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Breitwegerich

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Breitwegerich
Datei:Plantago major 02 ies.jpg

Breitwegerich (Plantago major)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Gattung: Wegeriche (Plantago)
Art: Breitwegerich
Wissenschaftlicher Name
Plantago major
L.

Der Breitwegerich (Plantago major), oder Breit-Wegerich geschrieben, bzw. Große Wegerich ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae) gehört. Er ist eine inzwischen weltweit verbreitete Pflanzenart und wächst an Straßen, Wegen, Plätzen, Weiden, Wiesen und Äckern. Andere Trivialnamen für diese Pflanzenart sind: (Breitblättriger) Wegerich, Wegbreite,<ref>Vgl. auch Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 402 (mittelhochdeutsch wëgebreite, lateinisch plantago).</ref> Wegebreit, Wegeblatt, Wegtritt, Wegetrene, Rippenblatt, Saurüssel, Mausöhrle, Arnoglosse (von lateinisch arnoglossa), Ackerkraut.

Beschreibung

Datei:Illustration Plantago major0.jpg
Illustration von Otto Wilhelm Thomé, 1885
Datei:Plantago major 04 ies.jpg
Blütenstand

Der Breit-Wegerich wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht eine Wuchshöhe zwischen 3 und 25 cm. Sie bildet ein Rhizom als Überdauerungsorgan. Die in einer grundständigen Blattrosette angeordneten Laubblätter sind löffelförmig und handtellergroß. Die einfache Blattspreite ist eiförmig bis elliptisch und kahl bis dicht, kurz behaart.<ref name="ExkÖst2008" />

Die Blütezeit reicht von Juni bis Oktober. Endständig auf einem blattlosen Blütenstandsschaft, der etwa so lang oder kürzer als die Laubblätter und höchstens zweimal so lang wie der Fruchtstand ist, steht aufrecht ein ähriger Blütenstand.<ref name="ExkÖst2008" /> Die Blüten sind geruchlos.<ref name="ExkÖst2008" /> Die grünlichen bis weißlichen Staubfäden sind etwa 2 mm lang und die verkehrt-herzförmigen Staubbeutel sind etwa so lang wie breit.<ref name="ExkÖst2008" /> Der Pollen wird durch Windbestäubung verbreitet.

Die Frucht enthält meist 6 bis 30, selten bis zu 46 Samen.<ref name="ExkÖst2008" />

Die Chromosomenzahl beträgt bei allen drei Unterarten 2n = 12.<ref name="Oberdorfer" />

Ökologie

Der Breitwegerich ist ein sommergrüner Hemikryptophyt und eine Rosettenpflanze mit blattachselständigen Blütensprossen und Zugwurzeln. Er ist ein Tiefwurzler mit einer wenig dauerhaften Primärwurzel; daher erfolgt die Bewurzelung hauptsächlich aus der kurzen Rosettenachse.

Die ausgeprägt vorweiblichen Blüten sind windblütig vom „Langstaubfädigen Typ“. Der Pollen besitzt Kittreste. Die Narben sind lang und fast fiederig behaart. Die Pollensäcke bleiben bei feuchtem Wetter geschlossen. Je Blütenstand werden etwa 2 bis 3 Millionen Pollenkörner produziert. Durch die Windausbreitung und die große Anzahl sind Breitwegerich-Pollen wichtige Auslöser von Heuschnupfen. Selbstbestäubung ist möglich. Die Blütezeit reicht von Juni bis Oktober.

Die Früchte sind sechs- bis zwölfsamige Deckkapseln. Der Breitwegerich ist ein Wind- und Tierstreuer; hauptsächlich erfolgt die Ausbreitung der Diasporen aber über die klebrigen Samen, die an Tierpfoten, Schuhen und Rädern haften. Daneben erfolgt Bearbeitungsverbreitung beispielsweise durch Körnerfresser. Die Fruchtreife liegt zwischen Juli und September. Die Samen sind Licht- und Kältekeimer.

