Zum Inhalt springen

Oney Judge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 17. März 2026 um 16:26 Uhr durch imported>Aka (Tippfehler entfernt, Halbgeviertstrich, ISBN-Format, Kleinkram).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Washington farmer.jpg
Life of George Washington: The Farmer von Junius Brutus Stearnes (circa 1853)

Oney Judge (auch Ona) (* 1773; † 25. Februar 1848 in Greenland, New Hampshire) war eine Sklavin auf George Washingtons Plantage Mount Vernon in Virginia.<ref>The February 18, 1786 Mount Vernon slave census lists „Oney“ as Betty's child and „12 yrs. old“. Donald Jackson and Dorothy Twohig (Hrsg.), The Diaries of George Washington Band 4, (Charlottesville, VA: University Press of Virginia), p. 278</ref> Ab 1789 war sie Magd in Washingtons Präsidentschaftshaushalt.

1796 entfloh sie; alle Versuche, sie in die Sklaverei zurückzuholen, waren vergeblich. Sie ist die bekannteste der Mount-Vernon-Sklaven, da sie in den 1840er Jahren zweimal von abolitionistischen Zeitungen interviewt wurde.<ref name="inter">Two 1840s Articles on Oney Judge. 21. Januar 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 21. Januar 2013; abgerufen am 23. Oktober 2023.</ref>

Kindheit

Oney war die Tochter von Betty, einer versklavten Näherin, die ca. 1738 geboren worden war.<ref>Erica Armstrong Dunbar, Never caught: The Washingtons' relentless Pursuit of their runaway Slave, Ona Judge. New York, Simon & Schuster, 2017</ref> Betty lebte im White House am Fluss Pamunkey in New Kent County, Virginia. Sie hatte hier einen Sohn namens Austin, der um 1757 geboren wurde, der Vater ist unbekannt. Im April 1759, als Martha Custis George Washington heiratete, musste Betty ihr, zusammen mit ihrem Sohn und weiteren 155 Sklaven, nach Mount Vernon folgen.<ref>Erica Armstrong Dunbar, Never caught: The Washingtons' relentless Pursuit of their runaway Slave, Ona Judge. New York, Simon & Schuster, 2017</ref> Dort kamen ihre Kinder Tom Davis (ca. 1769) und Betty Davis (ca. 1771) zur Welt, wahrscheinlich Kinder des weißen Webers Thomas Davis. Oneys Vater war vermutlich Andrew Judge, ein englischer Schneider, der am 8. Juli 1772 als Lohnsklave für vier Jahre von Alexander Coldelough aus Leeds nach Amerika gekommen war. Washington kaufte ihn in auf dem bekannten Sklavenmarkt von Alexandria (Virginia) für 30 Pfund und ließ ihn auf Mount Vernon arbeiten. Nach dem Ablauf seiner Dienstverpflichtung lebte Andrew Judge in den 1780er Jahren in einem Haus in Fairfax County. Er konnte oder wollte seine Tochter jedoch nicht freikaufen. 1779 kam Bettys Tochter Philadelphia (Delphy) zur Welt. Oney kam ins Herrenhaus, als sie circa 10 Jahre alt war, wahrscheinlich als Spielkameradin für Martha Washingtons Enkelin Eleanor Parke Custis Lewis (Nelly). Schließlich wurde sie Martha Washingtons persönliche Dienerin.

Im Haushalt des Präsidenten

Sie und weitere sieben Sklaven: ihr Halbbruder Austin, Giles, Paris, die Mulattin Moll,<ref>GEORGE W. BOUDREAU, “I HAD FRIENDS AMONG THE COLORED PEOPLE OF THE TOWN”: The Enslaved Women of the President’s Household and Philadelphia’s African American Community. In: CHARLENE M. BOYER LEWIS, GEORGE W. BOUDREAU (Hrsg.), Women in George Washington’s World. University of Virginia Press 2022, https://doi.org/10.2307/j.ctv3596wpgpp. 191</ref> Christopher Sheels und William Lee wurden 1789 nach New York City gebracht, um dort im ersten Präsidentschaftshaushalt zu arbeiten. Nachdem der Haushalt 1790 in die neue Hauptstadt Philadelphia umzog, waren noch drei Sklaven hinzugekommen, Hercules, Richmond und „Postilion“ Joe Richardson (Joes Frau nahm nach ihrer Freilassung durch George Washington den Namen Richardson an, während Joe selbst, als „Mitgift“-Sklave von Martha Washington, nicht freikam).<ref>The President's House in Historic Philadelphia. 25. Januar 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. Januar 2016; abgerufen am 23. Oktober 2023.</ref> Austin war Oneys älterer Halbbruder und 15 Jahre lang ihr Vorgesetzter.

