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Sten Gun

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Sten Gun
Datei:Pistolet maszynowy STEN, Muzeum Orła Białego.jpg
Allgemeine Information
Militärische Bezeichnung Sten Mk I bis Mk VI
Einsatzland Großbritannien
Entwickler/Hersteller Reginald V. Shepherd,
Harold J. Turpin
Entwicklungsjahr 1941
Produktionszeit seit 1941
Waffenkategorie Maschinenpistole
Technische Daten
Kaliber 9 × 19 mm
Mögliche Magazinfüllungen 32 Patronen
Munitionszufuhr Stangenmagazin
Kadenz 500–550<ref name="SALW" /> Schuss/min
Visier Lochkimme und Korn
Verschluss Masseverschluss
Ladeprinzip Rückstoßlader
Listen zum Thema
Datei:Sten Mk II IMG 4781 (Nemo5576) noBG.png
Sten Mk II mit sogenannter „Skelettschulterstütze“ und Tüllenbajonett (zum Aufstecken auf die Laufmündung)
Datei:Sten factory 1942.jpg
Sten (1942)

Die Bezeichnung Sten Gun wurde für eine Reihe von sehr einfach konstruierten, als zuverlässig geltenden Maschinenpistolen der britischen Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg verwendet. Sie löste die Lanchester-Maschinenpistole ab, die auf der deutschen MP28 II basierte.<ref name="enzy" />

Geschichte

Die Mitarbeiter des britischen Staatsarsenals Major Reginald V. Shepherd und Harold J. Turpin entwickelten diese Waffe 1941. Der Name „Sten“ ist aus den Anfangsbuchstaben der Nachnamen der Entwickler Major Reginald V. Shepherd und Harold Turpin sowie den Anfangsbuchstaben der Produktionsstätte ENFIELD zusammengesetzt.<ref name="visierS43" />

Die hohen Materialverluste bei der Evakuierung von Dünkirchen und die Verwundbarkeit amerikanischer Transporte durch deutsche U-Boote (→ Atlantikschlacht) führten zu einem Versorgungsengpass bei automatischen Waffen. Daher wurde im Juni 1941 die einfach und grob gefertigte Sten Mk. I bei der britischen Armee eingeführt.

Die Sten bewährte sich und wurde weiterentwickelt (Sten Mark II, III, IV, V und VI). Zur Herstellung der einfachsten Version, der Mark III, wurden fünf Arbeitsstunden benötigt; die Herstellungskosten entsprachen dem Sechstel der von US-amerikanischen Streitkräften zunächst eingesetzten Thompson.<ref name="visierS44" /> Die Waffenfabrik Royal Small Arms Factory in Enfield produzierte bis Mitte 1942 die ersten 100.000 Stück der Sten Mark I (kurz Sten Mk. I, Mk I oder Mk 1). Die letzte gebräuchliche Sten war die Mk V, mit Korn und Bajonetthalter des Enfield No. 4.<ref name="visierS44" /> Dem folgte nur noch die Mk VI mit integriertem Schalldämpfer für Spezialeinheiten.<ref name="nazarian" /> Bis Februar 1944 wurden in Großbritannien insgesamt über 4 Millionen Stens aller Arten hergestellt.<ref name="visierS44" />

Technik

Alle Sten-Maschinenpistolen waren zuschießende Rückstoßlader mit unverriegeltem Masseverschluss.<ref name="visierS43" /> Ein Feuerwahlknopf erlaubte Einzel- oder Dauerfeuer; die Schusskadenz betrug 500 bis 550 Schuss pro Minute.<ref name="SALW" />

Das gerade Stangenmagazin fasste 32 Patronen. Die Sten verschoss die der 9-mm-Para-Patrone in den Abmessungen ähnliche 9-mm-Z-Patrone, diese entsprach mit einer Mündungsgeschwindigkeit (v0) von etwa 420 Metern pro Sekunde (m/s) etwa der heutigen NATO-MP-Munition. Die damalige 9-mm-Para-Patrone hatte eine v0 von etwa 360 m/s. Das Magazin war von eher minderer Qualität; verbogene Magazinlippen verursachten manchmal Ladehemmungen.

