Zum Inhalt springen

Reinhard Birkenstock

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 1. Dezember 2025 um 02:52 Uhr durch imported>SchlurcherBot (Bot: http → https).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Reinhard Georg Birkenstock (* 24. Dezember 1944 in Dillbrecht, heute Haiger-Dillbrecht; † 13. Juni 2018<ref>Hendrik Pusch: Er vertrat Jörg Kachelmann: Kölner Strafverteidiger Reinhard Birkenstock ist tot. In: Kölner Stadtanzeiger. 5. Juli 2022, abgerufen am 28. August 2025.</ref>) war ein deutscher Rechtsanwalt, der sich auf Strafverteidigung spezialisiert hatte.

Leben und Wirken

Nach dem Abitur im Jahr 1965 am Städtischen Jungen-Gymnasium am Löhrtor in Siegen studierte Birkenstock Rechtswissenschaften in Lausanne, Heidelberg und Bonn und schloss im Jahr 1971 mit dem ersten Staatsexamen ab. Er arbeitete als Referendar im Oberlandesgerichtsbezirk Köln und absolvierte dort 1975 sein zweites Staatsexamen. 1999 bildete er sich zum Fachanwalt für Strafrecht weiter<ref>Reinhard Birkenstock auf der Website seiner Kanzlei</ref> und wurde 2004 zum Thema Die Bestimmtheit von Straftatbeständen mit unbestimmten Gesetzesbegriffen: am Beispiel der Verletzung des Verkehrsverbots bedenklicher Arzneimittel unter besonderer Berücksichtigung des Bundesverfassungsgerichts an der Philipps-Universität Marburg zum Dr. jur. promoviert.<ref>Dissertation Reinhard Birkenstock im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek</ref>

Seit 1975 arbeitete Birkenstock in Köln selbständig als Anwalt. Ende der 1970er Jahre wurde er durch sein Mandat im Herstatt-Bank-Prozess bekannt.<ref>Einer muß es gewesen sein – Warum Wirtschaftsstraftäter keine Lobby haben. 8/1990. In: wissen.manager-magazin.de. Manager Magazin, 1. August 1990, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 1. August 2024.@1@2Vorlage:Toter Link/wissen.manager-magazin.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> In den Jahren 1995 und 1996 verteidigte Birkenstock den wegen Spionage für die DDR angeklagten ehemaligen Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion Karl Wienand.<ref>Andreas Förster: Kein "Kuhhandel" mit Valentin Falin. In: Berliner Zeitung. 22. Februar 1995, abgerufen am 9. Juni 2015.</ref><ref>SPIONAGEPROZESS – Es bleibt immer etwas hängen – Im Verfahren gegen Karl Wienand (SPD) und seinen Stasi-Kontakter Alfred Völkel sollen diese Woche die Urteile kommen. focus.de, 24. Juni 1996</ref> Weitere öffentlichkeitsträchtige Mandate nahm er in den Verfahren um die Gerling-Versicherungsgruppe und im Parteispendenskandal der Kölner SPD wahr.<ref>Der Müll, die Partei und das Geld. In: Der Spiegel. Nr. 11, 2002 (online).</ref>

Birkenstock war als Strafverteidiger des TV-Meteorologen Jörg Kachelmann im Kachelmann-Prozess wegen Vergewaltigungsvorwürfen einer Frau bestellt,<ref>Der Fall Kachelmann – Abgeführt, vorgeführt? In: Spiegel Online, 25. März 2010.</ref> bis Kachelmann sich überraschend – auf Anraten von Ralf Witte, der Sorge hatte, dass wie er auch Kachelmann zu Unrecht verurteilt wird<ref>Sabine Rückert: Anklage wegen Vergewaltigung: Schlacht um Kachelmann. In: Die Zeit. 16. Dezember 2010, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 17. April 2024]).</ref> – von ihm trennte und am 29. November 2010 an seiner Stelle den Hamburger Anwalt Johann Schwenn mit seiner Verteidigung beauftragte.<ref>Kachelmann wirft Anwalt Birkenstock raus. In: Stern.de, 30. November 2010</ref><ref>Überraschender Abgang eines Anwalts. In: Spiegel Online, 30. November 2010</ref> Kachelmann forderte in einem Zivilverfahren vor dem Landgericht Köln die über die ursprünglich vereinbarten 250.000 Euro hinaus gezahlten 37.500 Euro zurück. Birkenstock dagegen machte mit Erfolg weitere 14.865 Euro geltend.<ref>Spiegel vom 28. November 2012: „Kachelmann unterliegt vor Gericht seinem Ex-Verteidiger“</ref>

Birkenstock verteidigte im Jahr 2011 den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi; Birkenstocks Sohn, der Filmemacher Arne Birkenstock, drehte einen Dokumentarfilm über den Fall.<ref>Süddeutsche Zeitung vom 4. März 2012: „Selbstverliebte Souvenirs eines großen Betrügers“</ref> Im Jahr 2012 vertrat Birkenstock 15 ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens Envio bei der Anklage gegen den Inhaber Dr. Dirk Neupert und weitere leitende Angestellte wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Envio, so die Staatsanwaltschaft, habe durch illegale Giftgeschäfte eine große Zahl von Menschen in die Gefahr einer Gesundheitsschädigung gebracht.<ref>Frank Bußmann: Envio-Chef Neupert lässt bei Prozessbeginn Vorwürfe im PCB-Skandal zurückweisen. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 9. Mai 2012, abgerufen am 1. Mai 2025.</ref>

Birkenstock war langjähriges Mitglied der SPD, für die er in den 1970er Jahren auch im Rat der Gemeinde Hürth saß. Er war verheiratet, hatte sechs Kinder und lebte zuletzt in Köln.<ref>Gespräch mit Reinhard Birkenstock: „Familie ist nicht selbstverständlich“. In: Kölnische Rundschau. 10. Juli 2009, abgerufen am 28. August 2025.</ref>

Er starb am 13. Juni 2018 im Alter von 73 Jahren nach schwerer Krankheit.

Werke

  • Reinhard Birkenstock (Hrsg.): Audiatur et altera pars: Richter und Gerichtsszenen in der geistlichen und weltlichen Literatur. dtv, München 2006, ISBN 978-3-423-34298-8.
  • Die Bestimmtheit von Straftatbeständen mit unbestimmten Gesetzesbegriffen: am Beispiel der Verletzung des Verkehrsverbots bedenklicher Arzneimittel unter besonderer Berücksichtigung des Bundesverfassungsgerichts. Aschendorff-Rechtsverlag, Münster/Köln 2004, ISBN 3-933188-26-1 (Dissertation).
  • Verfahrensrügen im Strafprozess: Rechtsprechungs-Sammlung. O. Schmidt, Köln 2004, ISBN 3-504-16561-8.
  • Wolfgang Bornheim, Reinhard Birkenstock: Steuerfahndung – Steuerstrafverteidigung: Durchsuchung, Beschlagnahme, Verhaftung, Befugnisse der Steuerfahndung, Selbstanzeige, Verteidigungsstrategien. Verl. Neue Wirtschafts-Briefe, Herne/Berlin 1998, ISBN 3-482-48921-1.
  • Reinhard Birkenstock (Hrsg.): Kostproben, Teil 3. Janus-Verlag, Köln 1990, ISBN 3-922607-12-8.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein