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Johannes Virdung

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Datei:Virdung eintrag.jpg
Autographer Besitzeintrag Virdungs in einem Buch der Stadtbibliothek Mainz

Johannes Virdung oder Johann Virdung von Hassfurt (* 15. März 1463<ref>Vermutlich 15. März 1463, cf. Johannes Virdung, AstroWiki</ref> in Haßfurt; † 1538/39<ref>Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1386-1651, Springer, Heidelberg 2002, S. 292 f. books.google</ref>) war ein deutscher Astrologe und Mediziner.

Leben

Es wird angenommen, dass Virdung bei dem Astronomen Albert de Brudzewo in die Schule gegangen ist. Sein Studium begann er 1481 an der Universität Leipzig, welches er später (1484–1487) für sein Studium in Krakau<ref>Eingeschränktes Digitalisat bei Google Books</ref> unterbrach. 1487 wurde er in Leipzig als Johannes Johannis baccalaureus Cracoviensis wieder rezipiert. Sein Studium in Leipzig schloss er 1491 als artium magister Lypsensis ab. Jahrzehnte später, im Jahre 1529, promovierte er zum Doktor der Medizin in Heidelberg.<ref name="Hille">Martin Hille: Providentia Dei, Reich und Kirche: Weltbild und Stimmungsprofil altgläubiger Chronisten 1517–1618, Band 81 der Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, S. 99 f. Vorschau GoogleBooks</ref>

Von seinen Lebensumständen ist nichts Näheres bekannt als das, was er selbst in seinen Werken mitteilt.

Er war ein gefeierter Astrologe des 16. Jahrhunderts. Er hatte eine öffentliche Position am so genannten Musenhof von Philipp, Kurfürst der Pfalz, in Heidelberg. Er schrieb diverse Werke, wie beispielsweise eine Erläuterung zur Apokalypse, einer Practica von dem Entchrist. Er machte wissenschaftliche Reisen durch Deutschland, Frankreich und Italien und wurde auch nach Dänemark berufen, um dem König Christian II. die Genesis auszulegen. Seit 1529 lehrte er an der Universität Heidelberg Astronomie und Medizin.<ref name="Hille"/>

Virdung stand mit Johannes Trithemius in Verbindung. Der Briefwechsel der beiden, in dem sich der auch mit Magie in Verbindung gebrachte Abt und Gelehrte Trithemius abfällig über den – im Gegensatz zu Trithemus, Agrippa und Paracelsus – eine eher praktische Magie betreibenden Johann Georg Faust äußert,<ref>Wolf-Dieter Müller-Jahncke: Zum Magie-Begriff in der Renaissance-Medizin und -Pharmazie. In: Rudolf Schmitz, Gundolf Keil (Hrsg.): Humanismus und Medizin. Acta humaniora, Weinheim 1984 (= Deutsche Forschungsgemeinschaft: Mitteilungen der Kommission für Humanismusforschung. Band 11), ISBN 3-527-17011-1, S. 99–116, hier: S. 105 f.</ref> ist die hauptsächlich überlieferte Quelle für die Geschichte über Doctor Faustus (Georg Zabel).<ref>Brief von Trithemius an Virdung</ref>

Sein Tabellenwerk Tabulae resolutae zählt zu seinen bedeutendsten Werken. Ein derartiges Werk war erforderlich, um unter den damaligen Voraussetzungen des geozentrischen Weltbildes, welches die Umläufe der Planeten um die Sonne nicht kannte, aus gemittelten Kreisbahnen und so genannten Epizykeln die wahre Planetenposition annähernd errechnen zu können. Virdung bezieht sich in seinem Werk auf die alfonsinischen Tafeln, Regiomontanus und Peurbach.

Die große Konjunktion von 1524

Virdung war in eine damals sehr heftig geführte Auseinandersetzung bezüglich der zu erwartenden Auswirkungen der großen Konjunktion von 1524 in den Fischen einbezogen. Johannes Stöffler und andere schlossen aus dieser Konstellation auf große, sintflutartige Überschwemmungen, die noch heute zu den größten Fehlprognosen in der Geschichte der Astrologie zählen.

Virdung sprach sich hierbei gegen das Überschwemmungsszenario aus, jedoch brachte er hier eben den Entchrist (Antichrist) der Apokalypse ins Gespräch und prognostizierte Aufstände und eine Schwächung des christlichen Glaubens. Diese Schrift wurde in besonderem Maße auch dazu genutzt, die Angst vor der Reformationsbewegung um Martin Luther anzuheizen. So wundert es nicht, dass sie in den folgenden Jahren bis zu fünfzehn weitere Auflagen erlebte. Die Bauernkriege in den 1520er Jahren wurden durchaus als Bestätigung der Prognose Virdungs aufgefasst. Er formulierte:

„Vnd die geringen menschen, schnödes geschlechts werden sich erhöhen wider die Kunig vnd grossmechtige, sie vndtersteen zu vertreiben aus irem gewalt und jemmerlich vervolgen.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Johannes Virdung: Zitat aus der Practica von 1522

Geburtsdaten

Außer einem Horoskop existiert keine bekannte Quelle, welche das Geburtsdatum belegt. Allgemein wird das Jahr 1463 angegeben, allerdings auch teilweise 1465. Aus dem Horoskop lässt sich mit Hilfe der Daten über die Planetenstände des Tages die Geburtszeit 08:32 Uhr des 15. März 1463 berechnen.

Schriftstellerische Leistung

Die Leistungen Virdungs auf dem schriftstellerischen Gebiet bewegten sich meist im Bereich landläufiger Kalendermacherei und Astrologie. Außerdem gab er Prognostika heraus, welche ihm häufig nachgedruckt wurden, weswegen er beim Kaiser durch eine Klage das Recht gegen den Nachdruck seiner Prognosen erwarb.

Ungewöhnliche Naturereignisse hatten meist neue Werke von Virdung zur Folge, wie beispielsweise der Komet von 1506, die Sonnenfinsternis im Jahre 1513 und das Nebenmondphänomen, welches in Württemberg beobachtet wurde.

Werke

Kurze Kommentare zu vielen Ausgaben bei der Digital International Astrology Library.<ref>Digital International Astrology Library</ref>

Literatur

  • Siegmund GüntherVirdung, Johann. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 40, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 9 f.
  • Max Steinmetz: Johann Virdung von Hassfurt. Sein Leben und seine astrologischen Flugschriften. In: Paola Zambelli: Astrologi hallucinati: Stars and the End of the World in Luther’s Time: Conference Papers. S. 195–214. Walter de Gruyter 1986, ISBN 3-11-010317-6.

Weblinks

Quellen

<references/>

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