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Sturmtief Daisy

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Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 16. März 2025 um 16:19 Uhr durch imported>Raubdinosaurier („britische Inseln“ → „Britische Inseln“).
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Sturmtief Daisy 2010
Temperaturanomalien 30. Dez. 2009–13. Jan. 2010
Temperaturanomalien 30. Dez. 2009–13. Jan. 2010
Temperaturanomalien 30. Dez. 2009–13. Jan. 2010
Unwetter Schneesturm, Kältewelle
Wetterlage Mittelmeer/Vb-Tief mit Einbruch polarer Kaltluft
Daten
Bildung 5. Januar
Ende 11. Januar
Jährlichkeit der Schneefälle<ref name="ORF 117665" /> ≈25 (Nordspanien, ‎6./7. Januar, aber 2 Monate danach übertroffen)
Jährlichkeit der Kälte<ref name="SN 2010-01-13" /> ≈30 (Großbritannien, ‎aber im Jahr darauf übertroffen)
Folgen
Betroffene Gebiete West- und nördl. Mitteleuropa: Spanien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Vereinigtes Königreich, Schweiz, Deutschland, Dänemark, Polen
Opfer >100 Kältetote<ref name="SN 2010-01-13" />
Schadenssumme 1,245 Mrd. €Gesamtschaden (davon 750 Mio. € Versicherungsschaden)
Karte mit allen verlinkten Seiten Vorlage:SeitenKoordinaten Vorlage:CoordinatesPage

Das Sturmtief Daisy ist der Name eines Tiefdruckgebiets, das in der Zeit vom 8. bis zum 11. Januar 2010 weite Teile Mitteleuropas erfasste. Es führte zu schweren Beeinträchtigungen durch Schneestürme in weiten Bereichen Europas. Verbunden waren Tieftemperaturen in Westeuropa, die über 100 Todesopfer forderten.

Wetterlage

Daisy war ein typisches Mittelmeertief, bei dem eine relativ warme, aber gleichzeitig feuchte Luftströmung aus dem Mittelmeerraum auf eine Kaltluftströmung eines Hochdruckgebiets aus dem skandinavischen bzw. osteuropäischen Raum trifft. Es bildete sich am 5. über der Iberischen Halbinsel<ref name="fu-berlin 20100105"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Prognose 20100105 (Memento des Vorlage:IconExternal vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.met.fu-berlin.de. Institut für Meteorologie, FU Berlin</ref>, zog mit klassischer Va-Bahn am 9. über Norditalien<ref name="fu-berlin 20100109">Prognose 20100109. Institut für Meteorologie, FU Berlin</ref> und dann Vb-typisch nordostwärts. Ab 7. kam ein starkes Druckgefälle zum nordatlantisch/skandinavischen Hoch Bob hinzu<ref name="fu-berlin 20100107">Prognose 20100107. Institut für Meteorologie, FU Berlin</ref> – verbunden mit einem Einbruch arktischer Kaltluft über den Britischen Inseln bis −20 °C – und am 8. auch eines über dem Schwarzmeerraum<ref name="fu-berlin 20100108">Prognose 20100108. Institut für Meteorologie, FU Berlin</ref> – wo durch sciroccoartige Strömungen von Afrikaluft in Rumänien Rekordwerte bis +20 °C gemessen wurden. Dadurch entwickelte sich ein starker Schneesturm, über Mitteleuropa erst aus West, dann Südost, mit Windgeschwindigkeiten bis weit über 100 km/h. Das Tief zog über die Karpaten und zerfiel 11. auf 12. d. M. im nördlichen Schwarzmeerraum.<ref name="fu-berlin 20100111"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Prognose 20100111 (Memento des Vorlage:IconExternal vom 1. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.met.fu-berlin.de. Institut für Meteorologie, FU Berlin</ref>

Angenommene Schneemengen im Bereich von 40 cm/24 h, wie sie in Norddeutschland seit 1986/87 und auch dem Katastrophenwinter 1978/79 nicht mehr vorgekommen waren, blieben zwar in der Fläche aus, in Boizenburg an der Elbe wurde am 10. Januar 2010 jedoch eine Gesamtschneehöhe von 46 Zentimetern gemessen und damit die höchste Schneedecke seit 1979. Im Raum der österreichischen Südostalpen und Karpaten waren die Schneemengen geringer als befürchtet. Dennoch gab es in Norddeutschland örtliche Schneehöhen von über einem Meter.<ref name="SN 2010-01-11 8">Die ZAMG analysierte, dass die Warmluft durch den großen Druckunterschied viel weiter nach Norden vorgedrungen war, und die Kaltluft ausgeräumt hatte. APA, zit. n. Salzburger Nachrichten. 11. Januar 2010, Österreich, S. 8 (Artikel im Artikelarchiv).</ref>

Abschätzung der Jährlichkeit

Für Spanien traten Schneefälle ein, wie schon seit 25 Jahren nicht mehr (5. Januar 1985). Trotzdem wurde dieses Ereignis schon zwei Monate später vom Mittelmeertief Andrea, das im ganzen nördlichen Mittelmeerraum für Schneechaos sorgte, übertroffen, sodass eine Jährlichkeit von 25, wie sie nach dem Ereignis angegeben wurde<ref name="ORF 117665" />, zu überdenken ist.

Die Britischen Inseln erlebten durch den polaren Kaltlufteinbruch eine Kältewelle wie schon seit 30 Jahren (1981/1982) nicht mehr.<ref name="SN 2010-01-13" /> Dieser wurde aber im Winter darauf mit einer verheerenden Kältewelle November/Dezember bei weitem übertroffen.

Folgen

Nordspanien erlebte schwere Schneeeinbrüche mit örtlichen schweren Überflutungen,<ref name="SN 2010-01-11 20">Als der Winter kam. In: Salzburger Nachrichten. 11. Januar 2010, Chronik, S. 20 (Artikelarchiv).</ref><ref name="ORF 117665">Schneechaos in Spanien. In: Ö1 Abendjournal. ORF, 11. Januar 2010, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 14. Januar 2010 (Link auf Audiodatei, Inforadio).@1@2Vorlage:Toter Link/oe1.orf.at (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref><ref name="tagesanzeiger 11551994">Hunderte Autofahrer aus dem Schnee befreit. In: Panorama/Vermischtes. Tages-Anzeiger, 10. Januar 2010, abgerufen am 14. Januar 2010.</ref> sogar auf Mallorca fiel Schnee<ref name="tagesanzeiger 11551994" /> und der Vesuv bei Neapel war tief verschneit.<ref name="SN 2010-01-09">Winterchaos durch Sturmtief "Daisy". In: Salzburger Nachrichten. 9. Januar 2010, Chronik (Artikelarchiv).</ref>

In ganz Frankreich waren gravierende Beeinträchtigungen durch Schneeverwehungen und Windbruch zu verzeichnen. In Südfrankreich waren 7000 Haushalte nach Schneelastbruch ohne Strom.<ref name="tagesanzeiger 11551994" /> Der Flugbetrieb kam mancherorts zeitweise zum Erliegen,<ref>Stern.de: Daisy beschert Schulausfall. 10. Januar 2010</ref> in Lyon mussten am 9. Januar 800 Passagiere am Flughafen auf Feldbetten übernachten<ref name="SN 2010-01-11 20" />, in Roissy und Orly musste bis zum 13. bis zur Hälfte aller Flüge gestrichen werden.<ref name="SN 2010-01-13" /> In Nordfrankreich kam es über mehrere Tage zu starken Verkehrsbehinderungen<ref name="SN 2010-01-13">Wieder Chaos durch Schneefälle in Großbritannien. In: Salzburger Nachrichten. 13. Januar 2010, Chronik (Artikelarchiv).</ref> mit zahlreichen schweren Autounfällen.

In Holland waren am 9. zeitweise 100.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten.<ref name="SN 2010-01-09" />

England hatte über 100 Kältetote zu verzeichnen.<ref name="SN 2010-01-09" /><ref name="SN 2010-01-13" /><ref name="focus 469375">Focus.Online</ref> Die meisten Großflughäfen (London-Gatwick und City, Birmingham) mussten geschlossen werden oder einen Großteil der Flüge streichen (Heathrow).<ref name="SN 2010-01-13" />

In Deutschland war hauptsächlich der Norden betroffen, es wurden zahlreiche Autofahrer und auch zwei Regionalzüge bei Anklam und Greifswald eingeschneit und mussten gerettet werden,<ref name="SN 2010-01-11 20" /> aber auch Südwestdeutschland verzeichnete fast 1000 wetterbedingte Verkehrsunfälle mit an die 100 Verletzten.<ref name="SN 2010-01-11 20" /> In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wurden etliche kleinere Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten (z. B. auf der Insel Fehmarn). Es wurden Hafengebiete z. B. in Flensburg überflutet und an der Ostsee zwischen den Badeorten Dahme und Kellenhusen bei Dahmeshöved drohte der Deich zu brechen<ref>Gefahr am Deich gebannt; shz 11. Januar 2010</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Reuters Deutschland Informationsdienst (Memento des Vorlage:IconExternal vom 28. Juli 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/de.reuters.com</ref>.

In Polen waren zeitweise über 80.000 Menschen nach Schneebruch ohne Strom.<ref name="SN 2010-01-11 20" />

Schadensanalyse

Nach Rechnung der Münchener Rück verursachte das Sturmtief mit der begleitenden Kältewelle einen volkswirtschaftlichen Gesamtschaden von 1,245 Milliarden Euro, davon waren 750 Millionen Euro durch Versicherungen gedeckt. Damit ist das Ereignis Daisy nach der Kältewelle auf den Britischen Inseln Frühwinter 2010 der zweitteuerste Versicherungsfall an Winterschäden im Zeitraum 1980–2011.<ref name="versicherungsjournal">Die für die Versicherer teuersten Kältewellen. In: VersicherungsJournal Österreich. 3. Februar 2012</ref>

Weblinks

Commons: Schneefälle des Winters 2009/10 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />