Zum Inhalt springen

Michael Hermanussen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 30. März 2026 um 15:55 Uhr durch imported>Drahreg01 (WP:WSIGA).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Michael Hermanussen (* 26. April 1955 in Hamburg) ist ein deutscher Kinderarzt und seit 2004 Professor<ref>Personalmeldungen der CAU 2004. Abgerufen am 8. Januar 2010.</ref> der Medizin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er hat vor allem Arbeiten zu Wachstumsforschung und Ernährung veröffentlicht.

Leben

Hermanussen studierte Medizin und arbeitete von 1982 bis 1989 als Kinderarzt an der Universitätskinderklinik Kiel. Er beschäftigt sich mit Untersuchungen zu Wachstum und Entwicklung von Kindern (Auxologie) und beschrieb erstmals Miniatur-Wachstumsschübe.<ref>M. Hermanussen, K. Geiger-Benoit, J. Burmeister, W. G. Sippell: Periodical changes of short term growth velocity ("mini growth spurts") in human growth. In: Ann Hum Biol. Band 15, 1988, S. 103–109.</ref> Seit 1990 ist er niedergelassen und betreibt gemeinsame Forschung mit Wissenschaftlern im In- und Ausland. Er unterrichtet als Teil des Lehrkörpers an der Universität Kiel. Seit 1992 veranstaltet er nationale und internationale Tagungen zu Wachstum und Ernährung. Er war von 2003 bis 2011 im Vorstand der Gesellschaft für Anthropologie und Mitherausgeber des Anthropologischen Anzeigers.<ref>Website des Anthropologischen Anzeigers. Abgerufen am 7. Januar 2010.</ref> Er ist Gründer und Vorsitzender der Auxological Society (früher Deutsche Gesellschaft für Auxologie).

Forschungsgebiete

Hermanussen entwickelte neue mathematische Methoden zur verbesserten Diagnostik von Wachstumsstörungen<ref>M. Hermanussen, R. H. Largo, L. Molinari: Canalisation in human growth: a widely accepted concept reconsidered. In: Eur J Pediatr. Band 160, 2001, S. 163–167.</ref><ref>M. Hermanussen, C. Meigen: Phase variation in child and adolescent growth. In: Int J Biostatistics. Band 3, 2007, S. 1–16.</ref> und eine neue Rechentechnik zur Bestimmung der späteren Erwachsenengröße eines Kindes.<ref>M. Hermanussen, T. J. Cole: The calculation of target height reconsidered. In: Horm Res. Band 59, 2003, S. 180–183.</ref> Er führte die Mini-Knemometrie ein, eine neue Präzisionstechnik zur Wachstumsmessung von Kindern. Dieses Verfahren bestimmt die Unterschenkellänge so exakt, dass Wachstum bereits innerhalb weniger Tage messbar wird.<ref>M. Hermanussen: Knemometry, a new tool for the investigation of growth. In: Eur J Pediatr. Band 147, 1988, S. 350–355.</ref><ref>M. Hermanussen, K. Geiger-Benoit, J. Burmeister, W. G. Sippell: Periodical changes of short term growth velocity ("mini growth spurts") in human growth. In: Ann Hum Biol. Band 15, 1988, S. 103–109.</ref><ref>M. Hermanussen, K. Seele: Mini-Knemometry: An accurate technique for lower leg length measurements in early childhood. In: Ann Hum Biol. Band 24, 1997, S. 307–313.</ref><ref>M. Hermanussen: The measurement of short term growth. In: J Pediatr Endocrinol Metabol. Band 16, 2003, S. 969–971.</ref> Ferner entwickelte er eine vergleichbare Technik zur Messungen von Ratten, in der Wachstum bereits innerhalb von Stunden sichtbar wird. Diese Untersuchungen waren für das Verständnis der Wirkung von Wachstumshormonen wichtig.<ref>M. Hermanussen, M. Rol del Lama, J. Burmeister, J. A. Fernandez-Tresguerres: Mikro-knemometry: An accurate technique of growth measurement in rats. In: Physiol Behavior. Band 58, 1995, S. 347–352.</ref><ref>M. Hermanussen, M. Rol de Lama, J. A. F. Tresguerres, L. Grasedyck, J. Burmeister: Short term growth: evidence for chaotic series of mini growth spurts in rat growth. In: Physiol Behav. Band 64, 1998, S. 7–13.</ref> Seine Untersuchungen führten zu einer deutlichen Verbesserung der bisherigen Behandlung mit Wachstumshormonen.<ref>M. Hermanussen, K. Geiger-Benoit, W. G. Sippell: Catch-up growth following transfer from three times weekly im to daily sc administration of hGH in GH deficient patients, monitored by knemometry. In: Acta Endocrinol. Band 109, 1985, S. 163–168.</ref><ref>M. Hermanussen, K. Geiger-Benoit, J. Burmeister, W. G. Sippell: Can the knemometer shorten the time for growth rate assessment? In: Acta Paediatr Scand. Suppl, Band 337, 1987, S. 30–36.</ref> Hermanussen zeigte erstmals, dass magersüchtige Kinder nicht nur nicht wachsen, sondern sogar an Körperlänge schrumpfen können.<ref>M. Hermanussen, K. Geiger-Benoit, W. G. Sippell: "Negative growth" in anorexia nervosa assessed by knemometry. In: Eur J Pediatr. Band 146, 1987, S. 561–564.</ref>

Seit 2002 beschäftigt er sich mit Ernährung und Übergewicht, insbesondere mit der Wirkung von Glutamat auf die Sättigungsregulation.<ref>Gierig nach Glutamat – Ein Artikel der unizeit, CAU. Abgerufen am 17. November 2012.</ref><ref>M. Hermanussen u. a.: Obesity, voracity and short stature: the impact of glutamate on the regulation of appetite. In: European Journal of Clinical Nutrition. Band 60, 2006, S. 25–31.</ref><ref>M. Hermanussen: No consensus on glutamate. In: Eur J Clin Nutr. Band 62, 2008, S. 1252–3.</ref> In diesem Rahmen wies Hermanussen erstmals nach, dass deutsche Fertigkostprodukte Neurotransmitter enthalten.<ref>M. Hermanussen, U. Gonder, C. Jakobs, D. Stegemann, G. Hoffmann: Patterns of free amino acids in German convenience food products: marked mismatch between label information and composition. In: Eur J Clin Nutr. 23. Sep 2009 [Epub ahead of print]</ref> Gemeinsam mit Christiane Scheffler untersuchte er den Einfluss des sozialen Umfeldes auf das Wachstum von Kindern und Jugendlichen und die Bedeutung der Körperhöhe als soziales Signal. Hermanussen und Scheffler zeigten erstmals, dass der säkulare Trend zu größerer Körperhöhe nicht hinreichend mit Ernährung erklärt werden kann, sondern insbesondere nach dem Zusammenbruch rigider politischer Systeme und zu Zeiten politischer Unsicherheit auftrat.<ref>C.Scheffler u. a.: Political Liberation, Hope, and Social Competition Are the Motor of Secular Trends in Height. In: American Journal of Human Biology. Band 37, 2025, e70095.</ref>

Werke (Auswahl)

  • Wachstum als Bewegungsvorgang, Habilitationsschrift. Thieme Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-13-771401-X.
  • mit U. Gonder: Der Gefräßig-Macher. Hirzel Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-7776-1570-7.
  • als Hrsg.: Auxology – Studying Human Growth and Development. Schweizerbart, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-510-65278-5.
  • mit C. Scheffler: Größenwahn. Springer, Berlin, Heidelberg 2024, ISBN 978-3-662-69579-1.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein