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Wolfgang Frankenstein

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Datei:Bundesarchiv Bild 183-71925-0001, Kunstpreises der DDR, Wolfgang Frankenstein, Inge Keller, Vogt.jpg
Wolfgang Frankenstein (rechts), neben Inge Keller, 1960

Wolfgang Frankenstein (* 5. Mai 1918 in Berlin; † 6. März 2010<ref>Frankenstein, Wolfgang. In: bundesstiftung-aufarbeitung.de. Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, abgerufen am 18. Juni 2025.</ref> ebenda) war ein deutscher Maler, Grafiker und Hochschulprofessor.

Leben

Bereits in der Zeit von 1926 bis 1929 erhielt Wolfgang Frankenstein Zeichenunterricht bei Paul Kuhfuss. Nach einem Abendstudium im Zeichnen an der Kunstgewerbeschule Berlin-Charlottenburg von 1933 bis 1937 bei Max Kaus war er bis 1939 Volontär für Gebrauchsgrafik. Da Wolfgang Frankenstein „Halbjude“ war, erhielt er 1939 ein Studienverbot und wurde zum Kriegsdienst einberufen. 1941 konnte er sein Studium an der Kunsthochschule Charlottenburg fortsetzen, erhielt jedoch 1943 ein endgültiges Studienverbot, verbunden mit dem Verbot jeglicher künstlerischer Arbeit. 1943 erhielt er eine Dienstverpflichtung. Im selben Jahr wurde sein Vater in das KZ Sachsenhausen verschleppt. 1944 erhielt Wolfgang Frankenstein einen Gestellungsbefehl zum Arbeitslager der Organisation Todt. Nach einem Selbstmordversuch wurde er bis Kriegsende in die Nervenheilanstalt Berlin-Nikolassee eingeliefert.

Nach dem Ende des NS-Staats arbeitete Wolfgang Frankenstein freischaffend als Maler und wirkte unter anderem bei den Kulturzeitschriften Der Ruf, Die Quelle und Athena mit. Zudem war er Mitbegründer und Akteur des Künstlerkabaretts Die Badewanne. 1947 hatte er eine Ausstellung in der Berliner Galerie Gerd Rosen. 1948 nahm er in Dresden an der Ausstellung Der Ruf! Dresdner Maler, auswärtige Gäste! teil.<ref>SLUB Dresden: Der Ruf. Abgerufen am 24. Dezember 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Von 1948 bis 1951 übernahm er die künstlerische Leitung der Galerie Gerd Rosen. 1951 trat Frankenstein massiv gegen die Remilitarisierung Westdeutschlands ein, worauf er aus verschiedenen Verbänden ausgeschlossen wurde. 1953 siedelte er in die DDR über. Von 1952 bis 1954 war er Meisterschüler bei Heinrich Ehmsen an der Akademie der Künste (Berlin-Ost).

1954 heiratete Wolfgang Frankenstein Margot Schmidt, 1954 und 1959 wurden die Söhne Matthias und Daniel geboren.

1962 erfolgte die Berufung als Professor für Theorie und Praxis in der bildenden Kunst an die Universität Greifswald, von 1968 bis 1983 war er Professor und Leiter des Bereichs Kunsterziehung an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Seiner Promotion 1977 folgte 1980 die Habilitation. 1979 wurde er Ehrenpräsident der Association d’Art Plastique in der UNESCO. Sein Werk umfasst über 800 Arbeiten, von denen sich viele im Besitz öffentlicher deutscher und internationaler Museen und Sammlungen befinden. Er schuf u. a. eine bedeutende Zahl von architekturbezogenen Werken. Zu seinen publikumswirksamsten Arbeiten gehören mehrere Wandgestaltungen in der damaligen Dynamo-Sporthalle des heutigen Sportforums Hohenschönhausen und 20 Wandbilder im U-Bahnhof Magdalenenstraße.

Frankenstein hatte in der DDR eine große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. 1958/1959, 1967/1968, 1972/1973 und 1977/1978 an der Vierten und VI. Deutschen Kunstausstellung und der VIII. Kunstausstellung der DDR in Dresden. Die Werkausstellung Wolfgang Frankenstein – Bilder aus zwei Perioden im Ausstellungszentrum am Fernsehturm Berlin 1989 war die letzte große Ausstellung Frankensteins in der DDR.

Studienreisen führten Frankenstein unter anderem nach Italien (1953 mit Waldemar Grzimek), Ägypten, Bulgarien, Kolumbien, Frankreich, Chile, Peru, in den Irak und in die Sowjetunion.

Frankenstein musste nach der deutschen Wiedervereinigung den Verlust architekturbezogener Arbeiten hinnehmen. U. a. wurde das 1957 entstandene Wandbild Arbeit und Freizeit im Speisesaal des VEB Holzwerk Hohenschönhausen, Berlin-Weißensee, Quitzowstraße, (Fresco Secco/Kasein, 4 × 12 m)<ref>Erika Neumann (Bearbeitung): Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 1 Berlin. Hrsg. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1969, S. 147/149</ref> 1992 mit dem Abriss des Gebäudes zerstört, obwohl die Möglichkeit bestanden hätte, diesen Bau in die Gestaltung eines neuen Wohngebietes einzubeziehen. Der damalige Stadtbezirksbürgermeister kommentierte die Bildvernichtung: „40 Jahre 'sozialistischer Realismus' sind genug. Ich weine solcher Kunst keine Träne nach.“<ref>Peter Michel: Ankunft in der Freiheit. Essays gegen den Werteverlust der Zeit, Berlin 2011, S. 192.</ref>

Frankensteins Sohn Daniel übereignete der Humboldt-Universität 272 Gemälde und 38 Lithographien aus dem Nachlass seines Vaters, die das Œuvre Wolfgang Frankensteins von 1959 bis 2005 widerspiegeln.<ref name=":1">Mit Farbintensität und expressivem Gestus. 9. Mai 2017, abgerufen am 24. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Selbstreflektion

„Es gibt Dinge, die man singen kann, aber nicht sagen, es gibt Dinge, die man sagen, aber nicht machen kann, es gibt Dinge, die man nicht singen und auch nicht sagen kann, die man malen muß. Solche Dinge versuche ich zu malen.“ (W. F. 1947)

„Ältere Bilder aus einer Zeit, die wir uns schwer vergegenwärtigen können, brauchen Erläuterungen. Ebenso Neuschöpfungen, die stets – das gehört zum Wesen des Schöpferischen – nicht nur schon Dagewesenes wiederholen, sondern in vieler Beziehung Unerwartetes vorstellen. Der Betrachter kann sie nicht an den bereits vorhandenen messen, obwohl bei näherem Hinsehen viel mehr Traditionelles enthalten ist, als er meint. Er braucht einen Schlüssel, eine Interpretation.“ (W. F. 1972)

Rezeption

„In Frankensteins Biographie, aber auch in seiner Malweise und Bildikonographie, reflektiert sich die von Barbarei, Neubeginn, Zweifel und Hoffnung geprägte Geschichte des 20. Jahrhunderts.“<ref name=":1" />

Ehrungen (Auswahl)

Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Frankensteins (unvollständig)

Weitere Werkbeispiele

Datei:Wolfgang Frankenstein SportFries 1.jpg
„Sport-Fries“ am Sportforum Hohenschönhausen (Ausschnitt)

Architekturbezogene Werke

  • 1951–1953: Wandbild am Kulturhaus des Jugendwerkhofes Berlin-Hessenwinkel
  • 1959: Drei Wandgestaltungen mit sportlichen Motiven (Keramikmosaik; 2 Teile je 1,50 × 9,00 m, 1 Teil 3,00 × 9,00 m; technische Ausführung: Heinrich Jungebloedt; Berlin-Weißensee, Große Sporthalle im heutigen Sportforum Hohenschönhausen)<ref>Erika Neumann (Bearbeitung): Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 1 Berlin. Hrsg. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1969, S. 158/159</ref>
  • 1961: Aufbau des Sportforums (zweiteiliges Wandbild, Fresco/Secco/Kasein, 2,80 × 7,50 m, 1,80 × 2 m; Große Sporthalle im heutigen Sportforum Hohenschönhausen)<ref>Erika Neumann (Bearbeitung): Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 1 Berlin. Hrsg. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1969, S. 169/161</ref>
  • 1963–1966: Wandbild in der LPG Krummensee
  • 1966: Strandleben. Wandgestaltung, 9 × 12 m; Foyer der Schwimmhalle des heutigen Sportforums Hohenschönhausen; Ausführung in Keramik-, Naturstein- und Glasmosaik durch VEB Stuck und Naturstein Berlin<ref>Erika Neumann (Bearbeitung): Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 1 Berlin. Hrsg. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1969, S. 164/165</ref>
  • 1966: Betonglasfenster in einem Sportinternat in Biesenthal
  • 1967: Kosmonauten gegen Aberglauben, Wandgestaltung, Tempera auf Gips, ca. 3 × 12 m; Berlin-Prenzlauer Berg, Storkower Straße, Speiseraum der Betriebsgaststätte des VEB Bau- und Montagekom-binat IHB Berlin<ref>Ruth Pape et al. (Bearbeitung): Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 5 Dresden, Cottbus, Frankfurt. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1973</ref>
  • 1970: Sport-Fries am Sportforum Hohenschönhausen, Kupfer getrieben, 5 m × 80 m
  • 1986: 20 Wandbilder auf Meißner Kacheln im U-Bahnhof Magdalenenstraße mit dem Thema Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung
  • Wandbild im Konferenzsaal der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit, heute Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße

Tafelbilder

  • 1959 Bildnis Ludwig Renn (Öl und Tempera auf Hartfaser)
  • 1960: Bildnis Richard Scheibe (Öl auf Leinwand)
  • 1966: Porträt Ernst Busch (Mischtechnik)
  • 1966–1967: Die Wissenschaftler gegen den Mißbrauch ihrer Forschungen – Appell der Göttinger Achtzehn (Mischtechnik auf Hartfaser)
  • 1967: Vietnam-Zyklus (Mischtechnik)
  • 1968–1969: Novemberrevolution (Triptychon; Mischtechnik auf Hartfaser)
  • 1972: Indianerin (Mischtechnik auf Hartfaser)
  • 1976: Platz der Akademie, Berlin (Öl auf Hartfaser)
  • 1988: Die Blinden im Gebirge IV (Öl, 70 × 50 cm; Kunstsammlung der Humboldt-Universität)<ref name=":0">Wolfgang Frankenstein, Die Blinden im Gebirge IV, 1988. Abgerufen am 19. Januar 2025.</ref>
  • 1992: Die Blinden (Öl, 50 × 70 cm; Kunstsammlung der Humboldt-Universität)<ref name=":0" />

Ausstellung nach der deutschen Wiedervereinigung

  • 2017: Berlin, Humboldt-Universität, Lichthof des Hauptgebäudes („Die Kustodie zeigt: Gemälde aus der Schenkung des Berliner Künstlers Professor Wolfgang Frankenstein“)<ref name=":1" />

Film

1961 wurde Wolfgang Frankenstein von der Regisseurin Nina Hartung für den 15-minütigen DEFA-Dokumentarfilm Der Auftrag porträtiert. Der Film zeigt Frankenstein bei der Gestaltung eines Wandbilds im VEB Holzbau Berlin-Hohenschönhausen.<ref>Der Auftrag (in der Filmdatenbank der DEFA-Stiftung). DEFA-Stiftung, abgerufen am 16. Juni 2024.</ref>

Literatur (chronologisch)

  • Waldemar Grzimek: Zu einem Wandbild von Wolfgang Frankenstein. In: Bildende Kunst, Berlin, 8/1957, S. 524–528
  • Wolfgang Frankenstein: Das Wandbild im Holzwerk Berlin-Hohenschönhausen. In: Junge Kunst, Berlin, 1/1960, S. 1–16
  • Joachim Uhlitzsch: Ein neues Wandbild von Wolfgang Frankenstein. In: Bildende Kunst, Berlin, 2/1962, S. 71–77
  • Ursula Meyer: Ein Mosaik von Wolfgang Frankenstein. In: Bildende Kunst, Berlin, 4/1968, S. 198–201
  • Gerburg Förster: Wolfgang Frankenstein. Verlag der Kunst Dresden, 1976 (Reihe Maler und Werk).
  • Wolfgang Frankenstein Werkkatalog. Kunstsammlungen zu Weimar anlässlich der Wanderausstellung in Berlin, Rostock, Schwerin, Halle, 1978.
  • Gert Claußnitzer (Red.): Wolfgang Frankenstein. Werkkatalog. Hrsg. Magistrat von Berlin, 1989
  • Wolfgang Frankenstein – Malerei und Grafik. Katalog der Berlinischen Galerie, 1993, ISBN 3-927873-27-6
  • Hans F. Schweers: Gemälde in Museen. Deutschland, Österreich, Schweiz. Teil I. Band 1. Künstler und ihre Werke. K. G. Saur, München 2008, S. 450
  • Frankenstein, Wolfgang. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin, 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 220/221
  • Frankenstein, Wolfgang. In: Wer war wer in der DDR? 5. Auflage. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, S. Vorlage:VonBis (bundesstiftung-aufarbeitung.de).

Weblinks

Commons: Wolfgang Frankenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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