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Makramee

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Datei:Unknown artist - Shoes - 1932.650 - Cleveland Museum of Art.jpg
Makrameearbeit aus den Philippinen (vor 1932)
Datei:Mural en macramé.jpg
Moderne Makrameearbeit
Datei:Sylvia's Book of Macramé Lace 80.jpg
Ein Muster aus Sylvia's Book of Macramé Lace (1882)

Makramee (Point noué)<ref>Hugo Glafey (Hrsg.): Textil-Lexikon – Handwörterbuch der gesamten Textilkunde. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/Berlin 1937, S. 504.</ref> bezeichnet eine Anzahl von Knüpftechniken zur Anfertigung von Spitze, die vollständig per Hand – also ohne Nadeln und gewöhnlich auch ohne Gewichte – ausgeführt werden. Halbe Schläge (meist doppelt ausgeführt) und Kreuzknoten bilden den Kernbestand der verwendeten Knoten. Die Arbeit erfolgt von oben nach unten mit einer der Breite der Arbeit entsprechenden Anzahl von Fäden, die von vornherein passend zugeschnitten werden. Infolge ihrer Machart enden Makrameearbeiten unten häufig in Fransen.<ref name="pa74">Pat Earnshaw: A Dictionary of Lace. Courier, North Chelmsford, Massachusetts 1999, ISBN 978-0-486-40482-0, S. 74. Onlineausgabe. In: Internet Archive. Abgerufen am 11. Juli 2024.</ref>

Von Klöppelspitze unterscheidet Makrameespitze sich dadurch, dass die Fäden nicht miteinander verdreht, verkreuzt und verschlungen, sondern hauptsächlich miteinander verknotet werden. Von Reticella- und von Nadelspitze unterscheidet sie sich u. a. dadurch, dass sie nicht mit der Nadel, sondern mit bloßen Händen gefertigt wird. Mit Occhi hat Makramee gemeinsam, dass beide Techniken auf Knoten basieren; während Makrameearbeiten aus einer Mehrzahl von Fäden, oft sogar aus sehr vielen Fäden bestehen, wird Occhispitze meist aus einem einzigen Faden gefertigt, und dies auch nicht nur mit bloßen Händen, sondern mit einem Schiffchen.

Der Ursprung von Makramee wird im Altertum vermutet. Einen nachweislich hohen Entwicklungsstand erreicht die Technik aber erst im 16. Jahrhundert in Italien. Außer bei der Herstellung von Textilien kommen Makrameetechniken seit den 1970er Jahren auch beim Knüpfen von Ornamenten oder von Schmuck zum Einsatz. Eine maschinelle Anfertigung von Makrameearbeiten ist bis heute nicht möglich.

Anders als beim Stricken und Häkeln hat sich beim Makramee eine Notation – mit standardisierten Symbolen für individuelle Knoten – bis heute nicht durchgesetzt.<ref>Standard symbols for macrame patterns. Abgerufen am 13. Juni 2024.</ref> Da zumindest für Fortgeschrittene die Machweise durch Augenschein leicht erkennbar ist, dienen in frühen Publikationen Zeichnungen und Fotografien von Makrameearbeiten als Muster.<ref>Z. B. The Imperial Macramé Lace Book, Sylvia's Book of Macrame Lace, Thérèse de Dillmont: Le macramé</ref> Einen Vorschlag zur Notation hat in jüngerer Zeit Harumi Kageyama gemacht.<ref>Harumi Kageyama: Macramé Made Easy. Stylish Patterns and Projects for Beginners. Tuttle, North Clarendon, Vermont 2022, ISBN 978-1-4629-2295-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Etymologie

Die Herkunft des Wortes „Makramee“ ist nicht vollständig gesichert. Es wird vermutet, dass der Ursprung arabisch ist ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) / مِقْرَمَة, „ornamentale Franse“, „geknüpfter Schleier“, belegt seit dem 13. Jahrhundert; von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) / مِقْرَم, „Betttuch“).<ref>Garland Cannon: The Arabic Contributions to the English Language. Harrassowitz, Wiesbaden 1994, ISBN 3-447-03491-2, S. 239 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Von dort kam das Wort – möglicherweise mit Umweg über das Persische (mikrama) – ins Türkische (makrama).<ref>Sherri Haab: Beaded Macramé Jewelry. Watson-Guptill, New York 2006, ISBN 978-0-8230-2952-5, S. 8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Michelle Ford: Macramé for Beginners. Michelle Ford, 2020, ISBN 979-86-8661659-2, S. 2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Ahmed Abdullah Alhussami: Mutual Linguistic Borrowing between English and Arabic. Cambridge Scholars Publishing, Cambridge 2020, ISBN 978-1-5275-5357-6, S. 88 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Kax Wilson: A History of Textiles. Routledge, New York 2021, ISBN 978-0-367-01924-2, S. 71 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Der weitere Weg führt wahrscheinlich über das Italienische (macramè) ins Französische (macramé) und von dort schließlich unter anderem ins Englische (macramé, macrame) und ins Deutsche (Makramee).<ref>macramé. Abgerufen am 3. Juli 2024.</ref> Spanisch wird die Technik, außer als macramé, auch als morisco („maurisch“) bezeichnet.<ref name="pa107">Pat Earnshaw: A Dictionary of Lace. Courier, North Chelmsford, Massachusetts 1999, ISBN 978-0-486-40482-0, S. 107. Onlineausgabe. In: Internet Archive. Abgerufen am 11. Juli 2024.</ref>

Geschichte

Altertum

Ungeachtet der Etymologie des Wortes Makramee hat die britische Textilhistorikerin Pat Earnshaw in ihrem 1982 erstmals erschienenen Standardwerk A Dictionary of Lace als Ursprung der Makrameetechnik nicht den mittelalterlichen arabischen Raum, sondern das Altertum angegeben. Als frühestes bekanntes Dokument für die Existenz der Technik nennt sie eine auf etwa 850 v. Chr. datierte assyrische Steinmetzarbeit, auf der ein Krieger abgebildet ist, dessen Tunika einen Besatz zeigt, der vermutlich in Makrameetechnik gefertigt ist.<ref name="pa107"/><ref name="cal30">Catherine Amoroso Leslie: Needlework through History: An Encyclopedia. Greenwood Press, Westport, Connecticut 2007, ISBN 978-0-313-33548-8, S. 30 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Sie hält es für wahrscheinlich, dass die Technik – außer als Dekoration – ursprünglich entwickelt worden ist, um sicherzustellen, dass Gewebe sich am Rande nicht auflösen können.<ref name="pa107"/> Sie geht davon aus, dass geknüpfte Spitze eine modische Bedeutung aber frühestens im ausgehenden 15. Jahrhundert erlangt.<ref name="pa119">Pat Earnshaw: A Dictionary of Lace. Courier, North Chelmsford, Massachusetts 1999, ISBN 978-0-486-40482-0, S. 119. Onlineausgabe. In: Internet Archive. Abgerufen am 11. Juli 2024.</ref>

Maurische Spitze

In den Quellen, deren Autoren den Ursprung der Makrameetechnik im arabischen Raum vermuten, besteht keine Einigkeit darüber, wann und auf welchen Wegen das Wort und die damit bezeichnete Textiltechnik aus dem Orient nach Europa gelangt sein könnten. So ist in einer deutschen Publikation aus dem Jahre 1890 angegeben, dass Makramee „zur Zeit der Kreuzzüge aus Arabien zu uns überkommen sein [soll]“.<ref name="cal30"/><ref>Mathilde Clasen-Schmidt: Knüpfarbeit oder Macramé. In: Daheim-Kalender für das Deutsche Reich auf das Gemeinjahr 1890. Velhagen & Klasing, Bielefeld, Leipzig 1890, S. 121–127 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> In einer amerikanischen Quelle heißt es 21 Jahre später dagegen, Makramee habe das christliche Europa im Zusammenhang der spanischen Reconquista erreicht.<ref>Will W. Aulick: Plays and Players. In: The Gateway. Band 17, Nr. 1, August 1911, S. 42 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> In einer jüngeren britischen Quelle ist ohne Nennung der Reconquista angegeben, dass maurische Weber nach Spanien gereist seien und die dortigen Einheimischen ihre Kunst gelehrt haben; von dort sei Makramee – über Frankreich, wo die Technik im 14. Jahrhundert angekommen sein soll – nach Italien gelangt.<ref name="tlp">Lauren Brett: The History of Macramé. Abgerufen am 9. Juli 2024.</ref>

Die Geschichte der Spitze in Spanien gilt unter heutigen Textilhistorikern als besonders schwer rekonstruierbar, da Belegstücke und Dokumente mit eindeutiger Information fehlen und da Ware, die (etwa aus dem von Spanien dominierten Italien) importiert war, leicht als eigene Produktion hätte ausgegeben werden können. Zwei seit dem 15. Jahrhundert in Spanien bekannte, aus Seide oder Metall gefertigte, dem Makramee ähnliche Knüpfspitzen hießen Caireles und Rapacejus.<ref>Pat Earnshaw: A Dictionary of Lace. Courier, North Chelmsford, Massachusetts 1999, ISBN 978-0-486-40482-0, S. 157 f. Onlineausgabe. In: Internet Archive. Abgerufen am 11. Juli 2024.</ref>

Wenig ist über die Technik bekannt, die arabisch als miqrama bezeichnet wurde und das europäische Makramee nach Meinung mancher Autoren angeregt hat. Cora A. Slocomb di Brazzà erwähnte 1893 in dem von ihr verfassten Ausstellungskatalog A Guide to Old and New Lace in Italy ein in Venedig so bezeichnetes Punto Moresco (auch Moorish point), das geknüpft und eine Form von Makramee sei.<ref name="brazza11">Cora A. Slocomb di Brazzà: A Guide to Old and New Lace in Italy. Chicago 1893, S. 11 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). Onlineausgabe. Abgerufen am 10. Juli 2024.</ref> Mehr oder weniger übereinstimmend damit bemerkte 1920 der amerikanische Literaturhistoriker Louis Harmoth, punto moresco sei die italienische Bezeichnung für eine geknüpfte Spitze, mit der „echtes Makramee“ imitiert werde.<ref>Louis Harmuth: Dictionary of Textiles. 2. Auflage. Fairchild, New York 1920, S. 149 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Andere Autoren dagegen verstanden unter „maurischer Spitze“ (französisch dentelle de Moresse) gar nichts, das mit Makramee zu tun hatte, sondern eine grobe nordafrikanische bzw. marokkanische Klöppelspitze des 16. und 17. Jahrhunderts, die auch keineswegs einheimischen, sondern spanischen oder maltesischen Ursprungs war.<ref>Cora A. Slocomb di Brazzà: A Guide to Old and New Lace in Italy. Chicago 1893, S. 11 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Emily Nevill Jackson: A History of Hand-Made Lace. L. Upcott Gill/Charles Scribner's Sons, London/New York 1900, S. 183 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). Onlineausgabe. Abgerufen am 13. Juli 2024.</ref><ref>C. R. Clifford: The Lace Dictionary. Clifford & Lawton, New York 1913, S. 92 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Dentelle de Moresse: Sopha Frances Anne Caulfeild: The Dictionary of Needlework (Nachdruck der Originalausgabe von 1882). Outlook Publishing, Norwich 2024, ISBN 978-3-385-41852-3, S. 150 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Pat Earnshaw erwähnt ein Groppi moreschi („maurisches Knüpfen“), das der venezianische Verleger Giovanni Antonio Tagliente in seiner erstmals 1527 veröffentlichten Mustersammlung Essempio di recammi aufgeführt hat; es sei aber unklar, ob es sich dabei um eine Knüpftechnik handelt oder um eine Technik, die – was etwa im Kontext byzantinischer Designs vorkam – das Aussehen von Knoten lediglich imitiert.<ref>Pat Earnshaw: A Dictionary of Lace. Courier, North Chelmsford, Massachusetts 1999, ISBN 978-0-486-40482-0, S. 74 f. Onlineausgabe. In: Internet Archive. Abgerufen am 11. Juli 2024.</ref> Die Knüpfspitze, die in Teilen des arabischen Raumes sowie in der Türkei und in Armenien beheimatet war, wurde nach Earnshaws Einschätzung nicht mit bloßer Hand, sondern mit der Nadel gefertigt.<ref>Pat Earnshaw: A Dictionary of Lace. Courier, North Chelmsford, Massachusetts 1999, ISBN 978-0-486-40482-0, S. 90 f. Onlineausgabe. In: Internet Archive. Abgerufen am 11. Juli 2024.</ref> Generell gilt das Stichwort „maurisch“ unter Textilhistorikern jedoch als Hinweis auf das Vorliegen oder Imitieren einer geknüpften Spitze.<ref>Pat Earnshaw: A Dictionary of Lace. Courier, North Chelmsford, Massachusetts 1999, ISBN 978-0-486-40482-0, S. 140. Onlineausgabe. In: Internet Archive. Abgerufen am 11. Juli 2024.</ref>

Mittelalter und Renaissance

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Makrameespitze aus dem 16. Jahrhundert (Fragment)
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Makrameespitze aus dem 17. Jahrhundert (Fragment)

Im späten 19. Jahrhundert haben einige Autoren (Cora A. Slocomb di Brazzà, C. R. Clifford) Ähnlichkeiten zwischen Makramee und Punto a groppo bemerkt und irrtümlich vermutet, dass es sich dabei um ein und dieselbe Technik handele.<ref name="brazza11"/><ref>C. R. Clifford: The Lace Dictionary. Clifford & Lawton, New York 1913, S. 70 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Punto a groppo war eine Form von Spitze, die in Italien in der Zeit vom 15. bis 17. Jahrhundert verbreitet war.<ref name="schorn174">Otto von Schorn: Die Textilkunst. G. Freytag/I. Tempsky, Leipzig, Prag 1885, S. 174 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Margaret Simeon: The History of Lace. Stainer and Bell, London 1979, ISBN 978-0-85249-445-5, S. 139.</ref> Wie Pat Earnshaw später aufgewiesen hat, rührt die fehlerhafte Gleichsetzung wahrscheinlich daher, dass die wenigen erhaltenen Beispiele von Punto a groppo sich in so schlechtem Zustand befanden, dass die Machart kaum zu erkennen war. Nach ihrer Einschätzung war Punto a groppo auf der Grundlage eines geknoteten Knopflochstichs (point noué) mit der Nadel gearbeitet.<ref name="pa74"/>

Earnshaw beschreibt jedoch kleinere Makrameearbeiten, die auch im 16. und 17. Jahrhundert bereits existiert haben. Um die Art der Anfertigung zu kaschieren, endeten diese oft nicht in Fransen, sondern in kleinen Zierschlingen (picots), die dem Rand ein gezahntes Aussehen verliehen.<ref name="pa74"/> Auch die amerikanische Textilhistorikerin Virginia Churchill Bath charakterisiert die älteren Makrameespitzen als „sehr zart und klein“, da sie aus den Fäden ungesäumter Textilien gearbeitet gewesen seien; auch vermutet sie eine Identität von Fil(et) de Carnasière und Makramee.<ref name="vcb30">Virginia Churchill Bath: Lace. A comprehensive guide to lacemaking. Penguin, Harmondsworth, New York 1974, ISBN 0-14-046378-X, S. 30. Onlineausgabe. In: Internet Archive. Abgerufen am 13. Juli 2024.</ref><ref>Elisa Ricci: Old Italian Lace. Band 1. William Heineman, London 1913, S. 387. Onlineausgabe. Abgerufen am 13. Juli 2024.</ref> Über Fil de Carnasiere heißt es bei Emily Nevill Jackson: diese „italienische geknüpfte Spitze“ sei „in der Frühzeit des Spitzenmachens im Dienste der Kirche“ verwendet worden.<ref name="enj59">Emily Nevill Jackson: A History of Hand-Made Lace. L. Upcott Gill/Charles Scribner's Sons, London/New York 1900, S. 59 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). Onlineausgabe. Abgerufen am 13. Juli 2024.</ref>

Einige Fotografien von erhaltenem Makramee aus dem 16. Jahrhundert hat Elisa Ricci in ihrer Monografie Old Italian Lace veröffentlicht.<ref>Elisa Ricci: Old Italian Lace. Band 1. William Heineman, London 1913, S. 299, 428–436. Onlineausgabe. Abgerufen am 13. Juli 2024.</ref> Als Makrameearbeiten sind von verschiedenen Autoren auch die Spitzen identifiziert worden, die in zwei Gemälden der frühen Neuzeit am unteren Rande von Tischdecken zu sehen sind:<ref name="enj59"/><ref>Virginia Churchill Bath: Lace. A comprehensive guide to lacemaking. Penguin, Harmondsworth, New York 1974, ISBN 0-14-046378-X, S. 29. Onlineausgabe. In: Internet Archive. Abgerufen am 13. Juli 2024.</ref>

Restaurationszeit und Aufklärungszeit in England

In ihrer Monografie History of Lace (1865) berichtet Fanny Bury Palliser, dass Königin Mary II. (1662–1694) nach Auskunft ihres Biografen Gilbert Burnet ihre Freizeit mit der Anfertigung geknüpfter Spitze verbracht habe.<ref>Mrs. Bury Palliser: History of Lace. In: www.gutenberg.org. S. 13, abgerufen am 10. Juli 2024.</ref> Mary soll die Technik in den Niederlanden kennengelernt und später ihre Hofdamen gelehrt haben. Auch Queen Charlotte (1744–1818) soll Makrameearbeiten besessen und geschätzt haben.<ref name="tlp"/>

Viktorianisches Zeitalter

Datei:History of Lace - Figure 038.jpg
Genueser Makramee

In den 1840er Jahren kam es zu einer Blüte der Makrameetechnik in der Region der italienischen Riviera, besonders in Chiavari und in Genua, das – neben Venedig und Mailand – eines der bedeutendsten Zentren der italienischen Spitzenherstellung war.<ref name="vcb30"/><ref>Mrs. Bury Palliser: History of Lace. In: www.gutenberg.org. S. 52, 79, abgerufen am 10. Juli 2024.</ref><ref>Pat Earnshaw: A Dictionary of Lace. Courier, North Chelmsford, Massachusetts 1999, ISBN 978-0-486-40482-0, S. 88. Onlineausgabe. In: Internet Archive. Abgerufen am 11. Juli 2024.</ref> Hier erscheint im Zusammenhang mit der Knüpftechnik erstmals der Terminus „Makramee“ (ital. macramè).<ref>Mrs. Bury Palliser: History of Lace. In: www.gutenberg.org. S. 79, abgerufen am 10. Juli 2024.</ref> Die an der Riviera gefertigten Knüpfspitzen wurden als Verzierung v. a. an Handtücher aus Damast angefügt.<ref>Sylvia (Pseudonym): Sylvia's Book of Macrame Lace. Ward, Lock and Co., London 1882, S. 289 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Dr. Gräße: Die Geschichte der Spitzenfabrication und Stickerkunst. In: Wochenschrift des niederösterreichischen Gewerbe-Vereins. Band 27, Nr. 1. Wien 1866, S. 546 f., hier S. 547 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Internationale Beachtung fand die Technik, als 1867 Arbeitsproben aus Genua auf der Pariser Weltausstellung präsentiert wurden.<ref>Mrs. Bury Palliser: A History of Lace. 2. Auflage. Sampson, Low, Son, and Marston, London 1869, S. 64 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Auch auf der Centennial Exhibition in Philadelphia und auf der (1876) Weltausstellung Paris 1878 war Makrameespitze ausgestellt.<ref>C. D. Beebe: Lace, Ancient and Modern. Sharps, New York 1880, S. 286 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Eine genaue Darstellung der Technik war zuvor allerdings schon in der britischen Schrift Illustrated Queen Almanach and Lady's Calendar for 1866 erschienen.<ref>The Lady's Work Table. In: The Illustrated Queen Almanach and Lady's Calendar for 1866. The Queen Office, London 1866, S. 35 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Datei:The Imperial Macrame Lace Book - Figure 12.jpg
Illustration aus dem Imperial Macramé Lace Book