Unter der Bezeichnung Sten Mark IIS wurde eine Version mit Schalldämpfer produziert. Diese Waffen hatten einen kürzeren Lauf mit Druckentlastungsbohrungen, einen leichteren Verschluss und eine schwächere Schließfeder. Durch den kürzeren Lauf wurde die v0 auf etwa 300 m/s reduziert und der Überschallknall des Geschosses vermieden. Die effektive Schussweite betrug dann noch maximal 100 Meter.<ref name="enzy" />

Verwendung

Von Deutschland im Zweiten Weltkrieg erbeutete Sten-Maschinenpistolen wurden als 748 (e), 749 (e), 750 (e) und 751 (e) bezeichnet.<ref name="visierS44" /> Zunächst als „zu primitiv“ abgestempelt und eingelagert, wurden sie Ende 1943 auf Grund des akuten Waffenmangels an deutsche Truppen ausgegeben.<ref name="visierS44" /> Als man die Vorzüge der Sten im Einsatz erkannte, wurden Nachbau-Varianten gefertigt: Einmal als MP 3008 oder „Gerät Neumünster“ mit Munitionszufuhr von unten zur Verwendung von MP40-Magazinen und zum anderen als „Gerät Potsdam“, das eine detailgenaue Kopie der Sten Mark II war.<ref name="visierS44" />

SOE, der britische Geheimdienst im Zweiten Weltkrieg, verbreitete das Wissen über die Konstruktion der Sten an Widerstandsgruppen in mehreren von Deutschland besetzten Ländern.<ref name="visierS45" /> Exilanten aus z. B. Polen und der Tschechoslowakei arbeiteten in Enfield und wurden ggf. zurück in ihre Heimatländer geschmuggelt, um Untergrundwerkstätten zu organisieren.<ref name="visierS45"/> In Polen wurden Sten-Varianten entwickelt und etwa 1.300 Stück gefertigt. Diese fanden unter anderem Verwendung beim Warschauer Aufstand.<ref name="visierS45" />

Die Sten Gun diente bei vielen Armeen der Welt bis weit in die 1960er-Jahre; die einfache Konstruktion war auch Ausgangsbasis für weitere MP-Konstruktionen (Carl Gustaf M/45, Port Said, Sterling usw.). Unter anderem wurden auch vor und während des Palästinakriegs Sten Guns von beiden Seiten nachgebaut.

Literatur

Weblinks

Commons: STEN – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  • Maxim Popenker: STEN submachine gun / machine carbine. In: Modern Firearms. modernfirearms.net; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise

<references> <ref name="SALW">Leroy Thompson: The Sten Gun. S. 68.</ref>

<ref name="visierS43">VISIER-Special 40 Maschinenpistolen. 1. Auflage. VS Medien, ISBN 978-3-9809243-8-2, S. 43.</ref>

<ref name="visierS44">VISIER-Special 40 Maschinenpistolen. 1. Auflage. VS Medien, ISBN 978-3-9809243-8-2, S. 44.</ref>

<ref name="visierS45">VISIER-Special 40 Maschinenpistolen. 1. Auflage. VS Medien, ISBN 978-3-9809243-8-2, S. 45.</ref>

<ref name="nazarian">STEN Mk. VI (VIS). In: Nazarian's Gun's Recognition Guide. Abgerufen am 15. April 2013 (englisch).</ref>

<ref name="enzy">Reiner Lidschun, Günter Wollert: Enzyklopädie der Infanteriewaffen – 1918 bis 1945. Bechtermünz, 2001, ISBN 978-3-8289-0406-4.</ref> </references>


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