Georg von Schmerfeld
Georg Schmerfeld, seit 1817 von Schmerfeld, (* 18. März 1759 in Kassel; † 21. Dezember 1823 ebenda) war ein deutscher Jurist, Verwaltungsbeamter und Staatsmann im Dienste der Landgrafen bzw. Kurfürsten von Hessen-Kassel.
Herkunft
Georg Schmerfeld entstammte einer Familie aus dem niederhessischen Bürgertum hervorgegangener Staatsdiener. Er war der einzige Sohn von Johann David Schmerfeld (1707–1774), Hessen-Kasseler Kammerbuchhalter und Rat an der Kriegs- und Domänenkammer, und dessen Frau Marianne von Borries (1726–1759).
Werdegang
Nach Jurastudium in Marburg und Göttingen wurde er 1779, als gerade 20-Jähriger, Assessor an der sog. Französischen Justizkanzlei in Kassel. Er zeichnete sich durch juristischen Sachverstand, organisatorisches Talent und virtuoses Geigenspiel aus. Nach fünf Jahren in dieser Position wurde er Richter und Rheinzoll-Erheber in St. Goar. Von 1788 bis 1792 war er Reservatenkommissar für die Niedergrafschaft Katzenelnbogen in St. Goar, dem die Wahrnehmung der hessen-kasselschen Hoheitsrechte und Kirchengewalt in diesem Teil der Landgrafschaft oblag.<ref>A. Heldmann: Die hessische Diözese der Niedergrafschaft Katzenellenbogen. In: Nassauische Annalen, Band 31, 1900, S. 115–171, hier S. 125–126, books.google.de.</ref> Danach wurde er Oberschultheiß und Vorsitzender des Landgerichts in Kassel. 1804 wurde er Geheimer Rat und Vorstand der Geheimen Landkanzlei; damit gelangte er in das unmittelbare Umfeld des Landgrafen Wilhelm IX., der 1803 zum Kurfürsten Wilhelm I. avancierte.
Nach des Kurfürsten Flucht aus Kassel im Spätherbst 1806 blieb Schmerfeld zunächst in Kassel, um mit den einmarschierten Franzosen zu verhandeln. 1809 war er einer der wichtigen Mitverschwörer am Dörnbergschen Aufstand 1809 gegen das Regime des von Napoléon Bonaparte eingesetzten Königs Jérôme von Westphalen, ging aber nach dessen Misslingen nach Prag zum Kurfürsten ins dortige Exil.
Nach der Restituierung des Kurfürstentums 1813 berief Kurfürst Wilhelm vornehmlich Männer in leitende Positionen seiner Regierung, die mit ihm im Exil in Prag gewesen waren. Einer der ersten unter diesen war Georg Schmerfeld, der Geheimer Staatsminister für Inneres und Justiz und auch Regierungspräsident in Kassel, Leiter der Geheimen Kanzleien und Mitglied der Kabinettskassendirektion wurde. Er galt als ungemein integer und, im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen, beteiligte sich wohl nicht an der hemmungslosen Günstlingswirtschaft und persönlichen Bereicherung, die in Hessen-Kassel um sich griff. Im Oktober 1815 berief ihn der Kurfürst in die vierköpfige Kommission, die im Dezember 1815 den in vieler Hinsicht fortschrittlichen und zukunftsweisenden ersten Verfassungsentwurf<ref>Verfassungsentwurf für Hessen-Kassel (1816). Beurkundete Darstellung der Kurhessischen Landtagsverhandlungen. In: Horst Dippel (Hrsg.): Verfassungen der Welt vom späten 18. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhunderts. de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-598-44058-8, E-Book.</ref> für Kurhessen vorlegte.<ref>Die anderen Kommissionsmitglieder waren Ferdinand Schenck zu Schweinsberg, Ernst Friedrich von der Malsburg und Otto von Porbeck. Werner Frotscher: Verfassungsdiskussion und Verfassungskonflikt. Zur Entwicklung freiheitlich-parlamentarischer Verfassungsstrukturen in Kurhessen (1813–1866). (PDF; 73 kB) In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde (ZHG), Band 107, 2002, S. 203–221, hier S. 206.</ref>
Schmerfeld wurde 1817 in den Adelsstand erhoben und genoss auch in den ersten Jahren der Regierung des Kurfürsten Wilhelm II. ab 1821 noch hohes Ansehen. Er war ein führendes Mitglied der Kasseler Freimaurerszene, und seinem Einfluss war es zu verdanken, dass die Logen in Kurhessen nach 1813 nicht verboten wurden.
Familie
Georg Schmerfeld heiratete im Jahre 1787 Friederike Charlotte Gissot (1764–1821), eine Tochter des landgräflichen Leibarztes und Kammerherrn Jean Gissot (1728–1798). Die Ehe blieb kinderlos. Das monumentale Grabmal auf dem Altstädter Friedhof in Kassel wurde von Daniel Engelhard gestaltet.<ref>https://architekturzeichnungen.museum-kassel.de/18179/</ref>
Literatur
- Stefan Brakensiek: Fürstendiener, Staatsbeamte, Bürger. Amtsführung und Lebenswelt der Ortsbeamten in niederhessischen Kleinstädten 1750–1830. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, ISBN 3-525-35677-3, S. 296 (Google Books).
- Stefan Brakensiek: Die Staatsdiener. Das Beispiel der gelehrten Räte an der Regierung Kassel. In: Heide Wunder, Christina Vanja, Karl-Hermann Wegner (Hrsg.): Kassel im 18. Jahrhundert. Residenz und Stadt. Euregio, Kassel 2000, ISBN 3-933617-05-7, S. 361–362 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />archive.org ( vom 28. Juni 2007 im Internet Archive), PDF; 6,4 MB).
Weblinks
- Schmerfeld, Georg von. Hessische Biografie. (Stand: 18. März 2025). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
Einzelnachweise
<references />
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George von Schmerfeld (1821–1823) | Friedrich Ludwig von Witzleben (1823–1830) | Friedrich Christoph von Schmincke (1830) | Ferdinand Carl Wilhelm Heinrich von Schenck zu Schweinsberg (1830–1831) | Johann Christian Wiederhold (1831–1832) | Gerhard Heinrich von Motz (1832–1848) | Moritz Ernst von Baumbach (1848–1850) | Hans Daniel Ludwig Friedrich Hassenpflug (1850–1855) | Siegmund Friedrich von Meyer (1855–1859) | Conrad Abée (1859–1862) | Jacob Arnold Carl von Dehn-Rotfelser (1862–1863) | Conrad Abée (1863–1866)
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Georg von Schmerfeld (1821–1823) | Friedrich Krafft (1824–1826) | Georg Franz Hugo Rieß (1826–1831) | Friedrich Christoph von Schmincke (1831) | Georg Franz Hugo Rieß (1831–1832) | Karl Michael Eggena (1832) | Ludwig Hassenpflug (1832–1837) | Georg Ferdinand von Lepel (1837) | Carl Philipp Emil von Hanstein (1837–1841) | Johann Hermann Koch (1841–1843) | Otto Heinrich Julius Leopold Volmar (1843–1846) | Johann Hermann Koch (1846–1847) | Friedrich Heinrich Ernst Leopold Scheffer (1847–1848) | Bernhard Eberhard (1848–1850) | Ludwig Hassenpflug (1850–1855) | Heinrich Eduard von Stiernberg (1855–1856) | Friedrich Scheffer (1856–1859) | Heinrich Eduard von Stiernberg (1859–1860) | Otto Heinrich Julius Leopold Volmar (1860–1862) | Carl Friedrich von Stiernberg (1862–1864) | Carl Pfeiffer (1864) | Johann Carl Rohde (1864–1865) | Franz Ludwig Mittler (1865) | Carl Wilhelm Ferdinand Harbordt (1865–1866)
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George von Schmerfeld (1821–1823) | George Franz Hugo Rieß (1824–1826) | Friedrich Christoph von Schmincke (1826–1830) | Ferdinand Carl Wilhelm Heinrich von Schenck zu Schweinsberg (1830–1831) | Johann Christian Wiederhold (1831–1832) | Gerhard von Motz (1832) | Friedrich Heinrich Ludwig Wilhelm von Trott zu Solz (1832) | Hans Daniel Ludwig Friedrich Hassenpflug (1832–1834) | Gerhard von Motz (1834) | Ludwig Hassenpflug (1834–1837) | Johann Hermann Koch (1837) | Friedrich Mackeldey (1837–1846) | Johann Wilhelm Bickell (1846–1848) | Gerhard von Motz (1848) | Moritz Ernst von Baumbach (1848–1850) | Ludwig Hassenpflug (1850–1855) | Carl Rohde (1855–1859) | Conrad Abée (1859–1862) | Carl Pfeiffer (1862–1865) | Adolf Etienne (1865) | Conrad Abée (1865–1866)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schmerfeld, Georg von |
| ALTERNATIVNAMEN | Schmerfeld, Georg |
| KURZBESCHREIBUNG | Hessen-Kasseler Staatsmann |
| GEBURTSDATUM | 18. März 1759 |
| GEBURTSORT | Kassel |
| STERBEDATUM | 21. Dezember 1823 |
| STERBEORT | Kassel |
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