Pennsylvania hatte 1780 mit der Abschaffung der Sklaverei begonnen und verbot Nichtansässigen, länger als sechs Monate im Staat Sklaven zu halten. Darüber hinaus erlaubte der Gradual Abolition Act<ref>An Act for the Gradual Abolition of Slavery. (1780). 14. April 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 14. April 2016; abgerufen am 23. Oktober 2023.</ref> Sklaven, sich selbst zu befreien.<ref>Enslaved minors were legally freed, but required to work as indentured servants until they attained their majority.</ref> Washington argumentierte (privat), dass er sich nur in Pennsylvania aufhalte, weil Philadelphia der vorübergehende Amtssitz der Bundesstaaten war und dass die staatlichen Gesetze sich nicht an ihn richten würden. In einem Schreiben an seinen Anwalt Edmund Randolph sah er es als zweckmäßig an, die Sklaven, die im Präsidentschaftshaushalt arbeiteten, in und aus dem Staat rotieren zu lassen, um zu verhindern, dass diese die sechs-Monatsregelung nutzen konnten. Er achtete darauf, selbst nie sechs Monate am Stück in Pennsylvania zu sein, und bezeichnete sich als Einwohner Virginias. Diese Rotation war eine Verletzung der Gesetze Pennsylvanias, das Handeln des Präsidenten hatte aber keine juristischen Konsequenzen.

Die Flucht

Nach einem Interview von 1845 flüchtete Oney im Mai oder Juni 1796, nachdem sie erfahren hatte, dass Martha Washington vorhatte, sie ihrer Enkeltochter, Elizabeth Parke Custis Law, zur Hochzeit zu schenken:

„Whilst they were packing up to go to Virginia, I was packing to go, I didn't know where; for I knew that if I went back to Virginia, I should never get my liberty. I had friends among the colored people of Philadelphia, had my things carried there beforehand, and left Washington's house while they were eating dinner.“

„"Während sie ihre Sachen packten, um nach Virginia zu gehen, packte ich meine Sachen, um zu gehen, ohne zu wissen wohin; denn ich wusste, wenn ich nach Virginia zurückginge, würde ich nie meine Freiheit bekommen. Ich hatte Freunde unter den Farbigen in Philadelphia, ließ meine Sachen vorher dorthin bringen und verließ Washingtons Haus, während sie zu Abend aßen.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Oney Judge<ref name="inter"/>

Nach ihrer Flucht wurde Oney von freien schwarzen Freunden aus Philadelphia versteckt. Sie segelte auf The Nancy nach Portsmouth in New Hampshire, das sie im September erreichte. Washington erwog, sie zu entführen und per Schiff zurückzuholen. Der Zollbeamte von Portsmouth, Joseph Whipple, verhörte sie und berichtete dem Präsidenten davon. Der Plan einer Entführung wurde verworfen, nachdem Whipple davor gewarnt hatte, dass es zu Krawallen an den Docks kommen könnte, wenn die Öffentlichkeit davon erfuhr.

Nach dem Ende von Washingtons Amtszeit 1797 reiste Martha Washingtons Neffe<ref>George Washington: Letter from George Washington to Burwell Bassett Jr. (August 11, 1799). Abgerufen am 23. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Burwell Bassett Jr. nach New Hampshire, um Oney zur Rückkehr zu überreden. Sie weigerte sich, und sein Versuch, sie zu entführen, scheiterte. Sie heiratete den freien schwarzen Seemann John Staines. Sie hatten drei Kinder: Eliza, Nancy und Will.

