Zum Inhalt springen

Feletheus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 4. November 2025 um 18:26 Uhr durch imported>Silewe (+Normdaten).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Feletheus (auch Feva, Feba, Foeba, Fevva, Fevvanus, Theuvanus; † 487 in Ravenna) war König der Rugier von 475 bis 487.

Familie

Feletheus war der Sohn des Königs Flaccitheus und Bruder des Ferderuchus.

Feletheus heiratete die als grausam beschriebene<ref name=plre-giso>John Robert Martindale: Giso. In: The Prosopography of the Later Roman Empire (PLRE). Band 2, Cambridge University Press, Cambridge 1980, ISBN 0-521-20159-4, S. 513.</ref> Gotin Giso (auch Gisa), möglicherweise eine amalische Cousine von Theoderich dem Großen, was das Bündnis mit den Ostgoten einleitete. Mit ihr hatte er den Sohn Fredericus.<ref name=plre-fele>John Robert Martindale: Feletheus qui et Feba. In: The Prosopography of the Later Roman Empire (PLRE). Band 2, Cambridge University Press, Cambridge 1980, ISBN 0-521-20159-4, S. 457.</ref>

Leben

Nach dem Tod seines Vaters<ref name=plre-fele/> nahm Feletheus wahrscheinlich 475<ref>Ludwig Schmidt: Die Ostgermanen, München, 2. Aufl., 1941, S. 120</ref> den Titel rugorum rex (König der Rugier) an. Rugiland, sein Herrschaftsbereich, erstreckte sich nördlich der Donau von Favianis (Mautern an der Donau) bis Boiodurum (bei Passau). Er teilte die Macht mit seinem Bruder Ferderuchus, der im Osten die Gegend um Favianis beherrschte.<ref>John Robert Martindale: Ferderuchus. In: The Prosopography of the Later Roman Empire (PLRE). Band 2, Cambridge University Press, Cambridge 1980, ISBN 0-521-20159-4, S. 465.; Eugippius, Vita Sancti Severini 42.</ref>

476 unterstützten rugische Krieger die Heruler und Skiren unter Odoaker beim Sturz des letzten weströmischen Kaisers. In den Augen römischer Beobachter galt Odoakar daher als herulischer oder rugischer König.<ref name="wolf">Herwig Wolfram (Hrsg.): Die Geburt Mitteleuropas. Verlag Kremayr und Scheriau, Wien 1987, ISBN 3-218-00451-9, S. 40ff</ref> Das „rugische Regnum“ fungierte daraufhin als „einigermaßen berechenbare Schutzmacht über Norikum Ripense etwa zwischen dem Wienerwald und Enns“.<ref name="Reallexikon">Thorsten Andersson, Walter Pohl: Rugier. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 25, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2003, ISBN 3-11-017733-1, S. 452–458.</ref>

Severin von Noricum, der schon seinem Vater beratend zur Seite stand, ermahnte ihn oft von seinen Freveln Abstand zu nehmen.<ref name=hl19>Historia Langobardorum I, 19</ref> Dennoch hatte der Arianer Feletheus ein gutes Verhältnis zu dem katholischen Abt<ref name=plre-fele/>, den er schon von Jugend an kannte und oftmals besuchte. Im Gegensatz dazu war Königin Giso eine überzeugte Arianerin, die Katholiken bekehrte und der Severin feindselig gegenüberstand.<ref name=eug8>Eugippius, Vita Sancti Severini 8.</ref> Als einige „barbarische“ Goldschmiede, die gefangengehalten wurden um für Feletheus und Giso Schmuck anzufertigen, Fredericus, den Sohn der Königin als Geisel nahmen, um ihre Freilassung zu erzwingen, empfand Giso das als Strafe für ihr Verhalten gegen Severin.<ref name=eug8/>

Wegen der Bedrohung von Lauriacum durch Thüringer und Alamannen nahm Feletheus die bedeutende Stadt, in der sich zahlreiche Flüchtlinge aufhielten,<ref name=eug31>Eugippius, Vita Sancti Severini Kap. 31</ref> schließlich (vor 482) selbst ein.<ref name=wolf/> Feletheus wollte die romanische Bevölkerung evakuieren und in ihm tributspflichtigen Orten ansiedeln. Severin trat ihm entgegen und bat darum, ihm den Schutz der „Verschleppten“ zu übertragen, was der König ihm zugestand.<ref name=eug31/>

Als die Rugier vom oströmischen Kaiser Zenon zum Kampf gegen Odoaker angestiftet wurden, kam es zum Konflikt zwischen Feletheus und seinem Bruder Ferderuchus. Da letzterer Odoakar unterstützte, wurde er um 486/487 von seinem Neffen Fredericus getötet.<ref name=plre-fred>John Robert Martindale: Fredericus 2. In: The Prosopography of the Later Roman Empire (PLRE). Band 2, Cambridge University Press, Cambridge 1980, ISBN 0-521-20159-4, S. 484–485.</ref><ref>Patrick J Geary: Die Merowinger. Europa vor Karl dem Großen. Verlag Beck, München 2003, ISBN 3-406-49426-9, S. 14.</ref><ref name="Lotter">Friedrich Lotter: Völkerverschiebungen im Ostalpen-Mitteldonau-Raum zwischen Antike und Mittelalter (375–600). Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde. 39, Verlag de Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-017855-9, S. 25f. und 114.</ref> Odoaker kam daraufhin selbst einem möglichen Angriff von dieser Seite zuvor und schlug ein rugisches Heer in der Nähe des Wienerwaldes. Das Reich der Rugier wurde trotz Unterstützung durch die römischen Provinzialen 487/488 in zwei Kriegen von Odoaker zerstört. Feletheus und seine Frau wurden gefangen genommen und in Ravenna 487 hingerichtet.<ref name=plre-giso/><ref name="plre-fele" /><ref name="Lotter" /><ref>Arnulf Krause: Die Geschichte der Germanen. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-593-37800-8, S. 173.</ref>

Quellen

Literatur

Weblinks

Wikisource: Historia Langobardorum – Quellen und Volltexte (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value))

Anmerkungen

<references />

VorgängerAmtNachfolger
FlaccitheusKönig der Rugier
475–487
Fredericus

Vorlage:Hinweisbaustein