Datei:Plantago major subsp. winteri sl1.jpg
Salzwiesen-Breit-Wegerich (Plantago major subsp. winteri)
Datei:Plantago intermedia kz1.jpg
Vielsamiger Breit-Wegerich (Plantago major subsp. intermedia)

Vorkommen

Ursprünglich in Eurasien und in Afrika heimisch, hat sich diese Pflanzenart (mittelhochdeutsch wëgerīch und bereits im Mittelalter als Plantago major<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 215 (Plantago maior – wegerich, quinque neruia, lingua arietis, arnoglossa […] wegbreite sive plantago major, quinquenervia).</ref> bezeichnet) inzwischen weltweit verbreitet.<ref name="POWO" /> Da der Breitwegerich (ebenso wie der Spitzwegerich) zu den „trittfesten“ Pflanzen gehört, ist er ein Anzeiger für häufig begangene Stellen. Er kam einst mit den europäischen Siedlern nach Nordamerika und wurde von der indigenen Bevölkerung als „Fußstapfen des weißen Mannes“ bezeichnet.

Ökologie

Diese Pflanzenart ist sehr widerstandsfähig. Sie wächst auch in Pflasterritzen und auf häufig betretenen Rasenflächen. Der Breitwegerich ist wenig empfindlich gegen Salze und kann dank seiner bis zu 80 cm langen Wurzel auch auf verdichteten Böden wachsen. Er ist in Mitteleuropa eine Plantaginetalia-Ordnungscharakterart.<ref name="Oberdorfer" /> In den Allgäuer Alpen steigt er an der Rappenseehütte bis zu 2090 m Meereshöhe auf.<ref name="Dörr-Lippert" />

Taxonomie

Der Breit-Wegerich wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 112 als Plantago major erstbeschrieben. Das Epitheton "major" hatte Linné aus: Pier Andrea Mattioli und Joachim Camerarius der Jüngere: De plantis Epitome utilissima Seite 261 (1586) übernommen.<ref name="MattioliCamerarius1586" />

Unterarten

Es gibt drei Unterarten, die manchmal auch als getrennte Arten betrachtet werden:

  • Gewöhnlicher Breit-Wegerich, auch Großer Wegerich genannt (Plantago major subsp. major) ist die Unterart mit den größten Blättern und 5 bis 9 Blattadern.<ref name="BIS" /><ref name="Langenbach" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 3w+ (mäßig feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" />
  • Salzwiesen-Breit-Wegerich (Plantago major subsp. winteri <templatestyles src="Person/styles.css" />(Wirtgen) Ludwig) mit einer dreiadrigen Spreite wächst auf Salzwiesen und an Kalisalzgruben.<ref name="BIS" />
  • Vielsamiger Breit-Wegerich (Plantago major subsp. intermedia <templatestyles src="Person/styles.css" />(DC.) Arcang., Syn.: Plantago uliginosa <templatestyles src="Person/styles.css" />F.W.Schmidt), auch Kleiner Wegerich genannt, ist eine Unterart mit schmaleren Blättern, 3 bis 5 Blattadern und größerer Samenzahl. Sie gedeiht an Lehm-, Schluff- und Sandufern.<ref name="Reallexikon" /><ref name="FE" /><ref name="Naturgate" /><ref name="BIS" /> Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Agropyro-Rumicion.<ref name="Oberdorfer" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 4w+ (feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />

Medizinische Wirkung

Der Breitwegerich ist eine alte Heilpflanze und wird in der mittelalterlichen Heilkunde, ebenso wie der Spitzwegerich, {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) genannt.<ref>Dietmar Aichele: Was blüht denn da – Wildwachsende Blütenpflanzen Mitteleuropas . Stuttgart 1991, ISBN 3-440-06227-9.</ref><ref>Bernhard D. Haage: Ein neues Textzeugnis zum Pestgedicht des Hans Andree. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 8/9, 2012/2013, S. 267–282, hier: S. 278.</ref> Er enthält Schleimstoffe<ref name="Praxis-Lehrbuch" /> (Polysaccharide), Iridoid-Glykoside, besonders Aucubin,<ref name="Medicinal Plants" /> Bitterstoffe, Gerbstoffe, Polyphenole, und andere Wirkstoffe.<ref name="Springer Lexikon" /> Der Saft, bzw. Brei aus den Blättern wirkt entzündungshemmend und fördert die Wundheilung.<ref name="plawu" /> Neuere Studien verweisen auch auf eine mögliche antivirale und immunmodulatorische<ref name="plaim" /> Wirkung von Plantago major. Der Saft wird in der Naturheilkunde bei Magenschleimhautentzündung, Magen- und Darmgeschwüren, Durchfall, Reizdarm, Blutungen der Harnwege, Atemwegskatarrh und Insektenstichen aller Art eingesetzt.<ref name="Kräuterbuch" />