Nach Oneys Flucht wurde ihre jüngere Schwester Philadelphia (Delphy, * 1779) das Hochzeitsgeschenk für Martha Washingtons Enkelin.<ref>Delphy is listed as „6 yrs. old“ in the February 18, 1786 Mount Vernon slave census. Jackson and Twohig, Diaries Band 4, p. 278.</ref> Delphy und ihre Kinder wurden 1807 freigelassen.

Niemals frei

Als Teil des Besitzes von Martha Washingtons erstem Ehemann Daniel Parke Custis war Oney eine „Mitgift“-Sklavin. Deshalb wurde sie nicht, wie die 124 „Washingtonsklaven“, nach dessen Tod 1799 gemäß seinem letzten Willen freigelassen.<ref>Rediscovering George Washington . Last Will and Testament | PBS. 6. Februar 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. Februar 2005; abgerufen am 23. Oktober 2023.</ref> Die ca. 150 Mitgiftsklaven aus Custis Besitz wurden nach Martha Washingtons Tod 1802 unter ihren Enkelkindern aufgeteilt.<ref>The numbers of „Washington“ and „dower“ slaves come from the <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />1799 Mount Vernon slave census. (Memento vom 27. April 2005 im Internet Archive) The names of the „dower“ slaves inherited by each of the Custis grandchildren have never been published, creating an obstacle for genealogists.</ref> Nach dem Gesetz waren Oneys Kinder ebenfalls Sklaven, obwohl ihr Vater ein freier Mann war und sie selbst in New Hampshire geboren waren. Staines und alle drei Kinder starben vor ihr.

Das Sklavenfluchtgesetz wurde 1793<ref>Redirection of: The President's House. Abgerufen am 23. Oktober 2023.</ref> mit überwältigender Mehrheit vom Kongress verabschiedet und von Washington als Gesetz unterzeichnet. Danach war es ein strafrechtliches Delikt, einem Sklaven bei der Flucht zu helfen. Es stand über den Gesetzen von Einzelstaaten, die flüchtigen Sklaven Unterschlupf gewährt hätten, und erlaubte Sklavenjagd in allen US-Staaten und Territorien. Nach der Sklavenflucht-Klausel (Artikel 4, Absatz 2) der amerikanischen Verfassung konnten Sklavenhalter ihren "Besitz" auch aus abolitionistischen Staaten zurückzuholen.

Durch dieses Bundesgesetz war Oney Judge Staines die letzten 52 Jahre ihres Lebens ein Flüchtling. Sie starb am 25. Februar 1848 in Greenland in New Hampshire.

Gedenken

Am 25. Februar 2008, ihrem hundertsechzigsten Todestag, beging Philadelphia den ersten „Oney Judge Day“ am früheren Standort des abgerissenen President's House in der Market Street<ref>The President's House: Controversy. Abgerufen am 1. Februar 2026.</ref>. Historiker und Aktivisten hielten Reden, dazu kamen eine Proklamation durch den Bürgermeister Michael A. Nutter und eine Denkschrift durch den Stadtrat.<ref>City honors Washington's slave - and 'power of archaeology'. 16. Mai 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 16. Mai 2008; abgerufen am 23. Oktober 2023.</ref>

2025 ließ die Trump-Regierung die Gedenktafeln für die Sklaven 1789–1797 am Haus in Philadelphia entfernen. Eine Bundesrichterin ordnete 2026 die Wiederherstellung an.<ref>Trump administration ordered to restore George Washington slavery exhibit it removed in Philadelphia</ref><ref>George Washington und die junge Sklavin Ona Judge</ref>

Oney Judges Geschichte war Inspiration für zahlreiche Werke:

  • Ann Rinaldi, Taking Liberty 2002. Novelle
  • Emily Arnold McCully, The Escape of Oney Judge 2007 .Kinderbuch
  • Thomas Gibbons, A House with No Walls 2007. Drama.
  • Derek Waters, Drunk History Volume 3
  • Silent No Longer: The Story of Oney Judge (Video)

Literatur

  • Erica Armstrong Dunbar, Never caught: The Washingtons' relentless Pursuit of their runaway Slave, Ona Judge. New York, Simon & Schuster, 2017. ISBN 978-1-5011-2643-7.

Weblinks

Commons: Oney Judge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein