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Rudolf Sitte

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Datei:Willi und Rudi Sitte.jpg
Rudolf (links) und Willi Sitte – letzte Begegnung 2007

Rudolf Sitte (* 13. Mai 1922 in Kratzau, Tschechoslowakei; † 4. März 2009 in Königsbrück) war ein deutscher Bildhauer, Maler, Grafiker und Kunstkeramiker.

Leben und Werk

Datei:Arbeiten am SZ-Modell.jpg
Der Künstler beim Bearbeiten des Relief-Modells für den Innenhof Haus der Presse der Sächsischen Zeitung Dresden, 1961

Sitte wuchs als zweitjüngstes Kind als Sohn eines deutschen Bauern, Gründungsmitglied der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, und einer tschechischen Mutter mit vier Brüdern und zwei Schwestern auf.<ref>Zur Herkunft, Interview mit seinem Bruder Willi Sitte (Link kostenpflichtig) in junge welt vom 7. Februar 2009.</ref> Einer seiner Brüder war der spätere Maler Willi Sitte. Sitte absolvierte eine Lehre als Textilfacharbeiter. Er wurde zum Reichsarbeitsdienst und zur Wehrmacht eingezogen und diente in einem Jägerbataillon bis zu einer Verwundung in der Schlacht am Kursker Bogen. Er war dann in Remagen in US-amerikanischer und in Gießen in französischer Gefangenschaft, aus der er floh. Er arbeitete in Moers als Handtuchweber und ging dann bei Heiligenstadt illegal in die Sowjetische Besatzungszone.

1946 nahm er ein Studium der Wandmalerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden auf. Im Zuge des Formalismusstreits wurde er 1949 exmatrikuliert und für ein Jahr als Hauer in die Wismut geschickt. Nach der erneuten erzwungenen Delegierung durch die Wismut schloss er 1955 sein Studium ab, in das er noch ein pädagogisches Zusatzstudium in Greifswald eingefügt hatte. Als Diplomarbeit schuf er im Windfang des Deutschen Hygienemuseums Dresden in Sgraffito-Technik zwei Wandbilder zu den Themen Betrieblichen Gesundheitsschutz und Eltern bei der Arbeit. Im Zuge der 2001 begonnenen Generalsanierung des Gebäudes wurden die Bilder verdeckt.<ref>Sgraffiti für den Sozialismus. Abgerufen am 16. August 2025.</ref>

1958 gründete Sitte in Dresden mit Siegfried Schade, Bruno Dolinski und Bruno Groth die Produktionsgenossenschaft Bildender Künstler "Kunst am Bau".<ref>Antje Kirsch, Sylvia Lemke: Produktionsgenossenschaft Kunst am Bau Dresden 1958–1990, Katalog zur Ausstellung 2011.</ref><ref>Antje Kirsch: Dresden – Kunst im Stadtraum. Architekturbezogene Kunst 1945-1989, S. 20 ff.</ref> Unter deren Dach entstand ein besonderes Experimentierfeld für baugebundene Entwicklungen wie Strukturwände, Formsteinsysteme, Spielplatzgeräte und spezielle, auch patentierte Verfahren zur Oberflächenbeschichtung von Beton. Als Mitglied war er an künstlerischen Bauobjekten in Dresden und Umgebung beteiligt. Nach der Wende wurde ein Teil davon vernichtet und der Großteil vernachlässigt.<ref name="arch"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref>

Rudolf Sitte lehrte als von 1981 bis 1987 als Professor an der Hochschule für Bildende Künste Dresden im Lehrbereich architekturbezogene künstlerische Gestaltung.<ref>Huhn, A., Kirsch, A.: Die Produktionsgenossenschaft Bildender Künstler „Kunst am Bau“ Dresden. In: Wandbilder und künstlerische Architekturoberflächen

in der DDR, Entstehung – Überlieferung – Erhaltung. Werkstattbericht: https://doi.org/10.25366/2023.192 </ref>

Datei:Modell Kulturpalast DD.JPG
Modell Kulturpalast Dresden (Westseite), Entwurf des Reliefs Veränderbarkeit der Welt von Rudolf Sitte, 1969

Seine Kunstobjekte sind oft stark formalisiert mit abstrahierenden Zügen. Dies widersprach oft dem von der SED propagierten Stil des Sozialistischen Realismus. Ende der 1960er Jahre konnte Rudolf Sitte den Wettbewerb für ein Wandbild am Kulturpalast der Stadt Dresden zweimal für sich entscheiden. Jedoch fanden seine Vorschläge nicht die Zustimmung der SED und der Auftrag wurde schließlich an Gerhard Bondzin vergeben.

Rudolf Sitte arbeitete bis 1990 in einem kleinen Atelier des VEB Lausitzer Keramik Kamenz, Werk III Königsbrück<ref>https://www.sachsenschiene.net/bunker/sns/sns_52.htm</ref><ref> Lausitzer Keramik. Von Piesche und Reif zum VEB, Sonderausstellung. Abgerufen am 25. August 2025.</ref> an Porzellanplastiken. Seit den 1990er Jahren lebte Rudolf Sitte mit seiner Frau in Königsbrück. Mit Einsatz seines Vermögens kämpfte er ergebnislos für arbeitslose Jugendliche und um den Erhalt und Aufbau eines denkmalgeschützten keramischen Betriebes in Königsbrück gegen eine Privatisierung und Ausplünderung bis zur Ruine. Eine Strafanzeige wegen Missbrauchs öffentlicher Fördermittel gegen Verantwortliche wurde eingestellt.<ref name="arch" />

Datei:VP Berlin Cecilienstr.JPG
Relief in der Polizeidirektion 6, Abschnitt 62 (Marzahn), Eingangsbereich Cecilienstr. 92, 12683 Berlin, ehemals Volkspolizei Berlin

Bis zuletzt blieb Sitte seinen Überzeugungen treu und war in der Öffentlichkeit aktiv. Angeregt von seiner langjährigen Beschäftigung mit streunenden Katzen und einem Blick auf sein Leben überschrieb er seine im Eigenverlag 2007 herausgegebenen biografischen Splitter doppeldeutig mit Ein Leben für die Katz – Splitter der Erinnerung und des Nachdenkens.

Ehrungen

Werke (unvollständig)

Datei:Rudolf Sitte Keramik im MdI.jpg
Keramikrelief im Speisesaal der ehemaligen Fahrbereitschaft des Ministeriums des Innern Berlin in der Herzbergstraße
Datei:Berliner Platz Relief Arbeiterbewegung.jpg
Relief am Wohnhaus Berliner Platz 1 in Cottbus

Ausstellungen (unvollständig)

Einzelausstellungen

Teilnahme an zentralen und wichtigen regionalen Ausstellungen in der DDR

  • 1962/1963, 1972/1973, 1977/1978 und 1987/1988: Dresden, Fünfte Deutsche Kunstausstellung und VII, VIII. und X. Kunstausstellung der DDR
  • 1979 und 1985: Dresden, Bezirkskunstausstellungen
  • 1980: Rostock, Kunsthalle Rostock („Der Klasse verbunden - Kunstpreisträger des FDGB stellen aus“)

Literatur

  • Sitte, Rudolf. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 902/903
  • Reinhard Kärbsch: Rudolf Sitte (1922–2008) – Ein Leben für die Kunst und einige Katzen. In: Lausitzer Almanach 16/2023, S. 57–66.

Weblinks

Commons: Rudolf Sitte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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