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Kronenbrotwerke

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Kronenbrotwerke AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1880
Auflösung 1940 (stillgelegt und verpachtet)
offizielle Auflösung: nach 1946
Sitz Wien
Leitung Moritz Hafner
Mitarbeiterzahl mehrere hundert (1925)
Branche Lebensmittelindustrie


Datei:Kronenbrot Reklame 001.png
Alte Reklametafel und Logo von Kronenbrot vor 1918
Datei:Reklame Emailleschild Kronenbrotwerke im Dorfmuseum Mönchhof.jpg
Emailleschild „Kronenbrotwerke“ im Dorfmuseum Mönchhof (2015)

Die Kronenbrotwerke waren eine bedeutende Wiener Brotfabrik, die sich im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten befand.

Geschichte

Die Ersten Wiener Kronenbrotwerke wurden im Jahre 1880 von Moritz Hafner gegründet.<ref name="Neues_Wiener_Journal,_01.06.1906">Erste Wiener Kronenbrotwerke [Werbeanzeige]. In: Neues Wiener Journal, 1. Juni 1906, S. 13 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwj Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref><ref>Tagesbericht. + Die Kronenbrotwerke. In: Reichspost, 11. November 1928, S. 11, Sp. 1 Mitte (die Kopfzeile nennt fälschlich das Jahr 1927) (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/rpt Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Die kleine Schwarz- und Weißbäckerei entwickelte sich rasch zu einer bedeutenden Brotfabrik. Die Waren des Unternehmens waren zu einem günstigen Preis bei den meisten Kaufleuten und Gemischtwarenhändlern sowie in den zehn (Stand: Mai 1906) eigenen Filialen der Kronenbrotwerke zu erwerben.<ref name="Neues_Wiener_Tagblatt,_27.05.1906">Tagesbericht. * (Die durch Zubau). In: Neues Wiener Tagblatt, (Tages-Ausgabe), 27. Mai 1906, S. 11, Sp. 1 oben (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwg Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> In den Jahren 1905/06 erfolgte ein größerer Zubau.<ref name="Neues_Wiener_Journal,_01.06.1906" /> Die Eröffnung weiterer Zu- und Umbauten, die zu einer deutlichen Vergrößerung des Unternehmens führten, erfolgte im Jahr 1908.<ref>Kleine Notizen aus Nah und Fern. – Kronenbrotfabrik. In: Hans Jörgel von Gumpoldskirchen, 5. März 1908, S. 8, Sp. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/joe Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> In den Zeitungen der damaligen Zeit wurde oftmals über die prunkvolle und luxuriöse Ausstattung und Bauweise des Unternehmens, für die mitunter der Architekt Emmerich Richter verantwortlich war, berichtet.<ref>M. Toronski: Ein Aerzterundgang durch die Ersten Wiener Kronenbrotwerke. In: Arbeiter-Zeitung. Zentralorgan der Sozialdemokratie Deutschösterreichs, Morgenblatt, 19. April 1908, S. 27 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/aze Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Da es bereits zu dieser Zeit oftmals vorkam, dass Brot als originales „Kronenbrot“ verkauft wurde, obwohl es gar nicht aus den Kronenbrotwerken stammte, verwiesen die Kronenbrotwerke in ihren Ausschreibungen in den österreichischen Medien stets darauf, dass der Kunde kontrollieren müsse, ob an der Unterseite des Brotes das Firmenlogo eingeprägt sei.

Kurz nach der Eröffnung der erweiterten Werke im Jahr 1908 wurde das sogenannte Kronenbrot an sämtliche Ärzte der Stadt Wien versandt, die daraufhin ärztliche Gutachten über das Brot erstellten, die dann in den Tageszeitungen abgedruckt wurden.<ref>Aerztliche Gutachten über Kronenbrot. In: Arbeiter-Zeitung. Zentralorgan der Sozialdemokratie Deutschösterreichs, Morgenblatt, 22. April 1908, S. 11 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/aze Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Nachdem dies in sämtlichen Zeitungen abgedruckt und auch in den Filialen des Unternehmens ausgehängt worden war, kam es zu einer Klage von 17 der 49 namentlich angeführten Ärzte gegen das Unternehmen.<ref>Gerichtshalle. – Aerztliche Atteste für eine Brotfabrik. In: Das Vaterland. Zeitung für die österreichische Monarchie, Morgenblatt, 26. Juni 1908, S. 4, Sp. 2 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/vtl Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Die Initiative zu den Attesten war von beiden Ärzten Segel und Donat(h), den Herausgebern der Zeitschrift Medizin für alle gekommen; diese hatten 49 ärztliche Atteste besorgt, für die sie je 45 Kronen erhielten.<ref>Der Prozeß gegen die Ankerbrotfirma. [sic]. In: Die Neue Zeitung. Illustriertes unabhängiges Tagblatt, 26. Juni 1908, S. 10, Sp. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nzg Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref><ref>Prozeß gegen die Ankerbrotfirma. In: Die Neue Zeitung. Illustriertes unabhängiges Tagblatt, 28. Juni 1908, S. 9, Sp. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nzg Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref><ref>Notizen. In: Wiener Medizinische Wochenschrift, Heft 11/1909, S. 597/598, Sp. 1 unten, 3. Antrich (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wmw Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Nach einer erfolgreichen öffentlichen Besichtigung der Kronenbrotwerke Anfang März 1911,<ref>I. Wr. Kronenbrotwerke von M. Hafner. In: Drogisten-Zeitung. Mitteilungen des Vereines angestellter Drogisten Österreichs, 3. März 1911, S. 11 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/drz Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref><ref>Bericht über die Besichtigung der Ersten Wiener Kronenbrotwerke. In: Drogisten-Zeitung. Mitteilungen des Vereines angestellter Drogisten Österreichs, 31. März 1911, S. 119–120 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/drz Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> vermeldete das Unternehmen am 25. März 1911 in sämtlichen österreichischen Zeitungen, dass es ab sofort jeden Dienstag und jeden Donnerstag ab 20 Uhr abends die Fabrik für öffentliche Besichtigungen öffnet.<ref>Einladung an die Bevölkerung Wiens!. In: Illustrierte Kronen-Zeitung, 25. März 1911, S. 15 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/krz Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Die Besichtigungen waren so gut besucht,<ref>Mitteilung an das p. t. Publikum!. In: Illustrierte Kronen-Zeitung, 29. März 1911, S. 4, Sp. 1 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/krz Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> dass schon bald darauf täglich (außer am Wochenende) öffentliche Besichtigungen stattfanden.<ref>Essen Sie kein Brot (…) [Werbeanzeige]. In: Neues Wiener Tagblatt, (Tages-Ausgabe), 11. April 1911, S. 27 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwg Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Ebenfalls 1911 setzte das Unternehmen Jeanne d’Arc als Werbeträgerin ein;<ref>Jeanne d’Arc im Bilde. In: Deutsches Volksblatt, Morgen-Ausgabe, 4. Juni 1911, S. 6, Sp. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/dvb Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> mit dem Wortlaut „Kronenbrot siegt über alle Brotmarken“.<ref>Kronenbrot siegt über alle Brotmarken [Ganzseitige Werbeanzeige]. In: Deutsches Volksblatt, Morgen-Ausgabe, 4. Juni 1911, S. 27 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/dvb Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref>

