Zum Inhalt springen

Peter Kawerau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 8. März 2026 um 08:30 Uhr durch imported>DerMaxdorfer (Schriftenverzeichnis ergänzt; kleine Formalia).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Peter Kawerau (* 13. März 1915 in Rawitsch; † 8. September 1988 in Marburg) war ein deutscher Kirchenhistoriker mit dem Schwerpunkt Ostkirchen.

Leben und Wirken

Peter Kawerau wurde als Sohn des Lehrers und späteren Magdeburger Gymnasialprofessors Friedrich Kawerau und dessen Ehefrau Hedwig geborene Lindner in Rawitsch in der Provinz Posen geboren. Er studierte Theologie und Orientalistik an den Universitäten Breslau und Berlin. 1940 absolvierte er das 1. Theologische Examen.

Es folgten Kriegsdienst und Gefangenschaft in Afrika, Kanada und England. Nach seiner Kriegsgefangenschaft nahm Kawerau 1945 an der Georg-August-Universität Göttingen seine in Breslau begonnenen Orientalistikstudien bei Hans Heinrich Schaeder auf und promovierte bei Bertold Spuler mit einer Dissertation über „Die Jakobitische Kirche im Zeitalter des syrischen Renaissance“ zum Doktor der Philosophie. 1949 legte er im Predigerseminar Loccum das 2. Theologische Examen ab, trat dann jedoch nicht in den Pfarrdienst, sondern konnte als Research Fellow an das Theologische Seminar Princeton gehen.

Ab Mai 1950 wurde Kawerau Assistent am Theologischen Seminar der Universität Münster und promovierte hier 1952 bei Robert Stupperich mit einer Arbeit über den radikalen Täufer Melchior Hofmann zum Doktor der Theologie. Hier habilitierte er sich 1956 mit einer Arbeit über „Amerika und die orientalischen Kirchen“.

Im Jahre 1961 erhielt Peter Kawerau den Ruf als ordentlicher Professor an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Philipps-Universität Marburg. Hier war ein neuer Lehrstuhl gegründet worden (unter anderem auf Bestreben von Ernst Benz und Hildegard Schaeder), an dem Geschichte der östlich-orthodoxen Kirche und des Protestantismus zu lehren war. Eine Vorbildfunktion hatte hierfür das 1958 in Münster gegründete Ostkirchen-Institut. Kawerau erweiterte den Bereich über den slawischen und byzantinischen Raum hinaus bis zum kaukasischen und seminitischen Kulturraum und machte die Ostkirchengeschichte zu einem weiten, anspruchsvollen und attraktiven Fach innerhalb der Marburger Theologischen Fakultät. Durch Kawerau wurde Marburg neben Göttingen zur zweiten Evangelisch-Theologischen Fakultät, an der man syrische Kirchenväter studieren konnte.

Aus gesundheitlichen Gründen beendete Kawerau seine Lehrtätigkeit im Jahre 1979, führte aber – dann in Frankfurt am Main lebend – seine Forschungen weitestgehend fort.

Werke

  • Melchior Hofmann als religiöser Denker, Haarlem 1954.
  • Die Jakobitische Kirche im Zeitalter der Syrischen Renaissance, Berlin 1955.
  • Amerika und die orientalischen Kirchen (= Arbeiten zur Kirchengeschichte 31), Berlin 1958.
  • Geschichte der Alten Kirche, Marburg 1967.
  • Geschichte der mittelalterlichen Kirche, Marburg 1967.
  • Arabische Quellen zur Christianisierung Rußlands, Wiesbaden 1967.
  • Luther. Leben, Schriften, Denken, Marburg 1969.
  • Das Christentum des Ostens, Stuttgart u. a. 1972.
  • Christlich-arabische Chrestomathie aus historischen Schriftstellern des Mittelalters, 3 Bände, Louvain 1976–1977.
  • Ostkirchengeschichte I. Das Christentum in Asien und Afrika bis zum Auftreten der Portugiesen im Indischen Ozean, Louvain 1983.
  • Ostkirchengeschichte II. Das Christentum im oströmischen byzantinischen Reich bis zur Eroberung Konstantinopels, Louvain 1982.
  • Ostkirchengeschichte III. Das Christentum in Europa und Asien im Zeitalter der Kreuzzüge, Louvain 1982.
  • Einführung in das Studium der Ostkirchengeschichte, Marburg 1984.
  • Die Chronik von Arbela (= Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium. Scriptores Syri. Band 199–200). Louvain 1985.

Literatur

Weblinks

Vorlage:Hinweisbaustein