Ginseng
<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />
| Ginseng | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Ginsengpflanze.jpg
Ginsengpflanze mit Steinfrüchten | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Panax ginseng | ||||||||||||
| C.A.Mey. |
Ginseng (Panax ginseng), auch Asiatischer Ginseng oder Chinesischer und Koreanischer Ginseng<ref name="GRIN" /> genannt und trivial unter anderem als Gilgen, Samwurzel<ref>Die Lehnbezeichnung „Samwurzel“ für Ginseng entstammt vermutlich der koreanischen Aussprache (kor. 인삼, Hanja {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), rev. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), MR {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), deutsch: ‚Ginseng‘) oder der kantonesischen Aussprache für Ginseng (chinesisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) / {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Pinyin {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Jyutping {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> oder Kraftwurzel bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Araliengewächse (Araliaceae). Sie kommt hauptsächlich in Gebirgs- und Waldregionen im nördlichen Korea, im nordöstlichen China und im südöstlichen Sibirien vor. Zur Gewinnung der Wurzeln als Basis für die Erzeugung von medizinisch-pharmazeutischen Produkten wird sie weltweit kultiviert. Neben dieser ostasiatischen Art werden weitere Arten der Gattung Panax (z. B. Chinesischer Ginseng: Panax pseudoginseng<ref>Wolf-Dieter Müller-Jahncke: Ginseng. 2005, S. 496.</ref> bzw. Panax notoginseng) und einige gattungsfremde Pflanzenarten trivial ebenfalls als Ginseng bezeichnet.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Ginseng wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von etwa 30 bis 60 cm. Der „Wurzelstock“ besteht meist aus ein bis zwei Bündeln spindelförmiger oder zylindrischer Wurzeln. Der aufrechte Stängel ist rund und kahl.
Drei bis sechs langgestielten Laubblätter stehen in nur einem Wirtel zusammen an der Spitze des Stängels. Die Blattspreite ist drei- bis meist fünffingrig zusammengesetzt. Die Blättchenunterseiten sind kahl und auf den Oberseiten sitzen spärlich etwa 1 mm lange, borstige Haare (Trichome). Die kurz gestielten, eiförmigen bis verkehrt-eiförmigen Blättchen sind ledrig und spitz bis zugespitzt, die Ränder sind fein gesägt. Das zentrale Blättchen ist mit einer Länge von 8 bis 12 cm und einer Breite von 3 bis 5 cm elliptisch bis länglich-elliptisch. Die seitlichen Blättchen sind mit einer Länge von 2 bis 4 cm und einer Breite von 1,5 bis 3 cm eiförmig bis rhombisch-eiförmig.
Generative Merkmale
Jede Pflanze bildet einen endständig auf einem 15 bis 30 cm langen (meist länger als die Blattstiele) Blütenstandsschaft einen doldigen Blütenstand mit 30 bis 50 Blüten. Die Blütenstiele sind 0,8 bis 1,5 cm lang. Die kleinen, weißlich-grünen und zwittrigen Blüten<ref name="Botanica" /> sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist nur klein. Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden. Zwei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Es sind zwei freie, kurze Griffel vorhanden. Es ist ein Diskus vorhanden.
Die bei Reife scharlachrote, zweisamige Steinfrucht ist mit 4 bis 5 mm × 6 bis 7 mm seitlich zusammengedrückt und elliptisch, nierenförmig oder rundlich. Die halbkreis- bis nierenförmigen Samen sind weiß.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 48.
Identifizierung
Panax ginseng ähnelt den anderen Arten der Gattung, besonders dem Amerikanischen Ginseng Panax quinquefolius und einigen Varietäten des Japanischen Ginseng Panax japonicus, mit denen er eine Artengruppe bildet.<ref>Hong-Keun Choi, Jun Wen: A phylogenetic analysis of Panax (Araliaceae): Integrating cpDNA restriction site and nuclear rDNA ITS sequence data. In: Plant Systematics and Evolution. Bd. 224, Nr. 1–2, 2000, S. 109–120.</ref> Er kann von Panax japonicus durch den Wurzelstock unterschieden werden (bei diesem horizontal wachsend), von Panax quinquefolius am längeren Blattstiel und der feineren Zähnung des Blattrands.<ref name="Flora" /> Die anderen Arten der Gattung kommen in den Gebirgen Südchinas und Nordvietnams bzw. in Nordamerika, weitab vom Verbreitungsgebiet des echten Ginsengs, vor.
