Felicia Langer
Felicia-Amalia Langer, geborene Weit (geboren am 9. Dezember 1930 in Tarnów, Polen; gestorben am 22. Juni 2018 in Eningen unter Achalm), war eine deutsch-israelische Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin,<ref name="CobbanH_(1984)"/><ref name="MAKI_(2018)"/> Autorin und Trägerin des Right Livelihood Awards („Alternativer Nobelpreis“). Im Juli 2009 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Im Januar 2012 wurde sie in Berlin mit dem Palästinensischen Orden für besondere Verdienste vom Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas ausgezeichnet.<ref name="ArendtE_(2012)"/> Sie war 23 Jahre lang als Rechtsanwältin in Israel tätig und verteidigte als erste israelische Anwältin Palästinenser aus den von Israel besetzten Gebieten vor israelischen Militärgerichten. Sie war zudem Vizepräsidentin der israelischen Liga für Menschenrechte und gehörte dem Zentralkomitee der Rakach-Partei an.
Leben
Polen, Sowjetunion (1930–1949)
Felicia-Amalia Langer wurde 1930 als Jüdin im polnischen Tarnów geboren. 1939 floh ihre Familie vor der deutschen Invasion beim Überfall auf Polen in die Sowjetunion. Andere Verwandte wurden von den Nationalsozialisten ermordet.<ref name="Verdienstkreuz">Verdienstkreuz 1. Klasse für Felicia-Amalia Langer aus Tübingen. In: Landesportal Baden-Württemberg. 16. Juli 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. Juni 2018; abgerufen am 22. Juni 2018.</ref> Ihr Vater wurde in der Sowjetunion unter Josef Stalin inhaftiert und starb an den Folgen seiner Haft.
1949 heiratete sie in Breslau Mieczysław Langer (Mieciu, in Israel Moshe),<ref>Ein später Zeitzeuge ohne Bitterkeit. In: Schwäbisches Tagblatt Online. 29. März 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Juni 2018; abgerufen am 22. Juni 2018.</ref> der als einziges Mitglied seiner Familie die nationalsozialistische Judenverfolgung überlebt hatte.<ref>Erika Sieberts: „Israel ist friedensresistent“: BZ-Interview mit Felicia Langer, die in Kippenheim vor der neuen israelischen Regierung warnte. In: Badische Zeitung. 23. März 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. Juli 2012; abgerufen am 22. Juni 2018.</ref>
Israel (1950–1989)
1950 wanderte das Ehepaar Langer nach Israel aus. 1953 wurde ihr gemeinsamer Sohn geboren. 1959 begann Felicia Langer, an der Hebräischen Universität Jerusalem Rechtswissenschaften zu studieren. 1965 wurde sie als Anwältin zugelassen und eröffnete eine eigene Kanzlei. Seit dem Sechstagekrieg 1967, den sie als Wendepunkt in ihrem Leben sah,<ref name="Hesse">Michael Hesse: Die Qual der Besatzung. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 18. Juni 2007, abgerufen am 23. Juni 2018.</ref> engagierte sich Langer politisch. Sie verteidigte als erste israelische Anwältin Palästinenser aus den von Israel besetzten Gebieten vor israelischen Militärgerichten.<ref name="Verdienstkreuz" />
In 23 Jahren Anwaltstätigkeit hätte sie nur selten Fälle gewonnen, so Jackson Diehl von der Washington Post.<ref>Jackson Diehl: Israeli Defender of Arab Rights Quits in ‘Despair and Disgust’; Lawyer for Palestinians Rarely Won a Case in 23 Years. In: The Washington Post. 13. Mai 1990, S. A23, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 30. Juli 2012; abgerufen am 23. Juni 2018.</ref> 1977 entzog das israelische Verteidigungsministerium ihr die Lizenz zum Verteidigen von Palästinensern vor israelischen Gerichten in besonderen Fällen.<ref name="Homepage von Felicia Langer" /> Sie durfte unter anderem keine Kriegsdienstverweigerer unter israelischen Soldaten mehr vertreten und konnte jederzeit wegen Sicherheitsbedenken von Verfahren ausgeschlossen werden.<ref name="Litten">Norman Paech: Hans-Litten-Preis an Barabara Hüsing und Felicia Langer: Laudatio zur Verleihung des Hans-Litten-Preises der VDJ am 5. Februar 1988 in Dachau. Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. Oktober 2013; abgerufen am 23. Juni 2018.</ref> Felicia Langer selbst sagte, dass ihr die „Lizenz“ im Falle von Kriegsdienstverweigerern oder in besonderen Fällen („aus Sicherheitsgründen“) entzogen wurde, nicht aber die Lizenz vor Militärgerichten.<ref name="Homepage von Felicia Langer" /> 1979 verteidigte sie erfolgreich den Bürgermeister von Nablus, Bassam Shaka. Er wurde der Anstiftung zum Terrorismus angeklagt und sollte ausgewiesen werden. Das Oberste Gericht Israels hob die Ausweisung auf.<ref>Marion Woolfson: Bassam Shaka, portrait of a Palestinian London. Third World Centre, 1981, ISBN 0-86199-009-9.</ref>
Felicia Langer war Vizepräsidentin der Israelischen Liga für Menschenrechte<ref name="Litten" /> und schloss sich der binationalen, antizionistischen und pro-palästinensischen Neuen Kommunistischen Liste (Rakach) an, deren Zentralkomitee sie angehörte.<ref name="CobbanH_(1984)">Helena Cobban: The Palestinian Liberation Organisation. People, Power and Politics. Cambridge 1984, S. 189.
Weiterführende Literatur in: Constanze Krakau: Die Rolle der palästinensischen Minderheit im politischen Leben Israels 1976–1996 (= Studien zur Zeitgeschichte des Nahen Ostens und Nordafrikas. 14). Berlin, Hamburg, Münster 2005, S. 66f.</ref> Nach einem internen Richtungsstreit trat sie 1990 aus der Partei aus, schloss ihre Anwaltskanzlei und zog mit ihrem Ehemann nach Deutschland.
Deutschland (1990–2018)
Felicia Langer ließ sich 1990 in der baden-württembergischen Universitätsstadt Tübingen nieder, wo bereits ihr Sohn Michael Chaim Langer als Schauspieler beim Landestheater Tübingen (LTT) und Mitbegründer des Klezmer-Ensembles Jontef eine gewisse Bekanntheit im kulturellen Bereich erlangt hatte. Im Jahr 2008 nahm sie auch die deutsche Staatsangehörigkeit an.<ref name="Homepage von Felicia Langer">Felicia Langer: Person. In: Website von Felicia Langer. 9. Februar 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. Oktober 2016; abgerufen am 23. Juni 2018.</ref> Sie erhielt Lehraufträge an den Universitäten Bremen und Kassel. Sie wurde Schirmherrin des Vereins Flüchtlingskinder im Libanon, der palästinensische Flüchtlingsfamilien unterstützt.<ref>Flüchtlingskinder im Libanon e. V.: Rosa-Wainer-Stipendium für palästinensische Schülerinnen</ref> Seit März 2009 unterstützte sie das Russell-Tribunal zu Palästina.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Russell Tribunal on Palestine: Patrons – Members of the Support Committee ( vom 14. Juli 2009 im Internet Archive)</ref>
Felicia Langer hatte ihren Lebensmittelpunkt bis zuletzt in Tübingen. Im Juni 2018 verstarb sie in einem Hospiz in Eningen unter Achalm.<ref name="SWP_(2018)">Am Freitag ist die Alternative Nobelpreisträgerin Felicia Langer gestorben. Südwest Presse, abgerufen am 22. Februar 2025.</ref>
Am 18. Dezember 2023 beschloss der Tübinger Gemeinderat auf Grundlage der Empfehlung einer wissenschaftlichen Kommission, die vormalige Eduard-Haber-Straße in Felicia-Langer-Straße umzubenennen.<ref name="Stadt Tübingen">Straßennamen in der Diskussion. Universitätsstadt Tübingen, abgerufen am 22. Februar 2025.</ref> Die Umsetzung erfolgte am 14. Juni 2024.<ref>Pressearchiv 2024. In: tuebingen.de. Universitätsstadt Tübingen, abgerufen am 27. März 2025.</ref>
Politische Haltung
Felicia Langer kritisierte in ihren Schriften, Vorträgen und Interviews Israels Politik in den besetzten palästinensischen Gebieten. Israel habe so viele Siedlungen bauen lassen, dass dies einer Annexion gleichkomme.<ref name="Hesse" /> Der Siedlungsbau untergrabe die Möglichkeit einer Zwei-Staaten-Lösung. Langer forderte den vollständigen bedingungslosen Abzug Israels aus den 1967 eroberten Gebieten und ein Rückkehrrecht für jeden Nachkommen der palästinensischen Flüchtlinge, ebenso wie Israel allen Juden ein Recht auf Einwanderung nach Israel gewähre.<ref>Felicia Langer: Rede auf der 9. Konferenz der Palästinenser in Europa am 7. Mai 2011 in Wuppertal. Erhard Arendt, abgerufen am 23. Juni 2018.</ref> 1990 erhielt Langer den Right Livelihood Award für ihren Einsatz für die Rechte der Palästinenser.<ref name="livelihood">Felicia Langer (1990, Israel). Right Livelihood Award, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. Juni 2018; abgerufen am 13. Juni 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Felicia Langer bezeichnete Israel mehrfach als „Apartheidstaat“.