The Notorious B.I.G.
The Notorious B.I.G. (* 21. Mai 1972 in Brooklyn, New York City; † 9. März 1997 in Los Angeles, Kalifornien; bürgerlich Christopher George Latore Wallace), auch als Biggie, Biggie Smalls, Big Poppa, B.I.G. und Frank White bekannt, war einer der bedeutendsten US-amerikanischen Rapper der 1990er-Jahre.
Wallace gilt als Zugfigur des Hardcore-Rap und ist, gemessen an den Verkaufszahlen, einer der erfolgreichsten Rapper überhaupt. Archivaufnahmen wurden nach seinem Tod ebenfalls Verkaufserfolge. Wallaces Markenzeichen ist seine laid-back vorgetragene und reimtechnisch komplexe Vortragsweise, die durch ihre Aggressivität oft den düsteren Inhalt seiner Texte kontrastiert. Seine Lyrik war meist semi-autobiografisch und reichte von den desolaten Umständen als Rauschgifthändler im Ghetto New York Citys über seine Depressionen, seine Schwierigkeiten als junger Vater und verstoßener Sohn bis hin zu Erzählungen über Feiern und Drogenexzesse.
Der in Brooklyn geborene und aufgewachsene Wallace unterschrieb 1992 im Alter von 20 Jahren bei Sean Combs’ Label Bad Boy Records, wobei er zunächst durch Gastauftritte auf Singles anderer Künstler erste Bekanntheit erreichte. Sein 1994 veröffentlichtes Debütalbum Ready to Die gilt als Meisterwerk des Gangsta- und Hardcore-Raps und verhalf Wallace durch die Singles Juicy und Big Poppa zu internationalem Erfolg. Durch das Album avancierte er zur zentralen Figur des Eastcoast-Hip-Hop und konnte die Ostküste erstmals als gleichberechtigten Konkurrenten zur bis dato vom Westcoast-Hip-Hop dominierten Rapszene etablieren. Bei den Billboard Music Awards 1995 wurde er zum Rapper des Jahres prämiert. Im selben Jahr kollaborierte er mit mehreren Musikgrößen, darunter Michael Jackson, und im folgenden Jahr führte er auch seine Protegé-Gruppe Junior M.A.F.I.A., allen voran seine damalige Freundin Lil’ Kim, zum internationalen Erfolg.
Nachdem sein ehemaliger Freund, der Rapper Tupac Shakur, 1994 angeschossen worden war und Wallace bezichtigt hatte, den Attentäter angestiftet zu haben, wurde Wallace in einen Konflikt zwischen der Ost- und Westküste involviert, der sich ab 1995 zuspitzte und im East-Coast-West-Coast-Streit gipfelte. Seinen vorläufigen Höhepunkt fand der Streit, der zuvor vor allem über Disstracks und Schlägereien ausgetragen worden war, mit der Ermordung Shakurs im September 1996 in Las Vegas, Nevada. Nur sechs Monate später, am 9. März 1997, wurde auch Wallace bei einem Besuch in Los Angeles, Kalifornien niedergeschossen und erlag noch am selben Tag im Alter von 24 Jahren seinen Verletzungen. Sein bereits fertig gestelltes zweites Album Life After Death wurde zwei Wochen später veröffentlicht, erreichte die Spitzenposition der Billboard 200, verkaufte sich über 6 Millionen Mal und gilt – wie sein Debüt – als Meisterwerk des Hip-Hop.
Wallaces Einfluss besteht bis heute. Rolling Stone bezeichnete ihn als den „besten Rapper, der je gelebt hat“ und sowohl Billboard als auch The Source kürten ihn zum „besten Rapper aller Zeiten“. Im Jahr 2006 setzte ihn MTV auf den dritten Platz ihrer Liste der „größten MCs“ und nannte ihn den „technisch anspruchsvollsten Rapper aller Zeiten“. Im Jahr 2020 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
Leben und Karriere
1972–1991: Frühes Leben
Wallace wurde am 21. Mai 1972 als einziges Kind jamaikanischer Einwanderer im St. Mary’s Hospital im New Yorker Stadtbezirk Brooklyn geboren. Seine Mutter Voletta Wallace († 21. Februar 2025<ref>Mutter von Notorious B.I.G. ist mit 72 Jahren gestorben. 21. Februar 2025, abgerufen am 21. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>) arbeitete als Vorschullehrerin, sein Vater George Latore war Fabrikarbeiter und kurzzeitig als Politiker aktiv.<ref name="z13">Holly Lang: The Notorious B.I.G: A Biography. Greenwood Publishing Group, 2007, S. 1–2, ISBN 978-0-313-34156-4.</ref><ref name="z14">Cheo H. Coker: Excerpt: Unbelievable – The Life, Death, and Afterlife of The Notorious B.I.G. Vibe, 8. März 2004, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Februar 2009; abgerufen am 2. August 2022.</ref> Er verließ die Familie, als Wallace zwei Jahre alt war. Zu dieser Zeit übte seine Mutter zwei Berufe aus, um ihr Kind zu ernähren. Wallace wuchs in 226 St. James Place in Brooklyns Clinton Hill auf,<ref>Marcus Franklin: Much change in Biggie Smalls' neighborhood. Associated Press, 17. Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. Februar 2010; abgerufen am 2. August 2022.</ref> nahe der Grenze zu Bedford-Stuyvesant.<ref name="z13" /><ref>C. Zawadi Morris: Biggie's 'One-Room Shack' in Bed-Stuy Now up for Sale. Patch, 3. April 2013, abgerufen am 2. August 2022.</ref> Streng katholisch erzogen besuchte Wallace die Queen of All Saints Middle School, in der er als besonders hervorragender Schüler hervortrat; für seine Leistungen in Englisch konnte er mehrere Preise gewinnen. Jeden Sonntag besuchten Wallace und seine Mutter die St. Peter Claver Church in ihrem Stadtteil.<ref>Anne M. Rasso: The Biggie walk. timeout, 11. Januar 2009, abgerufen am 2. August 2022.</ref> Im Alter von 10 Jahren erhielt Wallace aufgrund seines starken Übergewichts den Spitznamen Big.<ref name="z18">Randall Sullivan: The Unsolved Mystery of the Notorious B.I.G. Rolling Stone, 5. Dezember 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. April 2009; abgerufen am 2. August 2022.</ref> Nach eigenen Angaben stieg Wallace mit 12 Jahren mit seinem Freund Damion Butler, bekannt als D-Roc, ins Drogengeschäft ein. Seine Mutter erfuhr erst im Erwachsenenalter davon.<ref name="z19">Touré: POP MUSIC; Biggie Smalls, Rap's Man of the Moment. The New York Times, 18. Dezember 1994, abgerufen am 2. August 2022.</ref>
Als Jugendlicher begann Wallace mit dem Rappen, wobei er zunächst nur mit lokalen Gruppen wie den Old Gold Brothers und den Techniques auftrat, um die Leute auf seiner Straße zu unterhalten.<ref name="z20">Steve Huey: Notorious B.I.G. > Biography. AllMusic, abgerufen am 2. August 2022.</ref> Sein ältester bekannter Künstlername war MC CWest.<ref>Will Lavin: Biggie: I Got A Story To Tell’ review: a look at the life of rap’s most notorious figure. NME, 1. März 2021, abgerufen am 2. August 2022.</ref> Auf seinen Wunsch hin wechselte Wallace von der Bishop Loughlin Memorial High School in Fort Greene zur George Westinghouse Career and Technical Education High School in Downtown Brooklyn. Laut seiner Mutter war Wallace immer noch ein guter Schüler, entwickelte aber eine „Klugscheißer“-Einstellung.<ref name="z14" /> Im Alter von 17 Jahren im Jahr 1989 brach Wallace die High School ab und stieg zunehmend in die Kriminalität ab. Im selben Jahr wurde er in Brooklyn wegen Waffenbesitzes verhaftet und zu einer fünfjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Nachdem er im Folgejahr gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hatte, wurde er verhaftet.<ref name="z22">Michel Marriott: The Short Life of a Rap Star, Shadowed by Many Troubles. The New York Times, 17. März 1997, abgerufen am 2. August 2022.</ref> Als er ein Jahr später, 1991, erneut wegen des Handels mit Crack in North Carolina verhaftet wurde, kam er für neun Monate ins Gefängnis, ehe er auf Kaution freikam.<ref name="z19" />
1991–1994: Frühe Karriere und erstes Kind
Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis nahm Wallace ein Demotape mit dem Titel Microphone Murderer auf. Als Künstlernamen nutzte er Biggie Smalls, eine Anspielung auf seinen Spitznamen Big, sein Übergewicht von damals rund 350 Pfund (circa 160 kg) und die von Calvin Lockhart gespielte Figur in Sidney Poitiers Film Drehn wir noch’n Ding.<ref>Police May Release Sketch Of Biggie Gunman. MTV News, 11. März 1997, abgerufen am 2. August 2022.</ref> In den Straßen von Brooklyn konnte sich das Tape zwar rasend verbreiten, bekam allerdings außerhalb von Brooklyn kaum Aufmerksamkeit. Dies änderte sich 1992 schlagartig, nachdem Mister Cee, DJ des namhaften Rappers Big Daddy Kane, das Tape gehört und es dem bekannten Hip-Hop-Magazin The Source weitergeleitet hatte.<ref name="z22" /> Tatsächlich bekam Wallace im März desselben Jahres einen Beitrag in der Kolumne „Unsigned Hype“, in der unbekannte Rapper mit großem Potential vorgestellt wurden.<ref>Notorious BIG BIO. Atlanticrecords, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Juli 2008; abgerufen am 8. August 2022.</ref> Hierdurch wurde Sean „Puffy“ Combs, damals Angestellter in der A&R-Abteilung von Uptown Records, auf Wallace aufmerksam, der wenig später ein Treffen mit Wallace arrangierte. Im April wurde Wallace auf Empfehlung Combs von Uptown unter Vertrag genommen; 1993 hatte er seinen ersten Gastbeitrag auf dem Song „A Buncha Niggas“ seiner Labelkollegen Heavy D & the Boyz.<ref name="z20" /><ref>Stanton Swihart: Blue Funk > Overview. AllMusic, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Mitte des Jahres feuerte Uptown Combs aus unbekannten Gründen, sodass dieser eine Woche später mit Bad Boy Records sein eigenes Label gründete.<ref name="frederick">Brendan Frederick: The Making of Ready to Die: Family Business. XXL Mag, 9. März 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 25. Januar 2009; abgerufen am 8. August 2022.</ref> Wallace entschied sich, seinen Vertrag mit Uptown zu beenden, und wechselte zu Bad Boy.<ref name="z27">Corinne Heller: Notorious B.I.G.'s daughter makes radio debut on 15th anniversary of his death. On The Red Carpet, 3. September 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Februar 2014; abgerufen am 8. August 2022.</ref>
Am 8. August 1993 gebar Wallaces Freundin Jane Jackson sein erstes Kind, seine Tochter T’yanna,<ref name="z27" /> obwohl das Paar zu dem Zeitpunkt bereits getrennt war.<ref>Holly Lang: The Notorious B.I.G.: A Biography. Greenwood. S. 16. ISBN 978-0-313-34156-4.</ref> Wallace versprach seiner Ex-Freundin und Tochter „alles, was sie braucht“, um ihr eine gute Schulausbildung zu ermöglichen; er war bis zu seinem Tod überzeugt, dass er mit den notwendigen finanziellen Mitteln seinen Abschluss als Klassenbester gemacht hätte.<ref>S.H. Fernando Jr.: The Notorious B.I.G. Is Living Large. Rolling Stone, 1. Juli 1995, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Um für seine Tochter finanziell auszusorgen, handelte Wallace weiterhin mit Drogen, bis Combs dies entdeckte und ihn zwang, aufzuhören.<ref name="z20" /> Später im selben Jahr erhielt Wallace erstmals kleine Aufmerksamkeit durch seinen Beitrag auf dem Remix von Mary J. Bliges Single Real Love. Um einer möglichen Klage von Poitier zu entgehen, nannte er sich fortan The Notorious B.I.G.<ref>Cathy Scott: The Murder of Biggie Smalls. New York City: St. Martin's Press, 2000, ISBN 978-0-312-26620-2, S. 31.</ref>
Zu dieser Zeit machte ein örtlicher Drogenhändler Wallace mit Tupac Shakur bekannt, einem Untergrund-Rapper, der mit seinem zweiten Album Strictly 4 My N.I.G.G.A.Z. erste Erfolge an der Westküste der Vereinigten Staaten verzeichnen konnte.<ref name="t63">Ben Westhoff: How Tupac and Biggie Went from Friends to Deadly Rivals. VICE, 12. September 2016, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Labelkollege Lil’ Cease erzählte später, dass Shakur und Wallace außerhalb ihrer gelegentlichen gemeinsamen Auftritte eine enge Freundschaft pflegten und oft miteinander auf Reisen waren. Wallace habe Shakur regelmäßig in dessen Haus in Los Angeles besucht.<ref name="t63" /><ref>Mawuse Ziegbe: Tupac And Biggie Probably Celebrated Birthdays Together, Lil' Cease Says. MTV, 16. Juni 2010, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Zu der Zeit bewarb Shakur Wallace als Überraschungsgast bei seinen Liveauftritten und machte ihn dadurch erstmals auch an der Westküste des Landes bekannt.<ref name="t63" /> Auch schlug Shakur ihm vor, seiner Rapgruppe Thug Life beizutreten, was Wallace jedoch ablehnte, da er bereits mit dem Gedanken spielte, seine eigene Gruppe zu gründen.<ref>Thug Life on Biggie & 2Pac Doing "Runnin'," Biggie to Rep Thug Life. djvlad, 2017, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Gemeinsam nahmen sie mehrere Lieder auf, darunter Runnin’ from tha Police, House of Pain und Let’s Get It On, die ursprünglich auf Shakurs nächstem Studioalbum Me Against the World veröffentlicht werden sollten.<ref>Sam Brown: Tupac: A Thug Life. Plexus, 2005, ISBN 978-0-85965-375-6, S. 71.</ref> Yukmouth, ein Rapper aus Oakland, behauptete später, dass Wallaces Stil von Shakur inspiriert war.<ref>Yohance Kyles: Yukmouth Talks Tupac's Impact On Hip Hop; Says Pac Influenced Biggie's Style. AllHipHop, 19. Januar 2015, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Dieser gab zwar zu, dass Shakur ihn ermutigt habe, auch kommerziellere Musik für das Radio zu schreiben, verwarf den Vorwurf aber ansonsten:
„Ich gebe zu, dass er [Tupac] mir viele Ratschläge gegeben hat, weil er viel [von dem Geschäft] wusste. […] Er meinte zu mir: ‚Du kannst so hart auf deinem Album rappen, wie du möchtest, aber sorg dafür, dass das Radio ein paar Hits spielen kann. Achte darauf, auch radiofreundliche Musik zu machen […]. Das hilft dir, dein Album zu verkaufen.‘ [Diesen Tipp] habe ich berücksichtigt, indem ich Big Poppa, One More Chance und Juicy geschrieben habe. Aber es war nur ein Ratschlag. Ich habe nichts von ihm gestohlen. […] Zu sagen, ich klinge wie er, ist wahnsinnig.“
Dem Remix von Real Love folgte ein weiterer Remix eines Mary J. Blige-Songs, What’s the 411? Wallaces Erfolge setzten sich, wenn auch in kleinem Schritt, mit Remixen von Neneh Cherrys Song Buddy X und dem Song Dolly My Baby des Reggae-Künstlers Super Cat, ebenfalls mit Combs, fort. Im April 1993 wurde Wallaces Solotitel Party and Bullshit auf dem Soundtrack von Ted Demmes Film Who’s the Man? veröffentlicht.<ref>Who's the Man? (Original Soundtrack). AllMusic, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Im Juli 1994 erreichte er seinen ersten nationalen Erfolg durch einen Gastauftritt auf einem Remix des Songs Flava in Ya Ear seines Labelkollegen Craig Mack auf, der Platz 9 der Billboard Hot 100 erreichte.<ref>Craig Mack. Billboard, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Kurz darauf wurde zu Party and Bullshit auch ein Musikvideo gedreht, in dem neben Combs und Shakur auch die noch unbekannte Rapperin Lil’ Kim auftrat,<ref>Ronin Ro: Bad Boy: The Influence of Sean "Puffy" Combs On the Music Industriy. Atria, 2001, ISBN 978-0-7434-2823-1, S. 67.</ref> für die Wallace später zum Mentor und Liebhaber wurde.<ref>Koutnee Jackson: Faith Evans Was ‘Shocked’ About Lil’ Kim and Biggie’s Affair. CheatSheet, 21. September 2020, abgerufen am 8. August 2022.</ref>
1994: Debütalbum Ready to Die und Ehe mit Faith Evans
Am 4. August 1994 heiratete Wallace die R&B-Sängerin Faith Evans, die er circa einen Monat vorher bei einem Bad-Boy-Fotoshooting kennengelernt hatte.<ref>Kevin Chappell: After Biggie: Faith Evans has a new love, a new baby, a new career. In: Ebony. April 1999.</ref><ref>Faith Evans Details Beating Up a Few of Biggie's Mistresses. djvlad, 2015, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Fünf Tage später konnte Wallace seinen ersten Charterfolg als Solokünstler mit der Doppel-A-Seite Juicy / Unbelievable verbuchen, die als Vorabsingle seines Debütalbums Platz 27 der amerikanischen und Platz 72 der britischen Singlecharts erreichte.<ref>The Notorious B.I.G. – Awards. AllMusic, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Etwas später veröffentlichte Wallace die beiden Singles Big Poppa und One More Chance, die beide in die Top-10 der US-Charts gelangten und für je über eine Million verkaufter Einheiten mit einer Platin-Schallplatte ausgezeichnet wurden.<ref>The Notorious B.I.G. – One More Chance (R.I.A.A.). RIAA, abgerufen am 8. August 2022.</ref><ref>Billboard Best Selling Records of 1995. Billboard, 20. Januar 1996, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Big Poppa erreichte außerdem die Spitzenposition der U.S. Rap Charts<ref name="z41">Steve Huey: Ready to Die > Overview. AllMusic, abgerufen am 8. August 2022.</ref> und ist mittlerweile von der RIAA mit sechsfachem Platin ausgezeichnet worden.<ref>Big Poppa (R.I.A.A.). RIAA, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Auch Juicy wurde mit sechsfachem Platin ausgezeichnet.<ref>Juicy (R.I.A.A.). RIAA, abgerufen am 8. August 2022.</ref>
Ready to Die wurde am 13. September 1994 veröffentlicht. Es erreichte Platz 13 der Billboard 200,<ref>The Notorious B.I.G. Chart History. Billboard, abgerufen am 8. August 2022.</ref> wurde für über sechs Millionen verkaufter Einheiten mit sechsfachem Platin ausgezeichnet<ref>Ready to Die (R.I.A.A.). RIAA, abgerufen am 8. August 2022.</ref> und konnte Wallace international berühmt machen. Zu einer Zeit, in der Hip-Hop völlig von der Westküste dominiert wurde, lenkte das Album die Aufmerksamkeit wieder auf die Ostküste, deren Repräsentant Wallace von nun an war. Für die Produktion zeigten sich vor allem Easy Mo Bee und DJ Premier verantwortlich. Kritisch wurde es ein riesiger Erfolg und heute gilt es als Meisterwerk sowie stilprägendstes Album des Hardcore-Raps.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Entstehung und Wirkung von ReadytoDie auf billboard.com ( vom 23. April 2013 im Internet Archive)</ref> So wurde das Album von Rolling Stone 2022 zum „besten Rap-Album aller Zeiten“ gekürt.<ref>Charles Aaron, Mankaprr Conteh, Jon Dolan, Will Dukes, Dewayne Gage, Joe Gross, Kory Grow, Christian Hoard, Jeff Ihaza, Julyssa Lopez, Mosi Reeves, Yoh Phillips, Noah Shachtman, Rob Sheffield, Simon Vozick-Levinson, Christopher R. Weingarten: The 200 Greatest Hip-Hop Albums of All Time. Rolling Stone, 7. Juni 2022, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Zudem erwähnte der Journalist Robert Dimery es in seinem Bestseller-Buch 1001 Albums You Must Hear Before You Die.<ref>1001 Albums You Must Hear Before You Die (Complete Unofficial List). Black Sunshine Media, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Bis heute wurde das Album mehrfach als Remastered-Version neu veröffentlicht, darunter 2004, 2015 und 2021.
Zu der Zeit freundete sich Wallace mit dem Basketballspieler Shaquille O’Neal an, angeblich bei einer Hörprobe für Gimme the Loot. O’Neal bat um eine Zusammenarbeit, aus der der Song You Can’t Stop the Reign hervorging.<ref>Latifah Muhammad: Shaq Remembers Friendship With Notorious B.I.G. The BoomBox, 8. März 2011, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Im Jahr 2015 erzählte Daz Dillinger, ein häufiger Kollaborateur Shakurs, dass auch er und Wallace „cool miteinander“ waren, obwohl die Lage zwischen Shakur und Wallace bereits angespannt war.<ref>Christopher Harris: Daz Dillinger Details Recording With The Notorious B.I.G. HipHop.dx, 25. April 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 25. April 2015; abgerufen am 8. August 2022.</ref>
1995: Zusammenarbeit mit Michael Jackson, Erfolge mit Junior M.A.F.I.A. und Konflikt mit der Westküste
Wallace arbeitete mit dem „King of Pop“ Michael Jackson an dem Song This Time Around, der auf Jacksons Album HIStory – Past, Present and Future Book I von 1995 zu hören ist.<ref>Biggie is one of the few hip-hop artist to ever record with Michael Jackson. Capital Xtra, abgerufen am 8. August 2022.</ref><ref>Michael Jacksons 'This Time Around' Released As A Promotional Single. Michael Jackson.com, 26. Dezember 1995, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Lil’ Cease behauptete später, dass Wallace ihn gebeten habe, während des Treffens mit Jackson zurückzubleiben, weil er „Michael keine Kinder anvertraue“ – eine gehässige Anspielung auf die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Jackson im Jahr 1993 und Ceases junges Alter von nur 18 Jahren. Dieser Erzählung nach sei Wallace also trotz der Zusammenarbeit Jackson gegenüber eher ablehnend aufgetreten.<ref>Edwin Ortiz: Lil Cease Says The Notorious B.I.G. Wouldn’t Let Him Into Michael Jackson Recording Session. Complex, 1. Oktober 2013, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Die Darstellung widerspricht der des Produzenten Dallas Austin und des Soundtechnikers, die bei den Sitzungen dabei waren und beschrieben, dass Wallace vor Freude, Jackson zu sehen, fast in Tränen ausbrach.<ref>François Allard; Richard Lecocq: Michael Jackson: All the Songs: The Story Behind Every Track. Octopus Books, S. 684ff. 2018, ISBN 978-1-78840-123-4.</ref>
Im Sommer lernte Wallace Charli Baltimore kennen, mit der er eine Liebesbeziehung einging.<ref>Biggie Smalls dating history: From Lil Kim to Faith Evans. Capital Xtra, 16. Februar 2021, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Wenige Monate nach Beginn ihrer Beziehung hinterließ sie ihm eine Sprachnachricht mit einem selbstgeschriebenen Rap-Vers und er ermutigte sie zu einer Karriere im Rap-Business.<ref>James M. Manheim: Charli Baltimore Biography. Musician Guide, 2008, abgerufen am 8. August 2022.</ref>
Nach einem Auftritt in Sacramento wurden Wallace und seine Freunde von einer Schlägertruppe angegriffen, die dem Rapper E-40 nah waren. Sie waren wütend über ein Interview, das Wallace einem kanadischen Magazin gegeben hatte, in dem er E-40 mit 0 von 10 Punkten bewertet hatte. Einer von Wallaces Gefolgsleuten überzeugte die Gruppe, E-40 ans Telefon zu holen; dieser befahl den Männern, die Gruppe freizulassen, und begleitete Wallace sicher zum Flughafen.<ref>E-40 Says He Gave Notorious B.I.G. ‘A Pass’ During One Visit To The Bay. Vibe, 2. März 2010, abgerufen am 8. August 2022.</ref>
Im August 1995 veröffentlichte Wallaces Protegé-Gruppe Junior M.A.F.I.A. (Kurzform für „Junior Masters At Finding Intelligent Attitudes“) ihr Debütalbum Conspiracy.<ref>Junior M.A.F.I.A. – Conspiracy (August 22, 1995). Time Is Illmatic, 27. Oktober 2020, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Die Gruppe bestand aus seinen Freunden aus Kindertagen und umfasste Rapper wie Lil’ Kim und Lil’ Cease, von denen vor allem Erstere später als Solokünstlerin berühmt wurde.<ref>Junior M.A.F.I.A. Biography. AllMusic, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Das Album wurde mit Gold ausgezeichnet<ref>Conspiracy (R.I.A.A.). RIAA, 6. Dezember 1995, abgerufen am 8. August 2022.</ref> und die Singles Player’s Anthem und Get Money, beide mit Wallace, erhielten Gold und Platin.<ref>Players Anthem (R.I.A.A.). RIAA, abgerufen am 8. August 2022.</ref><ref>Gettin' Money (R.I.A.A.). RIAA, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Wallace arbeitete weiterhin mit R&B-Künstlern zusammen, so etwa mit den R&B-Gruppen 112 (bei Only You) und Total (bei Can’t You See), die beide die Top 20 der Hot 100 erreichten.<ref>112 – Chart history. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 6. April 2016; abgerufen am 8. August 2022.</ref><ref>Total on Apple Music. Apple Music, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Am Ende des Jahres war Wallace gemessen an Verkaufszahlen der erfolgreichste männliche Solokünstler und Rapper in den US-amerikanischen Pop- und R&B-Charts.<ref name="z20" /> Im Juli 1995 erschien er auf der Titelseite von The Source mit der Überschrift „The King of New York Takes Over“, eine Anspielung auf seinen Alias Frank White, der auf einer Figur aus dem Film King of New York von 1990 basiert.<ref>Keenan Higgins: Up In The Souce: Looking Back At The Notorious B.I.G.s Covers Of 'The Source Magazine'. The Source, 21. Mai 2019, abgerufen am 8. August 2022.</ref><ref>Vernon Coleman: A History of Rappers Calling Themselves The King Of New York. XXL, 29. März 2019, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Bei den Source Awards im August 1995 gewann er die meisten Preise des Abends, nämlich als „bester neuer Künstler (Solo)“, „Texter des Jahres“, „Live-Performer des Jahres“ und mit Ready to Die als „Debütalbum des Jahres“.<ref>The Source Hip-Hop Music Awards 1995. The 441 Online, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Bei den Billboard Music Awards wurde er als „Rap-Künstler des Jahres“ ausgezeichnet.<ref name="z22" />
Im selben Jahr wurde Wallace in eine Rivalität zwischen den Hip-Hop-Szenen der Ost- und Westküste mit Shakur verwickelt, der mit ihm von nun an verfeindet war. In einem Interview mit Vibe im April 1995 beschuldigte Shakur Sean Combs und Wallace, den Raubüberfall am 30. November 1994 arrangiert zu haben, bei dem er fünfmal lebensgefährlich angeschossen wurde.<ref>Kevin Powell: Revisit Tupac’s April 1995 Cover Story: ‘READY TO LIVE’. Vibe, 14. Februar 2021, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Er sehe sich durch Wallaces Lied Who Shot Ya?, das er als unterschwelligen Disstrack verstand und das nur kurz nach der Schießerei veröffentlicht wurde, in seiner Annahme bestätigt.<ref>Kevin Powell: Tupac Shakur. In: Vibe Q: Raw and Uncut. Kensington Books, 2007, S. 99–121.</ref> Wallace und sein Gefolge befanden sich zum Zeitpunkt der Schießerei zwar in demselben Aufnahmestudio in Manhattan, bestritten aber die Anschuldigung.<ref name="z58">Anthony Bruno: The Murders of gangsta rappers Tupac Shakur and Notorious B.I.G. Crime Library, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. April 2007; abgerufen am 8. August 2022.</ref><ref>Rachel Chang: How Biggie and Tupac Went From Friends to Music's Biggest Rivals. Biography.com, 12. September 2019, abgerufen am 8. August 2022.</ref> In einem Interview sagte Wallace zu der Situation:
„Es war einfach nur ein Zufall, dass er [Shakur] im Studio war. Er konnte nicht wirklich sagen, wer zu diesem Zeitpunkt etwas damit zu tun hatte, also hat er die Schuld einfach auf mich geschoben.“
Im Jahr 2012 behauptete ein Mann namens Dexter Isaac, dass er Shakur in dieser Nacht angegriffen habe und der Überfall vom ehemaligen Drogenhändler Jimmy Henchman inszeniert worden sei.<ref>Convicted Killer Confesses to Shooting West Coast Rapper Tupac Shakur. The Baltimore Sun, 13. Juli 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. August 2012; abgerufen am 8. August 2022.</ref> Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis unterschrieb Shakur am 15. Oktober 1995 bei Death Row Records.<ref name="Carney">Thomas Carney: Live From Death Row. Frontline, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Der Vorsitzende des Labels, Suge Knight, nutzte den Streit zwischen Wallace und Shakur, um diesen zu einem Kleinkrieg zwischen der gesamte Ost- und der gesamten Westküste auszudehnen.<ref name="Carney" /> Exemplarisch dafür stehen dessen Angriffe gegen Combs bei den Source-Awards:
“Any Artist out there, who wanna be an artist and wanna stay a Star and don’t want the executive of your label all in the video, all over the record, dancin’, come to Death Row.”
„Jeder Künstler, der Künstler und Star bleiben will und nicht will, dass der Vorstand eurer Plattenfirma überall auf dem Album oder dem Video erscheint und rumtanzt – unterschreibt bei Death Row.“
Über die Jahre eskalierte der Streit in mehrere gewaltsame Auseinandersetzungen und auch der Kader der beteiligten Parteien erweiterte sich stetig.
1996: Verhaftungen, Beschuldigungen an Shakurs Tod, Autounfall und zweites Kind
Am 23. März 1996 wurde Wallace vor einem Nachtclub in Manhattan verhaftet, weil er zwei Fans verfolgt und bedroht hatte, indem er die Scheiben ihres Taxis einschlug und einen der beiden schlug.<ref name="z22" /> Er bekannte sich des „second-degree harassment“ (wortwörtliche Übersetzung: „Belästigung zweiten Grades“, ein vergleichbarer Straftatbestand existiert im deutschen Strafrecht nicht) schuldig und wurde zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Mitte 1996 wurde er in seinem Haus in Teaneck, New Jersey, aufgrund von Drogen- und Waffenbesitzes verhaftet.<ref name="z22" /> Bei den Soul Train Music Awards 1996 traf Wallace das erste Mal seit dem Vorfall auf Shakur, der ihn mit „den Gerüchten“ konfrontierte. Im Verlauf des hitzigen Gesprächs wurde eine Waffe gezogen. Security konnte die Gruppen aber trennen, bevor es zu Handgreiflichkeiten kam.<ref>Tara C. Mahadevan: This Day In Rap History: Bad Boy Records and Death Row Records Faced Off After the 1996 Soul Train Awards. Complex, 29. März 2014, abgerufen am 8. August 2022.</ref>
Im Juni 1996 veröffentlichte Shakur einen Disstrack gegen Wallace unter dem Titel Hit ’Em Up, in dem er behauptete, Sex mit Wallaces entfremdeter Ehefrau Faith Evans gehabt zu haben; außerdem habe Wallace seinen Stil und sein Image kopiert.<ref>2Pac’s “Hit ‘Em Up” Lyrics Meaning. SongMeanings+Facts, 10. Oktober 2019, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Wallace bezog sich auf die erste Behauptung in Jay-Zs Brooklyn’s Finest mit der humoristischen Zeile: „If Faye have twins, she'd probably have two 'Pacs. Get it? 2Pac's?“<ref>Yohance Kyles: Faith Evans Talks Biggie Throwing Shots At Her On Jay Z’s “Brooklyn’s Finest” (VIDEO). All HipHop, 9. März 2017, abgerufen am 8. August 2022.</ref> Eine direkte Reaktion auf das Lied erfolgte jedoch nie, stattdessen erklärte er 1997 in einem Radiointerview, dass es „nicht sein Stil“ sei und er den Streit ohnehin für überflüssig gehalten habe.<ref name="dog" /><ref name="z59" /> Evans selbst dementierte die Gerüchte, mit Shakur geschlafen zu haben, sowohl in ihrer Autobiografie als auch in Interviews.<ref>Flashback: Faith Evans on 2Pac Shocking Her With Request for Sexual Favors. djvlad, 2017, abgerufen am 8. August 2022.</ref><ref>Faith Evans: Faith Evans: I Never Slept With Tupac (Story). 2paclegacy, 29. Januar 2016, abgerufen am 8. August 2022.</ref>
Am 7. September 1996 wurde Shakur aus einem vorbeifahrenden Auto in Las Vegas durch mehrere Schüssen getroffen; er starb sechs Tage später.<ref>Airen: Tod eines Getto-Poeten. Der Spiegel, 5. September 2019, abgerufen am 9. August 2022.</ref> Gerüchte über eine Beteiligung von Wallace an der Ermordung von Shakur machten bald die Runde. In einer Serie der Los Angeles Times aus dem Jahr 2002 mit dem Titel „Who Killed Tupac Shakur?“, die sich vor allem auf Polizeiberichte stützte, berichtete Chuck Philips, dass die Schießerei von einer Gang aus Compton, den Southside Crips, verübt wurde, um sich für eine von Shakur initiierte Schlägerei zu rächen. Wallace sei aber ebenso involviert gewesen, weil er die Waffe bezahlt habe.<ref>Chuck Philips: Who Killed Tupac Shakur? The Los Angeles Times, 6. September 2002, abgerufen am 9. August 2022.</ref><ref>Chuck Philips: How Vegas police probe floundered in Tupac Shakur case. The Los Angeles Times, 30. Januar 2015, abgerufen am 9. August 2022.</ref> Ein weiterer Journalist derselben Zeitschrift, Mark Duvoisin, bezeichnete dies als „maßgeblichen Bericht über die Ermordung von Shakur“, weil „Philips Geschichte allen Anfechtungen ihrer Richtigkeit standgehalten hat.“<ref>Mark Duvoisin: L.A. Times Responds to Biggie Story. Rolling Stone, 12. Januar 2006, abgerufen am 9. August 2022.</ref> Wallaces Familie wehrte sich gegen die Vorwürfe des Berichts und legte Dokumente vor, aus denen sich ergeben soll, dass Wallace zur fraglichen Zeit in New York und New Jersey war.<ref>Stephen M. Silveran: B.I.G. Family Denies Tupac Murder Claim. People Magazine, 9. September 2002, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. März 2008; abgerufen am 9. August 2022.</ref> Die New York Times kritisierte die Dokumente als nicht schlüssig und erklärte:
„Bei den Dokumenten handelt es sich angeblich um drei Computerausdrucke aus [dem Studio] Daddy’s House, aus denen hervorgeht, dass Wallace in der Nacht des Mordes im Studio war, um den Song Nasty Boy aufzunehmen. Sie weisen darauf hin, dass Wallace die Hälfte des Tages geschrieben hat [und die zweite], um [seinen ersten Take] aufzunehmen. Nichts deutet aber darauf hin, dass die Dokumente an dem Tag erstellt wurden. Und Louis Alfred, der Tontechniker, der auf den Blättern aufgeführt ist, meinte in einem Interview, dass er sich daran erinnere, den Song mit Wallace spät in der Nacht aufgenommen zu haben, nicht am Tag. Er konnte sich nicht an das genaue Datum erinnern, glaubte aber, dass es wahrscheinlich nicht die Nacht war, in der Shakur erschossen wurde.“<ref>John Leland: New Theories Stir Speculation On Rap Death. The New York Times, 7. Oktober 2002, abgerufen am 9. August 2022.</ref>
Evans erinnerte sich hingegen, dass ihr Mann sie in der Nacht von Shakurs Tod anrief und vor Schreck weinte. Sie sagte: „Ich denke, man kann sagen, dass er wahrscheinlich Angst hatte, bei allem, was zu dieser Zeit passierte und bei all dem Rummel, der um diesen so genannten Streit gemacht wurde, obwohl er in der Tiefe seines Herzens gegen niemanden etwas hatte.“<ref>Erich Donaldson: Friendship Started & Ended By Hip-Hop: A Tupac & Biggie Story. Medium, 13. Juni 2016, abgerufen am 9. August 2022.</ref><ref name="z68">Shaheem Reid: Faith Evans Says Biggie Cried When He Heard Tupac Was Shot. MTV, 10. September 2002, abgerufen am 9. August 2022.</ref> Wayne Barrow, Wallaces Manager zu dieser Zeit, bekräftigte die Aussage von Wallaces Familie, dass dieser in der Nacht Nasty Boy aufgenommen habe.<ref name="z68" /> Und auch Snoop Dogg gegenüber habe Wallace behauptet, Shakur nie gehasst zu haben.<ref>Martin Berrios: Snoop Dogg Recalls Visiting The Notorious B.I.G. After 2Pac Was Killed. HipHopWired, 12. Juni 2020, abgerufen am 9. August 2022.</ref> Tatsächlich finden sich auf Life After Death mehrere positive Referenzen auf Künstler der Westküste, zum Beispiel die Anspielung auf Snoop Doggs erfolgreiches Debütalbum Doggystyle auf Somebody’s Gotta Die: „I’m sittin in the crib dreamin’ about Learjets and coupes. The way Salt shoops and how to sell records like Snoop. Oops!“<ref>Snoop Says there would be NO Jay-Z if 2PAC and Biggie were ALIVE! (THROWBACK). YouTube, abgerufen am 9. August 2022.</ref>
Zwei Tage nach dem Tod von Shakur wurden Wallace und Lil’ Cease in Brooklyn verhaftet, weil sie in der Öffentlichkeit Marihuana rauchten; dabei wurde ihr Auto beschlagnahmt.<ref>Rapper Notorious B.I.G. Arrested on Drug Charge. AP News, 19. September 1996, abgerufen am 9. August 2022.</ref> Am nächsten Tag wählte Wallace einen Chevrolet Lumina APV als Ersatzfahrzeug, obwohl dieses Fahrzeug Probleme mit den Bremsen hatte.<ref>Keith Nelson Jr.: EXCLUSIVE: Lil Cease Tells The Story Of How He Crippled The Notorious B.I.G. (VIDEO). All HipHop, 2. Oktober 2013, abgerufen am 9. August 2022.</ref> Der Wagen kollidierte auf dem New Jersey Turnpike mit einer Leitplanke, wodurch alle Personen im Wagen – Wallace, Lil’ Cease und Charli Baltimore – schwer verletzt wurden.<ref>Chris Malone: Why Did The Notorious B.I.G. Walk With a Cane? CheatSheet, 2. August 2021, abgerufen am 9. August 2022.</ref>
Wallace verbrachte nach dem Unfall mehrere Monate in einem Krankenhaus. Er nutzte vorübergehend einen Rollstuhl,<ref name="z20" /> musste zum Laufen einen Stock benutzen<ref name="z58" /> und eine Therapie machen. Trotz des Krankenhausaufenthalts arbeitete er weiter an dem Album. Im Text von Long Kiss Goodnight wird auf den Unfall Bezug genommen: „Ya still tickle me, I used to be as strong as Ripple be / Til Lil’ Cease crippled me.“<ref>Danielle Harling: Lil Cease Says The Notorious B.I.G. Wrote A Portion Of "Life After Death" While Hospitalized. HipHop.dx, 9. Februar 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. Februar 2015; abgerufen am 9. August 2022.</ref>
Am 29. Oktober 1996 brachte Evans das zweite Kind von Wallace, seinen Sohn Christopher Jr., zur Welt.<ref name="z27" /> Im darauf folgenden Monat veröffentlichte das Junior M.A.F.I.A.-Mitglied Lil’ Kim ihr Debütalbum Hard Core, wobei Wallace, weiterhin ihr Geliebter, die Aufgabe des ausführenden Produzenten übernahm.<ref name="z20" />
1997: Zweites Album Life After Death
Am 27. Januar 1997 wurde Wallace zur Zahlung von 41.000 US-Dollar Schmerzensgeld verurteilt, weil er und sein Gefolge den Freund eines Konzertveranstalters nach einem Streit im Mai 1995 zusammengeschlagen haben sollen.<ref>Notorious B.I.G. Loses Lawsuit. MTV, 27. Januar 1997, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. Mai 2013; abgerufen am 9. August 2022.</ref> Wegen desselben Vorfalls folgte wenig später auch eine strafrechtliche Anzeige wegen Körperverletzung, wobei am Ende alle Anklagen – auch die wegen Raubes – fallengelassen wurden.<ref name="z22" /> Nach diesen Ereignissen äußerte Wallace den Wunsch, sich auf seinen „Seelenfrieden“, seine Familie – allen voran seine Tochter T’yanna – und Freunde zu konzentrieren.<ref>Jake Brown: Ready to Die: The Story of Biggie Smalls Notorious B.I.G. Colossus Books, 2004, ISBN 978-0-9749779-3-5, S. 122.</ref>
Im Februar 1997 reiste Wallace nach Kalifornien, um sein Album Life After Death zu bewerben und ein Musikvideo für die Leadsingle Hypnotize zu drehen. Im selben Monat waren Wallace und seine Affäre Charli Baltimore in einen häuslichen Streit im Four Seasons Hotel verwickelt, bei dem es um gefundene Polaroid-Bilder von Wallace und anderen Frauen ging. Wallace hatte Lil’ Cease in der Nacht zuvor angewiesen, die Tasche mit den Fotos aus dem Zimmer zu nehmen. Im Verlauf des Streits wurden Wallaces Ehering und Uhr aus dem Fenster geworfen, wobei Ersterer nicht mehr gefunden werden konnte.<ref>Chris Malone: The Notorious B.I.G.’s Ex-Girlfriend Charli Baltimore Threw His Jewelry Out of a Window Just Days Before His Death. CheatSheet, 22. Oktober 2021, abgerufen am 9. August 2022.</ref>
Tod
Vor dem Attentat
Am 7. März überreichte Wallace bei den Soul Train Music Awards 1997 einen Preis an Toni Braxton und wurde von einigen Zuhörern ausgebuht.<ref name="z58" /> Eine Weiterreise nach London am nächsten Morgen wurde abgesagt. Am darauffolgenden Abend, dem 8. März, besuchten er und das Gefolge von Bad Boy Records eine von der Zeitschrift Vibe und Qwest Records veranstaltete After-Party im Petersen Automotive Museum, die von Kidada Jones im Carthay Circle in Los Angeles geleitet wurde. Weitere Gäste waren Faith Evans, Aaliyah, Chris Tucker, Ginuwine, Irv Gotti, Jermaine Dupri, Da Brat, Missy Elliot, Timbaland, Kenny Burns, DJ Clue und Mitglieder der Straßengangs Bloods und Crips.<ref name="z18" />
Der Fotograf Eric Johnson erzählte später davon, dass ein geplantes Fotoshooting mit Wallace in Los Angeles deshalb nicht stattfinden konnte, weil dieser ständig Morddrohungen erhielt.<ref>Dave Simpson: Biggie kept saying: ‘Is this where they dump the dead bodies?’ – Eric Johnson’s best photograph. The Guardian, 11. Mai 2022, abgerufen am 9. August 2022.</ref>
Attentat
Am 9. März 1997 um 00:30 Uhr (PST) fuhr Wallace mit seinem Gefolge in zwei Chevrolet Suburbans zu einer After-Party im Haus von Steve Stoute in den Hollywood Hills. Vor der Abfahrt schloss das Los Angeles Fire Department die Party wegen Geräuschbelästigung vorzeitig.<ref>Todd S. Purdum: Rapper Is Shot to Death in Echo of Killing 6 Months Ago. The New York Times, 10. März 1997, abgerufen am 9. August 2022.</ref> Wallace fuhr auf dem Beifahrersitz zusammen mit seinen Kollegen D-Roc, Lil’ Cease und Gregory Young. Sean Combs fuhr im anderen Fahrzeug zusammen mit Eugene Deal, Tone, Stevie J. und dem Fahrer Kenny. Die beiden Autos wurden von einem Chevrolet Blazer verfolgt, in dem der Sicherheitschef von Bad Boy Records, Paul Offord, saß.<ref name="z18" />
Um 00:45 Uhr hielt Wallaces Geländewagen an einer roten Ampel an der Ecke Wilshire Boulevard.<ref>where biggie smalls was show and killed. Popturf, abgerufen am 9. August 2022.</ref> Zwei Minuten später hielt ein dunkler Chevrolet Impala neben Wallaces Suburban an. Der dunkelhäutige Fahrer des Impala kurbelte sein Fenster herunter, zog eine brünierte 9-mm-Pistole und feuerte auf den SUV; vier Kugeln trafen Wallace.<ref name="z18" /> Dessen Begleiter brachten ihn ins Cedars-Sinai Medical Center, in dem die Ärzte erfolglos eine Thorakotomie durchführten. Um 01:15 Uhr wurde Wallace für tot erklärt.<ref>Cavan Sieczkowski: Biggie Smalls Autopsy Report Leaked: Graphic Details Of Christopher Wallace's Death Revealed. Huffington Post, 7. Dezember 2012, abgerufen am 9. August 2022.</ref>
Der Autopsiebericht wurde im Dezember 2012, fünfzehn Jahre nach seinem Tod, veröffentlicht. Dem Bericht zufolge waren drei der vier Schüsse nicht tödlich. Die erste Kugel traf seinen linken Unterarm und wanderte bis zum Handgelenk; die zweite Kugel traf ihn in den Rücken, verfehlte alle lebenswichtigen Organe und trat durch die linke Schulter aus; die dritte Kugel traf seinen linken Oberschenkel und trat durch die Oberschenkelinnenseite aus. Die vierte Kugel war tödlich: Sie drang durch die rechte Hüfte ein und traf mehrere lebenswichtige Organe, darunter den Dickdarm, die Leber, das Herz und den oberen Lappen der linken Lunge, bevor sie im linken Schulterbereich stecken blieb.<ref>Steven J. Horowitz: Notorious B.I.G. Autopsy Report Released. HipHop.dx, 6. Dezember 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. März 2015; abgerufen am 9. August 2022.</ref>
Die Ermittlungen zum Attentat wurden 2005 beendet<ref>Gary Susman: FBI ends investigation into Biggie's murder. Entertainment Weekly, 11. März 2005, abgerufen am 7. April 2023.</ref> und nach neuen Hinweisen in den Jahren 2006<ref>Chuck Philips: LAPD Renews Search for Rapper's Killer. lapd.com, 31. Juli 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. Oktober 2006; abgerufen am 4. Juli 2023.</ref> und 2011<ref>LAPD Reopens Biggie Smalls Murder Case. NBC, 7. Januar 2011, abgerufen am 7. April 2023.</ref> wieder aufgenommen. Die Tat bleibt trotzdem ungeklärt.
Der Tod von Wallace wurde von Hip-Hop-Kollegen und Fans weltweit betrauert. Der Rapper Nas sagte später, dass Wallaces Tod zusammen mit dem von Tupac Shakur „beinahe das Ende des Rap“ bedeutet habe.<ref>Alex M. Smith: Nas Interview: Tupac, B.I.G. Deaths Were Nearly 'The End Of Rap'. Music Times Genre, 18. August 2014, abgerufen am 9. August 2022.</ref>
Die Beerdigung von Wallace fand am 18. März in der Frank E. Campbell Funeral Chapel in Manhattan statt. Es nahmen rund 350 Trauernde teil, darunter Lil’ Cease, Queen Latifah, Mase, Faith Evans, SWV, Jay-Z, Damon Dash, DJ Premier, Charli Baltimore, Da Brat, Flavor Flav, Mary J. Blige, Lil’ Kim, Run-D.M.C., Busta Rhymes, Salt-N-Pepa, Foxy Brown und Sister Souljah.<ref>John Sakamoto: Notorious B.I.G. a posthumous chart-basher. Canoe, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. September 1999; abgerufen am 9. August 2022.</ref> Nach der Beerdigung wurde sein Körper eingeäschert und die Asche seiner Familie übergeben.<ref>Chrisena Coleman, Mike Claffey, Tara George, Stephen McFarland: Biggie's body is carried through his Brooklyn home, passing thousands of fans in 1997. NY Daily News, 19. März 1997, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 25. Mai 2015; abgerufen am 9. August 2022.</ref>
Posthume Veröffentlichungen
Sechzehn Tage nach seinem Tod wurde Wallaces zweites Album wie geplant als Doppelalbum veröffentlicht. Ursprünglich als Life After Death...'Til Death Do Us Part angekündigt, wurde der Titel später auf Life After Death gekürzt.<ref>Alona Wartofsky: The Music With Too Many Hits. The Washington Post, 11. März 1997, abgerufen am 9. August 2022.</ref> Das Album erreichte die Höchstposition der Billboard 200, erhielt kritischen Beifall und gilt wie sein Debüt als Meisterwerk.<ref>Ashley Lyle: 20th Anniversary of Notorious B.I.G.’s ‘Life After Death’: Revisit The Videos. Billboard, 25. März 2017, abgerufen am 9. August 2022.</ref><ref>Phil Smith: 'Life After Death': Behind Notorious B.I.G.'s Posthumous Rap Masterpiece. Dig!, 25. März 2022, abgerufen am 9. August 2022.</ref><ref>Paul Thompson: Making a Masterpiece: The Notorious B.I.G.‘s ‘Life After Death,’ 20 Years Later. Complex, 25. März 2017, abgerufen am 9. August 2022.</ref> Rolling Stone platzierte es 2020 auf Platz 179 der 500 besten Alben aller Zeiten.<ref>Brett Schewitz: #179 Notorious B.I.G., 'Life After Death' (1997). Rolling Stone 500 Greatest Albums Of All Time, abgerufen am 9. August 2022.</ref> Auch kommerziell konnte Wallace den Erfolg seines Debütalbums wiederholen: Im Jahr 2000 wurde Life After Death von der RIAA mit einer Diamant-Schallplatte ausgezeichnet<ref>Life After Death (R.I.A.A.). RIAA, abgerufen am 9. August 2022.</ref> und bis heute gehört es mit über 6 Millionen Mal verkauften Einheiten zu den erfolgreichsten Rapalben aller Zeiten.<ref>NOTORIOUS B.I.G. album sales. BestSellingAlbums, abgerufen am 9. August 2022.</ref> Das Album wurde 2014<ref>The Notorious B.I.G. Life After Death (2014 Remastered Edition). Apple Music, abgerufen am 9. August 2022.</ref> und 2022<ref>Mark Elibert: Biggie's 'Life After Death' Album Gets 25th Anniversary Box Set. HipHop.dx, 23. Februar 2022, abgerufen am 9. August 2022.</ref> als „Remastered-Version“ wiederveröffentlicht.
Die erste Single Hypnotize war das letzte Musikvideo, an dem Wallace selbst mitwirkte.<ref>Brian Josephs: “He Never Got To See The Final Product”: Director Paul Hunter Talks Making Notorious B.I.G.’S “Hypnotize” Video 20 Years Later. Spin, 24. März 2017, abgerufen am 24. August 2022.</ref> Noch größeren Erfolg in den Charts hatte er mit der zweiten Single Mo Money Mo Problems. Beide Singles erreichten Platz 1 der Billboard Hot 100, womit Wallace zum ersten Künstler wurde, dem dies posthum gelang.<ref name="z20" /> Das Musikvideo der dritten Single Sky’s the Limit wurde unter der Regie von Spike Jonze gedreht, wobei Wallace und seine Zeitgenossen – darunter Combs, Lil’ Kim und Busta Rhymes – durch Kinderdarsteller dargestellt wurden.<ref>Child music video stars – where are they now? Lucky Voice, 12. Oktober 2015, abgerufen am 24. August 2022.</ref> Im Dezember 1997 kürte die Zeitschrift Spin Wallace zum Künstler des Jahres und Hypnotize zur Single des Jahres.<ref>Brandon Barber. Rolling Stone, 2. Dezember 1997, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. August 2007; abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Mitte 1997 veröffentlichte Combs sein Debütalbum No Way Out, auf dem Wallace bei fünf Songs als Gastbeitrag mitwirkte. Die bekannteste Single des Albums, I’ll Be Missing You mit Beiträgen von Faith Evans und 112, wurde Wallace gewidmet. Bei den Grammy Awards 1998 wurden Life After Death und seine ersten beiden Singles in der Kategorie Rap nominiert.<ref>And the Grammy goes to… CNN, 1998, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. August 2000; abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Seit 1996 war Wallace an der Zusammenstellung einer Hip-Hop-Supergroup, Commission, beteiligt, die aus ihm selbst, Jay-Z, Lil’ Cease, Combs und Charli Baltimore bestand. Die Commission wurde von Wallace in den Texten zu What’s Beef und Victory erwähnt, einem ersten Projekt kam aber sein früher Tod zuvor.<ref>Biggie and Jay-Z were Planning to Form a Supergroup Called The Commission. Beats, Rhymes & Lists, 15. Februar 2022, abgerufen am 24. August 2022.</ref> Ein Lied auf Duets: The Final Chapter namens Whatchu Want (The Commission) ist an die Gruppe angelehnt.
Im Dezember 1999 veröffentlichte Bad Boy das Album Born Again. Es handelt sich um eine Kompilation von bisher unveröffentlichtem Material, gemischt mit Gastauftritten mehrerer Künstler, von denen viele zu Lebzeiten Wallace noch nicht aktiv oder bekannt waren. Trotz einiger positiver Kritiken wurde das Album weitgehend als „ungewöhnliche Zusammenstellung“ kritisiert; The Source beschrieb es als „Zusammenstellung einiger der ungeschicktesten Kollaborationen seiner Karriere.“<ref>Born Again (CD). Tower Records, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. Februar 2013; abgerufen am 24. August 2022.</ref> Trotzdem wurde das Album von der RIAA für über 2 Millionen verkaufte Einheiten in den Vereinigten Staaten mit Doppelplatin ausgezeichnet.<ref>Born Again (R.I.A.A.). RIAA, 14. Januar 2000, abgerufen am 24. August 2022.</ref> Im Jahr 2001 wurde ein unveröffentlichter Gastbeitrag Wallaces von Michael Jacksons auf dessen Album Invincible verwendet.<ref>Unbreakable: We break down the Notorious B.I.G.’s rap verse on Invincible’s first track. Medium, 9. Oktober 2021, abgerufen am 4. August 2022.</ref><ref>Fridtjof Küchemann: Unkaputtbar: Michael Jackson versucht das Prinzip Pop. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Oktober 2001, abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Später wurde Material von Wallace auf „Foolish“ und „Realest Niggas“ (beide 2002) von Ashanti und „Runnin’ (Dying to Live)“ mit Shakur (2003) verwertet. Das letzte Studioalbum von Wallace, Duets: The Final Chapter setzte das auf Born Again begonnene Muster fort.<ref>Peter Relic: Notorious B.I.G. Duets: The Final Chapter. Rolling Stone, 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Juli 2007; abgerufen am 24. August 2022.</ref><ref>The Notorious B.I.G. – Duets: The Final Chapter < Review >. AllMusic, abgerufen am 24. August 2022.</ref> Die Leadsingle „Nasty Girl“ wurde Wallaces erste Platz 1 Single in Großbritannien.<ref>Chris Brown verpasst Rekord in UK-Charts. Musik Woche, 6. Februar 2006, abgerufen am 24. August 2022.</ref> Combs und Wallaces Mutter Voletta gaben an, dass das Album die letzte Veröffentlichung sein wird, die neues Material des Rappers enthält.<ref>Matilda Egere-Cooper: Notorious B.I.G.: an album too far? The Independent, 27. Januar 2006, abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Ein Duett-Album, The King & I, mit Evans und Notorious B.I.G., wurde am 19. Mai 2017 veröffentlicht, wobei erneut auf bisher unveröffentlichtes Material des Rappers zurückgegriffen wurde.<ref>Harriet Gibsone: Faith Evans and Notorious BIG duet album due out in May. The Guardian, 3. Februar 2017, abgerufen am 24. August 2022.</ref><ref>Davide Bortot: Faith Evans & The Notorious B.I.G. – The King & I. Musik Express, 19. Mai 2017, abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Musikstil
Stimme und Flow
Wallace rappte meist in einem tiefen Ton, den Rolling Stone als „dichtes, schwungvolles Grummeln“ beschrieb.<ref>Notorious B.I.G. Album Review. Rolling Stone, 17. Dezember 1997, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. Februar 2007; abgerufen am 24. August 2022.</ref> Seine Lieder wurden meist von Ad-Libs seines Produzenten Puff Daddy begleitet.<ref>Sean Michaels: Fiddy blasts Diddy over Biggie. The Guardian, 9. Juli 2010, abgerufen am 24. August 2022.</ref> In der Kolumne „Unsigned Hype“ von The Source, in der Wallace das erste Mal einem größeren Publikum vorgestellt wurde, ist sein Stil als „cool, nasal und [individuell]“ beschrieben.<ref>Matty C.: Unsigned Hype – The Notorious B.I.G. & The Hitman 50 Grand. The Source, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. Februar 2013; abgerufen am 24. August 2022.</ref> AllMusic lobte Wallace für sein „Talent, viele komplexe Reime ohne Vorbau in schneller Folge aufeinander zu stapeln.“<ref name="z41" />
Time schrieb, er habe die besondere Fähigkeit, „mehrsilbige Reime unbeschwert klingen zu lassen“<ref>Josh Tyrangiel: The All-TIME 100 Albums. The Time, 13. November 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. Februar 2007; abgerufen am 24. August 2022.</ref> und auch Professor Adam Krims bezeichnete seinen rhythmischen Stil als „flüssig“.<ref name="z98">Adam Krims: Rap Music and the Poetics of Identity. Cambridge: Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-63447-2, 2000, S. 85.</ref> Vor dem Beginn seiner Strophe nutzte Wallace oft lautmalerisch Vokabeln, wobei dieses Stilmittel besonders bei seinen Liveauftritten nützlich war, um seine Stimme aufzuwärmen. Meist handelte es sich um Ausrufe wie „uhhh“ zu Beginn von Hypnotize und Big Poppa, zum Teil um Fragewendungen wie „what?“ in Songs wie My Downfall.<ref>William E. Smith: Hip Hop as Performance and Ritual. Trafford Publishing, ISBN 978-1-4120-5394-5, 2005, S. 163.</ref>
Lateef Daumont von dem Hip-Hop-Duo Latyrx beschrieb Wallaces Art zu rappen als „intensive und komplexe Flows“.<ref name="z100">Paul Edwards: How to Rap: The Art & Science of the Hip-Hop MC. Chicago Review Press, S. 100–144.</ref> Fredro Starr von Onyx nannte ihn den „Meister des Flows“,<ref name="z100" /> und Bishop Lamont erklärte, er beherrsche „alle Hemisphären der Musik“.<ref name="z100" /> Um seinen Flow abwechselnd zu gestalten, wechselte Wallace regelmäßig zwischen komplexen Reimketten und Einzeilen-Reimschemata ab.<ref name="z100" /> Big Daddy Kane zeigte sich beeindruckt, dass Wallace kein großes Vokabular brauchte, um seine Zuhörer zu beeindrucken, denn er „[setze] seine Worte auf eine so geschickte Art und Weise zusammen, [dass es für seinen Stil] funktionierte.“<ref name="z100" />
Wallace war dafür bekannt, die Vortragsweise seiner Texte in seinem Kopf zu entwickeln, anstatt sie auf Papier niederzuschreiben.<ref name="z100" /><ref name="frederick" /> Gelegentlich wich er auch von seinem üblichen Stil ab. Bei Playa Hater sang er in einem langsamen Falsett.<ref name="z106" /> Bei Notorious Thugs, seiner Zusammenarbeit mit Bone Thugs-N-Harmony, rappte er weite Passagen seiner Strophe in Doubletime, um sich dem Rapstil der Gruppe anzupassen.<ref>Yannick Levante: Die besten US-Rap-Alben der 90er: Biggies selbsterfüllende Prophezeiung auf LIFE AFTER DEATH. Musik Express, 20. Juni 2022, abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Lyrik
Wallaces lyrische Themen erstreckten sich von Mafioso-Geschichten (z. B. Niggas Bleed) und seiner Vergangenheit als Drogenhändler (z. B. Ten Crack Commandments) über materialistische Prahlerei (z. B. Hypnotize), schwarzen Humor (z. B. Just Playing (Dreams)) und Romantik (z. B. Me & My Bitch).<ref>Shaheem Reid: Notorious B.I.G.: Still The Illest. MTV News, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. März 2005; abgerufen am 24. August 2022.</ref> Im Jahr 2004 bezeichnete ihn Rolling Stone als einen der „wenigen jungen männlichen Songwriter, die glaubwürdige Liebeslieder schreiben.“<ref name="z96">Notorious B.I.G. Biography. Rolling Stone, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Februar 2006; abgerufen am 24. August 2022.</ref> In seinem Buch „How to Rap“ lobte der Rapper Guerilla Black Wallace dafür, sowohl „das Leben in der Oberschicht zu verherrlichen“<ref>Paul Edwards: How to Rap: The Art & Science of the Hip-Hop MC. Chicago Review Press, 2009, S. 14.</ref> als auch „seinen Kampf [aus der Unterschicht] nachempfindbar zu machen.“<ref>Paul Edwards: How to Rap: The Art & Science of the Hip-Hop MC. Chicago Review Press, 2009, S. 44.</ref>
Der Journalist Touré von The New York Times schrieb 1994, dass Wallace in seinen Texten „autobiografische Details über Verbrechen und Gewalt mit emotionaler Ehrlichkeit vermischt.“ Marriott von der New York Times schrieb 1997 darauf aufbauend, dass Wallaces Texte nicht streng autobiografisch seien und er „ein Händchen für Übertreibungen [habe].“<ref name="z22" /> Wallace antwortete darauf und meinte: „Mein Debütalbum ist ein großer Kuchen, wobei jedes Stück einen anderen Punkt in meinem Leben darstellt“, die aber „vom Anfang bis zum Ende mit Bitches und Niggaz zu tun [haben].“<ref>Jake Brown: Ready to Die: The Story of Biggie Smalls Notorious B.I.G. Colossus Books, ISBN 978-0-9749779-3-5, 2004, S. 66.</ref>
Rolling Stone beschrieb Ready to Die als Kontrast zwischen „düsteren Straßenvisionen“ und „übermütigem Spaß, der das Lustprinzip zurück in den Hip-Hop bringt.“<ref name="z96" /> AllMusic schrieb von einem „Gefühl des Niedergangs“ in einigen seiner Songs und The New York Times bemerkte, dass viele seiner Songs „mit Paranoia durchsetzt“ seien.<ref name="z41" /><ref name="z111">Jon Pareles: Rapping, Living and Dying a Gangsta Life. The New York Times, 10. März 1997, abgerufen am 24. August 2022.</ref> Wallace beschrieb sich selbst als „pleite und deprimiert“, als er sein Debüt schrieb.<ref name="z111" /> Der letzte Song auf Wallaces Debütalbum, Suicidal Thoughts, beschreibt seine Sorgen und Suizidgedanken zu dieser Zeit.<ref name="z96" />
Auf Life After Death wurde Wallaces Texte noch „tiefgründiger“.<ref name="z96" /> Krims lobte, wie sich auf dem Album peppige, tanzorientierte Tracks mit „Reality-Rap-Songs“ abwechseln. Das XXL-Magazin bemerkte, dass Wallace zwischen den Alben „sein Image aufpoliert“ habe, indem er von einem „mittelmäßigen Hustler“ auf seinem Debüt zu einem „Drogenboss“ auf seinem zweiten Album aufstieg.<ref>Stephen Stickler: The History of Cocaine Rap: All White. XXL Mag, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Dezember 2007; abgerufen am 24. August 2022.</ref>
AllMusic schrieb, dass der Erfolg von Ready to Die „größtenteils auf Wallaces Geschick als Geschichtenerzähler zurückzuführen ist.“<ref name="z41" /> Bereits 1994 beschrieb Rolling Stone seine Fähigkeit „ein so lebendiges Klangbild zu malen, dass man direkt in die Szene versetzt wird.“<ref>The Notorious B.I.G. – Ready To Die (Remastered Explicit Version) [CD]. EBay, abgerufen am 24. August 2022.</ref> Auf Life After Death demonstrierte Wallace diese Fähigkeit als Geschichtenerzähler vor allem in dem Lied I Got a Story to Tell.<ref name="z106">Robert Christgau: Notorious B.I.G. Consumer Guide Reviews. Robert Christgau, abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Einfluss
The Notorious B.I.G. hat bis heute einen großen Einfluss im Hip-Hop Genre, insbesondere im Hip-Hop der Ostküste. Er gilt gemessen an den Verkaufszahlen als der erfolgreichste Rapper der Ostküste, der erfolgreichste Hardcore-Rapper und einer der erfolgreichsten Rapper aller Zeiten.
Kritische Rezeption
AllMusic nannte ihn den „Retter des East Coast Hip-Hop“.<ref name="z20" /> Das Magazin The Source kürte ihn im Jahr 2002 zum „besten Rapper aller Zeiten“.<ref>Kim Osorio: Biggie Smalls Is The Illest. März 2002. In: The Source.</ref> Als das XXL-Magazin 2003 mehrere Hip-Hop-Künstler bat, ihre fünf Lieblings-Rapper aufzulisten, erschien Wallace auf mehr Listen als jeder andere Rapper. Im Jahr 2006 setzte ihn MTV auf Platz 3 ihrer Liste der „größten MCs aller Zeiten“ und nannte ihn den „technisch anspruchsvollsten Rapper aller Zeiten“.<ref>The Greatest MCs Of All Time. MTV, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. April 2006; abgerufen am 24. August 2022.</ref> Die Redakteure von About.com setzten ihn auf Platz 3 ihrer Liste der „Top 50 MCs of Our Time“.<ref>Henry Adaso: The 50 Greatest Rappers of All Time. Live About, 12. Dezember 2018, abgerufen am 24. August 2022.</ref> 2012 setzte ihn The Source auf Platz 3 ihrer Liste der „Top 50 Lyrical Leaders of all time“.<ref>Johny Blue: Top 50 Lyrical Leaders: 3. The Notorious B.I.G. In: The Source. New York City: L. Londell McMillan. Juli 2012.</ref> Rolling Stone bezeichnete ihn als den „besten Rapper, der je gelebt hat“.<ref>Notorious B.I.G., 'Juicy'. Rolling Stone Music, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. Dezember 2012; abgerufen am 24. August 2022.</ref> Und auch Billboard bezeichnete ihn 2015 als den besten Rapper aller Zeiten.<ref>The 10 Best Rappers of All Time. Billboard, 12. November 2015, abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Tribute anderer Künstler
Wallaces Texte wurden von einer Vielzahl von Künstlern gesampelt und zitiert, darunter Jay-Z, 50 Cent, Alicia Keys, Fat Joe, Nelly, Ja Rule, Eminem, Lil Wayne, The Game, Ariana Grande, Michael Jackson und Usher.<ref>Who Sampled The Notorious B.I.G. (Vollständige Liste). Who Sampled, abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Bei den MTV Video Music Awards 2005 zollten Combs und Snoop Dogg Wallace Tribut, indem sie ein Orchester seine Lieder Juicy und Warning spielen ließen.<ref>Corey Moss: Green Day Clean Up, Kelly Clarkson Gets Wet, 50 Rips Into Fat Joe At VMAs. MTV News, 28. August 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 25. November 2005; abgerufen am 24. August 2022.</ref> Bei den VH1 Hip Hop Honors 2005 wurde ein Tribut an Wallace später als der Höhepunkt der Show bezeichnet.<ref>VH1 to give Notorious B.I.G. Hip Hop Honors. Today, 29. Juni 2005, abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Wohltätigkeitsorganisationen
Zu Lebzeiten rief Wallace eine Bekleidungslinie namens Brooklyn Mint ins Leben, die sich auf Kleidung in Übergrößen konzentrierte. Nach seinem Tod wurde sie eingestellt. Im Jahr 2004 wurde die Marke durch Mark Pitts und Wayne Barrow mit Hilfe von Jay-Z zurück auf den Markt gebracht, wobei die verkauften T-Shirts nicht die ursprünglichen Designs, sondern Bilder von Wallace aufwiesen. Ein Teil des Erlöses ging an die Christopher Wallace Foundation und an Jay-Zs Shawn Carter Scholarship Foundation.<ref>Nolan Strong: B.I.G.'s Brooklyn Mint Clothing Line Debuts, Jay-Z Gets Down. All Hip Hop, 8. Februar 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Dezember 2007; abgerufen am 24. August 2022.</ref> 2005 beauftragte Voletta Wallace die Branding- und Lizenzierungsagentur Wicked Cow Entertainment mit der Leitung der Lizenzierungsbemühungen des Nachlasses. Weitere Produkte unter der Marke Wallace sind Actionfiguren, Decken und Mobil-Inhalte.<ref>Roman Wolfe: Limited Action Figures of B.I.G., Public Enemy Coming This Fall. All Hip Hop, 22. Juni 2006, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Dezember 2007; abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Die Christopher Wallace Memorial Foundation veranstaltet jedes Jahr ein Galadinner unter dem Titel „B.I.G. Night Out“, um Gelder für die Schulausrüstung von Kindern zu sammeln. Da es sich bei dieser Veranstaltung um eine Wohltätigkeitsveranstaltung für Kinderschulen handelt, soll „B.I.G.“ eine Doppelbedeutung haben – einmal der Künstlername des Rappers und einmal „Books Instead of Guns“ (deutsch: „Bücher statt Pistolen“).<ref>Shaheem Reid, Sway Calloway: Biggie, Jam Master Jay, Left Eye And Their Mothers Honored At B.I.G. Night Out. MTV, 3. Dezember 2003, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Oktober 2003; abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Künstlerische Tribute (Auswahl)
In der Fulton Street in Brooklyn, eine halbe Meile westlich von Wallaces altem Wohnblock, befindet sich ein großes Wandbild von ihm als Mao Zedong.<ref name="stewart">Should We Name a Street After Biggie? The L Magazine, 3. September 2013, abgerufen am 24. August 2022.</ref> Es existiert eine Petition dafür, die Ecke Fulton Street und St. James Place in der Nähe von Wallaces Elternhaus nach ihm zu benennen. Mit Unterstützung von örtlichen Unternehmen sammelte sie mehr als 560 Unterschriften.<ref name="stewart" /> Im Jahr 2020 wurde verkündet, dass der ehemalige St. James Place offiziell in Christopher Wallace Way umbenannt wird.<ref>Rap-Legende Notorious B.I.G. hat seine eigene Straße in Brooklyn bekommen. MTV, 12. Juli 2019, abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Ein großes Porträt von Wallace spielt eine wichtige Rolle in der Netflix-Serie Marvel’s Luke Cage, da er als Muse für die Erschaffung Cornell „Cottonmouth“ Stokes diente.<ref>Luke Cage's Cottonmouth Explains His Notorious B.I.G. Photo. CBR, 13. September 2016, abgerufen am 24. August 2022.</ref>
2018 wurde ein Film veröffentlicht, der die Ermittlungen von LAPD-Detective Russell Poole zum Mord an Wallace beschreibt. City of Lies basiert auf dem Buch LAbrynith des Journalisten Randall Sullivan und beleuchtet die Korruption innerhalb des LAPD, die den Fall Wallace umgibt. Auch Voletta Wallace unterstützte Pooles These, dass die Untersuchungen des Falls demontiert worden seien.<ref>Joe Deckelmeier: Voletta Wallace Interview: City of Lies. ScreenRant, 13. April 2021, abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Im August 2020 veröffentlichte Wallaces Sohn C.J. einen House-Remix von „Big Poppa“.<ref>Brenton Blanchet: Notorious B.I.G.’S Son Shares Electrifying ‘Big Poppa’ House Remix. Spin, 12. August 2020, abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Eine Netflix-Dokumentation Biggie: Das ist meine Geschichte vom März 2021, die von Voletta Wallace und Combs produziert wurde, konzentriert sich auf das Leben von B.I.G., bevor er als „King of New York“ berühmt wurde. Er bietet einen „beispiellosen Zugang, der vom Wallace-Nachlass gewährt wurde.“<ref>Daniel Kreps: Notorious B.I.G.: See First Trailer for Estate-Approved Netflix Documentary. Rolling Stone, 15. Februar 2021, abgerufen am 24. August 2022.</ref>
Biopic
Notorious B.I.G. ist ein biografischer Film aus dem Jahr 2009 über Wallace und sein Leben, in dem der Rapper Jamal Woolard die Hauptrolle übernahm. Der Film wurde unter der Regie von George Tillman, Jr. gedreht und von Fox Searchlight Pictures vertrieben. Zu den Produzenten gehörten Sean Combs, Wayne Barrow und Mark Pitts sowie Voletta Wallace. Am 16. Januar 2009 wurde die Premiere des Films im Grand 18 Theater in Greensboro, North Carolina, verschoben, nachdem ein Mann vor Filmbeginn auf dem Parkplatz erschossen worden war. Der Film erhielt gemischte Kritiken und spielte weltweit über 44 Millionen Dollar ein.
Anfang Oktober 2007 begannen die offenen Casting-Aufrufe für die Hauptrolle. Beanie Sigel sprach für die Rolle vor, wurde aber nicht genommen. Sean Kingston verkündete öffentlich, die Rolle des Wallace zu spielen, was die Produzenten dementierten. Schließlich wurde der Rapper Jamal Woolard für die Rolle des Wallace ausgewählt, während sein Sohn Christopher Wallace jr. die Rolle des Kinds übernehmen sollte.
Zu den weiteren Darstellern gehören Angela Bassett als Voletta Wallace, Derek Luke als Sean Combs, Antonique Smith als Faith Evans, Naturi Naughton als Lil’ Kim und Anthony Mackie als Tupac Shakur. Bad Boy veröffentlichte am 13. Januar 2009 ein Soundtrack-Album zum Film.
Diskografie
Vorlage:Eingebundene Diskografie
Mediales Auftreten
Filmografie
- 1995: The Show – als er selbst
- 1997: Rhyme & Reason – als er selbst
- 2002: Biggie & Tupac – Archivmaterial
- 2003: Tupac: Resurrection – Archivmaterial
- 2007: Notorious B.I.G. Bigger Than Life – Archivmaterial
- 2009: Notorious B.I.G. – Archivmaterial
- 2017: All Eyez on Me – Archivmaterial
- 2017: Biggie: The Life of Notorious B.I.G. – Archivmaterial
- 2018: Quincy – Archivmaterial
- 2021: Biggie: Das ist meine Geschichte – Archivmaterial
Fernsehen
- 1995: New York Undercover – als er selbst
- 1995: Martin – als er selbst
- 2017: Who Shot Biggie & Tupac? – Archivmaterial
- 2018: Unsolved – Archivmaterial
Auszeichnungen und Nominierungen
| Auszeichnung | Jahr | Nominierte/r | Kategorie | Resultat |
|---|---|---|---|---|
| The Source Hip-Hop Music Awards<ref>Nadirah Simmons: Today in 1995: The 2nd Annual Source Awards Makes Hip Hop History. The Source, 3. August 2016, abgerufen am 28. Juli 2022.</ref> | 1995 | The Notorious B.I.G. | New Artist of the Year (Solo) | Gewonnen |
| The Notorious B.I.G. | Lyricist of the Year | Gewonnen | ||
| The Notorious B.I.G. | Live Performer of the Year | Gewonnen | ||
| Ready to Die | Album of the Year | Gewonnen | ||
| Billboard Music Awards<ref>Winners Datebasa 1995. Abgerufen am 28. Juli 2022.</ref><ref>Winners Datebasa 1997. Abgerufen am 28. Juli 2022.</ref> | 1995 | The Notorious B.I.G. | Rap Artist of the Year | Gewonnen |
| One More Chance / Stay with Me (Remix) | Rap Single of the Year | Gewonnen | ||
| 1997 | Life After Death | R&B Album | Gewonnen | |
| Grammy Awards<ref>38th Grammy Awards – 1996. 28. Februar 1996, abgerufen am 28. Juli 2022.</ref><ref>40th Grammy Awards – 1998. 25. Februar 1997, abgerufen am 28. Juli 2022.</ref> | 1996 | Big Poppa | Best Rap Solo Performance | Nominiert |
| 1998 | Hypnotize | Best Rap Solo Performance | Nominiert | |
| Mo Money Mo Problems | Best Rap Performance by a Duo or Group | Nominiert | ||
| Life After Death | Best Rap Album | Nominiert | ||
| MTV Video Music Awards<ref>1997 MTV VIDEO MUSIC AWARDS. 4. September 1997, abgerufen am 28. Juli 2022.</ref><ref>1998 MTV Video Music Awards. 10. September 1998, abgerufen am 28. Juli 2022.</ref> | 1997 | Hypnotize | Best Rap Video | Gewonnen |
| 1998 | Mo Money Mo Problems | Best Rap Video | Nominiert | |
| Soul Train Music Awards<ref>Soul Train Awards 1996. Abgerufen am 28. Juli 2022.</ref><ref>Soul Train Awards 1998. Abgerufen am 28. Juli 2022.</ref> | 1996 | One More Chance / Stay With Me (Remix) | Rap Song of the Year | Gewonnen |
| 1998 | Life After Death | Best R&B/Soul Album – Male | Gewonnen | |
| Life After Death | R&B/Soul or Rap Album of the Year | Nominiert | ||
| Mo Money Mo Problems | Best R&B/Soul or Rap Music Video | Nominiert | ||
| Black Reel Award<ref>Black Reel Awards 2004. Abgerufen am 28. Juli 2022.</ref> | 2004 | Runnin’ (Dying to Live) | Best Original or Adapted Song | Nominiert |
| American Society of Composers, Authors and Publishers<ref>18TH ANNUAL ASCAP RHYTHM & SOUL MUSIC AWARDS PRESENTED IN LOS ANGELES. Abgerufen am 28. Juli 2022.</ref><ref>2017 ASCAP Rhythm & Soul Music Awards. 22. Juni 2017, abgerufen am 28. Juli 2022.</ref><ref>2020 ASCAP Rhythm & Soul Music Awards. 15. Juni 2020, abgerufen am 28. Juli 2022.</ref> | 2005 | Runnin’ (Dying to Live) | Top Soundtrack Song of the Year | Gewonnen |
| 2017 | The Notorious B.I.G. | ASCAP Founders Award | Gewonnen | |
| 2020 | Sicko Mode | Winning Rap and R&B/Hip-Hop Songs | Gewonnen | |
| Rock and Roll Hall of Fame<ref>Inductees Notorious B.I.G. Rockhall, abgerufen am 28. Juli 2022.</ref> | 2020 | The Notorious B.I.G. | Performers | Gewonnen |
Weblinks
- The Notorious B.I.G. bei laut.de
- The Notorious B.I.G. bei AllMusic (englisch)Vorlage:Abrufdatum
- Obduktionsbericht
Quellen
<references responsive />
Vorlage:Erweiterte Navigationsleiste/Lua
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | The Notorious B.I.G. |
| ALTERNATIVNAMEN | Wallace, Christopher George Latore (Geburtsname); Big; Biggie; Biggie Smalls; White, Frank (Pseudonym) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Rapper |
| GEBURTSDATUM | 21. Mai 1972 |
| GEBURTSORT | Brooklyn, New York City, Vereinigte Staaten |
| STERBEDATUM | 9. März 1997 |
| STERBEORT | Los Angeles, Kalifornien, Vereinigte Staaten |