Zell (Romrod)
Zell Stadt Romrod
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|---|---|---|---|---|---|---|
| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(650)&title=Zell 50° 44′ N, 9° 12′ O
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| Höhe: | 310 (307–336) m ü. NHN | |||||
| Fläche: | 22,44 km²<ref name="lagis" /> | |||||
| Einwohner: | 650<ref>Der Stadtteil im Internetauftritt der Stadt Romrod, abgerufen im September 2015.</ref> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 29 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 31. Dezember 1971 | |||||
| Postleitzahl: | 36329 | |||||
| Vorwahl: | 06636 | |||||
Zell ist der nach Einwohnerzahl zweitgrößte Stadtteil von Romrod im mittelhessischen Vogelsbergkreis.
Geographie
Zell liegt nordwestlich des Hauptortes. Im Ort treffen sich die Landesstraßen 3070 und 3151. Sie verbinden Zell mit Romrod, Angenrod und Heimertshausen. Im Südosten führt die Bundesautobahn 5 am Ort vorbei.
Ortsgeschichte
Mittelalter
Die urkundliche Ersterwähnung des Ortes erfolgte zwischen 813 und 817 in einer Grenzbeschreibung der dem Kloster Fulda unterstellten Mark Cella. Konkret genannt wird in dem Kopiar, das um 1160 geschrieben wurde, eine Kirche: „ecclesia in Cella.“<ref>Ernst Friedrich Johann Dronke: Traditiones et antquitates Fuldenses. Fulda 1844. Kap. 17, S. 57. Datierung: Manfred Stimmig: Mainzer Urkundenbuch. Band 1 (bis 1137). Darmstadt 1932. Nr. 123, S. 65 f.</ref> Damit erweist sich der Ort als mönchische Gründung, die im Einflussbereich des Klosters Fulda häufig zu finden sind.<ref>Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 408 f. S. 408.</ref> Diese Stationen dienten dem Gottesdienst, und die Felder wurden von Mönchen bearbeitet.<ref>Wilhelm Arnold: Ansiedelungen und Wanderungen deutscher Stämme, zumeist nach hessischen Ortsnamen. Marburg 1881. S. 486.</ref> 1278 heißt es: „quondam de Cella“, einst von Zelle.<ref>Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 1. Nr. 352, S. 264.</ref> Womit auch der Ortsname erklärt ist.
Am Ort der heutigen Wehrkirche aus dem 13. Jh. stand wahrscheinlich diese cella.<ref>Zell - Stadt Romrod. In: Romrod.de. Abgerufen am 31. Dezember 2024.</ref> Das ahd. Wort calla, mhd. Zelle, bedeutet sowohl Klause eines Eremiten als auch kl. Nebenkloster oder Klostergut.<ref>Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 879.</ref>
Neuzeit
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Zell:
„Zell (L. Bez. Alsfeld) evangel. Filialdorf; liegt 1 St. von Alsfeld, hat 131 Häuser und 763 Einwohner, die außer 2 Katholiken evangelisch sind. Man findet 1 Kirche, 1 Hof und 2 Mühlen. In der Gemarkung, 1⁄2 St. vom Ort, liegt ein Braunkohlenwerk, das aber weil die Holzpreise noch zu niedrig stehen, nicht betrieben wird. Die Einwohner beschäftigen sich stark mit dem Spinnen und der Leineweberei. Zell, früher Celle, gehörte vordem in das Kirchengebiet von Kirtorf.“<ref name="GW">Vorlage:BibOCLC</ref>
Zum 31. Dezember 1971 wurde Zell im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basus in die Stadt Romrod eingegliedert.<ref></ref>
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Zell angehört(e):<ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref name="lagis" /><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>
- vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Romrod
- ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Romrod<ref name="Amt"> Die Zugehörigkeit des Amtes Romrod anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
</ref>
- 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg)
- ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt,Oberfürstentum Hessen, Oberamt Alsfeld, Amt Romrod
- ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Oberamt Alsfeld<ref name="PR" /><ref name="Adr-LG-HD-1806" />
- ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Romrod<ref name="NLVK" />
- ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Kirtorf<ref name="STH-Oberhessen" /><ref group="Anm.">Trennung zwischen Justiz (Landgericht Homberg an der Ohm) und Verwaltung.</ref>
- ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Romrod
- ab 1829: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Alsfeld
- ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld
- ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld
- ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld
- ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld
- ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld
- ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld
- ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Alsfeld
- ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld
- ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld
- ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Romrod
- ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Romrod
Gerichtszugehörigkeit seit 1803
In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit für Zell durch das Amt Romrod. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. Das „Landgericht Homberg an der Ohm“ war das erstinstanzliche Gericht, das für Zell zuständig war. Aber bereits 1822 wurde Zell den Amtsbereich des Landgerichts Romrod zugewiesen. Dieses wurde 1829 in Landgericht Alsfeld umbenannt.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Alsfeld und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.<ref>Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 17,8 MB]).</ref> In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.
Einwohnerentwicklung
| • 1791: | 551 Einwohner<ref name="Adr-LG-HD" /> |
| • 1800: | 579 Einwohner<ref name="Adr-LG-HD-1800" /> |
| • 1806: | 738 Einwohner, 121 Häuser<ref name="Adr-LG-HD-1806" /> |
| • 1829: | 763 Einwohner, 131 Häuser<ref name="GW" /> |
| • 1867: | 637 Einwohner, 108 Häuser<ref name="WP">Vorlage:BibOCLC</ref> |
| Zell: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2011 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1791 | 551 | |||
| 1800 | 579 | |||
| 1806 | 738 | |||
| 1829 | 763 | |||
| 1834 | 701 | |||
| 1840 | 734 | |||
| 1846 | 722 | |||
| 1852 | 673 | |||
| 1858 | 681 | |||
| 1864 | 677 | |||
| 1871 | 676 | |||
| 1875 | 684 | |||
| 1885 | 627 | |||
| 1895 | 609 | |||
| 1905 | 632 | |||
| 1910 | 634 | |||
| 1925 | 628 | |||
| 1939 | 841 | |||
| 1946 | 1.065 | |||
| 1950 | 1.058 | |||
| 1956 | 872 | |||
| 1961 | 820 | |||
| 1967 | 776 | |||
| 1970 | 756 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2000 | ? | |||
| 2011 | 705 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: <ref name="lagis" />; 1791:<ref name="Adr-LG-HD"/>; Zensus 2011<ref name="Z2011">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020.</ref> | ||||
Historische Religionszugehörigkeit
| • 1829: | 761 evangelische, zwei katholische Einwohner<ref name="GW" /> |
| • 1961: | 641 evangelische (= 78,17 %), 154 katholische (= 18,78 %) Einwohner<ref name="lagis" /> |
Wirtschaft und Infrastruktur
- Die Gemarkung Zell ist die größte im Landkreis.
- Der Bahnhof Zell-Romrod ist ein Haltepunkt der Vogelsbergbahn.
Anmerkungen und Einzelnachweise
Anmerkungen <references group="Anm." />
Einzelnachweise <references> <ref name="lagis">Zell, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="Adr-LG-HD"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 180 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1800"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 190 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1806"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 231 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="PR"> Vorlage:BibOCLC </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 422 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="STH-Oberhessen"> Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 6 ff. (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> </references>
Weblinks
- Stadtteil Zell. In: Internetauftritt. Stadt Romrod
- Zell, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Vorlage:HessBib
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