In den 1870er und 1880er Jahren wurde Makramee im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten zu einer beliebten Beschäftigung bürgerlicher Mädchen und Frauen.<ref>C. D. Beebe: Lace, Ancient and Modern. Sharps, New York 1880, S. 284 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Eines der ersten ganz diesem Thema gewidmeten Bücher, die die Makrameetechnik detailliert beschrieben und lehrten, war das 1877 in New York City erschienene Imperial Macramé Lace Book. Mrs. Douglas, die Autorin dieses Buches, empfahl als Arbeitsunterlage ein Kissen, auf dem das Werkstück mit Nadeln zu befestigen sei. Als Material empfahl sie, je nach Zweck der Arbeit, entweder Schnur, Zwirn, Leinen- oder Seidengarn. Ihre Designs waren von Rippenknoten (doppelten halben Schlägen an einem Trägerfaden) geprägt, in etwas geringerem Umfang auch von Kreuzknoten. Verwendungszweck sämtlicher Arbeiten, deren Anfertigung in dem Buch beschrieben sind, war das Annähen an beliebige Textilien, die damit aufgewertet und verziert werden sollten.<ref>Mrs. Douglas: The Imperial Macramé Lace Book. Barbour Brothers, New York 1877. Online-Ausgabe. Abgerufen am 1. Juli 2024.</ref> Fünf Jahre später hieß es in Sylvia's Book of Macrame Lace (1882), dass Makramee sich inzwischen zu einer Beschäftigung entwickelt habe, die „überaus fashionable“ sei, und dass Garne inzwischen speziell für diesen Zweck hergestellt und gehandelt werden, insbesondere verschiedene Arten von ungefärbtem oder farbigem Leinengarn oder auch Seidengarn.<ref>Sylvia (Pseudonym): Sylvia's Book of Macrame Lace. Ward, Lock and Co., London 1882, S. 285, 291 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Als einschlägige Verwendung von Makrameespitze wird hier, außer der Verzierung von Handtüchern, die von Kissen, Antimakassars, Bezügen für Sofapolster, Fenstervorhängen, Sonnenschirmen, Ober- und Unterbekleidung für Frauen, Halsgebinden für Männer (cravats) und vielem anderen mehr genannt.<ref>Sylvia (Pseudonym): Sylvia's Book of Macrame Lace. Ward, Lock and Co., London 1882, S. 290 f., 309, 312 f., 315, 325, 328, 332 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Als Arbeitsgrundlage empfahl die Autorin ein selbst gefertigtes Kissen mit einem Bezug aus feinem dunklen Stoff und einer Füllung aus Sand und Kleie. Daneben erwähnt sie auch feine stählerne Stecknadeln mit großem Glaskopf (toilet pins), die eigens zu diesem Zweck gefertigt und gehandelt werden.<ref>Sylvia (Pseudonym): Sylvia's Book of Macrame Lace. Ward, Lock and Co., London 1882, S. 292 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Bevorzugter Knoten war weiterhin der Rippenknoten; die Muster waren abstrakt geometrisch, besonders verbreitet waren Rautendesigns.<ref>Sylvia (Pseudonym): Sylvia's Book of Macrame Lace. Ward, Lock and Co., London 1882, S. 297–303 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> An die Stelle des Makrameekissens trat gelegentlich ein in den USA erfundenes und patentiertes, speziell für diese Verwendung designtes Arbeitspult.<ref>C. D. Beebe: Lace, Ancient and Modern. Sharps, New York 1880, S. 283 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Der Gebrauch selbstgemachter Unterlagen blieb aber die Regel.<ref>Marian Ford: Novelties in Fancy-Work. In: Potter's American Monthly. Band 16, Nr. 108, Januar 1881, S. 458 ff., hier S. 458 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Als Neuheit beim Makrameedesign selbst kam um 1890 die Idee auf, in die Werkstücke Schmuckperlen einzuarbeiten.<ref>A New Departure in Macramé. In: The Girl's Own Paper. Band 13, Nr. 13. London 3. Oktober 1891, S. 53 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Spätestens in den 1890er Jahren war Makrameegarn nicht mehr aus Leinen, sondern aus Baumwolle hergestellt.<ref>George S. Cole: A Complete Dictionary of Dry Goods and History of Silk, Cotton, Linen, Wool and other Fibrous Substances. W. B. Conkey Company, Chicago 1892, S. 250 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Instructions for Making Macrame Lace. In: Home Needlework Magazine. Februar 1912, S. 195 ff., hier S. 195 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Zumindest in den USA ließ das Interesse an Makramee aber bald schon wieder nach. So bemerkte die Schriftstellerin Constance Cary Harrison 1894, dass diese Handarbeit, die vor wenigen Jahren noch in jedem Wohnzimmer ausgeübt worden sei, inzwischen fast wieder in Vergessenheit geraten sei.<ref>Constance Cary Harrison: Women's Handiwork. In: The Woman's Book. Band 2. Charles Scribner's Sons, New York 1894, S. 217–276, hier S. 251 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Gewerblich wurde Makrameespitze außer in Italien u. a. in Nordirland und in Dalmatien angefertigt.<ref>Nordirland: Employment. In: The Englishwoman's Review of Social and Industrial Questions, 1878 (Nachdruck). Garland Publishing, New York, London 1979, ISBN 0-8240-3735-9, S. 86 ff., hier S. 87 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Dalmatien: Louis Harmuth: Dictionary of Textiles. General Books, S. 146 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. – Nachdruck des 1915 veröffentlichten Originals, ursprünglich erschienen bei Fairchild, New York).</ref> In amerikanischen Quellen aus den Jahren 1911 und 1912 wird erwähnt, dass diese Ware zum Berichtzeitpunkt überaus stark nachgefragt sei.<ref>Splendid Business in Laces. In: Fancy-Goods and Notions. Band 45, Nr. 1, Januar 1911, S. 42 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Laces and Embroideries. In: Drygoods Reporter. Band 42, Nr. 1. Chicago 6. Januar 1912, S. 53 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Es war üblich, sie an Handtücher anzunähen.<ref>Quaker Laces. In: The Ladies' Home Journal. Band 30, Nr. 1. Philadelphia Januar 1913, S. 45 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Im Jargon der Kaufleute, auch der deutschen, galt das Wort noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts als italienisches Synonym für Drillich.<ref>Phil. Andr. Nemnich: Neues Waaren-Lexikon in Zwölf Sprachen. Nemnichsche Buchhandlung, Hamburg 1820, S. 233 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>K. P. Ter Reehorst: New Dictionary of Technical Terms. H. Hering/C. G. van der Post, London/Amsterdam 1842, S. 60 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>E. H. Michelsen: The Merchant's Polyglot Manual. Longman, Green, Longman, and Roberts, London 1860, S. 40 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Die Makrameetechnik selbst – man sprach hier gelegentlich auch von „geknüpften Spitzen“<ref name="qlb12">The Queen Lace Book. A Historical and Descriptive Account of the Hand-Made Antique Laces of All Countries. Part 1. Mediaeval Lacework and Point Laces. "The Queen" Office, London 1874, S. 12 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> – wurde im deutschsprachigen Raum erst relativ spät rezipiert. Zwar finden sich Erwähnungen in deutschsprachigen Modezeitschriften vereinzelt bereits in den 1870er Jahren.<ref>Cornelia. Wiener illustrierte Moden- und Damenzeitung. Band 3, Nr. 1. Wien 1. Oktober 1895, S. 16 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Vorlagen und spezielle Garne wurden aber erst im frühen 20. Jahrhundert handelsüblich.<ref>Jarno Jessen: Handarbeiten im Heim. In: Westermanns Monatshefte, 55. Jahrgang. 109, 1. Teil, Oktober 1910, S. 382–387, hier: S. 384 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Anzeige: Macramé-Knüpfgarn der Firma Wilh. Hebebrand. In: Stickerei-Zeitung. Band 10. Alexander Koch, Darmstadt Oktober 1909 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Die erste Anleitung in Buchform – Elfride Knorrs Lehrbuch für Macrame-Knüpfarbeit – erschien 1911. Die eingedeutschte Schreibweise „Makramé“ lässt sich seit mindestens 1881 nachweisen,<ref>Heinrich Frauberger: Kunstgewerbliche Rundschau. In: Zeitschrift des Kunst-Gewerbe-Vereins in München. 1881, S. 8–15, hier S. 10 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> „Makramee“ seit mindestens 1898.<ref>Ratgeber für Frauenerwerb. In: Schorers Familienblatt. Band 2, Nr. 21, 1898 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

1970er Jahre

Datei:Macrame Owls.jpg
Makramee-Eulen

Ausgehend von Peggy Boehms Werk Macrame & Other Projects for Knitting Without Needles (1963) erlangte die Technik in den 1960er und 1970er Jahren erneut starke Verbreitung. Die Zeitschrift Ebony feierte die Technik als „alte afrikanisch-arabische Kunstform“ und bewarb sie als Möglichkeit, Kleidungs- und Dekorationsstücke anzufertigen, die echte Unikate seien.<ref>Macramé. In: Ebony. Juli 1970, S. 108 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Makramee war auch ein bedeutender Bestandteil der Hippiekultur.<ref name="sb7">Shannon Blair: Macramé for Beginners. Youcanprint, Puglia, Italien 2024, ISBN 979-1-22273875-8, S. 7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Verbreitung erlangte seit den ausgehenden 1960er Jahren das Knüpfen von Makramee-Blumenampeln und -Wandbehängen, letztere häufig mit dem Motiv von Eulen.<ref>"macrame plant hanger" und "macrame plant hangers" im Ngram Viewer. Abgerufen am 7. Juli 2024.</ref><ref>Make it Yourself. Macramé Jute Plant Hanger. Abgerufen am 7. Juli 2024.</ref><ref>Samantha Grenier: Macramé for Home Décor. Fox Chapel, Mount Joy, Pennsylvania 2019, ISBN 978-1-56523-951-7, S. 290.</ref> Beliebte weitere Makrameearbeiten waren Gürtel, Westen und Umhängetaschen.<ref>Needlecraft Institute: Instant Macramé. Graphic Enterprises, New York 1971. Onlineausgabe. In: Internet Archive. Abgerufen am 12. Juli 2024.</ref> Das bevorzugte Material dieser Zeit war Jute.<ref>Gail Crawford: A Fine Line. Studio Crafts in Ontario from 1930 to the Present. Dundurn, Toronto, Oxford 1998, ISBN 1-55002-303-9, S. 123 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Spätestens in den 1970er Jahren wurde die Makrameetechnik auch für die Anfertigung von Schmuck verwendet, mit Materialien wie Schmuckperlen, Hanffaser und Lederschnur.<ref>Michek Baskett: Making Beautiful Hemp & Bead Jewelry. Sterling, New York 1999, ISBN 0-8069-6261-5 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Annika de Groot: Micro-Macramé. St. Martin's Griffin, New York 2009, ISBN 978-0-312-38085-4 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Kelsy Eason: Micro-Macramé Jewelry. Kalmbach, Waukesha, Wisconsin 2017, ISBN 978-1-62700-320-9 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> In den meisten Arbeiten wurden weiterhin ausschließlich Kreuzknoten, Altweiberknoten und doppelte halbe Schläge verwendet; doch erscheinen bereits 1971 Bücher, die daneben auch innovative Knüpftechniken vorstellen.<ref>Betty Alfers: Macramé. Grosset & Dunlap, New York 1971, ISBN 978-0-448-02090-7. Online-Ausgabe. In: Internet Archive. Abgerufen am 12. Juli 2024.</ref>

Weil ihre Grundbegriffe leicht zu vermitteln waren, ging die Makrameetechnik spätestens in den frühen 1970er Jahren sogar in den Bestand der Methoden der Ergotherapie ein.<ref>Craft Techniques in Occupational Therapy. Washington 1971, S. 8-1 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Spätestens in den ausgehenden 1990er Jahren wurde Jute als Material von Nylon überflügelt, dessen Popularität unter anderem daher rührte, dass es leicht gewaschen werden konnte.<ref>Don Aslett: The Cleaning Encyclopedia. Dell, 1999, ISBN 978-0-440-23501-9, S. 219 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Die Makrameegarne, die in den 1990er Jahren im deutschsprachigen Raum gehandelt wurden, waren aus Hanf, Jute, Sisal, Baumwolle oder Chemiefasern hergestellt.<ref>Alois Kießling, Max Matthes: Textil-Fachwörterbuch. Schiele & Schön, Berlin 1992, ISBN 3-7949-0546-6, S. 239 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

In den 1980er und 1990er Jahren wurden Freundschaftsbänder, die mit Rippenknoten selbst angefertigt wurden, unter Teenagern in aller Welt populär. Ursprung dieser Entwicklung waren die USA, wo Freundschaftsbänder bereits in der Hippiekultur der 1970er Jahre Verbreitung gefunden hatten.<ref>Unraveling the Fascinating History of Friendship Bracelets. Abgerufen am 10. Juli 2024.</ref><ref>History. In: www.braceletbook.com. Abgerufen am 10. Juli 2024.</ref>

21. Jahrhundert

Datei:Macrame Book Publication Stats.png
Statistik der neu erschienenen Bücher über Makramee 1960–2023 (Datenquelle: WorldCat)

Das Interesse an Makramee, das in den 1980er Jahren deutlich nachgelassen hatte, erfuhr in den 2010er Jahren und – beschleunigt – in den Jahren der COVID-19-Pandemie (2019–2023) eine massive Wiederbelebung. Zu den weiteren Hintergründen dieser Entwicklung zählt außer der Modewelle des Boho-Chic<ref name="nr_boho">Natalie Ranae: Macramé at Home. Add Boho-Chic Charm to Every Room with 20 Projects for Stunning Plant Hangers, Wall Art, Pillows and More. Page Street, Salem, Massachusetts 2018, ISBN 978-1-62414-529-2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> die Ausbreitung des WWW mit seinen sozialen Medien, darunter nicht zuletzt YouTube, wo seitdem eine Fülle von Tutorials über alte und neue Makrameetechniken und -anwendungen zugänglich geworden ist.

Auffälligstes Charakteristikum des neuen Makramee ist eine extreme Erweiterung des Repertoires der Knüpftechniken. Noch in den 1970er Jahren war dieser Bestand über Rippen-, Kreuz- und Altweiberknoten kaum hinausgegangen. Viele der neuen Beiträge zum Thema Makramee hatten ihren Schwerpunkt nur gar nicht mehr so sehr auf der Anfertigung von Textilien oder Kunstobjekten, sondern versuchten vielmehr aufzuweisen, welche immense Bandbreite an Knoten dafür zu Gebote steht.<ref>Des Pawson: Knot Craft & Rope Mats. Adlard Coles Nautical, London, New York 2016, ISBN 978-1-4729-2278-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Windy Chien: The Year of Knots. Abrams, New York 2019, ISBN 978-1-68335-667-7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Auch in traditionelleren Makrameelehrbüchern gewannen neue Knoten breiten Raum.<ref name="nr_boho"/><ref>Chantal Conlon: Mixed Fiber Macramé. Page Street, Salem, Massachusetts 2020, ISBN 978-1-64567-107-7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Die Anwendungen von Makramee haben sich im 21. Jahrhundert nicht grundlegend geändert. Häufiger als in den 1970er Jahren sieht man heute aber z. B. große flächige Arbeiten, wie groß dimensionierte Wandbehänge, Fenstervorhänge und Ähnliches.<ref>Natalie Ranae: Statement Macramé. Create Stunning Large-Scale Wall Art, Headboards, Backdrops and Plant Hangers with Step-by-Step Tutorials. Page Street, Salem, Massachusetts 2020, ISBN 978-1-64567-008-7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Das populärste Material ist gegenwärtig gezwirnte Baumwolle.<ref name="sb7"/> Daneben werden jedoch auch viele neue Materialien verwendet, wie etwa Raphiafaser und Seegras, bei der Schmuckherstellung auch Nylon- oder Polyesterfaden sowie gewachstes Leinengarn.<ref>Märchen Art: Macramé Pattern Book. St. Martin's, 2013, ISBN 978-1-250-03401-4, S. 14 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Morena Pirri: Knotted & Beaded Macramé Jewelry. Stackpole, Lanham, Maryland 2021, ISBN 978-0-8117-3952-8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Verwandte Techniken

Chinesisches Knüpfen

Die für Makramee charakteristischen Knotentechniken werden u. a. auch beim chinesischen Knüpfen (中国结, zhōng guó jié, wörtliche Bedeutung: „Zusammenfügen zweier Fäden“) verwendet, das im Westen darum gelegentlich auch als „chinesisches Makramee“ bezeichnet wird. Bei dieser traditionellen chinesischen Technik werden Seidenfäden zu meist kleinen, oft mit Jade verarbeiteten ornamentalen Objekten verknüpft, die historisch für eine Vielzahl von rituellen, praktischen und dekorativen Zwecken verwendet wurden.<ref name="lc7">Lydia Chen: Chinese Knotting. Creative designs that are easy and fun! Tuttle, Boston, Rutland (Vermont), Tokyo 2003, ISBN 0-8048-3399-0, S. 7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Ausgehend von archäologischen Funden von Werkzeugen wird vermutet, dass die Existenz dieser Technik in die vorschriftliche Zeit zurückreicht; gelehrte Texte, die auf das chinesische Knüpfen verweisen, sind, wohl aufgrund des volkstümlichen Charakters dieser Praxis, nicht überliefert. Hinweise existieren allerdings auf eine frühe chinesische Knotenschrift.<ref>Lydia Chen: Chinese Knotting. Creative designs that are easy and fun! Tuttle, Boston, Rutland (Vermont), Tokyo 2003, ISBN 0-8048-3399-0, S. 25 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Im Verlaufe der 1930er Jahre büßte das chinesische Knüpfen seine Verbreitung fast vollständig ein.<ref name="lc7"/> Aufgrund der geringen Haltbarkeit des Materials Seide sind nur wenige Arbeiten aus der Kaiserzeit erhalten geblieben.<ref name="lc12">Lydia Chen: Chinese Knotting. Creative designs that are easy and fun! Tuttle, Boston, Rutland (Vermont), Tokyo 2003, ISBN 0-8048-3399-0, S. 12 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Zu den wenigen Ausnahmen zählt das aus Goldfäden geknüpfte Netz, das den zeremoniellen aus Jade gefertigten Bestattungsanzug zusammenhält, der 1968 im Grab von Dou Wan gefunden wurde, einer Prinzessin aus der Han-Dynastie.<ref>Lydia Chen: Chinese Knotting. Creative designs that are easy and fun! Tuttle, Boston, Rutland (Vermont), Tokyo 2003, ISBN 0-8048-3399-0, S. 27 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Weithin verbreitet waren aufwendig geknüpfte Kleinkunstwerke als Bestandteil der Verzierungen der Bindeschärpe der Seidenrobe vornehmer Männer (Hanfu).<ref>Lydia Chen: Chinese Knotting. Creative designs that are easy and fun! Tuttle, Boston, Rutland (Vermont), Tokyo 2003, ISBN 0-8048-3399-0, S. 26 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Bis ins frühe 20. Jahrhundert überdauerte die Technik als Verzierung von Objekten wie Windspielen, Palastlaternen, Brillenetuis, Fächerquasten und Haarnadeln.<ref name="lc12"/> Das chinesische Knüpfen war nicht allein eine hochentwickelte Kunst, sondern auch ein Kommunikationsmittel, mit dem beispielsweise Segen, Glückwünsche oder sogar Liebe ausgedrückt werden konnten.<ref>Lydia Chen: Chinese Knotting. Creative designs that are easy and fun! Tuttle, Boston, Rutland (Vermont), Tokyo 2003, ISBN 0-8048-3399-0, S. 13, 27 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Wiederbelebt wurde das Interesse an der chinesischen Knüpftechnik in der Folge eines 1976 in Taiwan erschienenen Zeitschriftenartikels.<ref>Ornaments of Ornaments. In: Echo of Things Chinese. Band 6, Nr. 2. Taipeh 1976.</ref><ref>World of Chinese Macrame. In: Taiwan Panorama. November 1980, abgerufen am 8. Juli 2024.</ref><ref>Lydia Chen: Chinese Knotting. Creative designs that are easy and fun! Tuttle, Boston, Rutland (Vermont), Tokyo 2003, ISBN 0-8048-3399-0, S. 18 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Knüpfarbeiten der Seeleute

Die Knüpftechniken des Makramee finden Anwendung auch bei den traditionellen Knüpfarbeiten der Seeleute, wobei als „Platting“ insbesondere solche Arbeiten bezeichnet werden, die linear sind und auf einer einzigen Knotenart basieren. Vom Platting zu unterscheiden ist McNamara's Lace, eine ebenfalls von Seeleuten gepflegte Knüpftechnik, bei der jedoch faktisch Makrameespitze entsteht.<ref>Roger B. Thomas: Navy Tradition Survives. In: All Hands. Magazine of the U. S. Navy. Nr. 792, Januar 1983, S. 40 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Scoubidou

Scoubidou ist eine in Frankreich seit 1958 bekannte und in mehreren Wellen verbreitete Knüpftechnik, mit der – heute üblicherweise aus Kunststoffbändern – kleine, meist längliche Objekte wie z. B. Schlüsselanhänger angefertigt werden.

Material

Datei:Macrame Different Materials.jpg
Derselbe Knoten, 5 verschiedene Materialien. Die Materialien verhalten sich nicht nur unterschiedlich, sondern bieten auch unterschiedliche Erscheinungsbilder.

Makrameetechniken lassen sich an nahezu jedem biegeschlaffen Material ausführen, das ausreichend langgestreckt ist, also außer mit handelsüblichem Makrameegarn auch mit den meisten anderen Arten von Garn, und beispielsweise auch mit Seil. Je glatter die Oberfläche des Materials ist, umso besser stellen sich im Werkstück die Knotentechniken dar. Im Bild ist zu sehen (von links nach rechts): 1. gestricktes Strickgarn, 2. Makrameegarn, 3 mm, 3. Makrameegarn, 6 mm, 4. flauschiges Synthetik-Strickgarn, 5. Strickgarn aus Schafswolle.

Leicht elastische Garne (z. B. geflochtene oder gestrickte Garne) erleichtern ein präzises Arbeiten; bei Werkstücken, die ein Gewicht tragen sollen (z. B. Blumenampeln), sind zugfeste Garne (z. B. gezwirnte Garne aus Baumwolle oder Jute) aber zweckmäßiger.

Handelsübliches Makrameegarn wird hauptsächlich in der Stärke 3 Millimeter angeboten; ebenfalls weithin gebräuchlich ist die Stärke 2 mm. Weniger verbreitet sind die Stärken 1, 4, 5, 6, 8 und 10 mm. Makrameegarn ist heute meist aus Baumwolle und 3- oder 4-fach verzwirnt.

Makrameetechnik

Trägerfaden und Arbeitsfaden

Charakteristisch für die meisten Knüpftechniken beim Makramee ist eine funktionale Differenzierung zwischen Trägerfäden (auch: Tragfäden, Leitfäden<ref name="ABC"/>; engl. filler cords, holding cords) und Arbeitsfäden (working cords). Trägerfäden sind relativ kurz und bleiben gestreckt; sie tragen Knoten, werden aber nicht selbst geknotet. Arbeitsfäden sind relativ lang und werden an den Trägerfäden entlanggeknotet, wo sie Schlaufen und Knoten bilden. Bei vielen Techniken ist es für die Stabilität des Werkstücks zwingend, dass diese Differenzierung konsequent aufrechterhalten wird; bei manchen anderen Techniken jedoch werden Trägerfäden an bestimmten Stellen selbst zu Arbeitsfäden, und umgekehrt.<ref>Stacy Fisher: How to Macramé: 7 Basic Knots to Master. Abgerufen am 10. Juni 2024.</ref>

Arbeitsgrundlage

Als Arbeitsgrundlage, an der die Träger- und Arbeitsfäden festgeknüpft werden, wurden traditionell Fäden (engl. foundation thread) verwendet, und zwar entweder als Doppelfaden oder als Doppelfadenpaar.<ref>Sylvia (Pseudonym): Sylvia's Book of Macrame Lace. Ward, Lock and Co., London 1882, S. 290, 293 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Modern haben daneben auch Holz- und Metallringe sowie Rundhölzer und Ähnliches weite Verbreitung gewonnen. Bei anderen Verfahrensweisen wird in Makrameetechnik zuerst eine Schlaufe erarbeitet, aus der die benötigten Fäden unmittelbar hervorgehen.

Häufig verwendete Knoten und Techniken

Ankerknoten

Als Basisknoten, mit denen die Fäden an der Arbeitsgrundlage befestigt werden, werden meist Ankerstiche verwendet oder Knoten, die auf Ankerstichen basieren. Technisch handelt es sich beim Ankerstich um zwei gegenläufig ausgeführte halbe Schläge, die aber in einer einzigen Bewegung ausgeführt werden. Weil der Ankerstich seine Festigkeit nur durch Zug gewinnt und in der allerersten Arbeitsphase dazu neigt, sich wieder zu lockern, werden oft Varianten bevorzugt, die auch ohne Zug stabil bleiben. Hier eine Auswahl:

Zur Befestigung von Fäden werden gelegentlich auch andere Knoten, wie etwa der Webeleinenstek, verwendet.<ref>Clove Hitch. Abgerufen am 10. Juni 2024.</ref>

Halbe Schläge und halbe Knoten

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Halber Schlag
Halber Knoten

Die meisten Knoten, die beim Makramee verwendet werden, basieren entweder auf halben Schlägen oder halben Knoten:

Halber Schlag
Der Arbeitsfaden wird um den Trägerfaden herumgelegt. Im Normalfall wird der Arbeitsfaden dabei zunächst vor den Trägerfaden gelegt und dann erst rückseitig darum herumgeführt.
Halber Knoten
Zwei Arbeitsfäden werden umeinander gelegt.

Ein Makrameemuster, das entsteht, wenn ein und derselbe Knoten in vertikaler Richtung mehr- oder vielfach wiederholt wird, nennt man Platting (engl. sennit, sinnet).<ref>Amy Mullins, Marnia Ryan-Raison: Makramee. 24 Lieblingsstücke selbst knüpfen. Südwest, München 2018, ISBN 978-3-641-22445-5, S. 12 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>The first macrame knots a beginner should learn. Abgerufen am 9. Juli 2024.</ref><ref>Stacy Summer Malimban: Adorable Macramé. Fox Chapel, Mount Joy, Pennsylvania 2023, ISBN 978-1-4971-0392-4, S. 51 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Varianten der Ausführung

Beide dieser Knoten können auf unterschiedliche Weise ausgeführt werden. Bei manchen Techniken ist dies eine reine Frage der persönlichen Gewohnheit, wobei es z. B. für Rechtshänder tendenziell günstig ist, den Trägerfaden mit der linken Hand zu führen und den Arbeitsfaden mit der rechten. Bei anspruchsvolleren Arbeiten dagegen kommt es für das Ergebnis genau auf die Art der Ausführung an.

Halbe Schläge
Rippenknoten

Sowohl halbe Schläge als auch halbe Knoten werden beim Makramee oft paarweise ausgeführt. Zwei identisch ausgeführte halbe Schläge ergeben einen Rippenknoten (engl. clove hitch knot). Im traditionellen Makramee des späten 19. Jahrhunderts hat dieser Knoten eine so zentrale Rolle gespielt, dass die Autorin des Buches Sylvia's Book of Macrame Lace ihn als „Makrameeknoten“ bezeichnete.<ref>Sylvia (Pseudonym): Sylvia's Book of Macrame Lace. Ward, Lock and Co., London 1882, S. 295 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Wenn identisch ausgeführte halbe Schläge in größerer Zahl ausgeführt werden, dreht das Werkstück sich unter bestimmten Umständen (in linearen Werkstücken, nicht aber in flächigen, in denen eine „Rippe“ mehrere Träger- oder Arbeitsfäden enthält) zur Helix. Dabei hängt die Drehrichtung von der Ausführung der halben Schläge ab:

Als „Rückwärtsknoten“ (auch „Linksknoten“, „P-Knoten“) bezeichnet man beim Makramee einen Rippenknoten, bei dem der Tragfaden links und der Arbeitsfaden rechts liegt. Im umgekehrten Fall spricht man von einem „Vorwärtsknoten“ (auch: „Rechtsknoten“, „4-Knoten“).<ref name="ABC">Makramee-ABC. Abgerufen am 10. Juni 2024.</ref>

Hier einige Techniken, die auf Rippenknoten basieren:

Weitere Techniken, die auf halben Schlägen basieren

Für Paare aus zwei gegenläufig ausgeführten halben Schlägen findet sich gelegentlich die Bezeichnung „Ankerstich senkrecht“ (engl. vertical lark's head knot).<ref>Makramee Knoten – Anleitung für verschiedene Knotenarten. Abgerufen am 11. Juni 2024.</ref><ref>The Vertical Lark's Head knot. Abgerufen am 11. Juni 2024.</ref> Bei „Sylvia“ hieß dieser Knoten double Macramé knot.<ref>Sylvia (Pseudonym): Sylvia's Book of Macrame Lace. Ward, Lock and Co., London 1882, S. 296 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Auf einzelnen halben Schlägen basieren u. a. die folgenden Techniken:

Altweiberknoten und Kreuzknoten

Zwei identisch ausgeführte halbe Knoten ergeben einen Altweiberknoten (beim Makramee oft als „Wellenknoten“ bezeichnet). Ähnlich wie seriell ausgeführte halbe Schläge drehen auch seriell ausgeführte identische halbe Knoten bzw. identische Altweiberknoten sich zur Helix.

Zwei gegenläufig ausgeführte halbe Knoten ergeben einen Kreuzknoten.

Viele Variationen des Altweiberknotens und des Kreuzknotens werden, um besser zur Geltung zu kommen, meist doppelfädig ausgeführt:

Altweiberknoten und Kreuzknoten an Trägerfäden

Viele Makrameetechniken bestehen darin, dass Altweiberknoten und/oder Kreuzknoten an Trägerfäden ausgeführt werden:

Die Trägerfäden werden hier u. a. deshalb verwendet, weil sie zusätzliche Stabilität und Masse geben. Auch erhöhen sie die Zahl der Fäden, was für das Gesamtdesign in vielen Fällen notwendig ist.

Weitere Techniken

Datei:Macrame Braid 01.jpg
Eine Flechttechnik

Außer halben Schlägen und halben Knoten werden beim Makramee viele weitere Techniken verwendet, darunter zum Beispiel Flechttechniken.

Buchten

Unter anderem mit ornamentaler Funktion werden in Makrameewerkstücke häufig Buchten eingearbeitet. Beispiel:

Knoten, die auf Überhandknoten basieren

Gelegentlich werden beim Makramee auch Knoten verwendet, die auf Überhandknoten basieren. Beispiele:

Zusammenziehen

Viele Makrameemuster werden dadurch erzeugt, dass im Werkstück zwei Punkte, die mehr oder weniger weit auseinanderliegen, durch Knoten miteinander verbunden und zueinandergezogen werden. Beispiel:

Verschränken

Verschränktechniken werden beim Makramee zu verschiedenen Zwecken eingesetzt. Beispiel:

Weben

Auch Webtechniken kommen beim Makramee zu Einsatz, beispielsweise in dekorativer Funktion:<ref>Mickey Baskett: Making Beautiful Hemp & Bead Jewelry. Sterling, New York 1998, ISBN 0-8069-6261-5, S. 18 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Verkreuzen

Bei anderen Techniken wiederum werden zwei oder mehr Fäden miteinander verkreuzt. Beispiel:

Cavandoli-Makramee

Nach der Italienerin Valentina Cavandoli (1872–1969) ist eine Makrameetechnik benannt, bei der ausschließlich halbe Schläge bzw. daraus abgeleitete Knoten verwendet werden, allerdings mit Fäden unterschiedlicher Farbe. Durch Wechsel zwischen horizontal und vertikal ausgerichteten Knoten wird mal die eine, mal die andere Farbe an die Oberfläche des Werkstücks gebracht.<ref>How Did They Do That? Cavandoli. Abgerufen am 9. Juli 2024.</ref> Beispiel:

Dieses Beispiels ist aus zehn Arbeitsfäden (blau) und einem Trägerfaden (orange) gearbeitet. Die Arbeitsfäden liegen längs zum Betrachter und der Trägerfaden quer über ihnen. Oben und unten sind die Gürtel durch einen gelben „Randfaden“ begrenzt.

Einzelnachweise

<references responsive />

Literatur

Englischsprachige Literatur aus dem späten 19. Jahrhundert
Literatur aus dem frühen 20. Jahrhundert
  • Elfride Knorr: Neue Muster für Macrame-Knüpfarbeit. Leipzig, G. Hedeler 1910. 12 Blätter und 12 Tafeln. (2. Aufl. 1913, 3. Aufl. 1922.)
  • Elfride Knorr: Lehrbuch für Macrame-Knüpfarbeit. Leipzig 1911. 23 Seiten, illustriert.
  • The Priscilla Macramé Book. A Collection of Handsome Designs with Directions for Working. Priscilla Publishing Company, Boston 1913.
  • Agnes Seydel: Knüpf-Arbeiten (Macramé). Beyer, Leipzig 1921.
  • Agnes Thümmel: Knüpf-Arbeiten (macramé). Ein Lehrgang der Knüpftechnik sowie eine Anleitung zur Herstellung von Gebrauchsgegenstände in dieser Handarbeit. 2. Auflage. Verlag der "Deutschen Moden-Zeitung", Leipzig 1930.
Literatur aus den 1960er und 1970er Jahren
  • Peggy Boehm: Macramé and other projects for knitting without needles. Gramercy, New York 1963.
  • Virginia I. Harvey: Macramé. The art of creative knotting. Van Nostrand Reinhold, New York 1967, ISBN 978-0-442-31186-5.
  • Eugene Andes: Practical Macramé. Littlehampton, 1971, ISBN 978-0-289-70195-9.
  • Imelda Manalo Pesch: Macramé. Kreative Knotting. Sterling, 1971, ISBN 978-0-7061-2261-9.
  • Dona Z. Meilach: Macramé. Creative Design in Knotting. Crown, 1971 (zeigt einige innovative Knüpftechniken; Abschnitte über Makrameeplastiken, -kleidung und -inneneinrichtungsobjekte). Onlineausgabe. In: Internet Archive. Abgerufen am 13. Juli 2024.
  • Eugene Andes: Far beyond the fringe. Three-dimensional knotting techniques using macrame & nautical ropework. Van Nostrand Reinhold, 1973, ISBN 978-0-442-20351-1.
  • Lura Labarge: Do Your Own Thing With Macramé. Watson Guptill, 1973, ISBN 978-0-8230-1354-8.
  • Jacqueline Short: Macramé. The Craft of Knotting. Littlehampton, 1973, ISBN 978-0-7137-0626-0.
  • Bonny Schmid-Burleson: The Technique of Macramé. Charles T. Branford, 1974, ISBN 978-0-8231-7034-0.
  • deutsch: Kreatives Makramee. Ravensburg, 1974, ISBN 3-473-45400-1.
  • Marie-Jeanine Solvit: Magnificent macramé. Sterling, 1979, ISBN 978-0-8069-5390-8.
  • Heidy Willsmore: Macramé, A Comprehensive Guide, Faber and Faber Ltd. 1979, ISBN 0-571-11310-9.
  • Sarita R. Rainey: Fiber Expressions. Knotting and Looping. Sterling, 1979, ISBN 978-0-87192-107-9.
  • Eva Andersen: Makramee als Kunst und Hobby, Falken Verlag 1980, ISBN 3-8068-4085-7.
Neuere Literatur
  • Roger Carter: The History of Macramé. In: J. C. Turner, Peter van Grind (Hrsg.): History and Science of Knots. World Scientific Publishing, Singapore 1996, ISBN 981-02-2469-9, S. 335–344, doi:10.1142/9789812796134_0015.
  • Katie DuMont: The New Macramé. Contemporary Knotted Jewelry and Accessories. Lark Books, New York 2000, ISBN 1-57990-163-8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
  • Robyn Gough: The Macramé Bible. The complete reference guide to macrame knots, patterns, motifs & more. David & Charles, Exeter, Devon 2023, ISBN 978-1-4463-0972-8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).

Weblinks

Wiktionary: Macramé – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Macramé – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Knoten in Kunst und Dekoration – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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