Die angebauten Pflanzen des Ginseng sind Kultivare, die sich von der Wildform unterscheiden. Es sind eine Reihe von Zuchtlinien entwickelt worden, die z. T. als Sorten registriert worden sind. Vor allem zur Identifizierung verarbeiteter Pflanzen wurden molekulare Methoden zur Sortenbestimmung entwickelt.<ref>Ick-Hyun Jo, Kyong Hwan Bang, Young-Chang Kim et al.: Rapid Identification of Ginseng Cultivars (Panax ginseng Meyer) Using Novel SNP-Based Probes. In: Journal of Ginseng Research. 35(4) 2011, S. 504–513. doi:10.5142/jgr.2011.35.4.504.</ref>
Verbreitung und Ökologie
Ginseng besiedelt Mischwälder und sommergrüne Laubwälder in den nordöstlichen chinesischen Provinzen Heilongjiang, Jilin, Liaoning,<ref name="Flora">Panax ginseng in Flora of China</ref> weiters den Norden Koreas und den südlichsten Teil der russischen Region Primorje. Darüber hinaus wird die Art in gemäßigten Zonen mehrerer Kontinente kultiviert. Innerhalb seines natürlichen Verbreitungsgebiets ist er die einzige Art der Gattung, nur selten kommt hier heute auch der kultivierte und verwilderte Panax quinquefolius (als Neophyt) vor.
Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES führt die russischen Vorkommen von Ginseng (Panax ginseng) in Anhang 2 als schutzbedürftig. Der weltweite Handel mit Wurzeln dieser Population wird in Form von Ein- und Ausfuhrgenehmigungen überwacht, wobei der Nachweis über die Unschädlichkeit für den Bestand der Art erbracht werden muss.<ref name="CITES" />
Systematik
Panax ginseng wurde 1843 durch Carl Anton von Meyer in Bulletin de la Classe Physico-Mathématique de l’Académie Impériale des Sciences de Saint-Pétersbourg 1, S. 340 veröffentlicht. Synonyme für Panax ginseng <templatestyles src="Person/styles.css" />C.A. Meyer sind: Aralia ginseng <templatestyles src="Person/styles.css" />(C.A. Meyer) Baill., Aralia quinquefolia <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Decne. & Planch. var. ginseng <templatestyles src="Person/styles.css" />(C.A. Meyer) Anonymous, Panax quinquefolius <templatestyles src="Person/styles.css" />L. var. ginseng <templatestyles src="Person/styles.css" />(C. A. Meyer) Regel & Maack, Panax schin-seng <templatestyles src="Person/styles.css" />T. Nees.
Etymologie und Trivialnamen
Die Bezeichnung Ginseng und das Epitheton in Panax ginseng stammt von renshen (chinesisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) / {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Pinyin {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value))<ref name="GRIN" /> ab. Die Bezeichnung Panax für die Gattung leitet sich über das Lateinische vom Griechischen panax her und bedeutet so viel wie Allheilmittel.<ref name="yamedo" /><ref name="Lee" />
Neben dieser Art werden trivial weitere Arten der Gattung Panax, ebenso einige gattungsfremde Arten als auch aus ihnen hergestellte Produkte undifferenziert als Ginseng bezeichnet. In der Literatur findet man mehrere Trivial- und handelsübliche Bezeichnungen wie die aus dem Englischen stammenden Namen Asiatischer Ginseng, Chinesischer Ginseng oder Koreanischer Ginseng, weiters Echter Ginseng, Gilgen, Samwurzel, Kraftwurz, Allheilkraut, Allheilwurzel, Kraftwurzel, Panaxwurzel und Schinsengwurzel.<ref name="Kraeuterland" /><ref name="henriette" /> Zuweilen wird ein Teil dieser Namen auch als Bezeichnung für die Gattung Panax<ref name="Botanica" /> angeführt.
