Karl Sigmund
Karl Sigmund (* 26. Juli 1945 in Gars am Kamp) ist ein österreichischer Mathematiker.
Leben
Sigmund besuchte das Lycée Français de Vienne und studierte ab 1963 Mathematik an der Universität Wien, an der er 1968 bei Leopold Schmetterer promovierte. Als Post-Doc war er 1968/69 an der University of Manchester, 1969/70 am Institut des Hautes Études Scientifiques (IHES) bei Paris, 1970/71 an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Ab 1972 war er an der Universität Wien, wo er sich 1972 habilitierte, und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 1973 war er kurz Professor an der Universität Göttingen und ab 1974 ordentlicher Professor an der Universität Wien, wo er 1983 bis 1985 Vorstand des Mathematischen Instituts war. Seit 1984 war er auch zusätzlich am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg.
Sigmund befasste sich zunächst mit dynamischen Systemen und Ergodentheorie und ab etwa 1977 mit mathematischen Fragen der Biologie (Ökologie, Populationsgenetik) und chemischen Kinetik, teilweise in Zusammenarbeit mit Peter Schuster (damals unter anderem über die Hyperzyklen-Theorie von Manfred Eigen). Er entwickelte danach besonders die evolutionäre Spieltheorie, deren Wurzeln bis auf Ronald Fisher (1930) und R. C. Lewontin (1961) zurückgehen und die in den 1970er Jahren vor allem durch den Biologen John Maynard Smith vorangetrieben wurde.
1995 bis 1997 war er Vizepräsident und 1997 bis 2001 Präsident der Österreichischen Mathematischen Gesellschaft. 1991 bis 2001 gab er die Monatshefte für Mathematik heraus. 1998 hielt er einen Plenarvortrag auf dem Internationalen Mathematikerkongress (ICM) in Berlin (The population dynamics of conflict and cooperation). Seit 1996 ist er korrespondierendes und seit 1999 wirkliches Mitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und seit 2003 Mitglied der Leopoldina<ref>Mitgliedseintrag von Karl Sigmund (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher LeopoldinaVorlage:Abrufdatum</ref> und Vizepräsident des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF).
2003 hielt Sigmund die Gauß-Vorlesung der DMV.
Er widmete sich auch der Geschichte der Mathematik und darin insbesondere dem Wiener Kreis. Er war Mitherausgeber der Nachlässe und der Gesammelten Werke von Hans Hahn und Karl Menger und Leiter einer Ausstellung über die Emigration österreichischer Mathematiker vor dem Anschluss<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Curriculum Vitae - Karl Sigmund ( vom 28. August 2012 im Internet Archive), auf fwf.ac.at</ref> sowie über Kurt Gödel, über den er auch ein Buch verfasste.
Durch Veröffentlichung von Dokumenten durch das Justizministerium der Vereinigten Staaten am 30. Jänner 2026 wurde bekannt, dass Karl Sigmund persönliche Treffen mit Jeffrey Epstein hatte, die von Sigmunds Doktoranden Martin Nowak angebahnt wurden. Epstein kam im März 2019 nach Wien, um sich mit Sigmund im Café Landtmann zu treffen.<ref>Neue Dokumente enthüllen, wen Epstein im März 2019 in Wien getroffen hat. derstandard.at, abgerufen am 2. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In der im Dokument mit Zeichen EFTA01034682 dargelegten Korrespondenz bittet Sigmund Epstein, einen Kontakt zwischen seiner Frau Anna Sigmund und der Familie Rothschild anzubahnen. Sigmund zerstreut darin Epsteins Bedenken über mögliche schlechte Presse: „[Y]our suspicion "re bad press" is totally unfounded! Completely off the mark!“<ref>E-Mail Re: Vienna calling (PDF), auf justice.gov</ref>
Karl Sigmund ist seit 1974 mit der Historikerin und Autorin Anna Maria Sigmund verheiratet und hat einen Sohn.
Auszeichnungen
- 2006 Österreicher des Jahres in der Sparte Forschung
- 2010 Preis der Stadt Wien für Naturwissenschaften<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Auszeichnungen und Preise ( vom 20. Dezember 2010 im Internet Archive), auf plone.mat.univie.ac.at</ref>
- 2010 Ehrendoktorwürde der Universität Helsinki<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />University of Helsinki: Honorary doctors of the Faculty of Philosophy ( vom 20. Dezember 2016 im Internet Archive) (PDF), auf helsinki.fi</ref>
- 2011 Blaise-Pascal-Medaille in Mathematik
- 2011 Wissenschaftspreis des Landes Niederösterreich
- 2016 Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Naturwissenschaft/Technik für Sie nannten sich der Wiener Kreis<ref>derStandard.at - Österreichische Autoren triumphieren bei Wissenschaftsbüchern des Jahres. Artikel vom 29. Jänner 2016, abgerufen am 29. Jänner 2016.</ref>
- 2025 Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich<ref>Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich für Prof. Karl Sigmund, Universität Wien / Fakultät für Mathematik / Events/News, 15. Oktober 2025</ref>
Schriften
- mit Manfred Denker, Christian Grillenberger: Ergodic Theory on Compact Spaces. Springer, 1976 (= Lecture Notes in Mathematics. Bd. 527).
- mit Josef Hofbauer: Evolutionstheorie und Dynamische Systeme. Parey, 1984 (englische Ausgabe: Dynamical Systems and the theory of Evolution. Cambridge University Press, 1990).
- Spielpläne – Zufall, Chaos und Strategien der Evolution. Droemer/Knaur 1997, ISBN 3-426-77270-1 (englisch: Games of Life. Oxford University Press 1994).
- mit J. Hofbauer Evolutionary Games and Population Dynamics. Cambridge University Press, 1998.
- Musil, Perutz, Broch. In: Mitteilungen DMV. 1999, Heft 2 (französische Übersetzung in Gazette des Mathematiciens. 2000, PDF-Datei)
- mit J. Hofbauer Evolutionary Game Dynamics. In: Bulletin AMS. Bd. 40, 2003, S. 479–519.
- mit John W. Dawson, K. Mühlberger: Kurt Gödel – The Album. Vieweg 2006.
- mit John W. Dawson Gödel´s Vienna. In: Mathematical Intelligencer. 2006, Nr. 3.
- The calculus of selfishness. Princeton University Press, 2010.
- Sie nannten sich Der Wiener Kreis: Exaktes Denken am Rand des Untergangs. Springer Spektrum, 2015, ISBN 978-3-658-08534-6.
- Sie nannten sich Der Wiener Kreis: Exaktes Denken am Rand des Untergangs. Springer Spektrum, 2018, ISBN 978-3-658-18021-8.
Weblinks
- Literatur von und über Karl Sigmund im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Homepage auf den Webseiten der Universität Wien
- John J. O’Connor, Edmund F. Robertson: Karl Sigmund. In: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (englisch).
- Karl Sigmund im Mathematics Genealogy Project (englisch)
- Peter Illetschko: Mathematiker Karl Sigmund: Ein Mann der Formeln und Einsichten. Der Standard vom 29. Oktober 2015.
- Karl Sigmund in der Datenbank zbMATH
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sigmund, Karl |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Mathematiker |
| GEBURTSDATUM | 26. Juli 1945 |
| GEBURTSORT | Gars am Kamp |
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- Hochschullehrer (Georg-August-Universität Göttingen)
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