günter Praschak, Anton Raidel, Kurt Spurey: vier österreichische Keramiker, Diplomarbeit in Kunstgeschichte, Universität Wien, 1994.
  • Peter Noever, Franz Josef Czernin, Bodo Hell: Elemente, Objekte: Keramiken von Franz Josef Altenburg. Museum für angewandte Kunst (Wien), Wien 2001, ISBN 3-900688-48-6.
  • Christina Pallin-Lange: 50 Konsolen – Keramik von Franz Josef Altenburg. In: Monatsanzeiger des Germanischen Nationalmuseums, ISSN 2366-9195, Nr. 196 (1997), S. 4–5 (Artikel im Volltext).
  • Kurt Spurey: Dem Auge Räume bauen. Das Oeuvre von Franz Josef Altenburg im MAK Wien. In: Keramik-Magazin, Bd. 23, Heft 3 (2001), ISSN 0172-6102, S. 20–22.
  • Brigitte Borchhardt-Birbaumer: Gedichte aus Keramik. MAK Studiensammlung: F.J. Altenburg. In: Wiener Zeitung, 25. Mai 2001.
  • Franz Josef Altenburg: Variationen. Selbstverlag, Breitenschützing 2004.
  • Josef Otto Schneider: Ein „Stapel“ ziert den Pavillon. In: Westerwälder Zeitung, 16. Juni 2004 (Volltext, Presseberichte zur Ausstellung Molsdorf, 2004).
  • Martin Hochleitner (Hrsg.): Aus der Sammlung: Franz Josef Altenburg. Ausstellungskatalog, Landesgalerie Linz, Weitra 2006, ISBN 978-3-902414-26-7.
  • Peter Baum: Franz Josef Altenburg (1983), in ders.: Texte und Photographien, Wien 2009, ISBN 978-3-205-78335-0, S. 106–107.
  • Martina Gelsinger: Altar Schiedlberg - Spröde Schönheit. In: Oberösterreichischer Kulturbericht. November 2010 (Text und Fotos zu Altenburg und dem Altar).
  • Franz Josef Altenburg: Franz Josef Altenburg – Keramik. Selbstverlag, Breitenschützing 2014.
  • Richard Obermayr: 2010: Franz Josef Altenburg. Im Gewühl der Dinge. In: Angela Orthner, Kulturverein Heinrich Gleißner-Haus (Hrsg.): Gestern war heute morgen. Preisträger, Wertschätzung, Gedanken und Gespräche. 30 Jahre Kulturverein Heinrich Gleißner-Haus, 30 Jahre Heinrich Gleißner-Preis, 10 Jahre Förderpreis. Plöchl, Freistadt 2015, S. 30–32.
  • Vorlage:Basis-wien
  • Karl Muhr (Hrsg.): Franz Josef Altenburg – Ein Leben für die Keramik, Neukirchen 2019, ISBN 978-3-9504422-1-2.
  • Hubert Nitsch: Leben, in Ton gebrannt. In: KirchenZeitung der Diözese Linz, Ausgabe 26/2019 (Text online).
  • Franz Prieler: Ein Leben für Ton und Erde. In: Keramische Rundschau, Nr. 5/2019 (Volltext des Artikels).
  • Rainald Franz: Franz Josef Altenburg - der „altmodische Übereinanderstapler“, in: MAK BLOG, 8. April 2021 (Text und Bilder online).
  • Alfred Weidinger, Christoph Thun-Hohenstein und Rainald Franz (Hrsg.): Franz Josef Altenburg. Ton und Form – Clay and Form, Stuttgart/Wien/Linz 2021, ISBN 978-3-89790-646-4.
  • Peter Grubmüller: Der bescheidene Vordenker der Keramik-Kunst. In: Oberösterreichische Nachrichten, 19. August 2021 (Artikel im Volltext, gebührenpflichtig).
  • Franz Prieler: Ein Leben für Ton und Erde. In Memoriam Franz Josef Altenburg. In: brandheiss. Die Plattform der europäischen Keramiker, EXTRA-Ausgabe Gmunden, August 2021, S. 14.
  • Max Henry: Franz Josef Altenburg (1941–2021). The Janus of Clay. In: Spike Art Magazine, Wien 25. August 2021 (Artikel im Volltext).

Weblinks und Werke im Web

Einzelnachweise und Anmerkungen

<references responsive />

Vorlage:Hinweisbaustein