Kurt Behling
Kurt Behling (* 4. Dezember 1906 in Thorn in Westpreußen; † 1975 in Hamburg<ref>Kösener Corpslisten 1996, 90, 171.</ref>) war ein deutscher Rechtsanwalt. In der Zeit des Nationalsozialismus war Behling Strafverteidiger am Volksgerichtshof. Er verteidigte nach Kriegsende mehrere Angeklagte in den Nürnberger Prozessen.
Leben
Kurt Behling wurde in Jura promoviert.<ref name="zeit-1956"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Chronik ( des Vorlage:IconExternal vom 17. Mai 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. In: „Die Zeit“, Nr. 48 / 1956 vom 29. November 1956.</ref> Nach Abschluss seines Studiums arbeitete er mehrere Jahre bei der AEG.<ref name="abendblatt-1966">Personalien. In: „Hamburger Abendblatt“ vom 3. Dezember 1966.</ref> Er trat zum 1. Mai 1933 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.270.151).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/2160983</ref> Von 1938 bis 1945 war er Strafverteidiger am Volksgerichtshof in Berlin.<ref name="spiegel">Freisler verstand ihn nicht. In: Der Spiegel. Nr. 51, 1947 (online – 20. Dezember 1947).</ref> Unter anderem setzte sich Behling zusammen mit Thomas Dehler erfolglos für die Begnadigung des am 10. Mai 1944 wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilten Hans Wölfel ein.<ref>Udo Wengst: Thomas Dehler 1897–1967. Oldenbourg, München 1997, ISBN 3-486-56306-8, S. 71.</ref> Nach eigenen Angaben beantragte Behling die Zulassung als Verteidiger für Angeklagte des 20. Juli, wurde aber von Roland Freisler abgewiesen.<ref name="spiegel" />
Im Frühjahr 1947 wechselte er von Berlin nach Nürnberg, nachdem ihn der ehemalige Justiz-Staatssekretär Franz Schlegelberger zur Verstärkung seiner Verteidigung im Juristenprozess angefordert hatte.<ref name="spiegel" /> Akkreditierte Verteidiger von Schlegelberger waren Egon Kubuschok und Hubertus Janicki.<ref>Records of the United States Nuremberg War Crimes Trials, Vol. 3, United States Government Printing Office, District of Columbia 1950, S. 14. (Band 3 der „Green Series“)</ref> Im Krupp-Prozess war sein Mandant Ewald Loeser, diesmal trat Behling als Hauptverteidiger (principal defense counsel) auf.<ref>Records of the United States Nuremberg War Crimes Trials, Vol. 9, US Government Printing Office, District of Columbia 1950, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />S. 6 ( vom 8. September 2012 im Internet Archive). (Band 9 der „Green Series“)</ref> Im OKW-Prozess verteidigte Behling den Angeklagten Generalfeldmarschall Georg von Küchler.<ref>Records of the United States Nuremberg War Crimes Trials, Vol. 10, US Government Printing Office, District of Columbia 1950, S. 9. (Band 10 der „Green Series“)</ref> Schließlich vertrat er im RuSHA-Prozess den SS-Oberführer Konrad Meyer.<ref>Records of the United States Nuremberg War Crimes Trials, Vol. 4, US Government Printing Office, District of Columbia 1950, S. 607. (Band 4 der „Green Series“)</ref>
Behling kehrte nach seiner Nürnberger Zeit als Rechtsanwalt nach West-Berlin zurück und leitete dort 1951 die Berliner Rechtsschutzstelle, um einzelnen politischen Häftlingen in der DDR zu helfen. Diese Einrichtung war westlicherseits eine Vorläuferorganisation zum organisierten Häftlingsfreikauf. Jedoch stieß Behlings Vorschlag, eine direkte Verbindung nach Ost-Berlin aufzubauen, in Bonn auf Widerstand, da dies der Nicht-Anerkennung der DDR widersprochen hätte.<ref>Tobias Wunschik: Politische Gefangene als Spielball der Politik. In: Helmut Wagner (Hrsg.): „Europa und Deutschland – Deutschland und Europa“. LIT Verlag, Münster 2005, ISBN 3-8258-8583-6, S. 375–376.</ref> Später ließ er sich in Hamburg-Sasel nieder, und war 1956 bis 1966<ref name="abendblatt-1966"/> als Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Hefeindustrie tätig.<ref name="zeit-1956" /> In den 1970er-Jahren war er zudem Vertrauensanwalt des Auswärtigen Amtes und bemühte sich um die Freilassung von Deutschen, die in Ostblock-Ländern inhaftiert waren.<ref>Anwalt half Kuba-Häftling. In: „Hamburger Abendblatt“ vom 27. Juli 1974.</ref> Dabei stand er auch mit dem Ostberliner Unterhändler Wolfgang Vogel in Kontakt.<ref>Norbert F. Pötzl: Basar der Spione: die geheimen Missionen des DDR-Unterhändlers Wolfgang Vogel. Hoffmann und Campe, München 1997, ISBN 3-455-15019-5, S. 39–41.</ref>
Veröffentlichungen
- Das Nürnberger Juristenurteil. In: „SchlHA“, 1948, S. 37ff.
- Nürnberger Lehren. In: „Juristische Rundschau“, Band 1949, Heft 16, S. 502–505, doi:10.1515/juru.1949.1949.16.502
- Die Schuldausprüche im Nürnberger Juristenurteil vom 4./5. Dezember 1947. In: AVR, Bd. 2 (1950), S. 412 ff.
- The Nuremberg Judgements. In: Wilbourn E. Benton (Hrsg.): „Nuremberg: German Views of the War Trials“. Southern Methodist University Press, Dallas 1955, S. 177ff.
Literatur
- Hubert Seliger: Politische Anwälte? : die Verteidiger der Nürnberger Prozesse. Baden-Baden : Nomos, 2016, ISBN 978-3-8487-2360-7, S. 537
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Behling, Kurt |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Rechtsanwalt |
| GEBURTSDATUM | 4. Dezember 1906 |
| GEBURTSORT | Thorn |
| STERBEDATUM | 1975 |
| STERBEORT | Hamburg |
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2022-11
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Person (Volksgerichtshof)
- Strafverteidiger in den Nürnberger Prozessen
- Rechtsanwalt (Deutschland)
- Jurist (Nationalsozialismus)
- NSDAP-Mitglied
- SA-Mitglied
- Corpsstudent (20. Jahrhundert)
- Deutscher
- Geboren 1906
- Gestorben 1975
- Mann