Essbarkeit

Die Blätter sind als Salat essbar, solange sie zart und jung sind; ältere Blätter werden aber schnell zäh und faserig. Ältere Blätter können gekocht in Eintöpfen gegessen werden.<ref name="Scott-Buhner" /> Die Blätter enthalten Calcium und andere Mineralien. 100 g Wegerich enthalten ungefähr so viel Beta-Carotin wie eine große Karotte. Die Samen sind so klein, dass sie nur mühsam geerntet werden können, aber sie können zu einem Mehl gemahlen und als Mehlersatz verwendet werden.<ref name="Vizgirdas" />

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="ExkÖst2008"></ref> <ref name="Oberdorfer"></ref> <ref name="Dörr-Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 497.</ref> <ref name="BIS">Breitwegerich bei Blumen in Schwaben.</ref> <ref name="Langenbach">Breitwegerich auf der Internetseite von Langenbach, Flora - Einheimische Pflanzen.</ref> <ref name="Reallexikon">Johannes Hoops, Heinrich Beck: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Band XXXIII, de Gruyter, Berlin 2006, ISBN 3-11-018388-9, S. 335, eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden..</ref> <ref name="FE"> </ref> <ref name="Naturgate">Breitwegerich bei NaturGate</ref> <ref name="Praxis-Lehrbuch">Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde. Grundlagen - Anwendung - Therapie. 3. unveränderte Auflage. Haug, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8304-7368-8, S. 85.</ref> <ref name="Medicinal Plants">G. H. Schmeler, A. Gurib-Fakim: Plant resources of tropical Africa. 11. Medicinal plants: 1. Backhuys, Leiden 2008, ISBN 978-90-5782-204-9, S. 463, eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden..</ref> <ref name="Springer Lexikon">Marina Bährle-Rapp: Springer Lexikon Kosmetik und Körperpflege. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer Medizin, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-24687-6, S. 450.</ref> <ref name="plawu">Muhammad Zubaira, Anders Ekholm, Hilde Nybom, Stefan Renvert, Cecilia Widen, Kimmo Rumpunen: Effects of Plantago major L. leaf extracts on oral epithelial cells in a scratch assay. In: Journal of Ethnopharmacology. Band 141, Nr. 3, 2012, S. 825–830, doi:10.1016/j.jep.2012.03.016, PMID 22465512.</ref> <ref name="plaim">Lien-Chai Chiang, Wen Chiang, Mei-Yin Chang, Chun-Ching Lin: In vitro cytotoxic, antiviral and immunomodulatory effects of Plantago major and Plantago asiatica. In: The American journal of Chinese medicine. Band 31, Nr. 2, 2003, S. 225–234, doi:10.1142/S0192415X03000874, PMID 12856861.</ref> <ref name="Kräuterbuch">Odo Magdunensis: Kräuterbuch der Klostermedizin: der "Macer Floridus"; Medizin des Mittelalters. Nachdruck herausgegeben von Johannes Gottfried Mayer, Konrad Goehl. Reprint-Verlag Leipzig, Holzminden 2003, ISBN 3-8262-1130-8, S. 184.</ref> <ref name="Scott-Buhner">Timothy Lee Scott, Steven Harrod Buhner: Invasive Plant Medicine: The Ecological Benefits and Healing Abilities of Invasives.Inner Traditions/Bear & Co, Rochester, VT 2010, ISBN 978-1-59477-305-1, S. 253 eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref> <ref name="Vizgirdas">Ray S. Vizgirdas, Edna Rey-Vizgirdas: Wild Plants Of The Sierra Nevada. University of Nevada Press, Reno 2005, ISBN 0-87417-535-6, S. 148–149, eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden..</ref> <ref name="POWO">Plantago major. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="MattioliCamerarius1586">P.A.Mattioli, Camerarius 1586: De plantis Epitome utilissima. Seite 261, digital.ulb.hhu.de.</ref> <ref name="InfoFlora">Plantago major L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Breitwegerich – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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