<ref>Arn Strohmeyer: Felicia Langer im Gespräch. In: Virtuelles Magazin 2000. 22. April 2000, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 16. Juni 2012; abgerufen am 23. Juni 2018.</ref><ref name="jw_070605">„Israels Regierungen sind von jeher friedensresistent“. Ein Gespräch mit Felicia Langer. In: junge Welt. 5. Juni 2007, abgerufen am 23. Juni 2018 (wiedergeben auf der Website der AG Friedensforschung).</ref> 2002 erklärte sie, die palästinensischen Terroranschläge seien zwar nicht zu rechtfertigen, doch habe die israelische Politik ihnen „den Weg geebnet“. Sie gab in diesem Zusammenhang dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP, Jürgen Möllemann, recht, der die gezielten Tötungen palästinensischer Terrorverdächtiger durch israelische Sicherheitskräfte „Staatsterror“ genannt hatte.<ref>Karl Pfeifer: Sommergespräch der Wiener Grünen: Felicia Langer gibt Möllemann Recht. In: judentum.net. 22. August 2002, abgerufen am 23. Juni 2018.</ref> 2003 schrieb sie ein unterstützendes Vorwort zu einem Buch von Jamal Karsli.<ref>Erhard Arendt: Maulkorb für Deutschland: Fakten, Analyse, Aufklärung zur Antisemitismusdebatte. In: Palästinaportal auf der Website von Erhard Arendt. 23. Januar 2002, abgerufen am 23. Juni 2018.</ref> 2005 erhielt sie den Erich-Mühsam-Preis für ihren „ausdauernden Einsatz für die Menschenrechte des Palästinensischen Volkes“. 2007 bezeichnete sie erneut das „israelische Regime“ in den besetzten Palästinensergebieten als „Apartheid der Gegenwart“.<ref name="jw_070605" />
Den Vorwurf der Nürnberger Nachrichten von 2009, israelische Militäreinrichtungen mit „Konzentrationslagern“ verglichen zu haben, wies sie auf ihrer Internetseite zurück.<ref name="Homepage von Felicia Langer" /><ref>Langer zog doch Nazi-Vergleiche. In: Nürnberger Nachrichten. 17. September 2009, S. 9, abgerufen am 23. Juni 2018.</ref>
Kontroverse um das Bundesverdienstkreuz
Der damalige deutsche Bundespräsident Horst Köhler verlieh Felicia Langer am 16. Juli 2009 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse als Anerkennung für ihr Lebenswerk. Staatssekretär Hubert Wicker überreichte es ihr in der Villa Reitzenstein, dem Amtssitz des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger. In seiner Laudatio würdigte er Langers Engagement „für Frieden und Gerechtigkeit sowie für die Wahrung der Menschenrechte“, ihren Einsatz für hilfsbedürftige Personen ohne Ansehen von deren Nationalität oder Religion, unabhängig von ihrer persönlichen politischen, weltanschaulichen oder religiösen Motivation, und erinnerte an ihre Kindheit und Jugend, die von Leid, Krieg, Verfolgung und Flucht geprägt gewesen sei. Viele ihrer Familienmitglieder seien in Konzentrationslagern gestorben.<ref name="Verdienstkreuz" />
Die Publizistin Evelyn Hecht-Galinski hatte diese Auszeichnung angeregt, Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hatte sie unterstützt.<ref>Ulrike Pfeil: Auszeichnung löst massive Proteste aus. In: Schwäbisches Tagblatt. 22. Juli 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. September 2012; abgerufen am 24. Juni 2018.
Stefan Hupka: Das Kreuz mit den Verdiensten: Die Israel-Kritikerin Felicia Langer ist unter Beschuss. In: Badische Zeitung. 21. Juli 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. Juli 2009; abgerufen am 24. Juni 2018.</ref> Die von Oettinger geführte Landesregierung von Baden-Württemberg hatte seinen Vorschlag übernommen und dabei alle im üblichen Ordensverfahren beteiligten Stellen einschließlich des Auswärtigen Amtes einbezogen.<ref name="Weinthal">Benjamin Weinthal: Jews to return German honors in protest. In: Jerusalem Post. 22. Juli 2009, abgerufen am 24. Juni 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Der Vorgang führte zu Kritik u. a. von Seiten des Zentralrats der Juden in Deutschland, des American Jewish Committee, einiger jüdischer Gemeinden und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG).<ref name="DIG_(2009)">DIG-Präsident Gerster: Ehrung von Frau Langer war ein schwerer Fehler. Fehler muss man korrigieren! Ehrung von Frau Langer war ein schwerer Fehler. Fehler muss man korrigieren! Deutsch-Israelische Gesellschaft Erfurt, 27. September 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. November 2009; abgerufen am 24. Juni 2018.</ref> Henryk Broder vermutete, Köhler habe die Entscheidung in Unkenntnis der „israelfeindlichen Aussagen“ Langers getroffen.<ref name="BroderMH_(2009)">Henryk Broder: Streit über Verdienstkreuz für Felicia Langer: Feigenblatt des schlechten Gewissens. In: Spiegel Online. 23. Juli 2009, abgerufen am 24. Juni 2018.</ref>
Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, vertrat die Ansicht, Deutschland habe damit jemanden ausgezeichnet, der „professionell, chronisch und obsessiv“ eine Dämonisierung Israels betreibe.<ref name="Zeit_(2009)">Bundesverdienstkreuz: Köhler gerät über Vergabe unter Druck. In: Zeit Online. 21. Juli 2009, abgerufen am 24. Juni 2018.</ref>
Arno Lustiger, Ralph Giordano und Arno Hamburger kündigten die Rückgabe ihrer Bundesverdienstkreuze an, wenn Langers Ehrung nicht rückgängig gemacht würde. Sie habe Israels Palästinenserpolitik mit dem Holocaust verglichen<ref name="LustigerA_(2009)">Arno Lustiger: Offener Brief an Horst Köhler. (PDF, 39 kB) 21. Juli 2009, abgerufen am 24. Juni 2018.</ref> und sei eine langjährige „Feindin Israels“ mit „verheerender Wirkung“ für, so Giordano, ein in Deutschland verbreitetes Bedürfnis, „sich vom eigenen Schulddruck durch Kritik an Israel zu entlasten.“<ref name="GiordanoR_(2009a)">Ralph Giordano: Offener Brief an Horst Köhler. (PDF, 11,1 MB) Spiegel Online, 21. Juli 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. März 2016; abgerufen am 24. Juni 2018.</ref>
Langer erwiderte, dass sie die israelische Außenpolitik gegenüber den Palästinensern nicht mit dem Holocaust verglichen, sondern als Apartheidspolitik bezeichnet habe.<ref name="Homepage von Felicia Langer" /> Hamburger gab seine Auszeichnungen zurück,<ref name="hamburger_rueckgabe">Michael Kasperowitsch: Arno Hamburger gibt seine Orden zurück. In: Nürnberger Nachrichten. 2. September 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. Februar 2013; abgerufen am 24. Juni 2018.</ref> während Giordano seine Ankündigung zurücknahm, jedoch seine Kritik an Langer aufrechterhielt.<ref name="GiordanoR_(2009b)">Ralph Giordano: Gastkommentar: Noch ein Wort zu Felicia Langers Auszeichnung: Ich bin immer noch geschockt. In: Die Welt. 6. August 2009, abgerufen am 24. Juni 2018.</ref>
Motke Shomrat, ein israelischer Reiseführer, der für sein Eintreten für die Versöhnung von Israelis und Deutschen ein Bundesverdienstkreuz erhalten hatte, gab dieses am 24. Juli 2009 zurück,<ref name="SahmUW_(2009)">Ulrich W. Sahm: „Mit großem Schmerz“ Bundesverdienstkreuz zurückgegeben. In: n-tv. 24. Juli 2009, abgerufen am 24. Juni 2018.</ref> weil Langer israelfeindlichen Aussagen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad zugestimmt habe,<ref name="Weinthal" /><ref name="ShomratM_(2009)">Motke Shomrat: „Eine Schande“. In: Die Jüdische. 20. Juli 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. Juli 2009; abgerufen am 24. Juni 2018.</ref> was Felicia Langer zurückwies.<ref name="Homepage von Felicia Langer" /> Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums kritisierte die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes und meinte, Langer habe beständig jene Kräfte unterstützt, die Gewalt, Tod und Extremismus beförderten.<ref name="WeinthalB_(2009)">Benjamin Weinthal: Fall Felicia Langer: Israel kritisiert Köhler wegen Orden für Jüdin. In: Der Tagesspiegel. 24. Juli 2009, abgerufen am 24. Juni 2018.</ref>
Der Pädagoge Micha Brumlik kritisierte Langers Auftreten, Argumentation und Wortwahl als zu einseitig und Langers angedeuteten Vergleich zwischen israelischer Besatzungspolitik und dem Holocaust als absurd. Nur Israel für die Situation im Nahen Osten verantwortlich zu machen, schätzte er als antisemitisches Argumentationsmuster ein. Dennoch habe sie das Bundesverdienstkreuz „eventuell in der Sache verdient“, weil sie darauf aufmerksam gemacht habe, dass die Menschenrechte der arabischen Bevölkerung des von Israel besetzten Westjordanlands ständig verletzt würden.<ref name="MedickV_(2009)">Veit Medick: Antisemitismusforscher Brumlik: „In der Sache hat Frau Langer das Bundesverdienstkreuz verdient“. In: Spiegel Online. 22. Juli 2009, abgerufen am 24. Juni 2018.</ref>
Boris Palmer und Baden-Württembergs Landesregierung verteidigten die Verleihung: Sie habe der Lebensleistung, nicht der Ideologie Langers gegolten.<ref name="Tagblatt_(2009)">Langer-Ehrung: Attacken gegen Palmer. In: Schwäbisches Tagblatt. 23. Juli 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 30. Juli 2009; abgerufen am 24. Juni 2018.</ref> Langer selbst bezeichnete die Kritik an ihrer Ehrung am 23. Juli 2009 als „Verleumdungskampagne“, die Kritik an Israel unterdrücken solle, und lehnte es ab, das Bundesverdienstkreuz zurückzugeben.<ref>Felicia Langer will das Bundesverdienstkreuz nicht zurückgeben. In: Focus. 23. Juli 2009, abgerufen am 24. Juni 2018.</ref> Sie zeigte sich überzeugt, für das israelische Volk, nicht allein für die Palästinenser Gutes zu tun, indem sie auf Fehler Israels hinweise.<ref name="SchollJ_(2009)">Joachim Scholl: Felicia Langer: Eine Antwort ist unter meiner Würde – Felicia Langer im Gespräch. In: Deutschlandradio Kultur. 23. Juli 2009, abgerufen am 24. Juni 2018.</ref> In einem offenen Brief vom 31. Juli 2009 kritisierte Ellen Rohlfs „die fragwürdige Gruppe der Herren, die Rechtsanwältin Felicia Langer verleumden und diffamieren, nachdem sie zu Recht das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse erhalten hat.“<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Denkanstoß für die Verleumder der Menschenrechtsanwältin Felicia Langer.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 25. März 2024.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Schriften
- Die Zeit der Steine. Aus dem Hebräischen. Lamuv, Göttingen 1989, ISBN 3-88977-379-6.
- Zorn und Hoffnung. Aus dem Hebräischen. Lamuv, Göttingen 1991, ISBN 3-88977-440-7.
- Brücke der Träume. Eine Israelin geht nach Deutschland. Aus dem Hebräischen. Lamuv, Göttingen 1994, ISBN 3-88977-385-0.
- Wo Hass keine Grenzen kennt: eine Anklageschrift. Aus dem Hebräischen und aus dem Englischen. Lamuv, Göttingen 1995, ISBN 3-88977-397-4.
- «Laßt uns wie Menschen leben!» Schein und Wirklichkeit in Palästina. Aus dem Hebräischen und aus dem Englischen. Lamuv, Göttingen 1999, ISBN 3-88977-538-1.
- Miecius später Bericht: eine Jugend zwischen Getto und Theresienstadt. Aus dem Hebräischen. Lamuv, Göttingen 1999, ISBN 3-88977-539-X.
- Quo vadis, Israel? Die neue Intifada der Palästinenser. Aus dem Englischen. Lamuv, Göttingen 2001, ISBN 3-88977-615-9.
- Brandherd Nahost. Oder: Die geduldete Heuchelei. Aus dem Englischen. Lamuv, Göttingen 2004, ISBN 3-88977-644-2.
- Die Frau, die niemals schweigt. Stationen eines Lebens. Lamuv, Göttingen 2005, ISBN 3-88977-664-7.
- Vorwort (zu Norman Finkelsteins "Antisemitismus als politische Waffe"). Piper, München 2006, ISBN 3-492-04861-7
- Die Entrechtung der Palästinenser. 40 Jahre israelische Besatzung. Aus dem Englischen. Lamuv, Göttingen 2006, ISBN 3-88977-680-9.
- Um Hoffnung kämpfen. Lamuv, Göttingen 2008, ISBN 3-88977-688-4.
- Mit Leib und Seele – Autobiographische Notizen. Zambon-Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-88975-201-7.
- Bis zum letzten Atemzug. COSMICS Verlag, Neu-Isenburg 2017, ISBN 978-3-9817922-9-4.
Auszeichnungen
- 1988: Hans-Litten-Preis der Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen<ref name="Litten" />
- 1990: Right Livelihood Award (bekannter unter der Bezeichnung Alternativer Nobelpreis)<ref name="livelihood" />
- 1990: Ehrenbürgerin der Stadt Nazareth<ref name="Homepage von Felicia Langer" />
- 1991: Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte<ref>6. Verleihung, 18. Januar 1991. Bruno Kreisky Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte, abgerufen am 25. Juli 2009.</ref>
- 1998: Wahl zu den 50 bedeutendsten Frauen der israelischen Gesellschaft (israelische Zeitschrift You)<ref name="Homepage von Felicia Langer" />
- 2005: Erich-Mühsam-Preis der Erich-Mühsam-Gesellschaft<ref>Erich-Mühsam-Preis. Erich-Mühsam-Gesellschaft, abgerufen am 24. Juli 2009.
Andreas Schnell: Vorwärts und nicht vergessen. In: Die Tageszeitung (taz). 14. März 2005, abgerufen am 24. Juli 2009.</ref> - 2006: „Menschenrechtspreis“ des Vereins Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde<ref>Felicia Langer von GBM ausgezeichnet, jungewelt.de, 13. Dezember 2006</ref>
- 2009: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
- 2012: Palästinensischer Orden für besondere Verdienste
Literatur
- Gideon Levy: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) / Holocaust Survivor and Palestinians’ Rights Lawyer Felicia Langer Dies in Exile at 87. In: Haaretz. 24. Juni 2018.
- Angela Sterzenbach: Felicia Langer. Menschenrechts-Anwältin. In: Lauter Frauen. Aufgespürt in Baden-Württemberg. 47 Porträts, Stuttgart: Theiss 2000, ISBN 3-8062-1525-1, S. 93–96.
Weblinks
- Literatur von und über Felicia Langer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Ulrike Pfeil: Am Freitag ist die Alternative Nobelpreisträgerin Felicia Langer gestorben. In: tagblatt.de. 22. Juni 2018 (Nachruf auf Felicia Langer mit Zusammenfassung ihrer Biografie).
- Hans-Dieter Schütt: Auch der Lippenstift kämpfte Neues Deutschland, 27. Juni 2018.
- Dokumentiert: Broder an Palmer an Broder. In: Stuttgarter Nachrichten. 30. Juli 2009 (E-Mail-Wechsel zwischen Henryk Broder und Boris Palmer über Felicia Langer).
Einzelnachweise
<references> <ref name="ArendtE_(2012)">Erhard Arendt: Felicia Langer: Ein Leben für die Gerechtigkeit. In: Das Palästina Portal. 18. Januar 2012, abgerufen am 25. Juli 2009.</ref> <ref name="MAKI_(2018)">Great Israeli Communist Lawyer and Activist Felicia Langer Dies. Kommunistische Partei Israels, abgerufen am 24. Januar 2024.</ref> </references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Langer, Felicia |
| ALTERNATIVNAMEN | Langer, Felicia-Amalia (vollständiger Name); Weit, Felicia-Amalia (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-israelische Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin |
| GEBURTSDATUM | 9. Dezember 1930 |
| GEBURTSORT | Tarnów, Polen |
| STERBEDATUM | 22. Juni 2018 |
| STERBEORT | Eningen unter Achalm |
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