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Reformierte Kirche Brusio

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Reformierte Kirche Brusio

Die reformierte Kirche in Brusio im bündnerischen Puschlav ist ein evangelisch-reformiertes Gotteshaus unter kantonalem Denkmalschutz.

Geschichte

Im katholischen Brusio bildete sich um 1590 eine reformierte Gemeinde, die für ihre Gottesdienste zunächst die alte Pfarrkirche paritätisch mitnutzen konnte, bis ihr dieses Recht bestritten wurde.<ref name=":0" details="S. 6">Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. 1. Auflage. VI Puschlav, Misox und Calanca. Birkhäuser, Basel 1945.</ref> 1620 kam es zum sog. Veltliner Mord, dem in Brusio am 21. Juli 27 Reformierte zum Opfer fielen,<ref name=":2">Peter C. von Planta: Geschichte von Graubünden in ihren Hauptzügen. 1. Auflage. Wyß, Bern 1892, S. 264.</ref> während die Überlebenden in die Berge<ref name=":2" /> oder über Poschiavo auf die Cavaglia-Ebene und von dort weiter über den Berninapass flüchteten. 20 Häuser der Reformierten wurden abgebrannt.<ref name=":2" />

Am 29. Juni 1634 beantragten die wieder Zurückgekehrten bei den Drei Bünden die Bewilligung für den Bau einer reformierten Kirche, der bereits am 15. Juli 1634 genehmigt wurde.<ref name=":0" details="S. 12" /> Aber erst nach Abschluss der Bündner Wirren sowie dem Schiedsentscheid der Drei Bünde über das Zusammenleben der beiden Konfessionen 1642 konnte der Bau der Kirche 1645 im Wesentlichen vollendet werden<ref name=":0" details="S. 12" />.

Nach der Unterdrückung des reformierten Gottesdienstes im Veltlin wurde die Kirche auch von den dortigen Reformierten besucht, deren verstorbene evangelische Amtsleute sich dann auch meistens hier begraben liessen.<ref name=":0" details="S. 12" />

Baubeschreibung und Ausstattung

Die Kirche wurde in der Rokokozeit 1727/28 umgebaut. Kirche, Pfarrhaus und der Friedhof mit zahlreichen Epitaphen bilden ein architektonisch einheitliches Ensemble.

Die Kirche präsentiert sich mit einem von einem Tonnengewölbe überzogenen Langhaus ohne Chor. Die Kanzel stammt von 1727 und zeigt in verspielten Ornamenten Stilmerkmale des Rokoko. Der Kirchturm datiert auf das Jahr 1679 und fällt durch seinen fünfgeschossigen Aufsatz auf.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kantonsbibliothek Graubünden. Reformierte Kirche (Foto) (Memento vom 14. Februar 2022 im Internet Archive)</ref>

Serassi-Orgel

Die Kirche verfügt über eine Orgel der Fratelli Serassi, Bergamo, aus den Jahren 1786/87.<ref>Urs Fischer: Orgel. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). 21. September 2010, abgerufen am 9. September 2024.</ref><ref name=":1">L'organo Serassi di Brusio - Riformati Valposchiavo. Abgerufen am 10. September 2024.</ref><ref name=":3">Ivano Rampa, Hans Rutishauser: Brusio, evangelisch-reformierte Kirche, Orgel Serassi - Restaurierung des Gehäuses und des Orgelwerks. In: Archäologischer Dienst Graubünden, Denkmalpflege Graubünden (Hrsg.): Jahresbericht 2008. ISBN 978-3-9523495-0-2, S. 145–147.</ref> Andere Quellen nennen Andrea Serassi (Andrea Luigi Serassi<ref name=":3" />) und dessen Sohn Giuseppe<ref>Peter Fasler: Brusio, Ref. Kirche, Profile Kt. Graubünden. In: Orgelverzeichnis Schweiz. Abgerufen am 25. September 2024.</ref> bzw. nur Andrea und Giuseppe Serassi<ref name=":1" /><ref name=":3" /><ref>Annerös Hulliger: Evangelisch-reformierte Kirche in Brusio. Die Disposition der Orgel von Andrea und Giuseppe Serassi, 1787. In: http://www.anneroeshulliger.ch/. Abgerufen am 9. September 2024.</ref>. Als Künstler des Orgelgehäuses sind «Caspar Veith aus Mals und Michael Zoller aus Sels [sic]» überliefert.<ref name=":3" />

Im Bericht für das Jahr 2008 halten der Archäologische Dienst Graubünden und die Denkmalpflege Graubünden in Bezug auf die rund 60 bekannten Orgeln Graubündens aus dem 18. Jahrhundert fest: «[Die Orgel] ist laut Orgelexperte Willi Lippuner «eine der wertvollsten Denkmalorgeln des Bündnerlandes und zweifellos das schönste hiesige Beispiel des damals hochstehenden lombardischen Orgelbaus»».<ref name=":3" /> Die Orgel ist seit 1947 nationales Kulturgut (patrimonio nazionale).

1947 war eine Renovation erfolgt. 2008 wurde das Instrument, nach jahrzehntelanger Erörterung der weiteren notwendigen Instandstellungen, durch die Orgelbaufirma Cav. Emilio Piccinelli aus Bergamo restauriert.<ref name=":1" /><ref name=":3" /> Dabei konnte auch belegt werden, dass das Orgelgehäuse entgegen früheren Behauptungen, die Orgel stamme aus einer anderen Kirche, tatsächlich vor Ort gebaut und gefasst wurde.<ref name=":3" /> Die restaurierte Serassi-Orgel wurde am 7. Februar 2009 eingeweiht.<ref name=":3" />

Kirchliche Organisation

Die Evangelisch-reformierte Landeskirche Graubünden führt Brusio als eigenständige Kirchgemeinde. Seit Januar 2010 besteht mit Poschiavo eine Pastorationsgemeinschaft.

Zugänglichkeit

Die Kirche ist (Stand September 2024) täglich von 8 Uhr bis 20 Uhr geöffnet.<ref name=":1" />

Galerie

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Koordinaten: 46° 15′ 30,8″ N, 10° 7′ 30″ O; CH1903: 807099 / 126560

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