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Xenusion

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Xenusion
Datei:Xenusion P1060077.jpg

Typusexemplar von Xenusion auerswaldae im Berliner Museum für Naturkunde

Zeitliches Auftreten
Unteres Kambrium
530 bis 521 Mio. Jahre
Systematik
ohne Rang: Vielzellige Tiere (Metazoa)
Bilateria
Urmünder (Protostomia)
Häutungstiere (Ecdysozoa)
Lobopoden (Lobopodia)
Xenusion
Wissenschaftlicher Name
Xenusion
Pompeckj, 1927
Art
  • Xenusion auerswaldae Pompeckj, 1927

Xenusion ist eine Gattung ausgestorbener Häutungstiere (Ecdysozoa) aus dem frühen Kambrium, etwa 530 bis 521 mya. Die bisher gefundenen zwei fossilen Exemplare stammen aus den eiszeitlichen Geschieben von Norddeutschland. Sie gelten als die ältesten Nachweise eines Tieres mit Gliedmaßen. Die einzige Art (Typusart) ist X. auerswaldae.

Systematische Einordnung

Anfangs konnten die Funde keiner bekannten Tiergruppe zugeordnet werden. Später stellte man sie zu den in der erdgeschichtlichen Epoche des Kambriums lebenden Lobopoden (Lobopodia, Proarthropoda), die wohl eng mit den heutigen Stummelfüßern (Onychophora) verwandt sind. Rezente Formen der Onychophora leben jedoch an Land.<ref>Xiaoya Ma, Gregory D. Edgecombe, David A. Legg, Xianguang Hou: The morphology and phylogenetic position of the Cambrian lobopodian Diania cactiformis. In: Journal of Systematic Palaeontology. Band 12, Nr. 4, 2013, doi:10.1080/14772019.2013.770418.</ref> Die Fossilien von Xenusion stammen vermutlich von den frühkambrischen Meeresablagerungen (Kalmarsund-Sandstein), die in Kalmarsund in Schweden anstehen. Der Abdruck zeigt nicht die Bauch-, sondern die Rückenseite.<ref name="H. Jaeger and A. Martinsson"> H. Jaeger and A. Martinsson: Remarks on the problematic fossil Xenusion auerswaldae. Geologiska Föreningens i Stockholm Förhandlingar, Bd. 88, 1967, S. :435–452</ref>

Verwandte Formen (z. B. Hallucigenia) wurden in der fossilen Fauna des kanadischen Burgess-Schiefers, einer weltbekannten Fossillagerstätte, nachgewiesen. Als Microdictyon bezeichnete stachelartige Skelettelemente der Small-Shelly-Fauna konnten ebenfalls einem Onychophoren-artigen Fossil aus dem Unterkambrium Chinas (Chengjiang-Fauna) zugeordnet werden.

Fundgeschichte

Das erste wissenschaftlich beschriebene Exemplar (Holotypus) fand Fritz Knuth beim Rigolen seines Gartens in Sewekow (heute Ortsteil von Wittstock/Dosse) in der Prignitz während des Ersten Weltkriegs. Er übergab es an Annemarie von Auerswald, Leiterin des „Heimatmuseums für die Prignitz“ im Kloster Stift zum Heiligengrabe.<ref name="Bruno Kernchen und Albert Guthke"> Bruno Kernchen und Albert Guthke: Finder und Fundort des Xenusion auerswaldae, Prignitz-Forschungen, Bd. 1, 1966, S. 13–17 </ref> Nachdem der Wert des Fundes an der Universität Rostock nicht erkannt wurde, reichte Annemarie von Auerswald das Fundstück im November 1925 zur wissenschaftlichen Bearbeitung an Professor Josef Felix Pompeckj, Direktor des Geologisch-Paläontologischen Instituts und Museums der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt-Universität zu Berlin), weiter.<ref name="Joseph Felix Pompeckj"> Joseph Felix Pompeckj: Ein neues Zeugnis uralten Lebens. Paläontologische Zeitschrift, Bd. 9, 1927, S. 287–313 </ref><ref name="H. Jaeger and A. Martinsson"/> Es handelt sich dabei um den bedeutendsten paläontologischen Fund in der Prignitz. Der Erstfund befindet sich heute im Berliner Naturkundemuseum.

Ein zweites, sehr fragmentarisches Exemplar wurde von Walter Bennhold in der Nähe von Fürstenwalde gefunden und dem Institut für Geologie und Paläontologie der Humboldt-Universität zu Berlin um 1950 übermittelt. Es gilt als verschollen.<ref>Roger Schallreuter: Das zweite Xenusion. In: Gesellschaft für Geschiebekunde (Hrsg.): Geschiebekunde aktuell. Band 2, Nr. 2. Hamburg Mai 1985.</ref>

Ein drittes Exemplar des Xenusion auerswaldae wurde 1978 von Helga und Horst Deichfuss auf der Insel Hiddensee an der nördlichen Steilküste unterhalb des Leuchtturms Dornbusch gefunden. Es befindet sich in den Geowissenschaftlichen Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.<ref name="Günter Krumbiegel, Helga Deichfuss, Horst Deichfuss"> Günter Krumbiegel, Helga Deichfuss, Horst Deichfuss: Ein neuer Fund von Xenusion. Hallesches Jahrbuch für Geowissenschaften, Bd. 5, 1980, S. 97–99.</ref><ref name="Jerzy Dzik and Günter Krumbiegel"> Jerzy Dzik and Günter Krumbiegel: The oldest ‘onychophoran’ Xenusion: a link connecting phyla?, Lethaia 22 (2), 1989, 169–181</ref><ref>Norbert Hauschke, Sophie Kretschmer: Xenusion auerswaldae Pompeckj 1927, ein außergewöhnlicher Geschiebefund in den Geologisch-Paläontologischen Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In: Der Geschiebesammler. Band 48, Nr. 1, Mai 2015, S. 3–13 (researchgate.net [PDF]).</ref>

Ein viertes Exemplar wurde 1997 von Dieter Luttermann in der Nähe von Sellingerbeetse in Ost-Groningen auf einem Kieshaufen gefunden. Bei diesem Exemplar sind ein paar Abdrücke von Füßen auf dem dichten, grauen quarzitischen Sandstein zu erkennen.<ref>Frank Rudolph, Dieter Luttermann: Ein neuer Fund von Xenusion? In: Der Geschiebesammler. Band 34, Nr. 3, 2001, S. 147–154 (geschiebesammler.de).</ref> Das Fundstück befindet sich in Hunebedcentrum im niederländischen Ort Borger.<ref>Henny Radstaak: Het oudste fossiel van Nederland. 12. März 2023, abgerufen am 15. Dezember 2024.</ref>

Rezeption

Das Xenusion wurde von der 1984 gegründeten Gesellschaft für Geschiebekunde e.V. als Wappentier gewählt.<ref>Gesellschaft für Geschiebekunde e.V.</ref>

Ein Paläokünstler hat das Tier dreidimensional rekonstruiert.<ref>Nina ‚Zoe‘ Mühl: Das älteste Körperfossil Deutschlands: Xenusion auerswaldae. 31. Juli 2024, abgerufen am 15. Dezember 2024.</ref><ref>3D-Rekonstruktion des Xenusion auerswaldae</ref>

Quellen

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Weblinks