Schelling-Salon
Der Schelling-Salon ist eine Traditionsgaststätte in der Schellingstraße 54 in München (im Bezirk Maxvorstadt), die seit 1872 existiert und bis Anfang 2026 von der Familie Mehr bewirtschaftet wurde.<ref name=":0">Lisa Sonnabend: Restaurant in München: Wie es mit dem Schelling-Salon weitergeht. In: Süddeutsche Zeitung. 3. Dezember 2025, abgerufen am 20. Februar 2026.</ref><ref name=":1">Ruth Frömmer: Stammgäste wollen keinen Burger essen: Kultlokal in der Maxvorstadt bleibt bayerisch. In: Abendzeitung. 20. Dezember 2025, abgerufen am 20. Februar 2026.</ref>
Geschichte
Er wurde mehrfach in literarischen Werken erwähnt, Gäste waren unter anderem Bertolt Brecht, Wassili Kandinsky, Rainer Maria Rilke und Ödön von Horváth.<ref>Bei Künstlern und Spießern – Auf Ödön von Horvaths Spuren durch die Schellingstraße, in: Süddeutsche Zeitung, 17. Januar 2002</ref> Auch Adolf Hitler und Lenin verkehrten hier, Hitler wechselte nach mehreren Jahren wegen unbezahlter Rechnungen in die benachbarte Osteria Bavaria.<ref>Die Wirtsleute Fam. Mehr. Abgerufen am 23. Februar 2023.</ref>
Auch Franz Josef Strauß, der spätere bayerische Ministerpräsident, der in der Schellingstraße aufwuchs, holte in seiner Jugend Bier für seinen Vater aus dem Schelling-Salon. In den 1960er Jahren lernten sich der spätere RAF-Terrorist Andreas Baader und der spätere Bild-Kolumnist Franz Josef Wagner im Schelling-Salon kennen.<ref>Klaus Stern, Jörg Herrmann: Andreas Baader: das Leben eines Staatsfeindes. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2007, ISBN 978-3-423-24584-5, S. 50 (google.de [abgerufen am 14. August 2021]).</ref> Der Schelling-Salon ist einer der Schauplätze der Theaterrevue "Munich Machine" von Albert Ostermaier, die Anfang 2026 im Münchner Residenztheater uraufgeführt wurde.<ref>Wolfgang Höbel: "Munich Machine" in München: Treffen sich Hitler und Brecht im Schellingsalon. Hrsg.: Spiegel online. 7. Februar 2026 (spiegel.de [abgerufen am 20. Februar 2026]).</ref>
Erster Wirt war Sylvester Mehr, der von 1904 bis 1911 auch Präsident der Gastwirte-Innung in Bayern war. Unter ihm war der Salon zunächst eine Gartenwirtschaft. 1911 wurde er von dem Sohn Engelbert Mehr übernommen und im Stile eines „Wiener Café-Restaurants“ eingerichtet. Diese Einrichtung ist bis heute weitgehend erhalten geblieben. Engelbert Mehr bewirtschaftete den Salon bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Sohn von Engelbert, wiederum mit Namen Sylvester Mehr, führte die Gaststätte bis zu seinem Tod im Jahr 2002.<ref>Der Wirt vom Schelling-Salon ist tot. Süddeutsche Zeitung vom 27. Juli 2002</ref> Seine Tochter Evelin Mehr führte den Schelling-Salon in der vierten Generation. Sie übergab das Geschäft im Dezember 2025 aus Altersgründen und wegen fehlender Eigennachfolge an eine benachbarte Wirtsfamilie, die bekannt gab, den Schelling-Salon ab 2026 in der Tradition der Familie Mehr weiterführen zu wollen.<ref name=":0" /><ref name=":1" /><ref>BR24: Schelling-Salon in München: Eine Kult-Institution wechselt den Besitzer auf YouTube, 10. Dezember 2025, abgerufen am 10. Dezember 2025 (Ein Wirtshaus mit 150jähriger Tradition hat Seltenheitswert: Der Schelling-Salon ist genau so eines und hat seit langer Zeit mit seinen Billardtischen und der gut bürgerlichen Küche Kultstatus. Und das soll trotz Besitzerwechsel so bleiben...).</ref>
Der Schelling-Salon, im Stil der Wiener Kaffeehäuser erbaut, hat zahlreiche Billard-Tische, sowohl für Poolbillard als auch für Karambolage. Weiterhin verfügt er im Keller über Tischtennisplatten, die zu mieten sind.
Film über den Schelling-Salon
- Thomas Honickel: Grüß Gott, liebe Gäste. Bayerischer Rundfunk, 1998
- Eine Institution - 150 Jahre Schelling-Salon Bayerischer Rundfunk, 19. November 2022
Literatur
- Rüdiger Liedtke: Der Schelling-Salon : Tischtennis und Billiard in der ungewöhnlichen Eckkneipe, in: Liedtke: 111 Orte in München, die man gesehen haben muss, Hermann-Josef Emons Verlag, [Köln] 2011, ISBN 978-3-89705-892-7.
- Traugott Krischke: Geschichten aus dem Schelling-Salon : eine Horváth-Collage, Wien, München : Sessler 1977.
Weblinks
- schelling-salon.de
- Billardkneipe mit Tradition, Süddeutsche Zeitung 2008
- Fundstellen über den Schelling-Salon bei Google-Books
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 48° 9′ 4,1″ N, 11° 34′ 23,5″ O
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