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Liebenbergit

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Liebenbergit
Datei:Liebenbergite.jpg
Grüne Liebenbergit-Kristalle mit Whitlockit (gelblichweiß) aus Lavrio, Attika, Griechenland
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1972-033<ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

IMA-Symbol

Lbb<ref name="Warr"></ref>

Andere Namen
Chemische Formel Ni2[SiO4]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Inselsilikate (Nesosilikate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/A.04
VIII/A.04-040

9.AC.05
51.03.01.04
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe Pbnm (Nr. 62, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/62.3<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 4,73 Å; b = 10,19 Å; c = 5,95 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6 bis 6,5<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen und berechnet: 4,6<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit undeutlich nach {010} und {100}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe olivgrün bis gelblichgrün; in dünnen Schichten farblos bis hellgrün<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe weiß<ref name="Lapis" />
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Bitte ergänzen!
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,820<ref name="Mindat" />
nβ 1,854<ref name="Mindat" />
nγ 1,888<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,068<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 80° (gemessen); 88° (berechnet)<ref name="Mindat" />
Pleochroismus X = Y = farblos bis hellgrün; Z = grünlichgelb<ref name="DeWaalCalk" />

Liebenbergit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silicate und Germanate“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Ni2[SiO4]<ref name="StrunzNickel" /><ref name="IMA-Liste-2009" /> und ist damit chemisch gesehen ein Dinickelorthosilicat. Strukturell gehört Liebenbergit zu den Inselsilikaten (Nesosilikaten).

Das Mineral kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und findet sich ausschließlich in Form gelblichgrüner, körniger Mineral-Aggregate bis etwa einem Millimeter Durchmesser oder als Fugenfüllung zwischen Trevorit-Körnern. Die durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle sind typischerweise von olivgrüner bis gelblichgrüner Farbe. In dünnen Schichten kann Liebengergit aber auch farblos bis hellgrün sein. Seine Strichfarbe ist dagegen immer weiß.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde der Liebenbergit 1973 in der „Scotia Talk Mine“ bei Barberton in der südafrikanischen Provinz Mpumalanga. Analysiert und wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral durch Sybrand A. de Waal und Lewis C. Calk, die das Mineral nach William Roland Liebenberg (1919–1988),<ref name="MinerDatabase" /> dem stellvertretenden Generaldirektor des Nationalinstituts für Metallurgie von Südafrika, benannten.

Typmaterial des Mineral wird in Kanada im Royal Ontario Museum in Toronto unter der Katalog-Nr. M33443 sowie in den USA in der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) unter der Katalog-Nr. 133404 und im National Museum of Natural History in Washington D.C. unter der Katalog-Nr. 132463 aufbewahrt.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Liebenbergit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Inselsilikate (Nesosilikate)“, wo er zusammen mit Fayalit, Forsterit, Laihunit und Tephroit die „Olivingruppe“ mit der System-Nr. VIII/A.04 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Liebenbergit ebenfalls in die Abteilung der „Inselsilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und der Koordination der Silikatkomplexe, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Inselsilikate ohne zusätzliche Anionen; Kationen in oktaedrischer [6]er-Koordination“ zu finden ist, wo es zusammen mit Fayalit, Forsterit, Glaukochroit, Kirschsteinit, Laihunit und Tephroit die „Olivingruppe“ mit der System-Nr. 9.AC.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Liebenbergit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Inselsilikate“ ein. Hier ist er ebenfalls in der „Olivingruppe“ mit der System-Nr. 51.03.01 innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen mit allen Kationen nur in oktahedraler [6]-Koordination“ zu finden.

Chemismus

Die idealisierte Formel für Liebenbergit Ni2[SiO4], allerdings enthielten die von de Waal und Calk analysierten Proben als Fremdbeimengungen von Magnesium, Cobalt und Eisen. Die tatsächliche Formel des Typminerals wird daher mit (Ni1,25Mg0,33Co0,05Fe0,12)Si0,99O4 angegeben. Da alle Kationen zusammen einen Gewichts-%-Anteil von 1,75 % ausmachen, kann die gerundete Formel auch mit (Ni,Mg,Co,Fe)2SiO4 angegeben werden.

Einer neueren Studie von S. Akimoto, Y. Matsui und Y. Syono aus dem Jahre 1976 zufolge besteht eine vollständige Löslichkeit zwischen dem nickelreichen und dem magnesiumreichen Endglied der Olivingruppe, entsprechend Ni2SiO4 (= Liebenbergit) und Mg2SiO4 (= Forsterit).<ref name="Annersten-et-al-1982" /> Entsprechend wird die Mischkristallformel auch mit (Ni,Mg)2SiO4 angegeben.<ref name="Rösler" /><ref name="Lapis" />

Kristallstruktur

Liebenbergit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pbnm (Raumgruppen-Nr. 62, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/62.3 mit den Gitterparametern a = 4,73 Å; b = 10,19 Å und c = 5,95 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Liebenbergit bildet sich durch Kontaktmetamorphose in kleinen Nickel-Lagerstätten in der Kontaktzone zwischen Quarzit und serpentinisierten Ultramafiten bei etwa 730 °C und einem Druck von knapp 2 kbar oder in nickelreichen Meteoriten.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Neben seiner Typlokalität, der „Scotia Talk Mine“ in Mpumalanga trat das Mineral in Südafrika noch am Morokweng-Krater in der Provinz Nordwest auf.

In Deutschland konnte das Mineral bisher nur in der Kochhütte (August-Bebel-Hütte) bei Helbra und am Lichtloch 25 in der Kupfer-Silberhütte „Gottesbelohnung“ bei Hettstedt in Sachsen-Anhalt gefunden.

Der einzige weitere bekannte Fundort liegt in der griechischen Region Attika, wo das Mineral auf Schlackenhalden bei Agios Konstantinos (Kamariza) in der Gemeinde Lavrio entdeckt wurde.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Annersten-et-al-1982"> Hans Annersten, Tore Ericsson. Anestis Filippidis: Cation ordering in Ni-Fe olivines In: American Mineralogist Band 67, 1982, S. 1212–1217 (PDF 517,2 kB) </ref> <ref name="DeWaalCalk"> Sybrand A. de Waal, Lewis C. Calk: Nickel Minerals from Barberton, South Africa: VI. Liebenbergite, a Nickel Olivine. In: American Mineralogist Band 58 (1973), S. 734 (PDF 307 kB) </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Liebenbergit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Liebenbergite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 3. Dezember 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MinerDatabase"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />MINER Database von Jacques Lapaire – Minéraux et étymologie (französisch) (Memento des Vorlage:IconExternal vom 25. Juli 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/jacksand.blogvie.com </ref> <ref name="Rösler"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Liebenbergite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 3. Dezember 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>