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Brochantit

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Brochantit
Datei:Brochantite-md75a.jpg
Brochantit-Kristallstufe aus Bisbee im Cochise County, Arizona, USA
(Größe: 2,3 cm × 2,0 cm × 0,8 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1980 s.p.<ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

IMA-Symbol

Bct<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel Cu4[(OH)6|(SO4)]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate, Wolframate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VI/B.01
VI/B.01-030

7.BB.25
30.01.03.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin (pseudo-orthorhombisch)
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe P21/a (Nr. 14, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/14.3<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 13,09 Å; b = 9,84 Å; c = 6,01 Å
β = 103,3°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Zwillingsbildung allgemein nach {100}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5 bis 4
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,97; berechnet: 4,09<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {100}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität muschelig bis uneben
Farbe hellgrün, smaragdgrün, blaugrün, schwarzgrün
Strichfarbe hellgrün
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, Perlmuttglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,728<ref name="Mindat" />
nβ 1,771<ref name="Mindat" />
nγ 1,800<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,072<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 72° (gemessen); 76° (berechnet)<ref name="Mindat" />
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten löslich in Säuren und Ammoniak

Brochantit (auch Blanchardit) ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate, Wolframate)“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Cu4[(OH)6|(SO4)]<ref name="StrunzNickel" /> und ist damit chemisch gesehen ein Kupfersulfat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Brochantit entwickelt meist langprismatische bis nadelige Kristalle und Zwillinge mit pseudo-orthorhombischem Aussehen von mehreren Zentimetern Länge, kommt aber auch in Form nierig-traubiger, körniger bis massiger Aggregate oder parallelstrahligen Krusten vor. Die Oberflächen der durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Spaltflächen schimmern dagegen eher perlmuttartig. Die Farbe schwankt zwischen hellgrün, smaragdgrün, blaugrün und schwarzgrün, die Strichfarbe zeigt allerdings immer ein helles Grün.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Brochantit 1824 in der Kupfer-Lagerstätte „Mednorudjanskoje“ bei Nischni Tagil/Jekaterinburg in der russischen Oblast Swerdlowsk und beschrieben durch Armand Lévy (1795–1841)<ref name="minrec-Levy" />, der das Mineral nach André Brochant de Villiers (1772–1840) benannte.

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Brochantit zur Mineralklasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate, Wolframate“ und dort zur Abteilung „Wasserfreie Sulfate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Antlerit und Dolerophanit sowie im Anhang mit Schuetteit in der „Dolerophanit-Antlerit-Gruppe“ mit der Systemnummer VI/B.01 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/B.01-030. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Brochantit zusammen mit Antlerit und Dolerophanit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/B.01 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Brochantit in die Klasse der „Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ und dort in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, ohne H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 7.BB.25 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Brochantit die System- und Mineralnummer 30.01.03.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen und (AB)m(XO4)pZq, mit m:p>2:1“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 30.01.03.

Kristallstruktur

Brochantit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/a (Raumgruppen-Nr. 14, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/14.3 mit den Gitterparametern a = 13,09 Å; b = 9,84 Å; c = 6,01 Å und β = 103,3° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle<ref name="StrunzNickel" />.

Eigenschaften

Brochantit löst sich bereits in sehr verdünnten Säuren. Im Glasrohr erhitzt, gibt Brochantit Schwefeldioxid und Wasser ab, wobei er sich schwarz färbt.

Weiterhin ist Brochantit in wässrigen Ammoniak-Lösungen unter Bildung eines charakteristischen, tiefblauen Tetraamminkupfer(II)-Komplexes löslich. Dieser Vorgang wird vor allem bei der Reinigung von Marmor und Kalkstein ausgenutzt, um die üblicherweise wasserunlöslichen Kupferverbindungen wie z. B. Azurit, Malachit und Brochantit aus dem Stein zu lösen, wobei sich der Fortschritt der Reinigung aufgrund der Umfärbung visuell gut verfolgen lässt.<ref name="fead-gmbh" />

Bildung und Fundorte

Datei:Brochantite-Calcite-Conichalcite-rut308c.jpg
Brochantit (hellgrün) und Konichalcit (olivgrün) auf Calcit aus Tsumeb, Namibia (Gesamtgröße der Stufe: 3,1 cm × 2,8 cm × 1,3 cm)

Brochantit bildet sich als Sekundärmineral vorwiegend unter ariden Klimabedingungen in der Oxidationszone von Kupfererzlagerstätten. Begleitminerale sind vor allem Antlerit und Malachit, mit denen er oft verwechselt wird, aber auch Atacamit, Azurit, Calcit, Caledonit, Cerussit, Chrysokoll, Cuprit, Cyanotrichit, Linarit und Tenorit.

Als häufige Mineralbildung konnte Brochantit bereits an vielen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand: 2015) über 1500 Fundorte<ref name="MindatAnzahl" /> als bekannt gelten. Neben seiner Typlokalität „Mednorudjanskoje“ trat das Mineral in Russland noch an weiteren Orten in der Oblast Swerdlowsk, sowie an wenigen Stellen in Ostsibirien (Aldan, Udokan), im Nordkaukasus (Adygeya) und auf der Halbinsel Kola (Chibinen) auf.

In Deutschland konnte Brochantit unter anderem an vielen Orten im Schwarzwald in Baden-Württemberg, an einigen Stellen im Frankenland und im Spessart in Bayern, im hessischen Odenwald und im Richelsdorfer Gebirge, an vielen Orten im Harz von Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt wie beispielsweise Bad Lauterberg, Goslar, Sankt Andreasberg und Hasserode, an verschiedenen Stellen in der Eifel und im Siegerland von Nordrhein-Westfalen bis Rheinland-Pfalz, an einigen Orten im sächsischen Erzgebirge sowie an wenigen Stellen im Saarland, in Schleswig-Holstein und Thüringen gefunden werden.

In Österreich fand man Brochantit bisher vor allem in Kärnten, Salzburg (Hohe Tauern, Schwarzleograben), der Steiermark und in Tirol (Region Brixlegg-Schwaz).

In der Schweiz trat das Mineral unter anderem an einigen Stellen im Kanton Graubünden bzw. an vielen Orten im Val d’Anniviers im Kanton Wallis auf.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Ägypten, Algerien, der Antarktis, Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, der Demokratischen Republik Kongo, Finnland, Frankreich, Griechenland, Grönland, Indien, Indonesien, Irland, Iran, Island, auf der Isle of Man, in Israel, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, Kuba, Laos, Luxemburg, Madagaskar, Marokko, Mexiko, der Mongolei, in Mosambik, Namibia, Neukaledonien, Neuseeland, Norwegen, Pakistan, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Sambia, Simbabwe, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Taiwan, Tadschikistan, der Türkei, in Tschechien, Ungarn, der Ukraine, im Vereinigten Königreich (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte" />

Auch in Gesteinsproben vom Mittelatlantischen Rücken (Hydrothermalfeld Logatchev) konnte Brochantit nachgewiesen werden.<ref name="MindatMittelatlantik" />

Neben diesen Vorkommen in der Natur wird Brochantit auch als Korrosionsprodukt auf Kupfer und kupferhaltigen Legierungen gefunden, beispielsweise bei Bronzestatuen.<ref>Nachweis auf Bronze. Abgerufen am 15. Dezember 2021.</ref>


Siehe auch

Literatur

  • A. Lévy: On a new mineral substance in: The Annals of Philosophy Band 8, Oktober 1824, S. 241–245 (englisch, PDF 345,3 kB)
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 139.
  • Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 601.

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> Brochantite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 65,5 kB) </ref> <ref name="fead-gmbh"> FEAD GmbH: Beseitigung von Verfärbungen auf Natursteinoberflächen. In: Stein Zerfall und Konservierung, Leipzig, 2005. </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Brochantit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat – Brochantite (englisch) </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Mindat – Anzahl der Fundorte für Brochantit </ref> <ref name="MindatMittelatlantik"> Mindat – Fundort Logatchev-Hydrothermalfeld, Mittelatlantischer Rücken </ref> <ref name="minrec-Levy"> Curtis P. Schuh: Annotated Bio-Bibliography of Mineralogy and Crystallography 1469-1919 - Lévy, Armand (englisch) </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 371. </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral – Brochantite (englisch) </ref> </references>