Für seine Verdienste erhielt der Alleininhaber der Kronenbrotwerke, Moritz Hafner, diverse Auszeichnungen; so wurde ihm unter anderem im Sommer 1911 vom k.k. Obersthofmeisteramt der Titel eines k.u.k. Hoflieferanten verliehen.<ref>Tagesneuigkeiten. – Wiener Nachrichten. – * (Allerhöchste Auszeichnung.). In: Deutsches Volksblatt, Morgen-Ausgabe, 18. Juli 1911, S. 7 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/dvb Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Nachdem das Unternehmen lange Zeit gelobt und als Vorzeigeunternehmen präsentiert wurde, wurden ab dem Jahr 1912 vermehrt arbeitsrechtliche Probleme innerhalb der Kronenbrotwerke bekannt.<ref>Die Kronen- und Siegesbrotwerke nehmen weitere Entlassungen vor. In: Arbeiter-Zeitung. Zentralorgan der Sozialdemokratie Deutschösterreichs, Morgenblatt, 15. August 1912, S. 9, Sp. 3 unten – S. 10 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/aze Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref><ref>Die Differenzen in den Kronenbrotwerken. In: Arbeiter-Zeitung. Zentralorgan der Sozialdemokratie Deutschösterreichs, Morgenblatt, 19. September 1912, S. 9, Sp. 3 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/aze Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Während des Ersten Weltkriegs stellten die Kronenbrotwerke vermehrt Frauen als Zustellerinnen und Ausführerinnen ein.<ref>„Was die Frauen alles können.“. In: Illustrierte Kronen-Zeitung, 4. April 1916, S. 8, Sp. 2 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/krz Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Im Jahr 1917 wurde vielfach von kriminellen Aktivitäten im Umgang mit Kronenbrot berichtet; so wurden Brot von betriebsfremden Personen zu Wucherpreisen in Flüchtlingslagern verkauft. Auch zwei Brotausführer des Unternehmens machten sich strafbar, als sie Brot, für das sie 46 Heller verlangen sollten, zu deutlich überhöhten Preis verkauften.

Nachdem der Verwaltungsrat der Ersten Wiener Walzmühle Vonwiller & Co. AG, an der die Gemeinde Wien zum damaligen Zeitpunkt mit 60 % beteiligt war, bereits im Dezember 1916 einstimmig beschlossen hatte, eine städtische Brotfabrik mit einer Tagesleistung von 200.000 Laiben Brot zu errichten, scheiterte dies in der Folgezeit jedoch am andauernden Ersten Weltkrieg.<ref name="Aktiengesellschaft">Die Gemeinde beteiligt sich an den Kronenbrotwerken. In: Arbeiter-Zeitung. Zentralorgan der Sozialdemokratie Deutschösterreichs, 17. März 1918, S. 8 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/aze Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Im März 1918 wurde bekannt, dass die Kronenbrotwerke in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden und sich die Ersten Wiener Walzmühle Vonwiller & Co. AG in weiterer Folge an der Mehrheit der Aktien des Unternehmens beteiligen werde.<ref name="Aktiengesellschaft" /> Hafner blieb mit den restlichen Anteilen weiter am Unternehmen beteiligt.<ref name="Aktiengesellschaft" /> Somit konnte das angestrebte Projekt der Gemeinde Wien zumindest teilweise verwirklicht werden.<ref name="Aktiengesellschaft" /><ref>Eine städtische Brotfa[b]rik in Wien. – Ein Fortschritt für die geordnete Brotversorgung der Reichshauptstadt. In: Reichspost, 17. März 1918, S. 8, Sp. 1 oben (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/rpt Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Am 30. März 1919 starb Hafner, zu diesem Zeitpunkt Verwaltungsrat in dem von ihm gegründeten Unternehmen, im Alter von 59 Jahren.<ref>* (Todesfall.). In: Neues Wiener Tagblatt. Demokratisches Organ, (Tages-Ausgabe), 1. April 1919, S. 11, Sp. 2 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwg Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Im Juni 1924 stellte das Unternehmen ein Gesuch um Baubewilligung eines Werkstättengebäudes in der Siccardsburggasse.<ref>4. bis 6. Juni. Gesuche um Baubewilligungen. Neubauten. In: Zeitschrift der Baumeister Oesterreichs, Heft 12/1924, S. 4, Sp. 1 oben (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/zbo Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref><ref>Gesuche um Baulinienbestimmung, bzw. um Bekanntgabe der Aussteckung der Baulinien wurden überreicht: […]. In: Zeitschrift der Baumeister Oesterreichs, Heft 13/1924, S. 5, Sp. 1 unten (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/zbo Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref>

