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Oleander

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Oleander
Datei:Nerium oleander flowers leaves.jpg

Oleander (Nerium oleander)

Systematik
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Hundsgiftgewächse (Apocynaceae)
Unterfamilie: Apocynoideae
Tribus: Nerieae
Gattung: Oleander
Art: Oleander
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Nerium
L.
Wissenschaftlicher Name der Art
Nerium oleander
L.

Der Oleander (Nerium oleander), auch Rosenlorbeer genannt, ist die einzige Art der Pflanzengattung Oleander (Nerium) innerhalb der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae). Alle Pflanzenteile sind giftig. Es gibt mehr als 200 Sorten.

Als Gelber, Tropischer oder Karibischer Oleander ist die ebenfalls giftige Thevetia peruviana, der Schellenbaum, bekannt.

Beschreibung

Datei:Un oleandro en Riva del Garda.jpg
Habitus
Datei:Flower 68.jpg
Blüte
Datei:Nerium oleander September 2007-1.jpg
Weiße Blüte
Datei:Adelfa frutos.jpg
Balgfrüchte
Datei:Nerium-oleander-semillas.jpg
Frucht und Samen
Datei:Nerium oleander Tassili.png
Oleander in der Sahara: Tassili n'Ajjer, Südostalgerien

Vegetative Merkmale

Der Oleander ist eine immergrüne bis 6 Meter hohe verholzende Pflanze, meist ein Busch. Die normalerweise zu dritt, wirtelig, seltener gegenständig, am Zweig angeordneten einfachen Laubblätter sind kurz gestielt, ledrig, steiflich, oberseits dunkelgrün und bei einer Länge von 6 bis 24 Zentimetern lanzettlich bis verkehrt-eiförmig oder -eilanzettlich. Die Breite der ganzrandigen, meist spitzen bis seltener abgerundeten und meist kahlen Blattspreite kann bis zu 5 Zentimeter betragen. Die Nervatur ist fein gefiedert mit vielen Seitenadern. Der Rand ist oft leicht umgerollt.<ref name="Hegi1966" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit erstreckt sich von Mitte Juni bis in den September hinein. Mehrere duftende, kurz gestielte Blüten stehen in einem gestielten trugdoldigen und endständigen Blütenstand zusammen. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und in der Normalform fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist nur klein, mit schmal-dreieckigen, etwas abstehenden Zipfeln und er ist drüsig.<ref name="Hegi1966" /> Die Blütenkronblätter sind trichterförmig verwachsen mit ausladenden Kronlappen, sie sind je nach Sorte, weiß, gelblich oder in verschiedenen Rosa- bis Violetttönen. Wilde Oleander blühen meist rosarot. Die Petalen besitzen innen an der Basis, am Schlund, fransige Anhängsel (eine Corona). Die fünf Kronlappen sind radförmig ausgebreitet und vorn schief abgeschnitten, sodass sie eine nach rechts gedrehte Krone bilden.<ref name="Hegi1966" /> Die Staubblätter mit relativ kurzen Staubfäden, oben in der Kronröhre, mit langen und haarigen, federigen oft ineinander verdrehten Anhängseln an den pfeilförmigen Antheren, sind dem Griffelkopf (Clavuncula) anhaftend.<ref name="Yeo">P. F. Yeo: Secondary Pollen Presentation: Form, Function and Evolution. Springer, 1993, ISBN 978-3-7091-7375-6 (Reprint), S. 101–104, 107, 109 (Illustrationen).</ref> Der zweifächerige Stempel mit behaartem Fruchtknoten ist oberständig. Ob Nektar produziert wird oder eine sekundäre Pollenpräsentation stattfindet, ist nicht ganz klar.<ref name="Yeo" /> Am Kelch können Kolleteren vorhanden sein.<ref>María Florencia Romero, Roberto Manuel Salas, Ana Gonzalez: Colleters in Cephalanthus (Rubiaceae) and reevaluation of occurrence of corolline colleters in Angiosperms. In: Anais da Academia Brasileira de Ciências. 94(2), 2022, doi:10.1590/0001-3765202220201975.</ref>

Es werden bis 23 Zentimeter lange und trockene, geriefte, rippige sowie schmale Balgfrüchte mit beständigem Kelch gebildet. Die vielen schmal-kegelförmigen Samen sind dicht behaart mit einem einseitigen Haarschopf.

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 11; bei der Wildform liegt Diploidie vor mit einer Chromosomenzahl von 2n = 22.<ref name="Oberdorfer2001" /><ref name="IPCN" />

Herkunft

Der Oleander hat ein großes Verbreitungsgebiet in einem Streifen von Marokko (hier bis in Höhenlagen von 2000 Meter) und Südspanien über den ganzen Mittelmeerraum, den Nahen bis Mittleren Osten, Indien bis China und Myanmar.<ref name="WCSP" /> Die früher vertretene Auffassung, bei den asiatischen Wildformen handele es sich um eine eigene Art (Nerium indicum), wird wegen der zu geringen Unterschiede im Phänotyp nicht mehr bestätigt.<ref name="WCSP" /> Nerium oleander ist in vielen frostfreien Gebieten der Welt ein Neophyt.<ref name="InvasivePlantUS" />

Der Oleander wächst im Mittelmeerraum von Natur aus in südmediterranen Auengesellschaften (Nerio-Tamaricetea).<ref name="Oberdorfer2001" />

Systematik

Die Gattung Nerium wurde 1753 mit der Art Nerium oleander durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, Seite 209. aufgestellt.<ref name="Tropicos" />

Die Gattung Nerium wird meist als monotypisch angesehen,<ref name="GRIN" /><ref name="FoC" /> die einzige Art ist Nerium oleander. Seltener wird zur Gattung mehr als eine Art gerechnet.<ref name="FoPakistan" />

Geschichte

Der Oleander, von dessen Verwendung in der Heilkunde wegen seiner Giftigkeit im Mittelalter<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 208.</ref> gewarnt wurde, ist auf einem kretischen Wandgemälde des 14. Jahrhunderts v. Chr. dargestellt.<ref name="Hegi1966" /> Auch auf Wandgemälden in Pompeji ist er dargestellt.<ref name="Hegi1966" />

Die ersten Pflanzen, die nach dem Atombombenabwurf von 1945 wieder in Hiroshima blühten, waren Oleander, weshalb er 1973 zur Symbolblume der Stadt erklärt wurde<ref>https://www.city.hiroshima.lg.jp/english/peace/1029872/1009943.html</ref>.

Oleander als Gartenpflanze

Vorlage:Hinweisbaustein Conrad Gesner kannte den Oleander schon 1560 als Gartenpflanze in Basel.<ref name="Hegi1966" />

Bei der Kübelhaltung ist auf eine gute Wässerung und Düngung in der warmen Jahreszeit zu achten. Im Winter sollte der Oleander kühl (5–10 °C sind ideal) gehalten werden, eine Überwinterung im beheizten Wohnraum ist wegen der Gefahr von starkem Spinnmilbenbefall und Vergeilung zu vermeiden.

Oleander wird in Mitteleuropa meistens als Kübelpflanze gehalten; es gibt unter den insgesamt mehr als 200 Sorten auch einige, die in den meisten Gebieten Deutschlands mit Winterschutz auspflanzfähig sind.

Die folgenden Sorten überstanden in Feldversuchen −10 °C praktisch schadlos: 'Nerium villa romaine', 'Nerium atlas', 'Nerium italia', 'Nerium cavalaire'. Bei Temperaturen darunter beginnen zunächst einzelne Blätter abzusterben. Unter ca. −15 °C sterben die meisten Blätter ab, ab ca. −18 °C auch vermehrt das Stammholz. Selbst nach Temperaturen unter −20 °C und völligem oberirdischem Absterben können die Pflanzen im Frühjahr jedoch wieder neu austreiben.

Toxikologie

Der Oleander enthält verschiedene Cardenolide, darunter das giftige und pharmakologisch relevante Glykosid Oleandrin.<ref>Oleander im Heilpflanzenlexikon.</ref> Alle Pflanzenteile sind giftig. Oleandrin ist ein giftiges Herzglykosid und wirkt erregend auf die interkardiale Muskeltätigkeit. Außerdem werden das Brechreizzentrum und der Nervus vagus aktiviert. Es verursacht Hypoxämie; dies bedeutet einen erniedrigten Sauerstoffgehalt (CaO2) im arteriellen Blut.<ref>Wesselin Denkow: Gifte der Natur. Ennsthaler Verlag, Seyr 2004, ISBN 3-8289-1617-1, S. 108 f.</ref> Beim Umtopfen und Beschneiden sollten Handschuhe getragen werden. Selbst der Rauch des Oleanders ist giftig. Grünschnitt sollte nicht verbrannt, sondern im Hausmüll entsorgt werden.

Datei:Vincent Willem van Gogh 122.jpg
Vincent van Gogh: Stillleben mit Oleander

Etymologie

Lorandum, der mittellateinische Name der Pflanze, ist eine Wortbildung zu lateinisch laurusLorbeer“. Diese Namensgebung beruhte wahrscheinlich auf der Ähnlichkeit der Blätter. Unter dem Einfluss von lateinisch oleaOlivenbaum“ entstand aus lorandum die italienische Wortform oleandro und daraus Oleander.<ref>Duden online: Herkunft von Oleander.</ref>

Der Gattungsname Nerium, eine latinisierte Form von altgriechisch νήριον nḗrion, bedeutet ebenfalls „Oleander“.<ref>Lateinisch nerium und altgriechisch νήριον im englischen Wiktionary.</ref><ref>Vgl. für das Mittelalter auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 208 (Oleander – eyn baum, landrum, nereon, neredendron).</ref>

Literatur

  • Christoph Köchel: Oleander. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-6653-4.
  • Herbert Müller: Winterharte Exoten. Formosa-Verlag, Witten 2011, ISBN 978-3-934733-07-7.
  • Johann Friedrich Brandt, Julius Theodor Christian Ratzeburg: Deutschlands phanerogamische Giftgewächse. 2. Auflage. Hirschwald, Berlin 1838, S. 85–88, Abb. 20, eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden..
  • Marilena Idžojtić: Dendrology. Academic Press, 2019, ISBN 978-0-444-64175-5, S. 426 f.

Weblinks

Commons: Oleander (Nerium oleander) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Oleander – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Tropicos"> Nerium bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="FoPakistan"> Nerium bei Tropicos.org. In: Flora of Pakistan. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum. </ref> <ref name="IPCN"> Nerium bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum. </ref> <ref name="WCSP"> Vorlage:WCSP </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="InvasivePlantUS"> Invasive Plant Atlas of the United States. </ref> <ref name="FoC"> Bingtao Li, Antony J. M. Leeuwenberg, David J. Middleton: Apocynaceae.: Nerium, S. 173 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 16: Gentianaceae through Boraginaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 1995, ISBN 0-915279-33-9. </ref> <ref name="Hegi1966">Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 2056–2058.</ref> </references>

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