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Viertelsmeister

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Viertelsmeister oder Viertelmeister, auch Gassenmeister<ref>Friedrich Gerhardt: Geschichte der Stadt Weißenfels a. S. mit neuen Beiträgen zur Geschichte des Herzogtums Sachsen-Weißenfels. Verlag R. Schirdewahn, Weißenfels 1907, S. 141, 226, 304; archive.org</ref> oder Vierer<ref>Thomas Kern: Geschichte der Stadt Kaub von 1350–1600. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />webdesign-kaub.de (Memento vom 27. November 2015 im Internet Archive) abgerufen am 1. Februar 2010.</ref>, waren ab 1303<ref name="pitz">Ernst Pitz: Schrift- und Aktenwesen der städtischen Verwaltung im Spätmittelalter. Stadtarchiv Köln, Verlag P. Neubner, Köln 1959, S. 227, 228, 299 (Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln, Band 45); books.google.de</ref> bis 1837<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Unser Rathaus. (Memento vom 13. November 2010 im Internet Archive) Gemeinde Hohenstein Ernstthal; abgerufen am 1. Februar 2010.</ref> Helfer der Exekutive und Judikative und eine früheste Form von Demokratie im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

Amt und Aufgaben

Viertelsmeister oder Viertelmeister (deren Amthäuser als Viertelhäuser bezeichnet werden<ref>Wolfgang Schneider: Volkskultur und Alltagsleben. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände. Band I-III/2. Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band 1 (2001): Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. ISBN 3-8062-1465-4, S. 491–514 und 661–665, hier: S. 501 und 663.</ref>) waren meist angesehene, gewählte Persönlichkeiten,<ref>„wofür hinlänglich qualifizierte Subjecte auszuersehen sind“. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wie in Pirna die Feudalverhältnisse aufgehoben wurden. (Memento vom 19. Mai 2011 im Internet Archive) geschichte-pirna.de; abgerufen am 1. Februar 2010.</ref> welche über lokale Orts- und Bürgerkenntnisse verfügten, um in Stadt- oder Landvierteln folgende Aufgaben zu übernehmen:

  • Vertretung der Rechte der Bürger im Stadtviertel und Anhörung vor Ratsentscheidungen<ref name="rat">Helmut Bräuer Wider den Rat. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 1999, ISBN 3-933240-60-3, S. 57 (Zwickauer Arbeits- und Forschungsberichte, ) Band 1; books.google.de</ref>
  • Aufsicht über das Gemeindegut
  • Unterstützung der Landesgewalt und der Polizei bei der Ausübung ihres Gewaltmonopols<ref>J. G. Krünitz: Oekonomische Encyklopädie, 1773–1858; uni-trier.de</ref>
  • Erstellung von Bevölkerungslisten
  • Unterstützung von Wahlen<ref></ref>
  • Ausübung von polizeilichen Aufgaben<ref>Der Adelung. Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Band 4, Leipzig, 1801, S. 1211; zeno.org</ref>
  • Kontroll- und Meldepflicht über die Tätigkeit von Seuchen- und Quarantänebeamten<ref>Christian Bergen (Hrsg.): Deß Raths zu Dreßden Ordnung. Wie bey ereignenden gefährlichen Seuchen und anderen ansteckenden Kranckheiten die Inwohner und Bürgerschafft hiesiger Churfl. Residenz-Stadt sampt denen hierzu bestalten Bedienten auff einen und den andern Fall sich zu verhalten. Bergen, Dreßden 1680, uni-halle.de</ref>
  • Gerichtsschöppen<ref name="belgern" />
  • Kommandant des Volksaufgebotes<ref>R. Fürnkranz: Weinviertel. Fragen zur Geschichte des Weinviertels, der Dorfgemeinschaften, des Weinbaues, der Kellergassen. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />weinviertel.at (Memento vom 18. September 2013 im Internet Archive) abgerufen am 1. März 2010.</ref>
  • Organisation der Wachen auf der Stadtmauer<ref>Helmut Flachenecker: Eine geistliche Stadt. Eichstätt vom 13. bis zum 16. Jahrhundert. F. Pustet, 1988, ISBN 3-7917-1176-8, S. 226, books.google.de</ref>
  • Verteidigung der Stadtmauer des Stadtviertels<ref>Genealogische Begriffe. Ahnenforschung Unger, 2005, ahnenforschung-unger.de abgerufen am 1. März 2010.</ref>
  • Leitung des Aufgebotes zur Brandbekämpfung<ref name="pitz" />
  • Aufbewahrung von Löschgeräten<ref name="pitz" />
  • Quartiermeisterei<ref>Wilhelm Heinrich Riehl, Wilhelm Maurenbrecher: Historisches Taschenbuch. F. A. Brockhaus, Leipzig, 1854, Seite 159, books.google.de</ref>
  • Aufsichtspflicht über Schichtmeister im sächsischen Silberbergbau<ref>Adolf Laube: Studien über den erzgebirgischen Silberbergbau von 1470 bis 1546.

Band 22: Von Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte. G. Heitz (Hrsg.). Leipzig 1974, books.google.de</ref>

Stellung der Viertelsmeister innerhalb des lokalen Herrschaftssystems

Die Viertelsmeister standen den Interessen der Ratsvertreter als Vertreter der Bürgerschaft<ref>Ratsverwandte (sind) die buergerschaft, oder wenigstens ihre repraesentanten, ihre viertelsmeister, rathsverwandten oder zunftmeister Ratverwandte. In: Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Deutsches Rechtswörterbuch. Band 11, Heft 1/2 (bearbeitet von Heino Speer u. a.). Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 2003, ISBN 3-7400-0991-8 (adw.uni-heidelberg.de).</ref> gegenüber.<ref>„erhob sich gelegentlich der Widerstand der Gemeinde. Sprecher dieses Widerstandes waren die Viertelsmeister“. Klaus Gerteis: Die deutsche Stadt in der Frühen Neuzeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, S. 65–84, 176–182, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ahg-ahaus.de (Memento vom 24. Januar 2013 im Internet Archive) abgerufen am 1. März 2010.</ref> Die Stadträte sahen oft in der Bestellung von Viertelsmeistern eine Beeinträchtigung ihrer selbstherrlichen Stellung und wehrten sich gegen die Wahlen.<ref>Peter Blickle: Landgemeinde und Stadtgemeinde in Mitteleuropa: ein struktureller Vergleich R. Oldenbourg Verlag, München 1991, ISBN 3-486-55886-2, S. 138, books.google.de</ref> Trotz der gewählten Interessenvertretung wurden die Viertelsmeister von der Bevölkerung als Teil des herrschenden Systems verstanden und Ziel von Übergriffen aus der Bevölkerung<ref>Kleinstaatliche Revolution in Sachsen 1830–31. Volksbewegung und Obrigkeiten. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 2001; fes.de abgerufen am 1. Februar 2010.</ref> oder seitens des Staates.<ref>Kurz zuvor waren nämlich die Viertelsmeister der Stadt eingesperrt worden, weil sie sich wegen der gerade herrschenden Teuerungswelle geweigert hatte, die Seelenregister für eine neue Abgabe, den Hebammengroschen, zu fertigen. klassik-stiftung.de (PDF) @1@2Vorlage:Toter Link/www.klassik-stiftung.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive ) Weimarer Topographie. Eine Residenz im Wandel. Abgerufen am 1. Februar 2010.</ref> Das Wahlamt wurde für eine bestimmte Zeit ausgeübt, in der Regel ein<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />vwg-kemberg.de (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive) Stadt Kemberg: Eine Zeitreise. Internetseite der Stadt Kemberg, abgerufen am 1. Februar 2010.</ref> bis drei<ref name="belgern">Der Rat von Belgern. Belgern, stadtbelgern.de Stadt Belgern; abgerufen am 1. Februar 2010.</ref> Jahre. Oft wurde das Amt von ortsansässigen Handwerkern bekleidet und Viertelsmeister waren nicht selten Zunftmeister.<ref name="rat" /><ref>Rudolf Schlögl: Interaktion und Herrschaft. Konstanz, 2004, @1@2Vorlage:Toter Link/www.gleich-lesen.degleich-lesen.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive ) abgerufen am 1. Februar 2010.</ref> Die Wahl und Funktion von Viertelsmeistern war nicht nur auf die Städte beschränkt, sondern fand auch im ländlichen Gebiet Anwendung, zum Beispiel in Schrebitz. Nach den revolutionären Unruhen von 1848 und 1849 wurde das Amt des Viertelsmeister in das eines Bezirksmeisters umgewandelt.<ref>Waldemar Wucher: Reuss jüngere Linie in der Bewegung der Jahre 1848–49. Dissertationsarbeit, Universität Jena, 1926, S. 52.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Karlheinz Blaschke: Dorfgemeinde und Stadtgemeinde in Sachsen zwischen 1300 und 1800. Wissenschaftsverlag Oldenbourg, 1991

Einzelnachweise

<references />

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