Nachdem es bereits seit längerer Zeit zu Diskussionen betreffend dem Brotpreis gekommen war, vermeldete die Gemeinde Wien im Jänner 1925 nicht an der Preispolitik beteiligt zu sein, da sie lediglich fünf Prozent an der Ankerbrotfabrik sowie 18 % an der Ersten Wiener Walzmühle Vonwiller & Co. AG halte.<ref name="12._Januar_1925">Die Gemeinde Wien und der Brotpreis. In: Arbeiter-Zeitung. Zentralorgan der Sozialdemokratie Deutschösterreichs, Mittagsblatt, 12. Jänner 1925, S. 2, Sp. 1 oben (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/aze Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Weiters vermeldete die Gemeinde, in keiner Weise direkt an der Kronenbrotwerken beteiligt zu sein.<ref name="12._Januar_1925" /> Der Streit um die Brotpreise ging sogar so weit, dass der Generaldirektor von Ankerbrot, Arthur Fried, aufgrund des Verdachts des Brotwuchers verhaftet wurde.<ref>Verhaftung des Generaldirektors Fried. In: Arbeiter-Zeitung. Zentralorgan der Sozialdemokratie Deutschösterreichs, Mittagsblatt, 12. Jänner 1925, S. 2, Sp. 1 unten (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/aze Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Fried wurde in weiterer Folge sogar zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.<ref>Hans Werner Scheidl: Zeitreise. Ankerbrot: Brot-Monopolisten aus Favoriten. In: Die Presse. 25. November 2011, abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Die Preispolitik machte in im Weiteren auch den Kronenbrotwerken zu schaffen; diese weigerten sich auch die Preise zu senken.<ref name="Verhaftung_Fried">Die Verhaftung des Generaldirektors Fried. In: Illustrierte Kronen-Zeitung, 13. Jänner 1925, S. 2, Sp. 3 unten (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/krz Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Der Präsident der Kronenbrotwerke und ehemalige Wiener Bürgermeister, Richard Weiskirchner, zog sich im Zuge der Preisdiskussionen aus seinem Amt zurück.<ref name="Verhaftung_Fried" /> Dass die Produktion bei den Kronenbrotwerken zu dieser Zeit bereits stark zurückgegangen war, zeigt eine in den Tageszeitungen veröffentlichte Statistik, laut der der wöchentliche Brotverbrauch in Wien 1 bis 1,1 Millionen Laibe betrage, wovon rund 600.000 von den Ankerbrotwerken, rund 350.000 von den Hammerbrotwerken, rund 50.000 von den Kronenbrotwerken, rund 30.000 von den Austriabrotwerken und etwa 15.000 bis 20.000 Laibe von den Wilhelm-Werken kommen würden.<ref>Die Gemeinde Wien und der Brotpreis. In: Illustrierte Kronen-Zeitung, 13. Jänner 1925, S. 3, Sp. 1 unten (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/krz Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Aus anderen Berichten aus dieser Zeit ging hervor, dass die Hammerbrotwerke und die Kronenbrotwerke gegen die drohende Monopolherrschaft durch Ankerbrot ankämpfe und dass Kronenbrot in der Woche sogar auf rund 100.000 Laibe Brot kommen würde.<ref>Staatsanwalt und Teuerung – Der Mut der Verzweiflung und die Angst des Kapitals. In: Die Börse. Zeitung für das gesamte Wirtschaftsleben, 15. Jänner 1925, S. 2, Sp. 1–2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/boe Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref><ref>[…] die Kronenbrotwerke, die wöchentlich rund 100.000 Laibe […]. In: Arbeiter-Zeitung. Zentralorgan der Sozialdemokratie Deutschösterreichs, 29. Jänner 1925, S. 8, Sp. 1 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/aze Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Andere Zahlen gehen davon aus, dass 900.000 Laibe von Ankerbrot, 350.000 von Hammerbrot und 50.000 von Kronenbrot kommen würden.<ref>Der Brotpreis in ganz Wien K 7500 – Preisherabsetzungen aller Fabriken. In: Die Stunde, 17. Februar 1925, S. 3 oben, Sp. 2–4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/std Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref>

