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Cotunnit

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Cotunnit
Datei:Cotunnite-896817.jpg
Cotunnit aus der Ferruginosa-Mine, Cabo de Palos Range, Cartagena, Murcia, Spanien (Sichtfeld 0,9 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Cot<ref name="Warr" />

Andere Namen

Blei(II)-chlorid

Chemische Formel PbCl2<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Halogenide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

III/C.05
III/D.08-010

3.DC.85
09.02.07.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe Pnam (Nr. 62, Stellung 6)Vorlage:Raumgruppe/62.6<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 7,62 Å; b = 9,04 Å; c = 4,53 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Zwillingsbildung entlang {120}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 5,80 (synthetisch); berechnet: 5,91<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität schwach muschelig; leicht schneidbar<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe farblos bis weiß, hellgrün, hellgelb
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Glanz Diamantglanz, seidig bis perlenartig
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 2,199<ref name="Mindat" />
nβ 2,217<ref name="Mindat" />
nγ 2,260<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,061<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 67° (gemessen); 68° (berechnet)<ref name="Mindat" />

Cotunnit (IMA-Symbol Cot<ref name="Warr" />) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Halogenide mit der chemischen Zusammensetzung PbCl2 und ist damit chemisch gesehen Blei(II)-chlorid.

Cotunnit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt prismatische, entlang der a-Achse [100] nadelige oder tafelige Kristalle<ref name="SchröckeWeiner" /> bis etwa 2 mm<ref name="Handbookofmineralogy" /> Größe mit einem diamantähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Bekannt sind auch zepterförmige oder skelettartige Kristalle sowie radialstrahlige, büschelige, körnige bis derbe Mineral-Aggregate und krustige Überzüge, die dann eher seiden- oder perlmuttähnlich schimmern. In reiner Form ist Cotunnit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine hellgrüne bis hellgelbe Farbe annehmen.

Etymologie und Geschichte

Cotunnit wurde erstmals am Vesuv bei Neapel in Italien entdeckt. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral 1825 von Teodoro Monticelli (1759–1845) und Nicola Covelli<ref name="minerbook.it" />, die es nach dem italienischen Anatomie-Professor Domenico Cotugno (auch Cotunnius, 1736–1822) benannten.<ref name="CiriottiFascioPasero" />

Da der Cotunnit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Cotunnit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Cotunnit lautet „Cot“.<ref name="Warr" />

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Cotunnit zur Mineralklasse der „Halogenide“ und dort zur Abteilung der „Oxihalogenide“, wo er zusammen mit Bismoclit, Daubréeit, Fiedlerit, Laurionit, Matlockit, Paralaurionit, Pseudocotunnit und Zavaritskit die „Fiedlerit-Laurionit-Matlockit-Gruppe“ mit der Systemnummer III/C.05 bildete.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer III/D.08-10. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Oxihalogenide“, wo Cotunnit zusammen mit Brontesit, Challacolloit, Fiedlerit, Hephaistosit, Laurionit, Paralaurionit, Pseudocotunnit und Steropesit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer III/D.08 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Cotunnit in die erweiterte Abteilung der „Oxihalogenide, Hydroxyhalogenide und verwandte Doppel-Halogenide“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Pb (As, Sb, Bi) ohne Cu“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 3.DC.85 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat MineralName die System- und Mineralnummer 09.02.07.01. Dies entspricht der Klasse und gleichnamigen Abteilung der „Halogenide“. Hier ist er als Namensgeber der „Cotunnitgruppe“ mit der Systemnummer 09.02.07 und den weiteren Mitgliedern Hydrophilit (diskreditiert 2006) und Coccinit innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie und wasserhaltige Halogenide mit der Formel AX2“ zu finden.

Kristallstruktur

Datei:Cotunnite structure.png
Kristallstruktur von Cotunnit

Cotunnit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem in der Raumgruppe Pnam (Raumgruppen-Nr. 62, Stellung 6)Vorlage:Raumgruppe/62.6 mit den Gitterparametern a = 7,62 Å, b = 9,04 Å und c = 4,53 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

In der Kristallstruktur ist jedes Bleiatom von insgesamt neun Chlorid-Anionen in Form eines dreifach überkappten trigonalen Prismas koordiniert. Diese Prismen bilden Stränge entlang der c-Achse. Im Koordinationspolyeder um die Chlorid-Anionen sind sowohl quadratische Pyramiden, als auch Tetraeder aus Blei-Kationen.<ref name ="Braekken" />

Cotunnit ist namensgebend für die Cotunnit-Struktur, in der neben Blei(II)-chlorid weitere Salze wie Bariumchlorid, Calciumhydrid oder Blei(II)-bromid kristallisieren.

Bildung und Fundorte

Cotunnit kann sich auf mehrere Arten bilden. In Vulkanen ist es ein Sublimationsprodukt. Daneben bildet es sich durch Verwitterung von Galenit, bleihaltigen archäologischen Fundstücken oder Schlacken unter salzhaltigen Bedingungen. Es ist je nach Fundort vergesellschaftet mit Galenit, Cerussit, Anglesit und Matlockit (Caracoles in Chile) bzw. Tenorit, Ponomarevit, Sophiit, Burnsit, Ilinskit, Georgbokiit, Chloromenit, Halit, Sylvin und Gold (Vulkan Tolbachnik, Russland).

Neben der Typlokalität sind eine Reihe weitere Fundorte bekannt. Zu diesen zählen die Hohe Tauern in Österreich, Caracoles und Challacollo in Chile, Sainte-Marie-aux-Mines in Frankreich, Röhrnbach, Richelsdorf, Essen, Recklinghausen und Helbra in Deutschland, Laurion in Griechenland, die Toskana in Italien, der Tolbatschik in Russland, Wanlockhead, Leadhills und weitere Fundorte in Großbritannien sowie die US-Bundesstaaten Arizona, Massachusetts und Utah.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

  • T. Monticelli, N. Covelli: Cotunnia (Piombo muriato). In: Prodromo della Mineralogia Vesuviana. Band 1, 1825, S. 47–52 (rruff.info [PDF; 204 kB; abgerufen am 4. November 2025]).
  • Y. Z. Nozik, L. E. Fykin, L. A. Muradyan: Crystal structure of contunnite PbCl2 determined more precisely by application of the neutron diffraction method. In: Soviet Physics – Crystallography. Band 21, 1976, S. 38–40.
  • Martine Lumbreras, J. Schram, Joop Schoonman, E. J. L. Schouler: Electrical conductivity of mixed lead halides PbCl2xBr2(1−x). In: Solid State Ionics. Band 28–30, Nr. 2, 1988, S. 1305–1309, doi:10.1016/0167-2738(88)90376-1.

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name ="Braekken"> </ref> <ref name="CiriottiFascioPasero"> Marco E. Ciriotti, Lorenza Fascio, Marco Pasero: Italian Type Minerals. 1. Auflage. Edizioni Plus - Università di Pisa, Pisa 2009, ISBN 978-88-8492-592-3, S. 92. </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Cotunnit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 28. November 2022. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> Cotunnite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 70 kB; abgerufen am 4. November 2025]). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – C. (PDF 312 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 4. November 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Cotunnite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 27. Oktober 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="minerbook.it"> Biographie von Teodoro Monticelli. In: www.minerbook.it. Abgerufen am 4. November 2025. </ref> <ref name="SchröckeWeiner"> Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 327. </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 179. </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Cotunnite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 4. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>