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Josef Listl

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Josef Listl (* 20. Juli 1893 in Lohstadt bei Kelheim; † 23. November 1970 in Ingolstadt) war ein deutscher Jurist und Politiker (NSDAP/CSU). Er war Oberbürgermeister Ingolstadts von 1930 bis 1945 und von 1956 bis 1962. Dem Bayerischen Senat gehörte er von 1958 bis 1969 an und war ab 1967 dessen Vizepräsident.

Leben

Nach der Gymnasialzeit studierte Listl Jura. Im Ersten Weltkrieg geriet er 1915 als Vizefeldwebel des Infanterie-Leib-Regiments in italienische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1919 entlassen wurde<ref>Bayerisches Hauptstaatsarchiv IV, Kriegsstammrolle Nr. 378</ref>. Listl wurde 1930 rechtskundiger Bürgermeister in Ingolstadt; ab 1932 wurde die Amtsbezeichnung zu Oberbürgermeister geändert. Er war Mitglied der SA<ref>Thomas Schlemmer: Industriemoderne in der Provinz - Die Region Ingolstadt zwischen Neubeginn, Boom und Krise 1945 bis 1975, S. 154, Oldenbourg, 2009, ISBN 3-486-56599-0.</ref>, am 15. Mai 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.126.650).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/26140145</ref><ref>Donaukurier abgerufen am 24. Januar 2010.</ref> Dieses Amt übte er bis 1945 aus. Listl stand während seiner Amtszeit im Konflikt mit dem NSDAP-Kreisleiter Georg Sponsel, beispielsweise hinsichtlich der Reaktion auf die Luftangriffe auf Ingolstadt.<ref>donaukurier.de: Major Reynolds’ Überleben und Sterben, abgerufen am 1. Dezember 2023</ref> Er wurde am 1. Mai 1945 für 13 Monate interniert. Die Spruchkammer rehabilitierte Listl, auch aufgrund von Aussagen von Josef Strobl.<ref>Thomas Schlemmer (2009): Industriemoderne in der Provinz: Die Region Ingolstadt zwischen Neubeginn, Boom und Krise 1945 bis 1975</ref>

Von 1948 bis 1952 war Listl zunächst Mitglied im neugebildeten Stadtrat (Unabhängige Wählerschaft). 1956 wurde er als Kandidat der CSU und als Nachfolger Strobls erneut Ingolstädter Oberbürgermeister und übte dieses Amt bis 1962 aus. Dem Bayerischen Senat gehörte er von 1958 bis 1969 an und wurde 1967 zu dessen Vizepräsidenten gewählt.

1965 wurde er zum Ehrenbürger Ingolstadts ernannt. Aufgrund seiner Amtszeit während des NS-Regimes wurde Listl die Ehrenbürgerwürde im Dezember 2022 wieder aberkannt.<ref>Thomas Schuler: Nationalsozialismus: "In Unrecht verstrickt". In: zeit.de. 14. Dezember 2022, abgerufen am 27. Januar 2024.</ref>

Privates

Josef Listl war verheiratet und hatte zwei Töchter sowie einen Sohn. Er war Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.B.St.V. Rhaetia München.

Literatur

  • Agnes Krumwiede: In einer Hochburg des Nationalsozialismus: Josef Listl und seine Rolle als Ingolstädter Oberbürgermeister während der NS-Zeit. In: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter Helfer Trittbrettfahrer, Band 17: NS-Belastete aus Oberbayern (Nord). Kugelberg Verlag, Gerstetten 2024, ISBN 978-3-945893-25-8, S. 218–255.

Einzelnachweise

<references />

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Georg Reder (1818–1821/22) | Theodor Steinle (1822–1824) | Lorenz Schmid (1824–1827) | Joseph Hotter (1827–1831) | Johann Baptist Lonich (1831–1842) | Ignaz Lallinger (1842–1844) | Georg Ritter und Edler von Grundner (1844–1855) | Matthias Doll (1855–1896) | Jakob Kroher (1896–1920) | Friedrich Gruber (1920–1930) | Josef Listl (1930–1945) | Max Gründl (komm.) (1945) | Heinrich Runte (1945–1946) | Georg Weber (1946/48–1952) | Josef Strobl (1952–1955) | Josef Listl (1956–1966) | Otto Stinglwagner (1966–1972) | Peter Schnell (1972–2002) | Alfred Lehmann (2002–2014) | Christian Lösel (2014–2020) | Christian Scharpf (2020–2025) | Michael Kern (seit 2025)

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