Zum Inhalt springen

Franz Oehlecker

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 25. Oktober 2025 um 07:46 Uhr durch imported>Dmicha (Leben: unzutreffende Verlinkung auf BKL aufgehoben).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Franz Oehlecker.JPG
Franz Oehlecker, um 1930

Franz Oehlecker (* 19. Dezember 1874 in Hamburg; † 16. November 1957 ebenda) war ein deutscher Chirurg in Hamburg. Er gilt als Pionier der Bluttransfusion.

Leben

Oehlecker studierte an der Eberhard Karls Universität Tübingen Medizin. 1897 wurde er im Corps Franconia Tübingen aktiv.<ref>Kösener Corpslisten 1930, 128/557.</ref> Als Inaktiver wechselte er an die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. 1903 wurde er in Berlin zum Dr. med. promoviert.<ref>Dissertation: Drüsenuntersuchungen bei 7 Fällen von Uteruscarcinom.</ref> Seine chirurgische Ausbildung durchlief er von 1907 bis 1914 bei Hermann Kümmell im Universitätskrankenhaus Eppendorf. Von 1914 bis 1946 war er Chefarzt im AK Barmbek. Auf ihn geht die Oehlecker-Probe zurück, eine vor Einführung der Blutgruppenbestimmung empfohlene Einspritzung von etwas Spenderblut und Beobachtung des Empfängers auf Unverträglichkeitsreaktionen.<ref>Julius Hackethal: Auf Messers Schneide. Kunst und Fehler der Chirurgen. Rowohlt, Reinbek 1976; Lizenzausgabe im Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1995 (= Bastei-Lübbe-Taschenbuch. Band 60391), ISBN 3-404-60391-5, S. 237.</ref> 1925, 1929 und 1934 leitete er die 29., 39. und 49. Tagung der Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen.<ref>Wolfgang Teichmann, Christoph Eggers, Heinz-Jürgen Schröder (Hg.): 100 Jahre Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen. Hamburg 2009, S. 89–92</ref> Im November 1933 unterzeichnete er das Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler. Am 1. Juli 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.230.587).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/31051195</ref> Mit fast 83 Jahren gestorben, wurde Oehlecker auf dem Friedhof Ohlsdorf beim Nordteich (Planquadrat AC 12) beerdigt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Grab Oehlecker (Memento des Vorlage:IconExternal vom 29. Februar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ohlsdorf.familien-nachforschung.de</ref> Sein Nachfolger im AK Barmbek wurde Hans Junker.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Bluttransfusion. 1933.

Ehrungen

Datei:Grabstein Familie Oehlecker-Erdmann.nnw.jpg
Grabstein der Familie Oehlecker-Erdmann auf dem Friedhof Ohlsdorf

Kritik

Im Januar 2018 hatte der Aktivist René Senenko im zuständigen Ortsausschuss in Hamburg-Nord erstmals die Umbenennung des Oehleckerrings vorgeschlagen mit der Begründung, Oehlecker habe in der NS-Zeit Hunderte Männer im Krankenhaus Barmbek zwangssterilisiert. Im März 2022 gab die vom Senat berufene „Kommission für den Umgang mit NS-belasteten Straßennamen in Hamburg“ die folgende Empfehlung ab: „Oehlecker führte am AK Barmbek Hunderte von Zwangssterilisationen durch und hat so bewusst die dauerhafte Schädigung von Menschen herbeigeführt. Da durch die Zwangssterilisationen Menschen bis zu ihrem Lebensende durch den Eingriff geschädigt worden sind, ist eine Umbenennung geboten.“<ref>Hannes Stepputat: Die Straßen der NS-Ärzte. In: taz online. 24. Januar 2018, abgerufen am 14. März 2025.</ref><ref>In Hamburger Wochenblatt: NS-Straßennamen müssen weg - Angezählt: Heynemannstraße und Oehleckerring, Verlag Hamburger Abendblatt, Hamburg, Nr. 17 vom 30. April 2022, S. 5.</ref> Bis Anfang 2025 wurde noch kein diesbezüglicher Beschluss der Bezirksversammlung Nord gefasst.<ref>Alina Sophie Hillebrand: Diese Straßen in Hamburg sind noch immer nach NS-Ärzten benannt. In: Hamburger Abendblatt Online. 11. März 2025, abgerufen am 14. März 2025.</ref>

Literatur

  • Elias Gläsner: Braune Flecken auf weißen Kitteln; in Rundbrief der Willi-Bredel-Gesellschaft 2018, S. 33–37, ill.
  • Hans-Günther Freitag: Von Mönckeberg bis Hagenbeck: ein Wegweiser zu denkwürdigen Grabstätten auf dem Ohlsdorfer Friedhof (mit 5 Übersichts-Karten), Hansa-Verlag, Hamburg 1973, S. 92.
  • Rüdiger Döhler, Heinz-Jürgen Schröder und Eike Sebastian Debus: Chirurgie im Norden. Zur 200. Tagung der Vereinigung Norddeutscher Chirurgen in Hamburg 2017. Kaden Verlag, Heidelberg 2017, ISBN 978-3-942825-67-2, S. 238–239.

Weblinks

Einzelnachweise

<references/>

Vorlage:Hinweisbaustein