Gattungsfremde, den Namen Ginseng verwendende Arten sind beispielsweise der Sibirische Ginseng (Eleutherococcus senticosus), der Indische Ginseng (Withania somnifera) und der Brasilianische Ginseng (Hebanthe erianthos).<ref name="Lee" /><ref name="usda_hebanthe_erianthos" />
Geschichte des Ginsengs
Der Ginseng wird schon seit Jahrtausenden<ref name="Lee" /> sowohl in der traditionellen chinesischen als auch in der koreanischen Medizin als Heilmittel verwendet.<ref name="DGHO" /> Die erste schriftliche Erwähnung findet sich etwa im Jahre 40 vor Christus.<ref name="KMS" /> Die Ginsengwurzel galt damals und auch heute noch in Asien als Sinnbild für Gesundheit und langes Leben.<ref name="DGHO" /> Sie war in früherer Zeit daher nur Königen bzw. Kaisern, hohen Adligen und ihren engsten Gefolgsleuten vorbehalten. Dadurch war die Wurzel wertvoller als Gold.<ref name="henriette" />
Im Chinesischen heißt die Ginsengwurzel, der wie der europäischen Alraunwurzel menschenähnliches (anthropomorphes) Aussehen zugesprochen<ref>Wolf-Dieter Müller-Jahncke: Ginseng. 2005, S. 496.</ref> wurde, rénshēn ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) / {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Jyutping {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), auch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) / {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Jyutping {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), veraltend {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) / {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), übersetzt etwa „Menschen-Ginsengwurzel“ bzw. „menschenförmige Ginsengwurzel“. In Korea werden diese chinesischen Zeichen insam ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) gelesen, wobei die Bedeutung gleich bleibt. Immer noch wird der Ginseng in der asiatischen Medizin hoch geschätzt und verwendet.
Erst im 17. Jahrhundert wurde die Ginsengwurzel in Europa populär. Zuvor schon wurde die Pflanze von arabischen Seeleuten in das maurische Spanien gebracht, aber im Laufe der Zeit wieder vergessen. Vor allem durch niederländische Seeleute wurde sie wieder gebräuchlich.<ref name="henriette" />
Im 20. Jahrhundert wurde der Ginseng aufgrund seiner nachgewiesenen Wirkungen als Heilpflanze auch von der Hochschulmedizin anerkannt.
Anbau und Verwendung
Anbau
Schon früh nutzten die Koreaner den in der Wildnis ausgegrabenen Ginseng zu medizinischen Zwecken.<ref name="GRIN" />
Versuche zur Kultivierung von Ginseng in Korea begannen um 11 v. Chr.<ref name="Lee" /> durch Verpflanzungen von Wildginseng. Diese setzten sich um 1122 n. Chr. mit Versuchen der Vermehrung aus gewonnenen Samen fort.<ref name="KMS" />
Der Legende nach soll am Fuße des Berges Jinaksan vor etwa 1500 Jahren die Ginsengpflanze das erste Mal kultiviert worden sein. Der Berggott soll einem jungen Mann im Traum den Weg zu dieser Pflanze gezeigt haben. Die Wirkung dieser Pflanze soll, so die Legende, seine todkranke Mutter geheilt haben.<ref name="KMS" /> Daraufhin soll der junge Mann mit dem Ginsenganbau begonnen haben.
Um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten, begann man in Korea mit dem Anbau, der wiederum zur Entwicklung von Methoden zur Lagerung und Verarbeitung führte. Roter Ginseng wurde erstmals 1080 in der Goryeo-Zeit hergestellt. 1556, während der Joseon-Dynastie, wurde die Produktion seitens der Regierung kontrolliert.
Heutzutage wird Ginseng in Plantagen angebaut.<ref name="DGHO" /> Der Ginsenganbau ist mühsam und erfordert neben den notwendigen Kenntnissen vor allem Geduld.<ref name="gesundaktiv" /> Die Saat findet im Herbst statt. Auf dafür geeigneten Böden wird die Pflanze unter Abdeckungen gezogen, die vor der Sonne schützen – wilder Ginseng wächst ausschließlich in schattigen Wäldern. Der Anbau erfolgt auch heutzutage hauptsächlich von Hand. Ein koreanisches Sprichwort sagt, der Ginseng möchte ständig die Schritte des Bauern hören. Dies deutet auf die arbeits- und zeitintensive Pflege des wachsenden Ginsengs hin.
