Rainer Holbe
Rainer Holbe (* 10. Februar 1940 in Komotau, Reichsgau Sudetenland; † 15. August 2025 in Frankfurt am Main)<ref>«Starparade»-Moderator Rainer Holbe gestorben. In: WELT. 15. August 2025, abgerufen am 16. August 2025.</ref> war ein deutscher Journalist, Autor und Hörfunk- und Fernsehmoderator. Bekannt wurde er durch seine Arbeiten für Illustrierte, den Hörfunk (Hessischer Rundfunk, Antenne Bayern, Radio Luxemburg) und das Fernsehen (ZDF, RTL, Sat.1).
Leben
Holbe wuchs in Frankfurt am Main auf und besuchte dort die Realschule Deutschherrenschule und anschließend eine Sprachenschule.<ref name="Munziger">Rainer Holbe im Munzinger-Archiv, abgerufen am 21. März 2024 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> Er erlernte zunächst den Beruf des Verlagskaufmanns und begann im Jahr 1959 eine journalistische Laufbahn als Volontär bei der Frankfurter Rundschau, wo er 1960 Redakteur wurde (bis 1965).<ref name="radioszene" /><ref name="Munziger" /> Danach leitete er bis 1972 das Frankfurter Büro des Burda-Verlags.
Holbe wurde bei einem vom Hessischen Rundfunk veranstalteten Talentwettbewerb, in dem für die Hörfunksendung Bunter Abend ein Nachfolger für Hans-Joachim Kulenkampff gesucht wurde, als Moderator entdeckt. Eigentlich nahm er daran teil, um eine Reportage für die Frankfurter Rundschau zu schreiben.<ref name="radioszene" /><ref name="radioszene">Hendrik Leuker: Rainer Holbe: „Das Radio Luxemburg von damals hätte heute keine Chance“ Personality-Porträt über Rainer Holbe (15 Jahre bei Radio Luxemburg). In: Radioszene. 29. Dezember 2011. Abgerufen am 4. Juli 2013.</ref> Seine erste TV-Sendereihe wurde 1968 Der verflixte Monat – ein Quiz zum Zeitgeschehen (bis 1972). Seine Unterhaltungs-Show Starparade (1968 bis 1980) gehörte zu den erfolgreichsten Sendungen des ZDF.
Der Programmchef von Radio Luxemburg, Frank Elstner, gewann Holbe 1973 als neuen Sprecher im deutschsprachigen Hörfunkprogramm des Luxemburger Privatsenders, zunächst als Urlaubsvertretung und von 1974 an im regulären Dienst, in den ersten Jahren unter dem Namen Rainer (ohne Nennung des Familiennamens). Holbe zog nach Luxemburg und gehörte dem Sprecherteam bis zum Frühjahr 1989 an. Dort avancierte er zeitweise zum Mr. Morning, so der Titel einer seiner beliebten Vormittagssendungen. Ab 1982 präsentierte er Unglaubliche Geschichten über paranormale Phänomene (Stimmen aus dem Jenseits, Glauben an Engel, Marienerscheinungen, UFO-Sichtungen). Mit einer Sendung gleichen Titels zählte er im Jahr 1984 zu den Pionieren des gerade gegründeten deutschsprachigen Fernsehprogramms von RTL. Sie wurde bis 1988 regelmäßig ausgestrahlt. 1987 wurde Holbe dafür mit einer Goldenen Kamera ausgezeichnet. Des Weiteren moderierte er das RTL-Frühstücksfernsehen Guten Morgen Deutschland (1988 bis 1990) und die Talkshow Die Woche (1988 bis 1992). Die Unglaublichen Geschichten legte er bei Sat.1 unter dem Titel Phantastische Phänomene in den Jahren 1992/93 nochmals auf und arbeitete dabei erneut mit dem Parapsychologen Elmar R. Gruber zusammen.
Dem Wechsel von RTL zu Sat.1 gingen Antisemitismus-Vorwürfe voraus, die die Zeitschrift Stern gegen Holbe erhob.<ref name="sternknaur">Knaur-Verlag zieht Holbe-Buch zurück. In: Hamburger Abendblatt. 28. März 1990, abgerufen am 3. Juni 2023.</ref> Im März 1990 war im Knaur-Verlag sein Buch Warum passiert mir das? erschienen,<ref>Rainer Holbe: Warum passiert mir das? Karma und wie es funktioniert. RTL-Edition. Droemer Knaur. München. 1990. ISBN 3-426-02958-8</ref> in dem er Aussagen wiedergab, die von Geistwesen aus dem Jenseits diktiert worden seien. Die Geister hätten Details aus dem früheren Leben Prominenter mitgeteilt, etwa über den jüdischen Hörfunk- und Fernsehmoderator Hans Rosenthal. Unter anderem heiße es in ihren Mitteilungen, die Menschheitsentwicklung sei durch Schuld der Juden durch die Kreuzigung Jesu unterbrochen worden. Obwohl Holbe später betonte, es habe sich um Zitate gehandelt und er selbst teile diese Ansichten nicht, lehnten einige seiner Kollegen die weitere Zusammenarbeit mit ihm ab, und RTL entließ ihn.<ref>RTL-Moderator Rainer Holbe darf nicht auf Sendung. In: Hamburger Abendblatt. 24. März 1990, S. 16, abgerufen am 3. Juni 2023.</ref><ref>Harry Rowohlt: Pooh’s Corner. Meinungen eines Bären von sehr geringem Verstand. In: Die Zeit. Nr. 17. 20. April 1990.</ref> Nach anderen Angaben soll es zu einer einvernehmlichen Beendigung der Zusammenarbeit gekommen sein; Holbe habe die Moderation des Frühstücksfernsehens aus eigenem Antrieb niedergelegt.<ref>Kein Frühstück mehr mit Holbe. In: Hamburger Abendblatt. 5. April 1990, abgerufen am 3. Juni 2023.</ref><ref>Knaur-Verlag zieht Holbe-Buch zurück. In: Hamburger Abendblatt. 28. März 1990, S. 18, abgerufen am 3. Juni 2023.</ref>
Holbe verfasste mehr als 30 Bücher, vor allem dokumentarische Romane und Sachbücher über Bewusstseinsphänomene.
Ab 2003 lebte er wieder in Frankfurt am Main und arbeitete dort als freiberuflicher Autor.<ref>Rainer Holbe, autorenlexikon.lu/</ref> In seiner Freizeit führte er Schulklassen durch das Goethe-Haus.
Holbe war verheiratet und hatte drei Enkelkinder.<ref>Was macht eigentlich Rainer Holbe?, bild.de, 7. Januar 2014</ref> Seine Frau Rosi starb 83-jährig am 30. September 2024.<ref>Traueranzeigen von Rosi Holbe. In: trauer-rheinmain.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. Oktober 2024; abgerufen am 16. August 2025.</ref> Im August 2025 starb er im Alter von 85 Jahren.
Weblinks
- Porträtfoto
- Literatur von und über Rainer Holbe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Rainer Holbe bei IMDb
- Discogs
- Rainer Holbe: „Das Radio Luxemburg von damals hätte heute keine Chance“ – Personality-Porträt über Rainer Holbe
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Holbe, Rainer |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Journalist, Fernsehmoderator und Autor |
| GEBURTSDATUM | 10. Februar 1940 |
| GEBURTSORT | Komotau, Böhmen |
| STERBEDATUM | 15. August 2025 |
| STERBEORT | Frankfurt am Main |