Ahmad Vahidi
Ahmad Vahidi (auch Ahmad Wahidi; persisch احمد وحیدی, geb. 27. Juni 1958 in Schiras) ist ein iranischer Generalmajor und seit März 2026 Befehlshaber der Iranischen Revolutionsgarde (Pasdaran). Er war von 2009 bis 2013 im Kabinett Ahmadineschad II Verteidigungsminister und von 2021 bis 2024 im Kabinett Raisi Innenminister des Iran. Er wird verdächtigt, einer der Drahtzieher des Anschlags von Buenos Aires 1994 auf ein jüdisches Gemeindezentrum zu sein.
Biografie
Ahmad Vahidi wurde 1958 in Schiras geboren. Er erwarb einen Bachelorabschluss in Elektronik und einen Masterabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen.<ref name=":1">Muhammad Sahimi: The IRGC Strategic Brain Trust | Part 1: Ghasem Soleimani and Ahmad Vahidi. In: Tehran Bureau. 1. August 2012, abgerufen am 5. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sein Geburtsname lautete Schah-Cheraghi.<ref name="taz2026">Ali Sadrzadeh: Neuer Chef der Revolutionsgarden im Iran: Wahnhafter Israelhass. In: taz. 4. März 2026, abgerufen am 6. März 2026.</ref> Der Name bezog sich auf einen in Schiras verehrten Heiligen, nach dem er benannt worden war.<ref name="taz2026" /> Zur Zeit der iranischen Revolution schloss er sich in Schiras zunächst einem lokalen Sicherheitskomitee an und nahm in den frühen Revolutionsjahren den Namen Vahidi an.<ref name="taz2026" />
Vahidi wurde 1979 Mitglied der Revolutionsgarde. Im Iran-Irak-Krieg stieg er bis zum Feldkommandeur auf.<ref name="taz2026" /> In den 1980er-Jahren bekleidete er innerhalb der Revolutionsgarde wichtige Funktionen sowohl im Nachrichtendienst als auch in militärischen Führungsstrukturen.<ref name="aljazeera2026">Who is Ahmad Vahidi, the IRGC’s new commander? In: Al Jazeera. 6. März 2026, abgerufen am 6. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Jahr 1981 wurde er zum Stellvertreter Mohsen Rezais, dem damaligen Leiter der Spionageabteilung der Revolutionsgarde, ernannt. 1983 schloss er sich der Al-Quds-Einheit an, einer Spezialeinheit der Revolutionsgarde, die für Auslandseinsätze zuständig ist und auf unkonventionelle Kriegsführung und militärische Aufklärung spezialisiert ist.<ref name=":1" /> Mitte der 1980er-Jahre war Vahidi an verdeckten Kontakten zwischen iranischen Vertretern und Vermittlern mit Nähe zur US-Regierung beteiligt, die im Zusammenhang mit der Iran-Contra-Affäre standen.<ref name="aljazeera2026" /> Nach dem Ende des Iran-Irak-Krieges 1988 wurde er erster Kommandeur der Al-Quds-Einheit und blieb bis 1997 in dieser Funktion.<ref name="taz2026" /><ref name="aljazeera2026" /> Nach seinem Ausscheiden übernahm Qasem Soleimani 1998 das Kommando über die Al-Quds-Einheit.<ref name="aljazeera2026" /> In dieser Zeit koordinierte Vahidi insbesondere die Zusammenarbeit mit der libanesischen Hisbollah und weitere Auslandseinsätze der Einheit, so im Zusammenhang mit dem Bosnienkrieg.<ref name="taz2026" />
Im Jahr 2005 wurde Vahidi zum Stellvertreter von Verteidigungsminister Mostafa Mohammad Nadschar ernannt und behielt diesen Posten bis August 2009, als er vom iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad als Verteidigungsminister vorgeschlagen wurde. Das iranische Parlament bestätigte den Vorschlag des Staatspräsidenten, trotz der internationalen Kritik an Vahidi, mit 227 Stimmen bei 54 Gegenstimmen und fünf Enthaltungen.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Majlis endorses 18 ministers, one woman ( vom 6. September 2009 im Internet Archive), PressTV, 3. September 2009.</ref> Im August 2013 endete die Amtszeit Vahidis, der von Hossein Dehghan abgelöst wurde.
Vom 25. August 2021 bis 2024, während der Präsidentschaft Ebrahim Raisis, war er Innenminister im Kabinett Raisi und leitete die Strafverfolgungsbehörden des Landes.<ref name=":0">Ekbal Zein: Wer ist Ahmad Vahidi? Der neue Oberbefehlshaber der iranischen Revolutionsgarden. In: euronews. 2. März 2026, abgerufen am 5. März 2026.</ref> Im April 2024 reiste Vahidi als Mitglied einer iranischen Regierungsdelegation nach Pakistan und Sri Lanka.<ref name="lemonde2024">Attentat de 1994 à Buenos Aires : l’Argentine demande l’arrestation du ministre de l’intérieur iranien en visite au Pakistan et au Sri Lanka. In: Le Monde. 24. April 2024, abgerufen am 6. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Während dieser Reise forderte die argentinische Regierung die Behörden beider Länder auf, ihn festzunehmen.<ref name="lemonde2024" /> Während der Proteste der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ nach dem Tod Jina Mahsa Aminis im Jahr 2022 trat er als Befürworter einer strikten Durchsetzung des Kopftuchzwangs auf.<ref name="taz2026" /> Er kündigte Verwarnungen und anschließende Strafen für Verstöße gegen den Hidschab-Zwang an und bezeichnete die Einhaltung des Kopftuchzwangsgesetzes als Bürgerpflicht.<ref name="taz2026" /> Im Zusammenhang mit dem Vorgehen gegen die Proteste 2022 wurde Vahidi sowohl von den Vereinigten Staaten als auch von der Europäischen Union sanktioniert.<ref name="aljazeera2026" />
Nach dem Tod Mohammad Pakpours während der israelisch-US-amerikanischen Luftschläge wurde Vahidi am 1. März 2026 zum Oberbefehlshaber der Revolutionsgarde ernannt.<ref>Andrew Roth, Jason Burke: Iran state media confirms killing of Ayatollah Ali Khamenei after US-Israeli missile strikes. In: The Guardian. 1. März 2026, abgerufen am 1. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":0" /> Pakpour war nach der Tötung seines Vorgängers Hossein Salami während eines zwölftägigen Krieges im Juni 2025 eingesetzt worden.<ref name="aljazeera2026" /> Vahidis Ernennung fiel in eine Phase offener kriegerischer Auseinandersetzungen.<ref name="aljazeera2026" /> Im Dezember 2025 war Vahidi zum stellvertretenden Oberbefehlshaber der Revolutionsgarde ernannt worden.<ref name="aljazeera2026" /> Zuvor hatte er als stellvertretender Chef des iranischen Heeres gedient.<ref name="aljazeera2026" /> Bei seiner Ernennung zum Stellvertreter erklärte er, die Bewahrung der Islamischen Revolution sei eine der größten Tugenden und die Opposition gegen das islamische System das größte Übel.<ref name="aljazeera2026" /> Er bezeichnete 2025 die Islamische Revolution als einen „Lichtausbruch“, der Geschichte und Schicksal der Region und der Welt verändert habe.<ref name="aljazeera2026" /> Die Revolutionsgarde gilt als stark dezentral organisiert, nachdem der frühere Oberbefehlshaber Mohammad Ali Jafari diese Struktur bewusst verstärkt hatte, um die Organisation auch nach gravierenden Führungsverlusten funktionsfähig zu halten.<ref name="aljazeera2026" /> Vahidi wurde die Aufgabe zugeschrieben, die Tätigkeiten dieser dezentralen Struktur mithilfe zentraler Kommandeure und Veteranen zu koordinieren.<ref name="aljazeera2026" /> Außenminister Abbas Araghchi deutete in diesem Zusammenhang an, dass einzelne iranische Militäreinheiten teils relativ unabhängig agierten und eher auf allgemeine Weisungen als auf enge zivile Steuerung hin operierten.<ref name="aljazeera2026" />
Vorwürfe der Beteiligung am Anschlag von Buenos Aires
Ahmad Vahidi wird vorgeworfen, als ehemaliger Kommandeur der Al-Quds-Einheit Drahtzieher des Anschlags von Buenos Aires 1994 auf das jüdische Gemeindezentrum Asociación Mutual Israelita Argentina gewesen zu sein, dem insgesamt 85 Menschen zum Opfer fielen.<ref>Irans neues Hardlinerkabinett könnte Atomgespräche weiter erschweren. Abgerufen am 13. August 2021.</ref><ref>Gute Chancen als Minister - dank dringendem Terror-Verdacht, Tagesanzeiger.ch, 2. September 2009.</ref> Bei dem Anschlag wurden zudem rund 300 Menschen verletzt; in der Umgebung wurden zahlreiche Gebäude zerstört oder beschädigt.<ref name="taz2026" /> Am 23. April 2024 ersuchte das argentinische Außenministerium Pakistan und Sri Lanka offiziell um die Festnahme Vahidis im Zusammenhang mit dem AMIA-Anschlag.<ref name="lemonde2024" /> Der Iran wies eine Beteiligung an dem Anschlag zurück.<ref name="lemonde2024" /> Bei Interpol liegt ein internationaler Haftbefehl gegen Vahidi vor.<ref>Interpol.int: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein..</ref> Die 2013 vorgelegte Anklageschrift des im Januar 2015 tot aufgefundenen argentinischen Staatsanwaltes Alberto Nisman listete neben Vahidi sechs weitere iranische Politiker auf.<ref>Mysteriöser Tod unmittelbar vor Aussage. Was steckt hinter dem Tod des Anklägers von Argentiniens Präsidentin?, Focus, 20. Januar 2015.</ref> Mehr als 30 Jahre nach dem Bombenanschlag kündigte die Staatsanwaltschaft in Argentinien im Jahr 2025 an, Vahidi und weiteren flüchtigen Verdächtigen den Prozess zu machen, denn durch ein neues Gesetz sei es in Argentinien möglich, Strafverfahren gegen Angeklagte in Abwesenheit zu führen.<ref>Amia-Anschlag in Buenos Aires soll vor Gericht kommen In: juedische-allgemeine.de, abgerufen am 8. April 2025</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Haschem Sabbaghian | Ali Akbar Nateq Nuri | Ali Akbar Mohtaschami | Ali Mohammad Bescharati | Abdollah Noori | Abdolvahed Mousavi Lari | Mostafa Pour-Mohammadi | Ali Kordan | Sadeq Mahsuli | Mostafa Mohammad Nadschar | Abdolreza Rahmani Fazli | Ahmad Vahidi | Eskandar Momeni
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vahidi, Ahmad |
| ALTERNATIVNAMEN | Wahidi, Ahmad |
| KURZBESCHREIBUNG | iranischer Brigadegeneral |
| GEBURTSDATUM | 27. Juni 1958 |
| GEBURTSORT | Schiras |