Murad Ferid
Murad Ferid (* 11. April 1908 in Saloniki, Osmanisches Reich; † 11. Oktober 1998 in München) war ein deutscher Rechtswissenschaftler und ordentlicher Professor an der Universität München. Seine Schwerpunkte lagen im bürgerlichen Recht, im internationalen Privatrecht, im ausländischen Recht sowie in der Rechtsvergleichung und im Völkerrecht.
Leben
Ferid wurde 1908 im damals türkischen Saloniki geboren. Sein Großvater war Arzt, sein 1910 in München früh verstorbener Vater albanischer Offizier im Osmanischen Reich. Ferid erlangte 1927 die allgemeine Hochschulreife am Wilhelmsgymnasium München<ref>Jahresbericht des Wilhelms-Gymnasiums München 1926/27.</ref> und nahm anschließend ein Studium der Rechtswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München auf, wo er bereits in seiner Studienzeit am Institut für Rechtsvergleichung tätig war. Seit Beginn des Studiums 1927 gehörte er der schwarzen Verbindung Babenbergia (seit 1933 Münchener Burschenschaft Babenbergia in der DB) an.<ref>Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 115.</ref><ref>M. Ferid: Langemarck – ein militärisches Verbrechen. In: Burschenschaftliche Blätter, 110. Jg. (1995), H. 1, S. 72–73.</ref> 1932 promovierte er ebenfalls in München mit der Schrift Das Verhältnis des Anspruchs aus unerlaubter Handlung zum Anspruch aus Vertragsverletzung im französischen und im englischen Recht und legte 1934 das zweite Staatsexamen ab. Ferid wurde Staatsanwalt. Am 26. August 1939 wurde er als Soldat eingezogen und zunächst der Artillerieabteilung 752 zugeteilt.
Er bewarb sich als Dolmetscher und Übersetzer und führte Vorstellungsgespräche mit Oberstleutnant Marwede, Major Arnold, Major Partl, Oberst von Lahousen und Hauptmann Abshagen. Im Januar 1942 wurde er zur Abwehr (Geheimdienst) versetzt. Während seiner Arbeit kam Ferid mit Assistenten des Mufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, in Kontakt, beispielsweise mit Safuad el Husseini und Jandall. Ab Juli 1942 wurde Ferid zur Abwehrstelle im besetzten Athen versetzt. Von Sommer 1943 bis Oktober 1944 war Ferid beim Frontaufklärungskommando FAK 201 in Belgrad stationiert.<ref>Richard Mergel: Auswärtiges Amt und Geheimdienst - Personal im Dritten Reich und Nachkriegsdeutschland. 2016, ISBN 978-3-7418-1103-6.</ref><ref>Vernehmungsbericht Dr. Murad Ferid, Zwölfte Armeegruppe München, 11. Juli 1945</ref>
Nach Ende des Krieges habilitierte er sich auf Erwin Riezlers Rat<ref>NJW 1998, 1129</ref> hin 1949 in München mit der Schrift Der Neubürger im internationalen Privatrecht. 1953 wurde er zunächst Extra-Ordinarius, 1956 schließlich ordentlicher Professor in München. Dort blieb er bis zu seiner Emeritierung 1974.
Veröffentlichungen
- Das Verhältnis des Anspruchs aus unerlaubter Handlung zum Anspruch aus Vertragsverletzung im französischen und im englischen Recht (Dissertation 1932)
- Der Neubürger im internationalen Privatrecht (Habilitationsschrift 1949)
- Internationales Erbrecht (1955)
- Gutachten zum Internationalen und Ausländischen Privatrecht (1965 ff. gemeinsam mit Gerhard Kegel und Konrad Zweigert)
- Internationales Erbrecht (Loseblattsammlung, 3. Aufl. 1990, gemeinsam mit Karl Firsching)
- Internationales Ehe- und Kindschaftsrecht
- Internationales Privatrecht 1975 (3. Aufl. fortgeführt von Christof Böhmer)
- Das französische Zivilrecht (1986, 2 Bände, gemeinsam mit Hans Jürgen Sonnenberger)
Ehrungen
- 1973: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland<ref>Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 25, Nr. 139, 28. Juli 1973.</ref>
- Dr. h. c. Universität Bordeaux
- Mitglied der österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Festschrift 1978: Konflikt und Ordnung (Schriftenverzeichnis S. 737–743)
- Festschrift 1988 (herausgegeben von Andreas Heldrich und Hans Jürgen Sonnenberger)
Literatur
- Erik Jayme: Murad Ferid. In: NJW. 1978, S. 746.
- Hans Jürgen Sonnenberger: Murad Ferid. In: Juristen im Portrait. C.H. Beck, 1988, S. 310.
- Hans Jürgen Sonnenberger: Murad Ferid. In: Recht der internationalen Wirtschaft. 1998, S. 905.
- Peter Lichtenberger: Murad Ferid. In: NJW. 1999, S. 196.
- Hans Jürgen Sonnenberger: Murad Ferid. In: Zeitschrift für vergleichende Rechtswissenschaft. 1998, S. 405.
Weblinks
- Literatur von und über Murad Ferid im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ferid, Murad |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Rechtswissenschaftler und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 11. April 1908 |
| GEBURTSORT | Saloniki |
| STERBEDATUM | 11. Oktober 1998 |
| STERBEORT | München |
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes
- Privatrechtler (20. Jahrhundert)
- Hochschullehrer (Ludwig-Maximilians-Universität München)
- Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Nachrichtendienstliche Person im Zweiten Weltkrieg
- Person (deutsche Besetzung Griechenlands 1941–1945)
- Burschenschafter (20. Jahrhundert)
- Absolvent der Ludwig-Maximilians-Universität München
- Deutscher
- Geboren 1908
- Gestorben 1998
- Mann