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Pseudobrookit

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Pseudobrookit
Datei:Pseudobrookite block3 - Ochtendung, Eifel, Germany.jpg
Pseudobrookit-Kristall in deutlich orthorhombischer Ausbildung und typischer Streifung auf der linken Seite
Größe: 0,8 mm
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1988 s.p.<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Pbrk<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • (Fe3+2Ti)O5<ref name="IMA-Liste" />
  • (Fe3+,Fe2+)2(Ti4+,Fe3+)O5<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IV/C.11
IV/C.24-020<ref name="Lapis" />

4.CB.15
07.07.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe Bbmm (Nr. 63, Stellung 5)Vorlage:Raumgruppe/63.5<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 9,77 Å; b = 9,95 Å; c = 3,72 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,33 bis 4,39; berechnet: 4,39<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit deutlich nach {102}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität uneben bis schwach muschelig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe dunkelrötlichbraun, bräunlichschwarz, schwarz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe rötlichbraun bis ockergelb<ref name="Handbookofmineralogy" />
Transparenz undurchsichtig, durchscheinend in dünnen Schichten<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Diamantglanz, Metallglanz, irisierend anlaufend; auf Bruchflächen Fettglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 2,350 bis 2,380<ref name="Mindat" />
nβ 2,360 bis 2,390<ref name="Mindat" />
nγ 2,380 bis 2,420<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,030 bis 0,040<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 50° (gemessen); 80° (berechnet)<ref name="Mindat" />

Pseudobrookit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung (Fe3+2Ti)O5<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein Eisen-Titan-Oxid.

Pseudobrookit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt kurz- bis langprismatige Kristalle bis etwa 7 cm Länge, die senkrecht zur b-Achse [010] gestreckt und gestreift sind. Oft treten die Kristalle auch zu büscheligen, garbenförmigen oder radialstrahligen Mineral-Aggregaten zusammen. Die im Allgemeinen undurchsichtigen und nur in dünnen Schichten durchscheinenden Kristalle sind von dunkelrötlichbrauner bis bräunlichschwarzer Farbe mit einem diamantähnlichen bis metallischen Glanz auf den Oberflächen. Durch Verwitterung können die Kristallflächen auch irisierend anlaufen.

Etymologie und Geschichte

Datei:Pseudobrookite, brown tabular - Ochtendung, Eifel, Germany.jpg
Tafeliger, brauner Pseudobrookit

Erstmals gefunden wurde Pseudobrookit am Măgura Uroiului nahe dem gleichnamigen Dorf etwa 3 km nordöstlich der Stadt Simeria im rumänischen Kreis Hunedoara.

Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte 1878 durch Antal Koch (1843–1927), der das Mineral aufgrund seiner Ähnlichkeit und Verwechslungsgefahr mit Brookit nach diesem mit dem altgriechischen Wortzusatz {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); Wortursprung: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) für „falsch, unecht, vorgetäuscht“ benannte.

Pseudobrookit war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Pseudobrookit theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der 1988 erfolgten Publikation Definition and range of composition of naturally occurring minerals with the pseudobrookite structure wurde allerdings die chemische Zusammensetzung des Minerals neu definiert.<ref name="Bowles" /> Das Mineral wird seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „1988 s.p.“ (special procedure) geführt.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Pseudobrookit lautet „Pbrk“.<ref name="Warr" />

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Pseudobrookit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung „M2O3- und verwandte Verbindungen“, wo er gemeinsam mit Armalcolit sowie im Anhang mit Freudenbergit in der „Pseudobrookit-Reihe“ mit der Systemnummer IV/C.11 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/C.24-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 2 : 3 (M2O3 und verwandte Verbindungen)“, wo Pseudobrookit zusammen mit Armalcolit, Kleberit, Pseudorutil und Tietaiyangit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer IV/C.24 bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Pseudobrookit in die Abteilung „Metall : Sauerstoff = 2 : 3, 3 : 5 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es zusammen mit Armalcolit die „Pseudobrookitgruppe“ mit der Systemnummer 4.CB.15 bildet.<ref name=IMA-Liste-2009 />

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Pseudobrookit die System- und Mineralnummer 07.07.01.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Mehrfache Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Mehrfache Oxide mit verschiedenen Formeln“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 07.07.01, in der auch Armalcolit eingeordnet ist.

Kristallstruktur

Datei:Kristallstruktur Pseudobrookit.png
Kristallstruktur von Pseudobrookit
Sicht auf die a-Achse
Weiß=Eisen, Blau=Titan, Rot=Sauerstoff

Pseudobrookit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Bbmm (Raumgruppen-Nr. 63, Stellung 5)Vorlage:Raumgruppe/63.5 mit den Gitterparametern a = 9,77 Å; b = 9,95 Å und c = 3,72 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften

Morphologie

Datei:Pseudobrookite crystal group - Ochtendung, Eifel, Germany.jpg
Blick auf die Tafelfläche (100) mit typischer Streifung

Im Allgemeinen zeigen Pseudobrookit-Kristalle einen kurz- bis langprismatischen Habitus mit bevorzugter Wuchsrichtung entlang der b- und c-Achse ([010] und [001]), was zur Bildung tafeliger Kristalle nach {100} führt, deren Flächen eine charakteristische Streifung parallel zur c-Achse aufweisen.

Bildung und Fundorte

Pseudobrookit bildet sich als pneumatolytisches Zersetzungsprodukt von Ilmenit in titanreichen Andesiten, Rhyolithen, Basalten und anderen Vulkaniten. Dort tritt er in verschiedenen Paragenesen neben Ilmenit unter anderem auch mit Apatit, Beryll, Bixbyit-(Mn), verschiedenen Glimmern, Hämatit, Kassiterit, Magnetit, Quarz, Sanidin, Spessartin, Topas, Tridymit.

Bisher konnte Pseudobrookit an rund 130 Fundorten (Stand: 2010) nachgewiesen werden, so unter anderem in Algerien, Australien, Brasilien, Bulgarien, Chile, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Mexiko, Neuseeland, Norwegen, Österreich, Rumänien, Russland, Slowakei, Spanien, Südafrika, Tansania, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten (USA).<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Bowles"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für MineralName beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 4. Januar 2025. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: November 2024. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, November 2024, abgerufen am 4. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – P. (PDF 296 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 4. Januar 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Pseudobrookite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 4. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Pseudobrookite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 4. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>