Betreffend dem Verdacht des Preiswuchers wurden in weiterer Folge gegen sämtliche Wiener Großbäckereien – somit auch gegen die Kronenbrotwerke – behördliche Verfahren eingeleitet.<ref>Der Kampf um den Brotpreis. In: Illustrierte Kronen Zeitung, 29. Jänner 1925, S. 3, Sp. 1 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/krz abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Ohne Rücksicht auf die polizeilichen Maßnahmen gab die Direktion der Kronenbrotwerke noch Ende Januar 1925 bekannt, den Preis des Brotes, nach der sprunghaften Teuerung des Mehls, weiter erhöhen zu wollen.<ref>Das Brot wird teurer. In: Die Stunde, 30. Jänner 1925, S. 1 oben, Sp. 2–4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/std Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Durch den Druck der Konkurrenz gab das Unternehmen Mitte Februar 1925 bekannt, den Preis für einen Laib Brot von 8700 Kronen auf 7500 Kronen herunterzusetzen.<ref>Kleine Chronik. – [Die Kronenbrotwerke A.-G.]. In: Neue Freie Presse, 16. Februar 1925, S. 6, Sp. 1 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nfp Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref><ref>Billiges Brot für Wien. In: Reichspost, 17. Februar 1925, S. 5, Sp. 1 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/rpt Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Kurz nach der Währungsreform 1924/25 investierte das Unternehmen schon wieder in Neubauten und suchte im April 1925 um Baubewilligung für ein Riegelwandgebäude in der Siccardsburggasse an.<ref>Gesuche um Baubewilligungen. In: Allgemeine Bau-Zeitung. Fachzeitschrift für die Interessen der Bau-Branche, 5. April 1925, S. 9, Sp. 2 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/alb Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref>

Trotz aller Wirren der Nachkriegszeit entwickelte sich das Unternehmen zu einer bedeutenden Brotfabrik und war laut einem Artikel in der Reichspost vom 28. Juni 1925 Mitte der 1920er Jahre eine der größten und bekanntesten Brotfabriksbetriebe in Europa.<ref name="Reichspost,_28._Juni_1925">Die Kronenbrotwerke. In: Reichspost, 28. Juni 1925, S. 6, Sp. 3 oben (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/rpt Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Die Kronenbrotwerke AG galt zu dieser Zeit noch immer als maschinell modern eingerichtet.<ref name="Reichspost,_28._Juni_1925" /> Die gesamte Arbeiterschaft erhielt auf Kosten der Firma die Arbeitskleider beigestellt.<ref name="Reichspost,_28._Juni_1925" /> Duschbäder und eigene Ess- und Ruheräume,<ref name="Reichspost,_28._Juni_1925" /> sowie ein eigener Werksarzt standen den Arbeitern zur Verfügung.<ref name="Neues_Wiener_Journal,_01.06.1906" /> Darüber hinaus besaß das Unternehmen ein eigenes Laboratorium, in dem die Reinheit und Güte der Produkte überprüft wurde.<ref name="Neues_Wiener_Tagblatt,_27.05.1906" /> Zusätzlich besaßen die Kronenbrotwerke auch eine Feigenkaffeefabrik und brachten unter der Marke Sonnen-Feigenkaffee ein dementsprechendes Produkt in den Handel.<ref name="Reichspost,_28._Juni_1925" /> Ein weiterer Ausbau des Unternehmens war zu diesem Zeitpunkt noch geplant.<ref name="Reichspost,_28._Juni_1925" /> Die Zustellung erfolgte Mitte der 1920er täglich in ganz Wien und Umgebung durch ein eigenes Auto- und Pferdefuhrwerk.<ref name="Reichspost,_28._Juni_1925" /> Zu ebendieser Zeit beschäftigten die Werke mehrere hundert Arbeiter und Beamte.<ref name="Reichspost,_28._Juni_1925" /> Mit Sommer 1925 war in Wien auch wieder eine deutliche Preissenkung (auf 400 Kronen bzw. 80 Groschen) bei Brot bemerkbar.<ref>Das Brot wird billiger. In: Neues 8-Uhr-Blatt, 29. Juli 1925, S. 1 oben, Sp. 2–4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nab Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref><ref>Das Brot um 6 Groschen billiger. In: Floridsdorfer Zeitung. Unabhängiges, volkswirtschaftliches Organ für den XXI. Wiener Gemeindebezirk und das gesamte Marchfeld und Sportblatt, 8. August 1925, S. 3, Sp. 1 oben (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/fdz Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Im August 1926 zogen sich der einstige Präsident Richard Weiskirchner, der mittlerweile im Verwaltungsrat fungierte, sowie Rudolf Hießmanseder aus dem Verwaltungsrat der Kronenbrotwerke zurück.<ref name="Verwaltungsrat_1926">Handel, Industrie, Gewerbe. – Veränderungen in Verwaltungsräten. In: Neues Wiener Journal, 27. August 1926, S. 13, Sp. 3 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwj Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Ihnen folgten Viktor Hafner und Arnold Kellner.<ref name="Verwaltungsrat_1926" /> Im März 1927 erwarb ein Konsortium unter der Führung des Wetzler-Konzerns (ein Wiener Lebensmittelgroßhändler) und der Kronenbrotwerke die gesamten Aktien der Hammerbrotwerke, die sich im Besitz von Siegmund Bosel befunden hatten, von diesem aber bei der Postsparkasse verpfändet worden waren.<ref name="Siegmund_Bosel">Tagesneuigkeiten – Verkauf der Hammerbrotwerke. In: Innsbrucker Nachrichten, 5. März 1927, S. 6, Sp. 1 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/ibn Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref><ref>Der Wetzler-Konzern kauft die Hammerbrotwerke-Aktien – Bevorstehende Betriebsgemeinschaft der Kronenbrot- und Hammerbrotwerke. In: Neues Wiener Journal, 5. März 1927, S. 14 oben, Sp. 2–4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwj Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Die Hammerbrotwerke wurden in weiterer Folge den Wetzlerschen Lebensmittelbetrieben angegliedert.<ref name="Siegmund_Bosel" />

