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Becherglocke

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Becherglocke
Datei:Adelil.jpg

Becherglocken (Adenophora liliifolia)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Glockenblumengewächse (Campanulaceae)
Unterfamilie: Campanuloideae
Gattung: Adenophora
Art: Becherglocke
Wissenschaftlicher Name
Adenophora liliifolia
(L.) A.DC.

Die Becherglocke (Adenophora liliifolia), auch Wohlriechende Schellenblume,<ref name="FloraWeb" /> Lilienblättrige Becherglocke,<ref name="BiolFlor" /><ref name="BIB" /> Wohlriechende Becherglocke,<ref name="Hegi" /> Drüsenglocke, Schellenblume oder Pendelglöckchen genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Adenophora innerhalb der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae).

Beschreibung

Datei:Zvonovec liliolistý.jpg
Habitus und Blütenstand
Datei:Neuchâtel Herbarium - Adenophora liliifolia - NEU000026891.jpg
Herbarbeleg

Vegetative Merkmale

Die Becherglocke wirkt wie eine hochgewachsene und vielblütige Glockenblume (Campanula). Die krautige, ausdauernde Pflanze erreicht Wuchshöhen von 30 bis 150, ausnahmsweise über 200 Zentimetern. Aus einer Pfahlwurzel entwickelt sie mehrere dicht beblätterte Sprosse. Die untersten Stängelblätter sind verkehrt-eiförmig oder elliptisch und in den kurzen Stiel verschmälert. Zur Blütezeit sind sie meist abgestorben. Die übrigen gezähnten, gesägten oder ganzrandigen Blätter haben eine lanzettliche bis oval-lanzettliche, selten fast eiförmige Gestalt. Sie sind kahl und netzadrig, etwas glänzend und unterseits heller. Die unteren Blätter sind kurz gestielt, die oberen sitzend.

Generative Merkmale

Zehn bis vierzig, ausnahmsweise bis über hundert Blüten stehen in einem endständigen, einfachen oder verzweigten, traubigen Blütenstand zusammen. Die Blüten sind kurz gestielt und nickend. Die zwittrigen, wohlriechenden Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf lanzettlichen Kelchzipfel stehen ab. Die blassblaue Krone ist 12 bis 20 Millimeter lang, glocken- oder trichterförmig, mit fünf breiten Zipfeln und mit weit aus der Glocke herausragendem und am Grunde von einem charakteristischen becherförmigen Drüsenring umgebenen stielförmigem Griffel.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 34.<ref name="Kvetena" /><ref name="Hegi" />

Ökologie

Die Becherglocke blüht von Juli bis September. Besonders gegen Abend verbreitet sie einen angenehmen Geruch. Die Bestäubung erfolgt durch Hummeln, Wildbienen und Schwebfliegen. Wegen der nickenden Blütenstellung fallen die Samen nicht von selbst heraus, sondern müssen zum Beispiel durch den Wind erst herausgeschüttelt werden (Windstreuausbreitung).

Vorkommen

Die Becherglocke besiedelt nicht durchgehend in Eurasien einen von Ost nach West gerichteten Landstreifen von rund 5000 Kilometern Länge. Die westlichsten Fundplätze liegen in den Südalpen, die östlichsten im Altai. Das Hauptareal befindet sich in Russland zwischen der Ukraine und Westsibirien. In Mittel- und Südosteuropa kommt die Becherglocke nur sehr zerstreut an wenigen Stellen unter anderem in Polen, an der Donau bis Wien (Waldviertel, Weinviertel, Wiener Becken), in Tschechien beispielsweise<ref name="Kvetena" /> bei Karlstejn, vom Slowakischen Erzgebirge bis nach Siebenbürgen, in Serbien und am italienischen Südalpenrand zwischen Piemont und Friaul vor. In der Schweiz konnten zwei Populationen am Monte San Giorgio oberhalb Meride nachgewiesen werden.<ref name="Merkblatt" /> Die Becherglocke ist eine Waldsteppenpflanze.

In Mitteleuropa wächst Adenophora liliifolia auf sommerwarmen, wechselfeuchten, nährstoff- und basenreichen, sandigen Lehm- und Tonböden. In Mitteleuropa bewohnt sie Wald- und Gebüschsäume, Waldlichtungen, Feuchtwiesen und Grashalden. Häufig ist sie mit dem Rohr-Pfeifengras vergesellschaftet. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbandes Molinion, kommt aber auch in wechseltrockenen Gesellschaften des Verbands Alno-Ulmion oder der Ordnung Quercetalia pubescentis vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die Vorkommen in Deutschland

In Deutschland tritt Adenophora liliifolia nur in und am Rand von Eichen-Ulmen-Auwäldern an der unteren Isar auf, und zwar bei Landau an der Isar und an der Isarmündung. Letzteres Vorkommen wurde erstmals 1854 von Otto Sendtner<ref name="Sendtner" /> erwähnt, das Vorkommen bei Landau erstmals im Jahr 1950 von dem Botaniker Josef Ludwig Lutz. Die Exemplare des deutschen Bestandes zeichnen sich durch hohes Längenwachstum (bis im Extremfall 226 cm) und Vielblütigkeit aus. Im Teilgebiet der Isarmündung wurden 1982 noch 152 Einzelpflanzen registriert, 1988 noch 47 und 1989 nur noch 14. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde 1990 das 808 ha große Naturschutzgebiet „Isarmündung“ ausgewiesen. Im selben Jahr lief das Bundesprogramm zur „Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“ an.

Gefährdung

In der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands wird 1996 die Adenophora liliifolia in der Kategorie 1: „vom Aussterben bedroht“ geführt<ref name="FloraWeb" /> und ist nach der Bundesartenschutzverordnung streng bzw. besonders geschützt<ref name="WISIA" />. In Österreich hat sie denselben Schutzstatus. In der Schweiz gilt sie als stark gefährdet.<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Campanula liliifolia durch Carl von Linné. Die Neukombination zu Adenophora liliifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) A.DC. wurde 1830 durch Alphonse Pyrame de Candolle veröffentlicht. Das Artepitheton liliifolia bedeutet lilienblättrig und bezieht sich ausnahmsweise nicht auf die Form der Blätter, welche gar nicht lilienähnlich ist, sondern auf ihre Verteilung am Stängel; hier zeigt sich eine Ähnlichkeit mit den Lilien beispielsweise etwa mit der Türkenbund-Lilie (Lilium martagon).

Literatur

  • Hansjörg Gaggermeier: Die Waldsteppenpflanze 'Adenophora liliifolia' (L.) A. DC. in Bayern. In: Hoppea. Denkschriften der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft. Band 50, 1990, S. 287–322.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Hegi">Dietrich Podlech: Campanulaceae Glockenblumengewächse. In: </ref> <ref name="Merkblatt">Daniel M. Moser: EN Adenophora liliifolia (L.) A. DC. – Drüsenglocke – Campanulaceae. In: Christoph Käsermann, Daniel M. Moser (Hrsg.): Merkblätter Artenschutz – Blütenpflanzen und Farne. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern 1999, S. 36–37 (PDF-Datei).</ref> <ref name="Sendtner">Otto Sendtner: Die Vegetations-Verhältnisse Südbayerns nach den Grundsätzen der Pflanzengeographie und mit Bezugnahme auf Landescultur. Literarisch-artistische Anstalt, München 1854, S. 819 (online).</ref> <ref name="Kvetena">Bohumil Slavík: Květena České Republiky. Band 6, Academia, Prag 2000, ISBN 80-200-0306-1, S. 56 (Karte), 748.</ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="FloraWeb">Adenophora liliifolia (L.) DC., Wohlriechende Schellenblume. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="BiolFlor">Becherglocke. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland. </ref> <ref name="BIB">Vorlage:BIB </ref> <ref name="WISIA">Datenblatt bei WISIA. Abgerufen am 31. Dezember 2024.</ref> <ref name="InfoFlora">Adenophora liliifolia (L.) A. DC. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. </ref> </references>

Weblinks