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Gogo-Formation

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Datei:Vertebrates from Gogo Formation.png
Fossilien verschiedener Wirbeltiere aus der Gogo-Formation

Die Gogo-Formation ist eine Fossillagerstätte, bestehend aus einem ehemaligen Korallenriff, in der außergewöhnlich gut erhaltene Fossilien aus dem Devon enthalten sind. Sie befindet sich im australischen Bundesstaat Western Australia in der Region Kimberley (Australien).

Das ehemalige Riff liegt im Landesinneren in der Wüste West-Australiens. Sie ist die Hauptattraktion des Windjana-Gorge-Nationalparks. In den bis zu 100 Meter hohen Felswänden werden immer wieder spektakuläre Fossilen-Funde gemacht. Bisher wurden etwa 45 Fischarten entdeckt.

Teile der Gogo-Formation bestehen aus Schluffstein, Tonschiefer und Kalktuff mit zahlreichen Konkretionen aus Kalkstein. Diese Konkretionen sind sehr witterungsbeständig, wodurch die Vielzahl von Fossilienfunden erklärt wird.

Die Sedimente der Gogo-Formation entstanden im Oberdevon durch Ablagerungen am anoxischen Meeresboden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gogo Reef Formation (Memento vom 7. März 2018 im Internet Archive)</ref> Die Kalkstein-Mineralmassen bildeten sich an Objekten im Flachwasser, die dann in tiefe, anoxische Bereiche absanken. Durch die Fossilationsbedingungen in der Lagerstätte, nämlich der schnellen Umhüllung mit Mineralien und der langsamen Verrottung im sauerstoffarmen Milieu des Riffes, sind viele ausgestorbene Fische, vor allem Plattenhäuter (Placodermi) so gut erhalten, dass deren gesamte dreidimensionale Struktur rekonstruiert werden kann. Bei vielen Exemplaren sind die Kopfbereiche, und bei einigen sogar Weichteile wie Muskeln, Nervenfasern<ref>K. Trinajstic, E. Marshall, J. Long, K. Bifield: Exceptional preservation of nerve and muscle tissues in Devonian placoderm fish and their phylogenetic implications. In: Biology Letters. 3, 2007, S. 197–200.</ref> und das Riechsystem, sehr gut rekonstruierbar.

Das Riff wurde 1940 von dem Paläontologen Curt Teichert<ref>Nachruf auf Curt Teichert, in Englisch@1@2Vorlage:Toter Link/rock.geosociety.org (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im November 2022. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref> beschrieben,<ref>C. Teichert: Actinosiphonate cephalopods (Cyrtoceroida) from the Devonian of Australia. In: Royal Society of Western Australia Journal. 26, 1940, S. 59–75.</ref> der auch die ersten fossilen Fische in dieser Region entdeckte.

Gogonasus andrewsae (zu deutsch „Die Schnauze von Gogo“), ein ca. 380 Millionen Jahre alter Fleischflosser (Sarcopterygii), wurde 1985 in der Gogo-Formation entdeckt.<ref>J. A. Long: A new osteolepidid fish from the upper devonian Gogo formation of Western Australia. In: Recs W A Mus. 12, 1985, S. 361–377.</ref> Er gehört, wie Panderichthys (370 bis 360 Millionen Jahre) und Tiktaalik (375 Millionen Jahre) zu einem Taxon, das auch die Vorläufer der späteren Landwirbeltiere (Tetrapoden) beinhaltet.<ref>J. A. Long, G. C. Young, T. Holland, T. J. Senden, E. M. G. Fitzgerald: An exceptional devonian fish from Australia sheds light on tetrapod origins. In: Nature. 444, 2006, S. 199–202. doi:10.1038/nature05243</ref>

Der Plattenhäuter Mcnamaraspis kaprios<ref>J. Long: Gogo fish. Fossil emblem of the state of Western Australia. In: J Roy Soc Western Australia. 82, 1999, S. 51. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />(PDF) (Memento vom 21. Februar 2011 im Internet Archive)</ref> wurde 1986 vom australischen Paläontologen John Long in der Gogo-Formation entdeckt und 1995 von ihm beschrieben.<ref>J. A. Long: A new plourdosteid arthrodire from the upper devonian Gogo formation of Western Australia. In: Palaeontology. 38, 1995, S. 39–62.</ref> Diese Fische weisen Knorpelringe in der Mundregion auf, die beweisen, dass Placodermen in enger evolutiver Verwandtschaft zu Haien stehen. Aufgrund seiner spektakulären Eigenschaften wurde der ca. 25 cm lange Mcnamaraspis. zum Fossilemblem von Western Australia ernannt.

Im Jahr 2008 wurde ein ca. 375 Millionen Jahre altes Exemplar des Placodermen Materpiscis attenboroughi entdeckt, in dessen Inneren sich ein gut erhaltener Embryo mit Nabelschnur fand. Zumindest einige der Placodermen zeigten somit bereits Viviparie.<ref>Aussie fish fossil gives birth to history. 29. Mai 2008.</ref>

Im Jahr 2009 wurden an einem anderen Plattenhäuter, dem Arthrodiren Incisoscutum ritchiei, bei einem ca. 365 Millionen Jahre alten weiblichen Exemplar ebenfalls ein Embryo<ref name="Long">J. A. Long, K. Trinajstic, Z. Johanson: Devonian arthrodire embryos and the origin of internal fertilization in vertebrates. In: Nature. 457, 2009, S. 1124–1127. doi:10.1038/nature07732</ref> und bei einem männlichen Exemplar paarige Klaspern<ref name="Ahlberg">P. Ahlberg, K. Trinajstic, Z. Johanson, J. Long: Pelvic claspers confirm chondrichthyan-like internal fertilization in arthrodires. In: Nature. 460, 2009, S. 888–889. doi:10.1038/nature08176</ref> und damit weitere Merkmale für eine Fortpflanzung durch Begattung bei Placodermen beschrieben. Innere Befruchtung ist demzufolge bereits sehr früh in der Evolution der Wirbeltiere entstanden.

Literatur

  • John Long: Swimming in Stone. The Amazing Gogo Fossils of the Kimberley. Fremantle Arms Centre Press, Fremantle WA 2006, ISBN 1-921064-33-1.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />