Dominik Brunner
Dominik Florian Brunner (* 18. Mai 1959 in Stuttgart;<ref name="Brunner-Stiftung">Lebenslauf von Dominik Brunner. (PDF; 50 kB) Dominik-Brunner-Stiftung, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. März 2018; abgerufen am 22. August 2016.</ref> † 12. September 2009 in München) war ein deutscher Manager und Mitglied im dreiköpfigen Vorstand des Ziegelherstellers Erlus in Neufahrn in Niederbayern. Am 12. September 2009 kam es am Münchener S-Bahnhof Solln zu einer Auseinandersetzung mit einer Gruppe junger Männer, die zuvor mehrere Jugendliche bedroht und unter Schlägen Geld von ihnen gefordert hatten. Dabei wurde Brunner schwer verletzt und starb wenig später im Krankenhaus an einem Herzstillstand. Die Geschehnisse erzeugten ein großes Medienecho. Brunner wurden postum zahlreiche Ehrungen für Zivilcourage zuteil.
Leben
Ausbildung und Beruf
Dominik Brunner entstammte einer Unternehmerfamilie. Er wuchs als Einzelkind in Ergoldsbach auf. Sein Vater Oskar Brunner arbeitete ab Anfang der 1960er Jahre in leitender Position beim Dachziegelhersteller Erlus.<ref name="dachbaum-Erlus:_E">Erlus: Ergoldsbacher Erfolgsgeschichte › dachbaumagazin. In: dachbaumagazin.de. 22. März 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Mai 2018; abgerufen am 5. Mai 2018.</ref> Nach dem Abitur am Hans-Carossa-Gymnasium in Landshut studierte Brunner Rechtswissenschaften an der Universität München und arbeitete nach dem Examen bei Kanzleien in San Francisco, Paris, München, Frankfurt und Leipzig.<ref name="Brunner-Stiftung" /> Anschließend folgte er beruflich seinem Vater bei der Erlus AG. 1994 stieg er in die Unternehmensleitung auf und war dort für die Bereiche Finanzen, Organisation, Personal, Recht und Beschaffung zuständig.
Tod
Am 12. September 2009 wurden am Münchener S-Bahnhof Donnersbergerbrücke vier 13- bis 15-jährige Schüler von drei jungen Männern (zwei 17-jährig, einer 18-jährig, einer davon betrunken)<ref>Christian Rost: Brunner-Prozess: Ex-Freundin sagt aus: „Hallo, ich erreiche dich jetzt nicht…“ In: Süddeutsche Zeitung. 14. März 2011 (sueddeutsche.de).</ref><ref name="Focus">Bundesverdienstkreuz für Zivilcourage. In: Focus Online. 4. Oktober 2009, abgerufen am 22. August 2016.</ref> bedroht. Diese verlangten 15 Euro, ansonsten würden sie Gewalt anwenden. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, schlug einer der drei einem der Schüler ins Gesicht und trat einem anderen gegen den Oberschenkel. Der Schläger stieg dann in die S6 in Richtung Tutzing, die bedrohten Schüler sowie die beiden verbliebenen Angreifer stiegen wenig später in einen S-Bahn-Zug der Linie S7 in Richtung Wolfratshausen.<ref name="Süddeutsche">Geständnis wird erwartet sueddeutsche.de, 13. April 2010</ref> Im Zug unterhielten sich die beiden verbliebenen Täter provozierend weiter, ohne aber zu drohen. Dominik Brunner, der von dem Geschehen an der Donnersbergerbrücke nichts mitbekommen hatte (er saß bereits in der einfahrenden S-Bahn), alarmierte die Polizei und stieg zusammen mit den Schülern am S-Bahnhof Solln aus. Der Beginn der Auseinandersetzung wurde von Zeugen widersprüchlich angegeben. Nach Aussage des Triebfahrzeugführers ging er dann mit erhobenen Fäusten, „tänzelnd, in Boxhaltung“,<ref name="spiegel_haerte">Urteil im Brunner-Prozess: Mit aller Härte. Der Spiegel, 6. September 2010</ref> auf die beiden jungen Männer zu, die den Bahnhof ohne weitere Vorkommnisse verlassen wollten,<ref name="spiegel20072010">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig „Für mich war Brunner der Angreifer“.] Der Spiegel, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 20. Juli 2010.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> und rief dem S-Bahn-Fahrer noch zu, „es passiere jetzt gleich etwas“.<ref name="spiegel_haerte" /> Danach schlug Brunner einem von ihnen mit der Faust ins Gesicht und begann damit eine Auseinandersetzung.<ref name="spiegel20072010" /> Nach Aussage einer der Schülerinnen sind die beiden jungen Männer jedoch aggressiv auf Brunner zugegangen, welcher sich mit einem Faustschlag ins Gesicht zu verteidigen versuchte.<ref>S-Bahn-Mord: 13-jährige Zeugin spricht über die Tat. In: Focus. 15. November 2013, abgerufen am 22. Januar 2024.</ref> Im Zuge der darauf folgenden Auseinandersetzung stürzte er; die Täter schlugen und traten anschließend weiter auf den am Boden Liegenden ein. Der jüngere der beiden ließ relativ schnell von ihm ab und versuchte dann, den immer noch tretenden 18-Jährigen wegzuziehen.<ref name="sueddeutsche_Urteil" /> Innerhalb einer Minute fügten sie Brunner so laut Anklage 22 Schläge und Tritte zu.<ref>Ein Angeklagter gesteht und gibt Brunner Mitschuld auf welt.de; Abgerufen am 29. Juli 2010</ref> Laut Obduktionsbericht führte keine dieser Verletzungen unmittelbar zu dessen Tod.<ref name="sueddeutsche_Urteil" />
Beide Täter wurden noch am Bahnhof von der Polizei gestellt, die kurz nach dem Halt der S-Bahn eintraf. Sie versuchten zwar zu flüchten, konnten aber die Bahnhofsumzäunung nicht überwinden.<ref>Die Polizei kam nur ein paar Sekunden später</ref> Dominik Brunner starb laut Obduktionsbericht wenig später im Klinikum Großhadern an einem Herzstillstand aufgrund eines vergrößerten Herzens.<ref name="sueddeutsche_herz">Todesursache Herzversagen sueddeutsche.de, 17. Juli 2010.</ref><ref>S-Bahn-Drama: Brunner starb an Herzversagen. In: Spiegel Online. 17. Juli 2010, abgerufen am 22. August 2016.</ref> Gegen den dritten beteiligten 17-Jährigen erging ebenfalls Haftbefehl.<ref>Todesfall Dominik Brunner: Auslöser der Gewaltspirale auf sueddeutsche.de; Abgerufen am 28. Juli 2010</ref> Im Nachhinein gab es auch Kritik an Brunners Vorgehen, das teilweise als Überreaktion in einer vermeintlich schon geklärten Situation beschrieben wurde.<ref>Marcus Jauer: Solln und Haben: Gerichtsprotokoll vom Brunner-Prozess. In: FAZ vom 2. September 2012, abgerufen am 8. Juni 2012.</ref>
Die Urne von Dominik Brunner wurde am 18. September 2009 im engsten Familienkreis auf dem Friedhof von Ergoldsbach bestattet. Acht Tage später fand im Ort eine Trauerfeier für ihn statt.<ref>Abschied von Dominik Brunner (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive )</ref>
Reaktionen
Der Vorfall löste eine Debatte um mangelnde Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln und eine mögliche Verschärfung des Jugendstrafrechts aus. Am 16. September wurden um 18:30 Uhr sämtliche Verkehrsmittel im MVV-Gebiet für eine Schweigeminute angehalten.<ref>Gedenkminute für Dominik B.: Busse und Bahnen stehen still</ref> Am Tatort fanden sich um die 50 Menschen spontan zu einer Mahnwache zusammen. Am 17. September 2009 gab die Deutsche Bahn bekannt, dass in Solln sowie in 19 weiteren Münchener Bahnhöfen die Notrufsäulen nicht funktionieren. Sie gab die Schuld der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), diese wiederum der Deutschen Bahn.<ref>S-Bahn: Notrufsäulen nur Attrappen</ref>
Am 9. November 2009 wurde von der Erlus AG sowie Freunden und Weggefährten die Dominik-Brunner-Stiftung für Zivilcourage gegründet.<ref name="Stiftung">Gründungsurkunde der Stiftung. (PDF; 382 kB) Dominik-Brunner-Stiftung, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 22. August 2016. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>
Kurz nach der Tat löste die Untersuchung des Bremer Staatsanwalts Daniel H. Heinke, wonach dem weitaus größten Teil der Bevölkerung die Lebensgefährlichkeit von Fußtritten gegen den Kopf bewusst sei,<ref>FAZ.net: Wer gegen den Kopf tritt, will töten; Abgerufen am 16. August 2010</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Verweis auf verschiedene Fachveröffentlichungen zum Thema ( vom 7. Oktober 2015 im Internet Archive) bei SelectedWorks, Berkeley Electronic Press</ref> eine Debatte um die strafrechtliche Ahndung solcher Delikte als (versuchtes) Tötungsdelikt aus.<ref>FAZ.NET: Tottreter</ref><ref>NZZ Online: Den Tätern Paroli bieten; Abgerufen am 16. August 2010</ref>
Der Tod von Dominik Brunner war für die Aktion Münchner Fahrgäste der Anlass, gemeinsam mit dem Polizeipräsidium München und der Bundespolizeiinspektion München ein Verhaltenstraining für Fahrgäste zu veranstalten. Die Schirmherrschaft übernahm der damalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude. Unter dem Motto „Mit Herz und Verstand handeln. Notfall? Du hilfst – ich auch!“ werden die Kurse im Verkehrszentrum des Deutschen Museums durchgeführt.<ref>Bericht über das Fahrgästetraining in der Augsburger Allgemeinen vom 30. Juni 2011: Helfen, ohne den Helden zu spielen</ref>
Der Schriftsteller Andreas Eschbach erinnert in seinem Roman Todesengel indirekt an Dominik Brunner. Zu Beginn des Romans wird ein alter Mann, der im Rahmen von Zivilcourage zwei junge Männer von der Zerstörung einer Sitzbank abhalten will, von diesen angegriffen und schwer verletzt. Das Geschehen weist deutliche Parallelen zum Fall Dominik Brunner auf. Zudem geschieht der Vorfall im Roman in der U-Bahn-Haltestelle „Dominikstraße“, die Schwiegertochter des Opfers ist in der „Brunnerstraße“ wohnhaft.
Ehrungen
Vier Tage nach seinem Tod gedachte der Bayerische Ministerrat Brunners und rief zu einer landesweiten Schweigeminute auf. Der Ministerpräsident verlieh ihm postum den Bayerischen Verdienstorden.<ref>Bericht aus der Kabinettssitzung: Teil 1. In: bayern.de. Bayerische Staatskanzlei, 16. September 2009, abgerufen am 22. August 2016.</ref> Zusätzlich einigte sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble mit der Redaktion der Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst darauf, Brunner nachträglich den XY-Preis für Zivilcourage zu verleihen, der gemeinsam vergeben wird.
Am 4. Oktober 2009 zeichnete Bundespräsident Horst Köhler Brunner für seinen Einsatz postum mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland aus.<ref>Bundesverdienstkreuz für S-Bahn-Opfer Brunner (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive ) von heute.de</ref> Er überreichte das Verdienstkreuz den Eltern des Verstorbenen. Köhler verstehe die Auszeichnung „als Zeichen der Dankbarkeit aller mitfühlenden Menschen in Deutschland für die Menschlichkeit, die Hilfsbereitschaft und die Zivilcourage, die Dominik Brunner selbstlos zeigte, als er erkannte, dass andere Menschen in Not waren“.<ref name="Stiftung" />
Am 20. Dezember 2009 kamen rund 3000 Menschen zu einer Gedenkkundgebung auf dem Münchner Odeonsplatz, zu der die Initiative Münchner Courage und die Dominik-Brunner-Stiftung aufgerufen hatten.<ref>Tausende gedenken Dominik Brunner, Spiegel Online, 20. Dezember 2009</ref>
Die hessische Stadt Dietzenbach benannte im Juli 2010 einen Platz nach Dominik Brunner.<ref>Offenbach-Post vom 10. Juli 2010</ref> Den Antrag hatte Cengiz Hendek, Mitglied des damaligen Ausländerbeirates, gestellt.<ref>Frankfurter Rundschau vom 13. Oktober 2010</ref>
Seit dem 21. Dezember 2010 gibt es in München beim S-Bahnhof Solln einen Dominik-Brunner-Weg.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Straßenschilder erinnern in München an Dominik Brunner, Sächsische Zeitung vom 22. Dezember 2010 ( vom 4. Dezember 2014 im Internet Archive)</ref><ref>Vermessungsamt der Stadt München</ref> Neben einem Bahnsteig des S-Bahnhofs besteht seit dem 12. September 2013 ein Mahnmal, das von der Dominik-Brunner-Stiftung gestiftet und von Stefan Rottmeier geschaffen wurde.<ref>Menschenkette gegen Gewalt, Süddeutsche.de vom 12. September 2013</ref>
Ergoldsbach, die niederbayerische Heimatgemeinde von Brunner, hat ein Denkmal zu dessen Ehren errichtet. Die von Stefan Rottmeier gestaltete Skulptur zeigt einen Mann, der sich schützend vor einen Jungen stellt. Die etwa 2,20 m große und 200 kg schwere Skulptur steht vor einem Gebäude in der Ergoldsbacher Badstraße. Dort befinden sich eine Kinderkrippe und ein Schülerhort. Das Gebäude ist in Dominik-Brunner-Haus umbenannt worden.<ref>Dominik Brunner wurde auf einem Münchener S-Bahnhof zu Tode geprügelt. Zu Hause errichten sie ihm ein Denkmal. Vor Gericht sagen die beiden Täter aus, er habe zuerst zugeschlagen: Weil er nicht weggesehen hat – berliner-zeitung.de vom 14. Juli 2010</ref><ref>Focus vom 12. September 2010</ref>
Am 5. Mai 2013 wurde in Landshut der Weg zum neuen Bürgerhaus an der Porschestraße, das von der Dominik-Brunner-Stiftung unterstützt und von der Bürgerstiftung Landshut errichtet wurde, zum Dominik-Brunner-Weg benannt. An der Eröffnung nahm auch Uli Hoeneß als Kuratoriumsvorsitzender der Dominik-Brunner-Stiftung teil. Er durchschnitt gemeinsam mit dem damaligen Landshuter Oberbürgermeister Hans Rampf, der Vorsitzenden der Bürgerstiftung und weiteren Vertretern aus Politik und Gesellschaft das rote Band am Straßenschild und gab damit den Dominik-Brunner-Weg frei und eröffnete zugleich das neue Bürgerhaus.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pressemitteilung der Dominik-Brunner-Stiftung zur Eröffnung des Dominik-Brunner-Weges in Landshut ( vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive)</ref>
Die Realschule in Poing wurde am 1. Juli 2015 nach Dominik Brunner benannt,<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Dominik Brunner wird Namensgeber für Realschule.] Süddeutsche Zeitung, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 20. März 2015.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>Staatliche Realschule Poing nach Dominik Brunner benannt. In: Welt Online. 3. Juli 2015, abgerufen am 22. August 2016.</ref> ebenso der Asteroid (192293) Dominikbrunner, entdeckt von Freimut Börngen und Lutz D. Schmadel.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig (192293) Dominikbrunner.] IAU – Minor Planet Center, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 20. Dezember 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Am 24. März 2017 wurde das Dominik-Brunner-Haus der Johanniter-Unfall-Hilfe in München-Ramersdorf offiziell eingeweiht.<ref>Dominik-Brunner-Haus der Johanniter. In: Johanniter [live]. 19. März 2017 (johanniter.de [abgerufen am 24. März 2017]).</ref>
Rechtliche Aufarbeitung
Der 17-Jährige, der als Wortführer auftrat, als er und seine Freunde die Schüler bedrohten, wurde am 13. April 2010 vom Jugendschöffengericht beim Amtsgericht München unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter räuberischer Erpressung zu einer Jugendstrafe von 19 Monaten verurteilt. Die Vollstreckung setzte das Gericht zur Bewährung aus. Der Verurteilte, der sich damals in einer Suchttherapie befand, erhielt die Auflage, diese für weitere fünf Monate fortzusetzen.<ref>Fall Dominik Brunner: Anstifter kommt mit Bewährungsstrafe davon. In: stern.de. 13. April 2010, abgerufen am 22. August 2016.</ref> Das Urteil wurde hinsichtlich der Beweiswürdigung und jugendstrafrechtlicher Aufklärungspflichten kritisiert.<ref>Eisenberg, Zeitschrift für Kindschaftsrecht und Jugendhilfe 2012, S. 54 ff.</ref>
Am 4. Februar 2010 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die beiden Haupttäter wegen gemeinschaftlichen Mordes.<ref>Mordanklage gegen S-Bahn-Schläger FAZ, 4. Februar 2010</ref> Der Prozess begann am 13. Juli 2010 vor dem Landgericht München I. In der öffentlichen Hauptverhandlung wurden an zwölf Sitzungstagen mehr als 50 Zeugen vernommen.<ref name="sueddeutsche_Urteil">Urteil im Solln-Prozess – „Sie wollten sich an Dominik Brunner rächen“ auf sueddeutsche.de; Abgerufen am 8. September 2010</ref> Am 6. September 2010 fielen die Urteile. Der inzwischen 19 Jahre alte Haupttäter erhielt wegen Beihilfe zur versuchten räuberischen Erpressung in Tatmehrheit mit Mord eine Jugendstrafe von neun Jahren und zehn Monaten, der 18-jährige Jugendliche wegen versuchter räuberischer Erpressung in Tatmehrheit mit Körperverletzung mit Todesfolge eine Jugendstrafe von sieben Jahren.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Strafverfahren gegen Markus S. und Sebastian L. wegen Mordes u. a. (S-Bahnhof Solln) ( vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) Oberlandesgericht München, 6. September 2010</ref> Damit folgte das Gericht weitgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die Verteidigung kündigte Revision an.<ref name="sueddeutsche_Urteil" /> 2011 verwarf der Bundesgerichtshof die Revision, womit die Urteile rechtskräftig waren.<ref>Urteil gegen Haupttäter im Brunner-Prozess ist rechtskräftig. Augsburger Allgemeine, 5. Oktober 2011, abgerufen am 4. Juli 2012.</ref> Auf Kritik stieß bei manchen die ungewöhnlich hohe Strafe für den zur Tatzeit Jugendlichen.<ref name="spiegel_haerte" />
Einer der Haupttäter, Sebastian L., kam im Juli 2014 wegen guter Führung vorzeitig aus dem Gefängnis frei.<ref>Er schlug auf Dominik Brunner ein – nun ist er wieder frei. In: Focus Online. 2. September 2014, abgerufen am 22. August 2016.</ref><ref>Fall Dominik Brunner – Ein Täter ist wieder auf freiem Fuß. Bayerischer Rundfunk, 2. September 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 17. September 2014; abgerufen am 2. September 2014.</ref> Im Mai 2019 wurde auch der zweite Haupttäter Markus S. einen Monat vor Ablauf der Haftzeit entlassen. Das Gericht stellte ihn bis 2024 unter Führungsaufsicht.<ref>Welt.de: Fall Dominik Brunner – Gewalttäter kommt vorzeitig frei, 30. April 2019.</ref> Bereits kurz nach seiner Entlassung verstieß er gegen damit verbundene Auflagen durch das Trinken von Alkohol, wofür er eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten erhielt.<ref>Mutmaßlicher Verstoß gegen Auflagen: Dominik Brunners Mörder muss in München erneut vor Gericht. In: Spiegel Online. 4. Mai 2021, abgerufen am 12. Mai 2021.</ref> Im Jahr 2020 verstieß er durch den Konsum von Kokain erneut gegen die Bewährungsauflagen, weshalb er zu einer Geldstrafe von 5.400 EUR im Berufungsverfahren verurteilt wurde.<ref>München: Mörder von Dominik Brunner verstieß gegen Auflagen. In: Der Spiegel. 16. Dezember 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 25. Mai 2022]).</ref> Wegen Verstößen gegen Weisungen der Führungsaufsicht wurde Markus S. 2025 zu einer Geldstrafe von insgesamt 10.500 Euro verurteilt.<ref>https://www.merkur.de/lokales/muenchen/haftstrafe-sechs-verstoesse-gegen-justiz-auflagen-moerder-von-dominik-brunner-droht-neue-93852782.html</ref><ref>https://www.zeit.de/news/2025-08/01/mordfall-brunner-erneut-strafe-fuer-damals-verurteilten</ref>
Weblinks
- Brunner (mit Foto) bei der Dominik-Brunner-Stiftung für Zivilcourage
- Albert Schäffer: S-Bahn-Mord in München: Der Tod von Dominik Brunner – ein Fanal. In: FAZ vom 15. September 2009
- Bayerischer Verdienstorden für Mordopfer Dominik B. In: Merkur vom 16. September 2009
- tz.de: Er hat nie weggeschaut. Bericht mit Bildern vom Tatort., abgerufen am 25. März 2014
- 13-jährige Zeugin spricht über die Tat: In: Focus vom 19. September 2009. Schilderung des Tatverlaufs von einem der beteiligten Kinder.
- Der Fall Dominik Brunner. In: Spiegel Online. Artikel, Hintergründe und Fakten, insbesondere zum Gerichtsverfahren gegen die Täter.
- Tödliche Zivilcourage - Der Fall Brunner auf ndr.de, 20. April 2022
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Brunner, Dominik |
| ALTERNATIVNAMEN | Brunner, Dominik Florian (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Manager |
| GEBURTSDATUM | 18. Mai 1959 |
| GEBURTSORT | Stuttgart |
| STERBEDATUM | 12. September 2009 |
| STERBEORT | München |
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