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Harzer Granit

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Datei:Birkenkopf.jpg
Harzer-Granit vom Typ Birkenkopf-Granit, Mattschliff (Muster ca. 10 cm lang)

Die Harzer Granite lassen sich in fünf Typen unterscheiden, die alle als Naturwerksteine größere Verwendung fanden: Knaupsholz-Granit, Birkenkopf-Granit, Wurmberg-Granit, Königskopf-Granit und Ilsestein-Granit. Die drei erstgenannten Granite haben eine große Verbreitung im norddeutschen Raum, in Belgien und in den Niederlanden, später dann auch in der DDR. Der Knaupsholz-Granit gehörte „lange Zeit zu den wichtigsten Werksteinen der ehemaligen DDR“.<ref>Friedrich Müller: Der Knaupsholz-Granit aus dem Harz. in: Naturstein. 1991 <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.baufachinformation.de, abgerufen am 26. Juli 2009.</ref>

Geologie

Die Granitplutone des HarzesBrocken-, Ramberg- und Oker-Pluton<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />weitere Informationen (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive) auf regionalgeologie-ost.de</ref> – bildeten sich gegen Ende der Variszischen Orogenese im Oberkarbon vor rund 300 Millionen Jahren. Entstanden sind diese Natursteine, als sich in den gefalteten Sediment- und Vulkangesteinen des „Ur-Harzes“, der seinerzeit Teil eines ausgedehnten Faltengebirgs­systems war, tief unter der Erde große Magmablasen bildeten und durch unterschiedliche Abkühlungs- und Kristallisationsraten bedingt zu mehreren verschieden gefärbten Granittypen erstarrten. Die Harzer-Granite sind Teil des Brockengranit-Komplexes, der mit einer Ausdehnung von 165 km² der größte Granitkomplex im Harz ist.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />TU Clausthal-Zellerfeld: Die geologisch/strukturellen Einheiten des Harzes (Memento vom 5. März 2005 im Internet Archive), abgerufen am 26. Juli 2009.</ref> Das Harzer Gabbro-Vorkommen ist Bestandteil dieses Komplexes, es entstand in der Frühphase des Brocken-Magmatismus aus einem Magma, das einen geringeren SiO2-Gehalt aufwies als die jüngeren Magmen, aus denen die Granite hervorgingen.

Steinbrüche

Zu den Großbetrieben vor dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1938 zählten die Firma Zureck in Wernigerode (100 bis 110 Beschäftigte) und die Firma Hannoversche Basaltwerke m.b.H. mit ihrer Abteilung Granitsteinbrüche Wernigerode (60 bis 70 Beschäftigte), ferner die Braunlager Granit- und Schotterwerke G.m.b.H. (45 Beschäftigte). Des Weiteren gab es 5 bis 7 Mittel- und 15 bis 17 Kleinbetriebe mit insgesamt etwa 600 Beschäftigten. Die Absatzgebiete waren damals das gesamte Reichsgebiet, Belgien und die Niederlande.<ref>Sickenberg: Lagerstätten Niedersachsens. S. 22.</ref>

Nach dem Krieg waren 1948 in den Braunlager Granit- und Schotterwerken 30 bis 40 und in einem weiteren Betrieb in Niedersachsen eine unbekannt gebliebene Anzahl Steinbrucharbeiter beschäftigt. Über die in der DDR befindlichen Betriebe liegen keine exakten Zahlen vor. Die in der DDR liegenden Steinbrüche Knaupsholz und Birkenkopf sowie die Betriebsteile der Firma Zureck in Wernigerode wurden am 5. November 1945 enteignet.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Steinbruch Knaupsholz, hrsg. von der Interessensgemeinschaft Harzer Schmalspurbahnen (Memento des Vorlage:IconExternal vom 13. Juli 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ig-hsb.de, abgerufen am 26. Juli 2009.</ref>

Zu Beginn der 1950er Jahre wurden von Sickenberg folgende Steinbrüche im Brockengranitbereich genannt: Eckerloch, Schneeloch, Gebbertsberg, Wurmberg, Hasserode, Wolfklippen, Großer und Kleiner Birkenkopf, Knaupsholz, Ottofels, Neustätter Hau, Forsthaus Plessenburg und „Gelochter Stein“.<ref>Otto Sickenberg: Steine und Erden. Die Lagerstätten und ihre Bewirtschaftung. Geologie und Lagerstätten Niedersachsens. 5. Band. Dorn-Verlag, Bremen, Horn 1951.</ref> Im Jahre 1958 wurden auf dem Gebiet der DDR noch acht Steinbrüche betrieben, 1969 jedoch nur noch zwei (Knaupsholz und Birkenkopf).<ref>Mohr: Geologie des Harzes. S. 413.</ref>

Knaupsholz-Granit

Vorkommen
Der Knaupsholz-Granit wird im Forstort Knaupsholz des Nationalparks Harz zwischen den Wernigeröder Ortsteilen Drei Annen Hohne und Schierke, einen Kilometer östlich des Bahnhofs Schierke in Sachsen-Anhalt, abgebaut. Der Knaupsholz-Granit gehörte zu den wichtigsten Werksteinen der DDR.
Mineralbestand
Der Knaupsholz-Granit ist graurötlich gefärbt und grobkörnig. Er enthält 33,5 Prozent Quarz, 45,9 Prozent Alkalifeldspat, 15,1 Prozent Plagioklas, 4,8 Prozent Biotit und Chlorit sowie 0,7 Prozent Erzminerale wie Magnetit, Pyrit, Hämatit und 0,7 Akzessorien. Die Alkalifeldspatkristalle können bis zu 18 mm groß sein.<ref name="Schwate">Werner Schwate: Harzer Granit – Abbau und Verwendung: in Stein 1993. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.baufachinformation.de auf baufachinformation.de, abgerufen am 26. Juli 2009.</ref>

Birkenkopf-Granit

Vorkommen
Der Birkenkopf-Granit wurde am Großen Birkenkopf südlich von Wernigerode-Hasserode abgebaut. Er ist ein mittelkörniger Granit mit einer bläulich-grauen Farbe. Im Steinbruch konnten 30 bis 40 Prozent Rohblöcke für Sägearbeiten und 50 Prozent verwertbarer Gesteinsschutt gewonnen werden.<ref name=Schwate /> Der Steinbruch ist nicht mehr im Abbau.
Mineralbestand
Der Birkenkopf-Granit enthält 31,3 Prozent Quarz, 42,6 Prozent Alkalifeldspat, 20,4 Prozent Plagioklas, 5,4 Prozent Biotit und Chlorit sowie 0,3 Prozent Erzminerale wie Magnetit, Pyrit, Hämatit.<ref name=Schwate />

Wurmberg-Granit

Datei:Wurmberg-Granit.jpg
Wurmberg-Granit, Muster ca. 10 × 8 cm
Vorkommen
Der Steinbruch des Wurmberg-Granits lag etwa 2,5 Kilometer nördlich von Braunlage und 250 Meter hoch auf dem Wurmberg. Es handelt sich um einen blassroten, fein- bis grobkörnigen Granit. Der Steinbruch ist seit dem Frühjahr 1974 nicht mehr ihm Betrieb.<ref>Mohr: Geologie des Harzes. S. 414.</ref>
Mineralbestand
Dieser Granit enthält 31 Prozent Quarz, 42 Prozent Alkalifeldspat, 20 Prozent Plagioklas, 7 Prozent Biotit, sowie weniger als 1 Prozent Akzessorien wie Zirkon, Apatit, Rutil, Muskovit und opakte Minerale.<ref>Wolf-Dieter Grimm: Bildatlas wichtiger Denkmalgesteine der Bundesrepublik Deutschland. hrsg. vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Gesteins Nr. 014, Lipp-Verlag, München 1990, ISBN 3-87490-535-7.</ref>

Königskopf-Granit

Vorkommen
Der Königskopf-Granit wurde in einem Steinbruch bei Königskrug gewonnen, der dann in den 1960er Jahren aufgelassen wurde. Wegen der heutigen Lage im Nationalpark Harz dürfte es unwahrscheinlich sein, dass er wiedereröffnet wird. Es handelt sich um einen hellroten bis kräftig roten (fleischroten) Granit.
Mineralbestand
Der Königskopf-Granit enthält 33 Prozent Quarz, 42 Prozent Orthoklas in einer Mineralkorngröße von 2 bis 5 mm bis max. 15 mm, 22 Prozent Plagioklas, 5 Prozent Biotit und 0,7 Prozent Akzessorien.<ref name=Schwate /><ref>Granitsteinbruch Königskopf auf mineralienatlas.de</ref>

Ilsestein-Granit

Der Ilsestein-Granit liegt am Nordrand des Harzes und ist ein Bestandteil des Brocken-Massivs. Er tritt zwischen dem Eckertal und etwa Hasserode als 11 km langer Streifen mit etwa 2 km Breite zu Tage.<ref> Maximilian Zundel, Carl‑Heinz Friedel, Jens C. Grimmer: "Magnetic fabric constraints for syn-magmatic doming of the laccolithic Brocken granite pluton (Harz Mountains, northern Germany)” In: International Journal of Earth Sciences, 2019, DOI:10.1007/s00531-019-01679-w </ref> Dabei besteht das Gestein aus einem deutlich gangförmig intrudierten, kräftig rot gefärbten Gestein. Am Kontakt zum Harzburger Gabbronorit führt der Granit eckige Gabbro-Xenolithe. Das Magma des Ilsestein-Granits soll als letzter Magmenpuls des Brockenkomplexes aufgestiegen sein und ist die quarzreichste Intrusion innerhalb des Brocken-Massivs.<ref>Mohr: Geologie des Harzes. S. 226f u. 236.</ref> Charakteristische Merkmale des Granits sind Verwachsungen zwischen Quarz und Orthoklas. Das Gestein enthält Schwarzen Turmalin sowie zahlreiche 2–5 cm große Drusen mit Füllungen von Quarz, Orthoklas, Albit und anderen Mineralen. Seine Verwendung und Festigkeit als Werkstein ist durch diese Drusen eingeschränkt und er hat daher nur eine lokale Bedeutung.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Informationen aus regionalgeologie-ost.de (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive), abgerufen am 27. Juli 2009.</ref>

Verwendung

Datei:Schierker Bergkirche.JPG
Schierker Bergkirche
Datei:Sowj Ehrenmal Tiergarten Totale.jpg
Sowjetisches Ehrenmal in Berlin-Tiergarten aus Harzer Granit mit Bronzefigur eines Soldaten

Die Harzer Granite sind verwitterungsbeständig, polierbar und gegenüber aggressiven chemischen Verbindungen resistent. Aufgrund ihrer technischen Eigenschaften werden sie im Außenbereich und wegen ihres Dekors zum Innenausbau verwendet.

Verwendet wurden diese Granite als massive Werksteine für Brückenbau, Mauerwerke, Tür- und Fenstersimse, Treppenstufen und Bodenplatten, Fassadenverkleidung, Grabsteine, als Pflaster und Packlagen; der Knaupsholz-Granit wird als Granitgrus für den Wegebau im Nationalpark Harz eingesetzt. Zurzeit (Stand 2009) sind lediglich noch die Steinbrüche Knaupsholz und Birkenkopf in Betrieb, mit folgender Verwendung:

Technische Bauwerke

Straßenbeläge, Pflaster, Mauerwerke und Brückenbauwerke in Niedersachsen und Norddeutschland, Magdeburg, Hamburg und Berlin; Schleusenbauwerke und Uferbefestigungen am Mittelland- und Nord-Ostsee-Kanal.<ref name=Schwate />

Mahnmale und Bauwerke

Mahn- und Gedenkstätten Buchenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen; Sowjetische Ehrenmale in Berlin-Tiergarten und Berlin-Treptow; Innenausbau des Schillermuseums in Weimar; Kirche in Schierke; Kulturpaläste der DDR; Deutsche Bank und Rathaustreppe in Wernigerode.<ref name=Schwate />

Siehe auch

Literatur

  • Kurt Mohr: Geologie und Mineralstätten des Harzes. 2. Auflage. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1933, ISBN 3-510-65154-5, S. 223ff.

Einzelnachweise

<references />