Die Ginsengpflanze benötigt zwei Jahre zum Keimen. Im dritten Jahr blüht Ginseng. In roten Beeren wachsen die Samen für die nächste Saat heran. Nach frühestens drei meist jedoch nach vier Jahren können die Wurzeln geerntet werden.<ref name="Lee" /> Die dreimonatige Erntezeit ist im Herbst. Mit speziellen Ginsenghacken werden die Wurzeln aus der Erde ausgegraben. Je älter die Pflanze, desto besser. Daher ist eine optimale Wirkung erst nach sechs bis sieben Jahren zu erwarten. Begehrt ist wilder Ginseng, dem größere Heilkraft nachgesagt wird, dessen heutige übermäßige Ernte jedoch in Bezug auf den Artenschutz sehr problematisch ist.<ref name="Lee" /> Als Alternative zum Wildginseng wird in den USA derzeit mit dem extensiven Anbau in Wäldern experimentiert. Für große Wurzeln, die entsprechend oft zehn Jahre und älter sind, werden erhebliche Preise gezahlt. Zur Herstellung von rotem Ginseng wird sechs Jahre alter Ginseng nach dem Dämpfen so lange getrocknet, bis der Wassergehalt weniger als 14 Prozent beträgt.<ref name="KMS" /> Während des Trocknens verändern die Wurzeln ihre Farbe und werden hart und dunkelbraun. Grund hierfür ist das Karamellisieren des enthaltenen Zuckers. Der niedrige Wassergehalt schützt vor Verunreinigungen, Schimmel und Bakterien und ermöglicht eine leichte Lagerung und einen einfachen Transport.
Die Kultivierung von Ginseng in Plantagen war eine Folge des vermehrten Bedarfs und der Verknappung der Bestände<ref name="gesundaktiv" /> und erfolgte vorerst in den Ursprungsländern Korea, den chinesischen Provinzen Hebei und Shanxi sowie im russischen Primorje. Heute wird Ginseng auf mehreren Kontinenten in Ländern der gemäßigten Zonen wie Japan, im Kaukasus,<ref name="kauk" /> in Australien<ref name="DGHO" /> und Mitteleuropa angebaut.
Anfang der 1980er Jahre wurde mit dem Ginsenganbau in Deutschland begonnen. In der Lüneburger Heide bei Walsrode-Bockhorn gelang es, echten koreanischen Ginseng zu kultivieren.<ref name="florafarm" /> Im brandenburgischen Gräfendorf wird Ginseng seit Beginn der 2000er Jahre angebaut. In der Schweiz<ref name="helvetica" /> wird Ginseng biologisch angebaut.
Tradition
Jährlich zur Erntezeit, das heißt im Herbst, findet seit dem Jahr 1981 in Geumsan in der südkoreanischen Provinz Chungcheongnam ein Ginsengfestival statt.<ref name="festival" />
Medizin
Als Medizin verwendet werden die Wurzeln der vier bis sieben Jahre alten Pflanzen. Je nach Verarbeitung unterscheidet man zwei Sorten:
- Der weiße Ginseng: die Wurzel wird nach der Ernte geschält, gebleicht und getrocknet.<ref name="DSphoKoe" /> Heutzutage gibt es aber auch weißen Ginseng, der nicht geschält und gebleicht wird, dadurch behält er mehr Inhaltsstoffe.
- Der rote Ginseng: die frische Wurzel wird nach der Ernte mit Wasserdampf behandelt und dann getrocknet.<ref name="DSphoKoe" />
Wirkung
Ginseng gilt als Adaptogen, als Stärkungsmittel. Es gibt einzelne Studien, die andeuten, dass Ginseng die körpereigene Abwehr gegen Stress und Krankheit steigern könnte.
Aus Experimenten mit Tieren liegen Hinweise vor, dass Ginseng gegen Abgeschlagenheit und Stress wirkt sowie das Lernvermögen und die Gedächtnisleistung steigert. Klinisch zeigen standardisierte Ginsengextrakte in wenigen Studien eine Wirkung zur Verbesserung des körperlichen Leistungsvermögens bei Müdigkeit, Schwäche- und Erschöpfungszuständen. Dabei sollen das Immunsystem gestärkt und die geistige Leistungsfähigkeit unterstützt werden.<ref>F. Scaglione, M. Pannacci, O. Petrini: The Standardised G115 Panax ginseng C. A. Meyer Extract: A Review of its Properties and Usage. In: Evidence-Based Integrative Medicine. 2005, 2(4), S. 195–206.</ref>
Die mögliche Schutzwirkung von Ginseng zeigt sich hauptsächlich in zwei Weisen: Die immunmodulatorischen Wirkungen<ref>F. Scaglione, G. Cattaneo, M. Alessandria, R. Cogo, W. Meier, S. Campbell: Ginseng extract to potentiate vaccination against influenza. In: Eur J Clin Invest. 1996, 26, S. A25. Und: F. Scaglione, R. Cogo, C. Cocuzza, M. Arcidiacono, A. Beretta: Immunomodulatory effects of Panax ginseng C. A. Meyer (G115) on alveolar macrophages from patients suffering with chronic bronchitis. In: Int. J. Immunother. 1994, 10, S. 21–24. Und: F. Scaglione, F. Ferrara, S. Dugnani, M. Falchi, G. Santoro, F. Fraschini: Immunomodulatory effects of two extracts of Panax ginseng C. A. Meyer. In: Drugs Exp. Clin. Res. 1990, 16, S. 537–542.</ref> von Ginseng helfen bei der Verminderung und/oder Verhinderung stressbedingter Infektionserkrankungen, darunter grippale Infekte (Erkältungskrankheiten) und die echte Grippe (Influenza).<ref>F. Scaglione, G. Cattaneo, M. Alessandria, R. Cogo: Efficacy and safety of the standardised ginseng extract G 115 for potentiating vaccination against the influenza syndrome and protection against the common cold. Drugs Exp. Clin. Res. 1996, 22, S. 65–72.</ref> Trotz einer Reduktion der Infekthäufigkeit gibt es aufgrund der methodischen Unterschiede in den Studien noch keine verlässliche Aussage zur Wirksamkeit von Ginseng auf HNO-Infekte.<ref>Michele Antonelli, Davide Donelli, Fabio Firenzuoli: Ginseng integrative supplementation for seasonal acute upper respiratory infections: A systematic review and meta-analysis. In: Complementary Therapies in Medicine. Band 52, August 2020, ISSN 1873-6963, S. 102457, doi:10.1016/j.ctim.2020.102457, PMID 32951718, PMC 7305750 (freier Volltext).</ref>
Zudem wirkt sich Ginseng in einigen wenigen Studien positiv auf Stimmungslage und auf die kognitiven Funktionen aus.<ref>D. O. Kennedy, A. B. Scholey: Ginseng: potential for the enhancement of cognitive performance and mood. In: Pharmacol Biochem Behav. 2003, 75, S. 687–700.</ref> In der Gesamtheit methodisch ausreichender Studien gibt es aber keine belastbaren Hinweise auf kognitive Vorteile.<ref>Jinsong Geng, Jiancheng Dong, Hengjian Ni, Myeong Soo Lee, Taixiang Wu, Kui Jiang, Guohua Wang, Ai Ling Zhou, Reem Malouf: Ginseng for cognition. In: The Cochrane Database of Systematic Reviews. Nr. 12, 8. Dezember 2010, ISSN 1469-493X, S. CD007769, doi:10.1002/14651858.CD007769.pub2, PMID 21154383.</ref>
Darüber hinaus ist Ginseng auch als natürliches Potenzmittel bekannt.<ref>Aphrodisiaka: Wissenschaftliche Würze für die Liebe. In: Focus. 28. März 2011.</ref><ref>Welche natürlichen Potenzmittel tatsächlich wirken. In: Welt Online, 30. März 2011.</ref>
Ginsengpräparate sind als Tonikum und Geriatrikum im Handel. Ginseng wird angewendet als Stärkungs- und Kräftigungsmittel bei Müdigkeits- und Schwächegefühlen sowie bei nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit (siehe auch Deutsches Arzneibuch oder Europäisches Arzneibuch).
In einer Metastudie zeigten Ginseng-Präparate keinen Effekt auf die Blutfettwerte beim Menschen.<ref>Seyyed Mostafa Arabi, Mostafa Shahraki-Jazinaki, Maryam Nayyer Abadi, Leila Sadat Bahrami, Mahla Chambari, Hossein Bahari, Amirhossein Sahebkar: The Effect of Ginseng Supplementation on Lipid Profile: GRADE-assessed Systematic Review and Dose-response Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. In: Current Pharmaceutical Design. Band 30, Nr. 26, 2024, ISSN 1873-4286, S. 2047–2058, doi:10.2174/0113816128306300240522074056, PMID 38877862.</ref>
Ginseng-Präparate sind gering an Nebenwirkungen. Ginsengpräparate beeinflussen die Blutgerinnung und können zu einer verlängerten Blutungszeit führen. Deshalb ist vor operativen Eingriffen die Einnahme dem Chirurgen mitzuteilen.<ref name="Kommission E" /><ref name="AmFam" /> Bei Symptomen wie dauerhafter Müdigkeit und Schwäche sollten ernsthafte Krankheiten durch einen Arzt ausgeschlossen werden.
Als Ersatz werden die Wurzeln der Dang Shen (Codonopsis pilosula) verwendet.
Nahrungsmittel
Die weltweit größte Produktionsstätte für roten Ginseng ist die KGC-Ginseng-Fabrik im Buyeo-gun, Provinz Chungcheongnam, Südkorea. Ginseng wird zu einer Vielzahl von Produkten wie Suppen<ref name="LeeJia" /> und Getränken<ref name="Lee" /><ref name="gesundaktiv" /> verarbeitet. An erster Stelle steht Tee,<ref name="Lee" /><ref name="KMS" /> einmal als Instant-Pulver<ref name="KMS" /> in Portionstütchen und dann als dickes, sirupähnliches Konzentrat,<ref name="KMS" /> das bitter schmeckt und traditionell mit Honig gesüßt wird. Mit Alkohol aufgesetzt ergibt Ginseng einen Schnaps. Ginseng-Kapseln<ref name="Lee" /><ref name="KMS" /> und Ginseng-Seife sind weitere Produkte.
Frittierte Ginsengwurzeln können mit Sirup versüßt gegessen werden.<ref name="Lee" />
Sehr verbreitet ist die Verwendung von Ginseng für Samgyetang.<ref name="KMS" /> Dabei handelt es sich um eine Hühnersuppe mit Ginseng.<ref name="gesundaktiv" /><ref name="Samgyetang" />
Bonbons und Kekse aus Ginseng sowie kandierte Ginsengwurzeln und Ginsengwein<ref name="Lee" /> sind ebenfalls Produkte, die in Südkorea zum Nahrungsmittelalltag gehören. Häufig werden Ginsengwurzeln in Soju eingelegt.
Laut einer Untersuchung ist roter Ginseng das bei Touristen beliebteste Mitbringsel aus Korea.
Literatur
- Shiu Ying Hu: The Genus Panax (Ginseng) in Chinese Medicine. In: Economic Botany. Vol. 30, No. 1, 1976, S. 11–28, Modul:JSTOR * Modul:JSTOR:170: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (englisch).
- Wolf-Dieter Müller-Jahncke: Ginseng. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 496.
Quellen
Weblinks
- Patrick Wahl: Ginseng. (PDF; 416 kB) In: Seminar: Ernährung und Nahrungsergänzungsstoffe im Sport. Deutsche Sporthochschule Köln – Institut für Biochemie, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. Juni 2017.
Einzelnachweise
<references responsive> <ref name="GRIN"> GRIN Taxonomy for Plants: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. </ref> <ref name="CITES"> CITES Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The CITES Appendices. ( vom 28. Januar 2011 im Internet Archive) (englisch) </ref> <ref name="DSphoKoe"> Patrick Wahl (Referent) H. Geyer (Dozent): Ginseng. Hrsg.: Deutsche Sporthochschule Köln – Institut für Biochemie. 2003, S. 1 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />archivierte Kopie. ( vom 28. Juni 2017 im Internet Archive) [abgerufen am 11. Juni 2024] Seminarbeitrag: Ernährung und Nahrungsergänzungsstoffe im Sport). </ref> <ref name="Botanica"> Gordon Cheers (Hrsg.): Botanica: Das ABC der Pflanzen. 10.000 Arten in Text und Bild. Könemann in der Tandem Verlag, Köln 2003, ISBN 3-89731-900-4, Panax und Panax ginseng, S. 633. </ref> <ref name="Kommission E"> Kommission für Phytotherapie (Kommission E) des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA), heute Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Monographie Ginseng radix (Ginsengwurzel). Bundesanzeiger 11, 17. Januar 1991. – www.heilpflanzen-welt.de. </ref> <ref name="festival"> Geumsan Internationales Ginsengfestival ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Touren & Orte. In: german.visitkorea.or.kr. Korea Tourism Organization, abgerufen am 29. September 2024. </ref> <ref name="Samgyetang"> Samgyetang. Koreanische Küche. In: german.visitkorea.or.kr. Korea Tourism Organization, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. Juli 2021; abgerufen am 29. September 2024 ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="DGHO"> Markus Horneber, Irene Fischer in Kooperation mit CAM-Cancer: Komplementäre Therapie. Wurzelextrakte aus asiatischem und amerikanischem Ginseng. In: onkopedia. Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e. V., archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. Mai 2011; abgerufen am 29. September 2024 (Informationen über Panax ginseng; Stand September 2010). </ref> <ref name="Kraeuterland"> Samwurzel – Ginseng Lt: Panax Ginseng. In: kraeuterland.net. TerraLuna – Kräuterland 2008–2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. September 2012; abgerufen am 29. September 2024. </ref> <ref name="henriette"> Ginseng. Araliaceae. Name: Panax ginseng C. A. Meyer. In: Henriette’s Herbal Homepage. Henriette Kress, abgerufen am 11. Juni 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="KMS"> </ref> <ref name="florafarm"> Ginsenganbau in Deutschland – mittlerweile eine 30-jährige Geschichte. In: FloraFarm Ginseng – Homepage. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. September 2010; abgerufen am 29. September 2024. </ref> <ref name="gesundaktiv"> Ginseng (Samwurzel)(Panax ginseng) C. A.Meyer. gesund und aktiv – der Online-Shop. In: gesundundaktiv.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. April 2010; abgerufen am 29. September 2024. </ref> <ref name="kauk"> Alfred Kump: Arzneimittel der traditionellen Medizin. In: Biologiezentrum Linz/Austria (Hrsg.): Katalog Oberösterr. Landesmuseums, zugleich Linzer biologische Beiträge. 105, Beiträge 12/1, 1980, Eleutherococc senticosus, S. 301 (Vorlage:ZOBODAT [PDF; 782 kB; abgerufen am 11. Juni 2024] Ginsengkultivierung im Kaukasus erfolgreich). </ref> <ref name="helvetica"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Anbau in der Schweiz. ( vom 30. Januar 2010 im Internet Archive), typostudio.ch </ref> <ref name="yamedo"> Naturheilmittel – Panax Ginseng. In: Das Portal für alternative Medizin, Naturheilkunde und Wellness. Yamedo, abgerufen am 29. September 2024. </ref> <ref name="AmFam"> </ref> <ref name="Lee"> </ref> <ref name="LeeJia"> </ref> <ref name="usda_hebanthe_erianthos"> Taxon: Hebanthe erianthos (Poir.) Pedersen. U.S. National Plant Germplasm System. In: npgsweb.ars-grin.gov. Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten (USDA), abgerufen am 4. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Infos vom Datenbank des Germplasm Resources Information Network [GRIN]). </ref> </references>