Vor allem in den 1920er Jahren betrieb das Unternehmen neben Fahrzeugen von Austro-Fiat auch Fahrzeuge von Steyr, wie Fotos von Karl Zapletal in der Allgemeinen Automobil-Zeitung beweisen.<ref>Die Auffahrt der Geschäftswagen. In: Allgemeine Automobil-Zeitung, 15. November 1928, S. 19 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/aaz Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Daneben betrieb das Unternehmen bis in die 1930er Jahre auch Pferdefuhrwerke. Im Jahr 1930 wurde eine eigene Werksfußballmannschaft gegründet, die bereits nach ihrem ersten Spiel als eine der stärksten Firmenmannschaften Wiens bezeichnet wurde.<ref>Unter den Brotführern der Kronenbrotwerke. In: Illustrierte Kronen Zeitung, 4. Juli 1930, S. 13, Sp. 3 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/krz Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Im Zuge der Weltwirtschaftskrise in den frühen 1930er Jahren zog sich Hermann Reif, der Präsident zahlreicher österreichischer Unternehmen, darunter auch der Kronenbrotwerke, war und als einer der reichsten Männer Österreichs galt, im August 1931 aus dem Geschäftsleben zurück.<ref>Präsident Reif zieht sich zurück. Große persönliche Verluste. In: Neues Wiener Journal, 11. August 1931, S. 13, Sp. 3 Mitte bis S. 14 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwj Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Ende des Jahres 1935 wurde bekannt, dass die zum Schoeller-Konzern gehörenden Erste Wiener Walzmühle Vonwiller und Getreide AG die kompletten 100 Prozent der Aktien der Hammerbrotwerke, die bis dahin im Besitz des Wetzler-Konzerns waren, aufgekauft habe.<ref name="Schoeller-Konzern">(Hammerbrotwerke.). In: Allgemeine Automobil-Zeitung, 25. Dezember 1935, S. 25 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/aaz Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Da Vonwiller bzw. der nun über dem Unternehmen stehende Schoeller-Konzern damit auch im Besitz des gesamten Aktienkapitals der Kronenbrotwerke war, berichteten die Tageszeitungen über eine Interessengemeinschaft oder eine etwaige Fusion zwischen den Hammerbrotwerken und den Kronenbrotwerken.<ref name="Schoeller-Konzern" /> Zu einer von den Medien kolportierten Fusion kam es in weiterer Folge jedoch nicht. Nachdem das Unternehmen im Frühjahr 1938 in den Tageszeitungen noch mit neuen Produkten geworben hatte, wurde es nach dem Anschluss Österreichs weitestgehend still um die Brotfabrik.

Das Unternehmen dürfte nach dem Anschluss noch zwei Jahre lang in Betrieb gewesen sein und wurde im Sommer 1940 stillgelegt.<ref name="Stilllegung">Aus ostmärkischen Unternehmungen. In: Völkischer Beobachter, 28. Juli 1940, S. 12 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/vob Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Im wertvollen Fabriksgebäude gelangte daraufhin eine angeschaffte Knäckebrotanlage zur Aufstellung.<ref name="Stilllegung" /> Die Hammerbrotwerke waren ebenfalls stillgelegt und der Schwechater Betrieb in weiterer Folge verkauft worden.<ref name="Stilllegung" /> In Wiener Neustadt wurden dafür das Unternehmen mit dem Namen Wiener Neustädter Hammerbrotfabrik GmbH weitergeführt.<ref name="Stilllegung" /> 1941 wurde in der Werkszeitung der Hammerbrotwerke noch davon berichtet, dass die Kronenbrotwerke vor einigen Jahren von den Hammerbrotwerken übernommen worden wären.<ref>Von den Angehörigen unseres Betriebes. In den Ruhestand getreten. In: Werkszeitung der Hammerbrotwerke Aktiengesellschaft/Gesellschaft m.b.H., Heft 9/1941, S. 75, Sp. 1 unten (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/whb Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Die Kronenbrotwerke blieben danach noch eine Zeitlang im Handelsregister bestehen; so scheinen sie dort unter anderem noch in einem Zeitungsbericht von 1942 auf.<ref>Handelsregister – Amtsgericht Wien. Abt. 133. Am 14. Februar 1942. B 3831. In: Völkischer Beobachter. Kampfblatt der nationalsozialistischen Bewegung Großdeutschlands, Wiener Ausgabe, 24. Februar 1942, S. 7, Sp. 3 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/vob Abgerufen am 21. Dezember 2020 („Die Prokura des Karl Picha ist erloschen.“).</ref> Obgleich der Stilllegung des Unternehmens im Jahr 1940 verzeichnete es im Geschäftsjahr 1941 noch geringe Erträge von 0,07 Millionen Reichsmark.<ref>Donauländische Gesellschaften. In: Neues Wiener Tagblatt, (Tages-Ausgabe, 30. Mai 1942, S. 5, Sp. 3 unten (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwg Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Im August 1943 berichtete das Neue Wiener Tagblatt, dass die Kronenbrotwerke seit 1940 an die Hammerbrotwerke AG verpachtet seien und sie aus Mieten und Pacht 64.622 (62.897) Reichsmark und aus Zinsen 12.569 (11.436) Reichsmark vereinnahmt hätten, was am Ende nach Abzug sämtlicher Verbindlichkeiten einen Gesamtgewinn von 19.226 Reichsmark bedeutete.<ref>Donauländische Gesellschaften. In: Neues Wiener Tagblatt, (Tages-Ausgabe, 11. August 1943, S. 6, Sp. 3 Mitte (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwg Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Noch 1946, also sogar nach dem Zweiten Weltkrieg, schienen Änderungen im Vorstand der Kronenbrotwerke auf.<ref>Handelsgericht Wien. – Veränderungen: B 3831. In: Wiener Zeitung, 14. April 1946, S. 8, Sp. 3 unten (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrz Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref><ref>Erste Wiener Kronenbrotwerke von Moritz Hafner A.G.. In: Wiener Zeitung, 16. Juli 1946, S. 8 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrz Abgerufen am 21. Dezember 2020.</ref> Wann sich das Unternehmen genau aufgelöst hat, geht jedoch nicht hervor.

Literatur

Einzelnachweise

<references />